Adam Tooze – Rückblick eines Kenners auf zehn Jahre Weltwirtschaftskrise

Vor kurzem (am 14. August) hatte ich das Glück, ein Interview mit dem britischen Historiker Adam Tooze im Österreichischen Rundfunk zu verfolgen. Ich war so beeindruckt, dass ich mir das Buch „Crashed. How a Decade of Financial Crises Changed the World“ (Allen Lane 2018) umgehend verschaffte – und so ist mit zwei Jahren Verspätung ein wichtiges Werk auch bei mir angekommen. Folgende Überlegungen sind aus der Lektüre hervorgegangen:

Wenn ein Autor großes Detailwissen mit der Fähigkeit verbindet, Dinge in ihrem Zusammenhang und ihrer gegenseitigen Abhängigkeit zu sehen, dann beschert er dem Leser Aha-Erlebnisse. Das ist in dem Buch „Crashed“ von der ersten bis zur letzten Seite der Fall. Freilich ist Geschichtswissenschaft ohne einen wertenden Standpunkt des Autors nicht denkbar. Über ein Uhrwerk, eine chemische Verbindung oder ein Virus kann die Wissenschaft wertfrei reden, aber nicht über die Weltwirtschaft. Deswegen sollte man gleich zu Anfang bemerken, welche Position der Historiker in diesem Buch bezieht.

Tooze macht kein Geheimnis daraus, dass er sich dem linken Lager der amerikanischen Politik verbunden fühlt. Der Leser wird daher mit dem ganzen Ausmaß der ökonomischen und sozialen Zerstörungen konfrontiert, welche die Krise von 2008 und die darauffolgende Eurokrise bewirkten. Hier wird nichts beschönigt; diese beiden Krisen, so Tooze, hätten noch größere Verheerungen angerichtet als die Große Depression von 1929.*1* Das gilt für die USA, *2* aber mehr noch für die übrige Welt, vor allem das südliche Europa.*3*

Ausgegangen war die Subprime-Krise von den Vereinigten Staaten, und zwar speziell von den führenden amerikanischen Finanzinstituten, welche die Gier wohlhabender Anleger durch offenkundigen Betrug sowohl in den USA wie in Europa bedienten.*4* Von den großen Rating-Agenturen wurde der Betrug durch falsche Bewertung zusätzlich tatkräftig unterstützt.*5*

Soweit sind die Ausführungen des britischen Historikers nicht neu, interessant wird es, wenn Tooze den Mechanismus der Krise analysiert, nämlich die Kreditschöpfung einer Handvoll großer Investmentbanken.*6* Diese Institutionen seien, so der Historiker, keineswegs auf das Geld der Sparer angewiesen. Wie Notenbanken es bei der staatlichen Geldschöpfung immer schon tun, können sie Geld und Kredit gegen reale Werte erzeugen (wobei in diesem Fall Immobilien eine besondere Rolle spielten)*7*. Eine Krise bricht dann allerdings in dem Augenblick aus, da dem geschöpften Geld entweder keine Sachwerte entsprechen (dann kommt es ohne eine „Sterilisierung“ des Überschusses zu Inflation) – oder wenn umgekehrt die bestehenden Sachwerte in Zweifel geraten (das war beim Kollaps der Subprime-Immobilien der Fall).*8* Bei dieser neuen und modernen Art von Finanzkrise konnte es daher keinen Run auf die Banken geben, stattdessen kam es zu einem Einfrieren des Innerbankenverkehrs. Keine Bank konnte mehr sicher sein, dass die Wertpapiere der anderen tatsächlich noch einen Wert besaßen. Diese Erkenntnisse sind wichtig, weil sie besagen, dass die Schöpfung von Geld und Kredit – gleichgültig ob durch die Notenbanken oder von privaten Großbanken vorgenommen – diese niemals aus dem Nichts erzeugt, sondern in Entsprechung zu materiellen Werten. In dem Augenblick, wo das Vertrauen in diese Werte verlorengeht (wie bei den Subprime Immobilien der Fall), gerät das moderne Bankensystem ebenso aus den Fugen wie das klassische durch den Run der Sparer auf ihre Hausbanken. Nachdem die Subprime-Titel allen Wert eingebüßt hatten, blieben amerikanische Staatspapiere der letzte bis heute unangefochtene Anker der Stabilität.*9*

Eine überzeugende Hauptthese von Adam Tooze besagt, dass wir die Eurokrise als bloße Fortsetzung der Krise von 2008 verstehen müssen, welche ihrerseits durch neoliberale Deregulierung zustande kam.*10* An diesem Punkt tritt der britische Historiker als scharfer Kritiker in Erscheinung. Während die Amerikaner die richtigen Maßnahmen getroffen hätten, um das amerikanische Bankensystem überraschend schnell wieder funktionsfähig zu machen,*11* sei das den Europäern zunächst keineswegs gelungen.*12* Erst als die EZB unter Mario Draghi die amerikanische Medizin übernommen habe, sei die Gefahr einer Auflösung der Eurozone schließlich abgewehrt worden.*13* Prof. Tooze ist ein Kenner Europas und besonders Deutschlands, wo er eine Zeitlang studierte. Wenn er den Deutschen Provinzialismus, Unbelehrbarkeit und ein hegemoniales Auftreten gegenüber dem Rest Europas vorwirft,*14* dann ist das sehr ernst zu nehmen.

