Dialog zweier natürlicher Intelligenzen (Dr. Gero Jenner und Prof. Katharina Zweig) mit zwei künstlichen (DeepSeek und ChatGPT)

Gero Jenner:

Wir werden gerade zu Zeugen, wie die Menschheit eine Art Rauschzustand durchlebt, weil die Künstliche Intelligenz ihr den endgültigen Triumph der Vernunft zu verheißen scheint. Was ein einzelner Mensch niemals wissen kann, weil sein Gedächtnis begrenzt ist und seine Denkvorgänge mehr oder weniger viel Zeit erfordern, das steht der Künstlichen Intelligenz in gewaltigen Speichern als gesamtes Menschheitswissen zur augenblicklichen Verfügung – und zwar in Lichtgeschwindigkeit. Im Prinzip verfügt heute jeder einzelne Mensch mit Hilfe der KI über alles Wissen von sämtlichen Menschen aus Gegenwart und Vergangenheit, vorausgesetzt dass dieses Wissen in Datenspeichern abgelegt worden ist.

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Eine Welt – Kein Turmbau zu Babel One World – Why the Race of Nations must come to an End

Die zwölf Hauptthesen des Buches

Ein universales Gewissen lässt sich von den Jägern und Sammlern bis in unsere Zeit nachweisen (S. 44, 68, 137). Es besteht darin, dass Frieden im menschlichen Zusammenleben immer als letztes und höchstes Ziel gesehen wurde.

Der Ursprung sozialen Friedens ist allerdings derselbe wie für den Krieg. Während die Etablierung verbindlicher Regeln Menschen berechenbar füreinander macht, bringt die Andersartigkeit dieser Regeln in jeder Kultur zwangsläufig gegenseitige Unberechenbarkeit hervor und führt zu Kriegen: es gibt eine Binnen(Bruder-) und eine Außen (Feindes-)Moral (S. 12, 27, 44). Die beiden Tendenzen – einerseits zu größeren Einheiten, andererseits zu separatistischer Trennung – sind zwar immer gleichzeitig vorhanden. In welthistorischer Perspektive wiegt aber die erste dermaßen vor, dass man von einem Quasigesetz reden darf. Erst der Abschluss dieser Entwicklung, die Vereinigung zu „Einer Welt“, vermag den zerstörerischen Gegensatz von Bruder- und Feindesmoral aufzuheben (S. 162).

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Der aufhaltsame Vormarsch der Demokratie

Auszug aus meinem noch in diesem Monat erscheinenden Buch »Eine Welt – kein Turmbau zu Babel“

Whereas democracies assume that everyone is fallible, in totalitarian regimes the fundamental assumption is that the ruling party or the supreme leader is always right. Harari

What defines a system as ‘democratic’ is only that its centre doesn’t have unlimited authority and that the system possesses robust mechanisms to correct the centre’s mistakes. Harari

Die Wissenschaften von der Natur sind prinzipiell allen Menschen zugänglich. Wissen wird nicht vererbt, es muss durch eigene Anstrengung erworben werden. Insofern war Wissenschaft und war die Aufklärung von Anfang an demokratisch. Dennoch geht die Demokratie als politische Regierungsform keinesfalls zwangsläufig aus den Forderungen der Aufklärung hervor. Sollen Wissen und Können an die Stelle von Privilegien treten, dann kann man sehr wohl der Meinung sein, dass die Staatsführung grundsätzlich in keine anderen Hände als die von ausgebildeten Experten gehört. Aufgrund dieser Voraussetzung ist es nicht verwunderlich, dass führende Köpfe der europäischen Aufklärung wie Montesquieu, Locke, Voltaire, Hume, Rousseau oder Kant sehr verschiedene Meinungen zu diesem Thema hatten. Zum Beispiel Rousseau: seine „Volonté générale“ war nie mehr als ein intellektuelles Konstrukt, in der Wirklichkeit nur anzutreffen, wenn Volksmassen durch Demagogen verhetzt worden sind. Und nicht zu vergessen: Mehr als zweitausend Jahre zuvor hatte kein Geringerer als Plato die Meinung vertreten, dass die Lenkung eines Staates nur in den Händen der Wissenden – der Philosophen – liegen dürfe. Dabei orientierte er sich bekanntlich an Sparta, einer Militärdiktatur.

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Die Wissenschaften (der Natur) sind nur wahr, wenn ihre Voraussetzungen falsch sind

