Hitler privat – ein netter, ganz normaler Mensch?

Fachleute sind von einer eigenen Aura umgeben. Sie wissen fast alles über einen bestimmten Gegenstand, den sie in der Regel ein Leben lang studierten – das scheint sie unangreifbar zu machen. Warum neigt der Volksmund dann aber dazu, ihnen das tiefer gehende Wissen abzusprechen? Berufsblindheit führe nicht selten dazu, aus einem ausgewiesenen Mann des Faches einen Fachidioten zu machen! Hitler privat – ein netter, ganz normaler Mensch? weiterlesen

Max Weber – Jared Diamond – Joseph Henrich

Es gibt grundsätzliche Fragen, die sich jeder Mensch und wohl auch jedes Volk und Epoche stellen. Wer oder was bin ich? Worin besteht meine Eigenart? Warum und wie unterscheide ich mich von den anderen? Max Weber, Jared Diamond und Joseph Henrich haben diese Frage jeder auf seine eigene und doch auf ganz ähnliche Art gestellt. Weber in Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (1904), Diamond in Guns, Germs and Steel (1997) und Henrich in The WEIRDest People in the World (2019).

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Adam Tooze – Rückblick eines Kenners auf zehn Jahre Weltwirtschaftskrise

Vor kurzem (am 14. August) hatte ich das Glück, ein Interview mit dem britischen Historiker Adam Tooze im Österreichischen Rundfunk zu verfolgen. Ich war so beeindruckt, dass ich mir das Buch „Crashed. How a Decade of Financial Crises Changed the World“ (Allen Lane 2018) umgehend verschaffte – und so ist mit zwei Jahren Verspätung ein wichtiges Werk auch bei mir angekommen. Folgende Überlegungen sind aus der Lektüre hervorgegangen:

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„Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute“ – Bemerkungen über ein erstaunliches Buch von Daniela Dahn

Es gibt Bücher – und sie bilden leider die große Mehrheit -, die man überfliegt, weil sie nicht mehr als nur Fakten bieten, die wir zur Kenntnis nehmen. Es gibt andere, bei denen jeder Satz wichtig ist, weil er eine Einstellung bekundet, das Verhältnis eines Menschen zur Welt ausdrückt und damit auch vom Leser eine Stellungnahme verlangt. Eine solches Buch habe ich vor kurzem lesen dürfen, seine Autorin ist Daniela Dahn. Sie schreibt über das Unrecht, das der deutsche Westen den Bürgern des Ostens angetan hat, und sie fordert den Westen auf, über das eigene Versagen nachzudenken. Was mich an diesem Buch so erfreut – auch wenn seine Thesen alles andere als erfreulich sind -, ist seine Ehrlichkeit. In Zeiten der generellen Unehrlichkeit, wo Argumente als Waffen im Kampf der Parteiungen dienen, ist das eine erfrischende Wohltat. Lassen wir die Autorin selber zu Worte kommen.

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Jenner über Jenner: Abriss einer geistigen Biographie

Als Menschen werden wir von Gefühlen und von unserem Intellekt gesteuert – immer ist beides im Spiel, auch wenn es manchmal so scheint, als hätten wir es mit reinen Gefühlsmenschen oder reinen Intellektuellen zu tun. Ein Mathematiker etwa, dessen Formeln dem Durchschnittsmenschen so kalt, leblos und abweisend erscheinen wie eine Gefängnismauer, kann über die Schönheit, Eleganz und Einfachheit einer neuen Gleichung so in Ekstase geraten wie ein Musiker, wenn er Bach oder Mozart spielt. Hier gibt es kein Entweder-Oder, aber es gibt ganz sicher vorherrschende Neigungen.

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Vivat America! (Trotzdem)

Dieser Aufruf mag in vielen Ohren sehr merkwürdig klingen. Amerika? Ist das nicht das Land, wo ein populistischer Präsident die eigene Bevölkerung so spaltet wie keiner zuvor und sich alle erdenkliche Mühe gibt, selbst bisher befreundete Nationen gegen sich aufzubringen? Vivat America! (Trotzdem) weiterlesen

Hitler, Arendt, Hoffer. Oder: Das Genie als Prolet

(Auch erschienen in „Humane Wirtschaft“)

Er hätte ein typischer Vertreter des Proletariats sein können, denn er gelangte in seinem Leben nie über Gelegenheitsarbeiten als Erntehelfer und Hafenarbeiter hinaus und hatte in seiner Jugend nicht einmal die Schule besuchen können. Anders gesagt, hätte Eric Hoffer für Marx ein Paradebeispiel für den Typus Mensch abgeben müssen, dessen Klassenbewusstsein allein durch das Sein bestimmt wird. Hitler, Arendt, Hoffer. Oder: Das Genie als Prolet weiterlesen

Welcher Liga gehört Herr Christoph Steskal an? Betrachtungen über einen Lektor des Propyläenverlags

Einem Spitz verzeiht man, dass er hin und wieder die Statuen großer Männer anpinkelt, das liegt nun einmal in der Natur dieser Tiere, aber wenn er den Mond anbellt, dann begreift jeder, dass sich der Winzling an einem zu hohen Ziel vergreift. Hör auf, rufen wir dem kleinen Kerl zu. Der Mond geht dich nichts an. Das ist nicht deine Liga! Welcher Liga gehört Herr Christoph Steskal an? Betrachtungen über einen Lektor des Propyläenverlags weiterlesen

Ishiguro – Kehlmann – Houellebecq. Ein europäisches Dreigestirn

Von Schriftstellern heißt es, sie seien das Gewissen ihrer Zeit, die feinsten Seismographen für die tektonischen Verschiebungen der Seele. Die drei genannten zählen zu den größten in den drei Sprachräumen, denen sie angehören: dem englischen, dem deutschen und dem französischen. Welche Schlüsse sind aus ihren Werken auf unsere Zeit, auf den Seelenzustand Europas zu ziehen? Ishiguro – Kehlmann – Houellebecq. Ein europäisches Dreigestirn weiterlesen

Huxleys Schöne Neue Welt

Noch während der Abfassung seines Meisterwerks schien Huxley selbst im Zweifel gewesen zu sein, wie man es zu verstehen habe. Soll man darin eine Satire sehen, eine Prophezeiung oder gar eine Anleitung für politisches Handeln? Huxleys Schöne Neue Welt weiterlesen