An diesem Punkt fühle ich mich berechtigt, der Darstellung des Experten zwar nicht zu widersprechen – keiner weiß so gut um die Fakten Bescheid wie er – aber doch eine andere Wertung vorzunehmen, die sich mit den Fakten gleich gut verträgt. Tooze singt ein Hohes Lied auf die Expertise der amerikanischen Finanz- und Politelite (die beiden Großparteien angehört und wie durch eine Drehtür vom privaten in den öffentlichen Bereich und umgekehrt wechselt)*15*. Aber es war diese Elite, so möchte ich doch betonen, welche die Welt zweimal in den Abgrund führte. Es war ihre Rücksichtslosigkeit und Gier, welche die Krise von 1929 ermöglichte und dadurch – wie ein anderer eminenter Historiker, Eric Hobsbawm, ausdrücklich betont – die wichtigste Ursache für den Aufstieg Hitlers und für den Ausbruch des zweiten Weltkriegs schuf.*16* Und es war, woran Tooze keinen Zweifel lässt, die Gier dieser Elite, welche die Krise von 2008 sowohl in den USA wie in Europa ermöglichte.*17*

Daher muss man es überraschend finden, wie sehr der britische Historiker die Leistung derselben Elite, welche das Unglück zu verantworten hat, bei dessen Bewältigung rühmt und dieser Leistung die Unfähigkeit der Europäer gegenüberstellt.*18* Ich denke, dass man Franklin D. Roosevelt mit Recht dafür loben kann, dass er mit dem berühmten New Deal den Kampf gegen das Monopol und die wachsende Ungleichheit begonnen hatte.*19* Aber was tat die amerikanische finanziell-politische Expertenelite, als sie die Krise von 2008 niederschlug? Sie hatte die bestehenden Mono- und Oligopole und die wachsende Ungleichheit zunächst einmal geschaffen*20*, aber diese bei der Bewältigung der Krise nicht etwa vermindert, sondern im Gegenteil noch vermehrt. Mit anderen Worten, hat sie die Symptome der Krise beseitigt aber keineswegs deren Ursachen. Gewiss, die Finanzjongleure, welche für die Krise verantwortlich waren, haben erfolgreich dafür gesorgt, dass es nicht zu einem Zusammenbruch kam oder gar – wie in den dreißiger Jahren – zur Machtergreifung eines Diktators und zu einem Krieg. Das ist eine gewaltige Leistung – die Wirtschaftswissenschaft hat aus der letzten Krise gelernt. Der Kardinalfehler einer deflationären Politik wurde vermieden. Aber die nächste große Krise kann sich jederzeit ereignen, weil nur die Symptome beseitigt wurden. Sollte man nicht der Meinung sein, dass es die Aufgabe einer Elite sei, die Ursachen zu derartigen Krisen – Oligopole und wachsende Ungleichheit – gar nicht erst entstehen zu lassen? Ist es wirklich ein Fortschritt, wenn die Brandstifter zu Feuerwehrleuten werden?*21*

Zumindest hätte man doch erwarten dürfen, dass die für die Krise verantwortliche US-amerikanische Elite die eigenen Fehler eingesteht. Doch das ist bis heute nicht der Fall. Deswegen ist auch Trump, der Schreckliche, bis zu einem gewissen Grade im Recht, wenn er am selben Tag, als Biden mit seiner Antrittsrede als Kandidat glanzvoll in Erscheinung trat, den Geburtsort Joe Bidens in Pennsylvania für eine Rede wählte, um dort mit dämonischer Hellsicht den schwachen Punkt seiner Gegner freizulegen. „Biden verspricht euch, in jeder Stunde seiner Amtszeit als Präsident für das Wohl der Amerikaner zu wirken. Was hat er denn während des vergangenen halben Jahrhunderts getan, als bei euch in Pennsylvanien die Arbeitsplätze nach Asien verlegt worden sind?“

Solange eine Elite ihre Fehler nicht eingesteht, gewinnt sie ihre Glaubwürdigkeit nicht zurück. Das gilt, wie ich meine, auch für einen ihrer hervorragenden Vertreter, den Wirtschaftswissenschaftler und ehemaligen Arbeitsminister unter Clinton, Robert Reich, der in seinem Buch „The Work of Nations“ die „wissenschaftliche“ Rechtfertigung für die Auslagerung amerikanischer Industrien lieferte, aber inzwischen zu einem Kritiker von Ungleichheit und Monopolen wurde *22* – ohne allerdings seinen Anteil an dieser Entwicklung zuzugeben. Reich wollte die Amerikaner zu „Symbolanalytikern“ machen. Das ist ihm auch gelungen – der gesamte Finanzsektor, wo das große Geld gemacht wird, ist von ihnen bevölkert, aber der Durchschnittsamerikaner hat seine einst gut bezahlte Arbeit an die Chinesen verloren.