Wissenschaft erfüllt einen existenziellen Zweck. Sie dient dazu, uns in der Welt zurechtzufinden, indem sie die Berechenbarkeit – das Regelmaß – in den uns umgebenden Geschehnissen erkennt. Das Bedürfnis nach solchem Regelmaß und solcher Berechenbarkeit beherrscht uns so sehr, dass wir es sogar frei erfinden, wenn wir es aus den Dingen selbst nicht ablesen können. Menschen früherer Zeiten glaubten, dass Geister und Götter Vulkane ausbrechen ließen, Dürren oder Krankheiten verursachten oder dass man sie durch Opfer und Gebete dazu bewegen konnte, solche Übel auch wieder abzuwenden. Das war erfundene Kausalität. Früher wusste man vergleichsweise wenig von den objektiv bestehenden Ordnungen der der Natur. Diese wurden gerade so weit durchschaut, wie das für das Überleben der Art unerlässlich war. Wie man Tiere erbeutet oder Pflanzen züchtet, bedurfte der sorgfältigen Erkenntnis bestehender Naturgesetze. Über dieses elementare Stadium ist die Menschheit erst seit der Industriellen Revolution, dann aber in stetig beschleunigtem Tempo hinausgelangt. Inzwischen ist Wissenschaft in der Lage, neue Lebewesen im Labor künstlich herzustellen und bestehende mit Hilfe genetischer Manipulation grundlegend zu verändern. Ausflüge des Menschen zu fernen Planeten, die vordem allenfalls in Märchen und Mythen beschworen wurden, gehören heute zu den realen Optionen.

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Nexus oder Harari, der Visionär

Welch eine Biografie! Die Spannweite dieses großen Denkers erstreckt sich von „Sapiens – a brief History of Mankind“ bis zu „Nexus – A Brief History of Information Networks from the Stone Age to AI“. Damit umfasst dieser Überblick nicht weniger als drei Jahrhunderte europäischer Geistesgeschichte. War das große Anfangswerk „Sapiens“ noch durchdrungen von jener Wissenschaftseuphorie, zumindest von jenem Erstaunen vor ihren demiurgischen Leistungen, wie wir sie schon von Francis Bacon im frühen 17. Jahrhundert kennen, so überrascht uns Nexus mit seiner radikalen Wissenschaftsskepsis.

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Alle gegen alle: der Cyberkrieg gegen Wahrheit und Vernunft

(Abschnitt aus meinem neuen, bisher unveröffentlichten Buch »Homo Faber – was uns Holodoxie über die Zukunft des Menschen sagt«)

Kaum ein denkender Mensch würde heute noch behaupten, dass der „Fortschritt“ der Waffentechnologie die Welt besser oder gar sicherer macht, doch genau diese Voraussage wurde im Hinblick auf das Internet und die sozialen Medien abgegeben. Die Vernetzung aller mit allen, die auf diese Weise ermöglicht wurde, erschien den Schöpfern dieser Technologie als ein Versprechen auf weltweite Verbreitung von Wahrheit und Wissen. Die Tatsache, dass nunmehr jeder einzelne seine Meinung äußern und dass diese im Prinzip von allen anderen Menschen auf dem Globus gehört werden kann, wurde als Verheißung einer neuen weltweiten Demokratie gepriesen.

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Was ist ein Jude? Meme gegen Gene

Bekanntlich beschäftigt sich die Anthropologie mit dem Menschen, aber den Menschen als Abstraktum gibt es nicht. Entweder steht er uns als einzigartiges Individuum gegenüber, eindeutig unterscheidbar von allen anderen Menschen, oder er ist Mitglied einer Gruppe, Ethnie, Nation (oder Rasse, wie man einmal sagte), die sich ihrerseits von allen anderen unterscheiden. Und zu alledem kommt noch der Unterschied der Perspektive hinzu, nämlich ob wir die Perspektive der Wissenschaft beziehen oder die des Glaubens.

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Der Zufall und der Liebe Gott

Anton Zeilinger gewidmet

1. Wenn einer der führenden Wissenschaftler unserer Zeit, der Quantenphysiker Anton Zeilinger, die Entdeckung des Zufalls als die bedeutendste Entdeckung des 20. Jahrhunderts feiert, dann sollte man aufhorchen.*1* Mit dieser Auffassung stellt er sich einer Tradition entgegen, die bis zu den Babyloniern zurückreicht Der Zufall und der Liebe Gott weiterlesen

Milliardäre und Bettler – Ist das gerecht?

These:

Menschen sind gleich, daher sollten sie auch gleiche Rechte genießen.

Antithese:

Jeder Mensch ist genetisch einzigartig und jeder besitzt bestimmte Fähigkeiten auf intellektuellem oder emotionalem Gebiet in höherem oder geringerem Maße als andere. Daraus ergeben sich zwangsläufig unterschiedliche Rechte.

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Spieglein, Spieglein an der Wand – Wer sind die Tüchtigsten im Land?

Die längste Zeit der Geschichte war diese Frage eher leicht zu beantworten. Das höchste Ansehen genossen Menschen, die den Sinn der Welt und des Lebens erklärten. Spieglein, Spieglein an der Wand – Wer sind die Tüchtigsten im Land? weiterlesen

(3) Die Schatten des Wunderbaren

Jede Zeit, jedes Volk lebt von Ideen, für die es sich begeistert, für die es sich zu leben lohnt. Unsere Epoche lebt seit etwa zweihundert Jahren von der Leitidee, dass der Mensch aus eigener intellektueller Kraft die Welt nicht nur vollständig zu erkennen sondern sie auch perfekt zu beherrschen vermag. (3) Die Schatten des Wunderbaren weiterlesen