Tooze ist fasziniert vom hohen technischen Können der US-Finanzexperten und er belächelt die provinzielle Sturheit der Deutschen, die sich noch einbildeten, die Amerikaner belehren zu müssen, obwohl sie doch – zumal im Umgang mit Griechenland – so ziemlich alles falsch gemacht hätten.*23* Jedem hätte von Anfang an klar sein müssen, dass Griechenland seine Schulden nicht bedienen konnte und daher ein teilweiser oder auch ganzer Schuldenerlass (restructuring, haircut zu Lasten der privaten Gläubiger), wie ihn der IWF ja schließlich auch forderte, von vornherein die einzig richtige Lösung gewesen wäre. Stattdessen hätten Schäuble und Merkel pedantisch auf einer Rückzahlung der Schulden beharrt, nur dann seien Hilfsgelder zu rechtfertigen. Das sei aber von Anfang an absurd gewesen, da die Milliarden an Hilfsgeldern vonseiten des IWF und der Eurogruppe nicht den Griechen zugutekamen sondern nahezu ausschließlich an die Gläubigerbanken in Deutschland und Frankreich weitergereicht worden seien. Die Menschen in Griechenland wurden einer Tortur ausgesetzt, um ein warnendes Exempel für alle anderen potenziellen Austrittkandidaten zu statuieren: „Seht mal, das ist der Preis, den jeder zu zahlen hat, der die Spielregeln der Eurozone verletzt!“

Die monumentale Arbeit von Adam Tooze belegt, wie eng die finanzielle und ökonomische Verflechtung der Leitwährungs-Weltmacht USA mit dem Rest der Welt bereits gediehen ist.*24* Konkret hat dies zur Folge, dass Krisenerschütterungen der führenden Weltmacht (und zwar jeder führenden Macht, nicht nur der USA – so möchte ich ergänzen), zwangsläufig auf den Rest der Welt übergreifen. Als amerikanische Wertpapiere (die Subprime-Obligationen) ins Wanken gerieten, fror der Interbankenverkehr in Europa ein. Anschließend war es dann aber auch die FED als „lender of last resort“, welche allein fähig war, durch Drucken von Dollars dieser Versteinerung ein Ende zu bereiten. Wer sich abhängig macht, der liefert sich, ob er will oder nicht, eben auch den Spielregeln des Zentrums aus. Das hat Tooze für die Abhängigkeit der Welt von Amerika und der Dollarleitwährung einleuchtend demonstriert. Diese Abhängigkeit gilt aber – das halte ich für ebenso zwangsläufig – ganz genauso für das Verhältnis der Eurozone (und in einem geringeren Maße ganz Europas) zu der in dieser Region führenden Wirtschaftsmacht Deutschland – ganz gleich ob Deutschland das so beabsichtigt oder nicht.

Die Frage von Tooze, ob Merkel und Schäuble damals richtig gehandelt haben, als sie Griechenland einer so mörderischen Tortur aussetzten, bleibt dennoch im Raum. Ein Schuldenerlass, also ein offizieller Staatsbankrott, wie ihn, wenn ich mich recht erinnere, Hans-Werner Sinn frühzeitig forderte, hätte vermutlich sehr viel weniger Opfer gekostet. Griechenland hätte sich aus der Eurozone befristet verabschieden müssen, seine Kreditwürdigkeit wäre auf mindestens ein Jahrzehnt erschüttert – das wäre für alle übrigen Euroskeptiker ausreichend abschreckend gewesen. Bei der Bewältigung der Krise wäre es dann aber auf die eigene Kraft angewiesen. Die Griechen hätten einsehen müssen, dass ihr Unglück allein von ihnen selbst verursacht war. Es hätte für sie keinen Grund gegeben, andere dafür verantwortlich zu machen. Jedenfalls hätte diese Alternative den Vorteil gehabt, ihnen die zusätzliche Demütigung der von der Troika aus IWF, EZB und Kommission aufgezwungenen Tortur zu ersparen. Ich meine sogar, dass in diesem Fall dem Rest Europas, in erster Linie also Deutschland, eine viel bessere Rolle zugefallen wäre, denn sie hätten den Griechen nun freiwillig ein gewisses Maß an Hilfe zukommen lassen können. Da Griechenland seine Schulden ohnehin nicht bezahlen konnte und niemals bezahlen wird (wie der IWF frühzeitig erkannte), wäre eine Restrukturierung der Schulden oder ein vollständiger Schuldenerlass, sprich ein Staatsbankrott, die ehrlichere und wahrscheinlich auch eine sehr viel bessere Lösung gewesen, denn Griechenlands Wirtschaft war zu klein, um ganz Europa in den Sog zu reißen.

Adam Tooze spricht in seiner Analyse des Jahrzehnts zwischen 2008 und 2018 ausschließlich über akute Krisen – nicht über jene, die schon seit mindestens einem halben Jahrhundert im Untergrund schwelen. Deswegen sucht man in seiner 700 Seiten umfassenden Monografie vergebens nach Vokabeln wie „Ökologie“ oder „ökologische Nachhaltigkeit“, obwohl das Bewusstsein von einer bevorstehenden Umweltkrise von den Vereinigten Staaten ausgegangen und es ein amerikanischer Präsident – Jimmy Carter – gewesen war, der die große Umweltstudie „Global 2000“ in Auftrag gegeben hatte. Überdies war es Vizepräsident Al Gore, der in der Zerstörung der Umwelt die größte und folgenreichste Herausforderung unserer Zeit erblickte, und es war Präsident Obama, der ihm darin folgte. Warum finden wir in dem sonst so umfassenden Buch von Adam Tooze nur fünf beiläufige Hinweise auf die Klimakrise? Leider erweist sich Tooze damit als Realist, der die globale politisch-ökonomische Realität getreu widerspiegelt. Während der Weltfinanzkrise von 2008 sowie der bald darauffolgenden Eurokrise wurde die Umwelt schlicht vergessen – und dasselbe gilt heute für unsere Reaktion auf Covid-19. Man dachte und denkt ausschließlich daran, den ins Stottern geratenen fossilen Wohlstandsmotor wieder zum Laufen zu bringen – möglichst genauso schnell oder noch schneller als vorher. Auf diese, nach allem, was wir wissen, größten Krise der kommenden Zeit sind die Eliten keineswegs vorbereitet. Ihre Devise lautet: Alles so weiter wie bisher (einschließlich wachsender Ungleichheit und Umweltzerstörung)! Ich nehme an, dass Prof. Adam Tooze diese Wahrheit, ohne zu Zögern, zugeben würde.

Alle Zitate sind der ebook-Version von „Crashed“ mit Angabe der Position entnommen:

*1* On a global level, industrial output, stock markets and trade were all falling at least as fast in 2008-2009 as they had in 1929 (3456).

*2*  Across the country, class, not race, was the most important determinant of an American’s life chances, and the big story of his second term as president was rural white working-class despair. It was Appalachia—West Virginia and Kentucky—held back by structural change, educational failure and immobility, that lurched into the headlines (9176). Among white Americans, deaths from /drug/ overdose increased by 297 percent between 2010 and 2014 alone. Unlike in any other developed society, life expectancy among working-class white Americans had been decreasing since the early 2000s. In modern history the only obvious parallel was with Russia in the desperate aftermath of the fall of the Soviet Union (9181)…by 2013 the population of the urban core of Detroit had shrunk to 688,000, of whom 550,000 were African American. They were left behind in a city that was literally falling into ruin, burdened with debts running into the tens of billions of dollars (9067). As the crisis cut a swath across America, 65,000 homes in Detroit were foreclosed. Of those, 36,400 were considered of so little value that they were simply abandoned, joining a total stock of 140,000 blighted properties (9075). While the banks and lenders were bailed out, 9.3 million American families lost their homes to foreclosure, surrendered their home to a lender or were forced to resort to a distress sale (5938). As 2010 began, 3.7 million families were more than ninety days past due on their mortgage payments. Millions more were struggling to make ends meet, one or two months behind on their payments. Over the next twelve months 1.178 million homes would slide into foreclosure, the worst year of the crisis… The contrast in fortunes between Wall Street and Main Street was increasingly intolerable. The big banks had been bailed out. Some of the most unscrupulous bosses might face legal action, but they were not facing personal ruin. They retired to lifestyles of wealth and comfort.46 None had gone to jail… The bonus season in 2009 was better than ever, netting $145 billion for the executives at the top (6385). As 2010 began, 3.7 million families were more than ninety days past due on their mortgage payments. Millions more were struggling to make ends meet, one or two months behind on their payments. Over the next twelve months 1.178 million homes would slide into foreclosure, the worst year of the crisis… The contrast in fortunes between Wall Street and Main Street was increasingly intolerable. The big banks had been bailed out. Some of the most unscrupulous bosses might face legal action, but they were not facing personal ruin. They retired to lifestyles of wealth and comfort.46 None had gone to jail… The bonus season in 2009 was better than ever, netting $145 billion for the executives at the top (6385). The financial crisis of 2008 had revealed how in extremis national economic policy was subordinated to the needs of a cluster of giant transnational banks. Now, in the face of a dismal recovery, the correspondence between economic growth and the progress of a national society was being challenged from the bottom up. Could the national economy any longer be plausibly presented as a project common to all Americans? (9158). Obama insisted, there must be no more evasion, “this increasing inequality is most pronounced in our country …. [S]tatistics show … that our levels of income inequality rank near countries like Jamaica and Argentina” (9170).

*3*  Greece, Portugal, Ireland and Spain were driven into depressions the likes of which had not been seen since the 1930s (6608). In 2008 Greek unemployment had been 8 percent. Four years later it was rising inexorably toward 25 percent. Half of young Greeks were without jobs. In a nation of ten million, a quarter of a million people were fed daily at church-run food banks and soup kitchens (8717). As the housing market collapsed, Spain’s unemployment rate shot up. Of the 6.6 million increase in unemployment in the eurozone between 2007 and 2012, 3.9 million was accounted for by Spain—60 percent of that grim total. As bad as Greece’s situation was, it was small by comparison and accounted for only 12 percent of the increase in eurozone unemployment. Most catastrophic of all was Spain’s youth unemployment rate, which by the summer of 2012 had surged to 55 percent (8769).

*4*  The crisis… was… fully native to Western capitalism /genauer den USA/- a meltdown on Wall Street driven by toxic securitized subprime mortgages that threatened to take Europe down with it (Tooze 2018, 975). The competitive race for profit and market share among the banks… unleashed a regulatory race to the bottom (1821). The idea that social Europe” had deviated in any essential way from the logic of turbocharged financial capitalism” as exemplified by America was an illusion. In fact, Europe’s financial capitalism was even more spectacularly overgrown and it owed a large part of its growth to its deep entanglement in the American boom (2666). …every member of the eurozone was at least three times more overbanked” than the United States (2559).

*5*  … S&P had delivered just one more demonstration of how broken the ratings agencies were. It was their AAA certifications, handed out to hundreds of billions of subprime MBS /mortgage-backed securities/, that had helped to precipitate the crisis in 2008. It was their serial downgrades that were setting the pace of the crisis in the eurozone (8003). The regulators were utterly subservient to the logic of the businesses they were supposed to be regulating (1861). 

*6*  The overwhelming majority of private credit creation is done by a tight-knit corporate oligarchy… At a global level twenty to thirty banks matter. Allowing for nationally significant banks, the number worldwide is perhaps a hundred big financial firms (500).

*7*  Investment banks don’t have deposits. They borrow the money they lend on wholesale markets from other banks or institutional funds (1165). In modern finance, credit is not a fixed sum constrained by the ‚fundamentals‘ of the ‚real economy‘. It is an elastic quantity, which in an asset price boom can easily become self-expanding on a transnational scale (2436). Real estate is not only the largest single form of wealth, it is also the most important form of collateral for borrowing (998). Almost all human history can be written as the search for and the production of different forms of safe assets (1261). Without valuation the assets could not be used as collateral. Without collateral there was no funding. And if there was no funding all the banks were in trouble, no matter how large their exposure to real estate. In a general liquidity freeze, the equivalent of a giant bank run, no bank was safe (3150).

*8*  By the magic of independent probabilities, the worse the quality of the debt that entered into the tranching and pooling process, the more dramatic the effect. Substantial portions of undocumented, low-rated, high-yield debt emerged as AAA. In any boom, irresponsible, near criminal or outright fraudulent behavior is to be expected (1413). It was a bank run without deposit withdrawals. There had been no deposits. There was nothing to withdraw. For banks to find themselves a trillion dollars short, all that needed to happen was for major providers of funding to withdraw from the money markets (3190).

*9*  On a global scale over the next five years, the United States would be the only source of safe, Treasury-grade assets for investors worldwide. Whatever you might think of the Trump administration, if you needed to park a large volume of funds in safe government debt, there was no alternative to US Treasurys (11511). A huge class of AAA-rated private label securities had shown itself to be far from safe, so the demand for Treasurys was huge (6018).

*10*  It wasn’t the sovereign debt crisis of 2010 that halted Europe’s growth, it was the transatlantic banking crisis of 2008 (3351). America’s securitized mortgage system had been designed from the outset to suck foreign capital into US financial markets and foreign banks had not been slow to see the opportunity (1583). …foreigners owned a large portion of America’s houses. By 2008 roughly a quarter of all securitized mortgages were held by foreign investors (1586). …by far the largest purchasers of US assets, by far the largest foreign lenders to the United States prior to the crisis, were not Asian but European (1673). By the early 1980s both Britain and the United States had abolished all restrictions on capital movements and this was followed in October 1986 by Thatcher’s Big Bang” deregulation (1743). …the competitive race for profit and market share among the banks in turn unleashed a regulatory race to the bottom (1821).

*11*  Never before outside wartime had states intervened on such a scale and with such speed. It was a devastating blow to the complacent belief in the great moderation, a shocking overturning of prevailing laissez-faire ideology (3529).

*12*  In the United States and the UK the central banks were pushing liquidity into the banking system. By contrast, in the eurozone, it was the balance sheets of the banks that absorbed the sovereign debt (6037). … the failure to build new capital would leave the European banks in no position to absorb any further shocks. While the United States began to stabilize, in Europe the banking crisis of 2008 would merge a year later with a new crisis: a panic in the eurozone public debt market. The connecting thread between the crisis of subprime and the crisis of the eurozone was the fragility of Europe’s bank balance sheets (6573). As the Financial Times put it, the failure of the eurozone to restore stability on its own terms meant that by April 2010, the ‚rescue‘ of the euro, ‚the ultimate expression of European integration‘, depended on outsiders in international institutions and the US administration” (7037). Whereas tiny Latvia had needed only a few billion euros, now the IMF pledged 250 billion. It was by far the largest commitment the IMF had ever made to any program. The $1 trillion pledged to the IMF at the London G20 that was supposed to mark the advent of a new age of global firefighting would be deployed to rescue Europe (7115)

*13*  In retrospect, Draghi’s whatever it takes” speech has come to be seen as the turning point of the eurozone crisis. In the aftermath, markets immediately calmed (8910). ‚Whatever it takes‘ was, in fact, a form of surrender. The eurozone was finally giving in to what Anglophone economic commentators had been calling for all along. If only the ECB had moved to the Fed model earlier, as Obama had spelled out at Cannes, the worst of the eurozone crisis might have been avoided. What Draghi now promised was what Geithner, Bernanke and Obama had been preaching to the Europeans since 2010: Do it our way.”… The eurozone was saved by its belated Americanization (8989). Though the ECB did not purchase newly issued government debt, what it did do was to repo sovereign euro bonds.27 As the eurozone deficits ballooned, the ECB operated what was known informally as the “grand bargain.”28 It supplied hundreds of billions of euros in cheap liquidity to Europe’s banks in the form of the socalled Long-Term Refinancing Operation initiated in May 2009.29 The banks then bought sovereign bonds“ (6028).

*14*  In the spring of 2009 France and Germany had lectured the UK and the United States about financial stability. A year later they were reduced to calling on the IMF to help not just Greece but the eurozone as a whole (6611). In the space of barely three weeks, the German chancellor managed to tell the press that politicians should be responsible to markets and to tell the pope that politicians should make policy for the people” regardless of those markets (8064).

*15*  The revolving door that feeds government in America regularly rotates between public service and the corporate world (11398). Both the number one and number two positions at the Treasury were to be filled by men—Steve Mnuchin and Jim Donovan—with Goldman Sachs pedigree. Dina Powell, who moved to the influential assistant position at the White House, had formerly headed the bank’s philanthropic efforts. National Economic Council director Gary Cohn was formerly Goldman’s president.

*16* But for it /the Great Slump / there would certainly have been no Hitler“… „Would fascism have become very significant in world history but for the Great Slump? Probably not. Italy alone was not a promising base from which to shake the world…. It was patently the Great Slump which turned Hitler from a phenomenon of the political fringe into the potential, and eventually the actual, master of the country (Hobsbawm (1996), p. 86, 130).

*17*  Political choice, ideology and agency are everywhere across this narrative with highly consequential results, not merely as disturbing factors but as vital reactions to the huge volatility and contingency generated by the malfunctioning of the giant systems” and machines” and apparatuses of financial engineering (11989). The idea that ’social Europe‘ had deviated in any essential way from the logic of turbocharged ‚financial capitalism‘ as exemplified by America was an illusion. In fact, Europe’s financial capitalism was even more spectacularly overgrown and it owed a large part of its growth to its deep entanglement in the American boom (2666).

*18*  In the spring of 2010, Schäuble’s scheme was shot down, by friendly fire. Chancellor Merkel was no European federalist. She had no desire to reopen the terms of the Lisbon Treaty for which she had fought so hard and which was only just coming into operation (6923). She /Merkel/ was not about to endow Brussels with its own monetary fund. She was far too skeptical of Europe’s capacity for self-discipline (6925). A committee of the EU, the ECB and the IMF would make up the soon to be infamous “troika,” dictating policy to Greece and the other “program countries.” What was ruled out was restructuring. On that Washington sided with the French and the ECB. Existing Greek debt would be paid off with new loans from the troika, whether or not the result was sustainable (6997).

*19* Throughout the Nation, opportunity was limited by monopoly… For too many of us the political equality we once had won was meaningless in the face of economic inequality… A small group had concentrated into their own hands an almost complete control over other people’s property, other people’s money, other people’s labor – other people’s lives. For too many of us life was no longer free, liberty no longer real… Franklin D. Roosevelt 1932

*20*  Globalization had pushed top incomes up and lower incomes down. Since the 1990s, the impact of these factors had only increased. Imports of cheap manufacturers opened up by NAFTA and Chinese accession to the WTO benefited consumers, but depressed wages and robbed blue-collar Americans of secure manufacturing jobs and the health and retirement benefits that went with them. By 2013, experts close to the American labor movement estimated that the trade deficit with China had cost 3.2 million jobs and the competition of low-wage foreign labor had depressed the wages of the 100 million American workers without college education by $180 billion (9187). Between 1977 and 2014 the share of national income going to the top 1 percent before taxes and benefits had risen by 88.8 percent. After fiscal redistribution their share increased by 81.4 percent. Nor did the tax and welfare state prevent the share of the bottom 50 percent from declining from 25.6 to 19.4 percent (9202).

*21* Die Brandstifter von Goldman Sachs: On April 16, 2010, the SEC announced that it would be bringing charges against Goldman Sachs for misleading the investors to whom it had sold inferior quality mortgage-backed securities (6402). The revolving door that feeds government in America regularly rotates between public service and the corporate world (11398). Die Feuerwehrleute von Goldman Sachs: In his early days as Treasury secretary, Geithner was quite commonly described as being formerly of Goldman Sachs (6216). In 1993 /Robert/ Rubin had moved from his position at the top of Wall Street, as cochairman at Goldman Sachs, to serve as the first head of the National Economic Council, which Bill Clinton had called into existence as a counterpart to the National Security Council. Two years later Rubin was appointed Treasury secretary (690). Hank Paulson, like Rubin, moved to the Treasury from the CEO job at Goldman Sachs. (948) It was surely more than coincidence that MontiDraghi and Otmar Issing, Merkel’s favorite economic adviser, had all worked for Goldman. (8401) It was Draghi—an American-trained economist; a Goldman Sachs associate; a paid-up member of the global financial community; a “friend of Ben” /Bernanke/; an internationalized, urbane Italian, not a provincial German—who delivered this conclusion to the agonizing story of the eurozone crisis (8992). Both the number one and number two positions at the Treasury were to be filled by men—Steve Mnuchin and Jim Donovan—with Goldman Sachs pedigree. Dina Powell, who moved to the influential assistant position at the White House, had formerly headed the bank’s philanthropic efforts. National Economic Council director Gary Cohn was formerly Goldman’s president (11382).

Schon Harald Schumann hatte vom „Plutokratenfilz“ gesprochen (Global Countdown, 2008, S. 121).

*22*  What Reich now recognized was that much of this was “insufficient,” if not “beside the point,” because it overlooked a “critically important phenomenon: the increasing concentration of political power in a corporate and financial elite that has been able to influence the rules by which the economy runs …. The problem is not the size of government but whom the government is for” (9236)

*23*  If there was any justification for the protracted torture of Greece, it was the fear that an immediate debt restructuring would unleash contagion to other sovereign debtors across the eurozone and destabilize Europe’s banks, thus causing a far wider crisis (7372). Restructuring would have had immediate and devastating implications for the Greek banking system, not to mention broader spillover effects.” This was what was ultimately decisive (7159). …restructuring was an unpopular option with the creditors. As recently as 2007 Greece’s bonds had traded at virtually the same yield as Germany’s. They were widely held. At the end of 2009, of Greece’s 293 billion euros in public debt outstanding, 206 billion were foreign owned, 90 billion were held by European banks and roughly the same amount by pension and insurance funds (6644).

*24*  What drives global trade are not the relationships between national economies but multinational corporations coordinating far-flung value chains (424). … the world economy is not run by medium-sized “Mittelstand” entrepreneurs but by a few thousand massive corporations, with interlocking shareholdings controlled by a tiny group of asset managers (562). In 2008 that flow of dollars grew to such proportions that it rendered any effort to write a separate history of the American and European crises anachronistic and profoundly misleading“ (4333). Obama was left to remark: “We now live in a global economy where everything is interconnected, and that means that when you have problems in Europe and in Spain and in Italy and in Greece, those problems wash over into our shores” (8016). Greenspan declared, because “(we) are fortunate that, thanks to globalization, policy decisions in the US have been largely replaced by global market forces. National security aside, it hardly makes any difference who will be the next president. The world is governed by market forces.”… As Fed chair he had made the markets into the ultimate arbiter of American economic policy“ (11293).

Ich möchte hinzufügen, dass das Buch auch reich an Information über Asien und Russland ist, die ich in dieser knappen Besprechung nicht berücksichtigen konnte.

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Die USA haben den Vertrag mit Iran mutwillig nur deshalb außer Kraft gesetzt, weil der neue Präsident Trump alles rückgängig machen wollte, was der alte Präsident Obama ihm als Erbe hinterlassen hatte. Erzwungener Verrat – die Illusion von europäischer Macht und Größe weiterlesen

Krugman, Trump und die Geopolitik

In einem am 5. September in der New York Times erschienenen Artikel (Trumpism Is Bad for Business) hat Paul Krugman die gegen China verhängten Wirtschaftssanktionen scharf kritisiert. Nicht nur kämen sie die Konsumenten seines Landes teuer zu stehen, weil ja sie es seien, welche die Quittung für die hohen Zölle zu zahlen hätten, auch die amerikanische Agrarindustrie würde bitter leiden, da China seinerseits amerikanische Einfuhren mit hohen Abgaben bestraft. Man könne die „supply chain“, also die internationale Verflechtung der Produktion, nicht durch Zölle beschädigen, ohne dass alle Beteiligten schwer darunter zu leiden hätten. Das Ergebnis sei schon jetzt klar zu erkennen: Trump mache Amerika nicht „great“, sondern das genaue Gegenteil sei zu befürchten. Krugman, Trump und die Geopolitik weiterlesen

„Freiheit, die wir meinen“

Der harte Widerspruch, der die Politik des 21. Jahrhunderts beherrschen wird – und der in der Tat jetzt schon kennzeichnend für sie ist – liegt in der Gegenläufigkeit zweier gleich notwendiger, gleich unverzichtbarer Tendenzen. Auf der einen Seite verlangt die Globalisierung der Chancen und Risiken von sämtlichen Staaten, auf einen Teil ihrer Souveränität zu verzichten. Die drohenden Gefahren von Klimawandel, Ressourcenverschleiß und nuklearer Bedrohung sind nur noch durch eine Weltregierung zu bannen, welche dem Wettlauf der Menschheit gegen sich selbst ein Ende setzt. Solange in einer multipolaren Welt jeder Staat einen Vorteil darin erblickt, dem Gemeinwohl aller anderen zu schaden, weil er aus solchem Verhalten für sich selbst einen deutlichen Nutzen zieht, wird die Menschheit dem Abgrund mit jedem Jahr etwas näher rücken. „Freiheit, die wir meinen“ weiterlesen

Von Jean-Jacques Rousseau bis zu Pankaj Mishra – der einäugige Blick auf die Geschichte

(Auch erschienen in „Humane Wirtschaft“)

Immer erneut hat sich die Deutung der Geschichte von einem naiven Humanismus verführen lassen, weil dieser die Stimme des Gewissens ohne alles Wenn und Aber vertritt. Die Luftschlösser, die er auf diese Weise erbaut, verkörpern dann das hehre Ideal gegenüber einer so viel unvollkommeneren Realität. Wollen wir die Gegenwart aber gerecht und richtig beurteilen, dann dürfen wir die Vergangenheit nicht idealisieren, sondern müssen sie ohne jede Beschönigung beschreiben. Von Jean-Jacques Rousseau bis zu Pankaj Mishra – der einäugige Blick auf die Geschichte weiterlesen

Klimawandel und Massenmigration

Ich habe das Glück, in einem Staat zu leben, wo niemand Hunger leidet, man weder wegen seines Glaubens, noch seiner Hautfarbe oder Rasse verfolgt wird und selbst nachts nicht zu befürchten hat, von Verhungernden, von verzweifelten Dieben oder politischen Fanatikern aus dem Hinterhalt angegriffen oder ermordet zu werden. Klimawandel und Massenmigration weiterlesen

Der Fluch der Globalisierung

(Auch erschienen in „Humane Wirtschaft“)

Ich lebe in Puch bei Weiz, einem kleinen Dorf in der Steiermark. Mancher Tourist, der seine Ferien hier verbringt, wird den Ort als verträumt bezeichnen, obwohl die Menschen hier keineswegs müßige Träumer sind, sondern im Gegenteil überaus arbeitsam. Das macht sich auf angenehme Weise bemerkbar: Häuser und Gärten sind gepflegt und zeugen von Wohlstand, die Abwesenheit von äußeren Umgrenzungen wie Hecken und Mauern lässt auf gute Nachbarschaft schließen. Gerade die einfachen Leute pflegen hier besonders freundlich und zuvorkommend zu sein. Fremden gegenüber herrscht Toleranz, was mir und meiner Familie zugute kam, als ich mich gegen Ende der Achtzigerjahre entschloss, Berlin zu verlassen und meinen Wohnsitz hier aufzuschlagen – etwa 40 km von Graz entfernt, der nächsten größeren Stadt. Der Fluch der Globalisierung weiterlesen

Vorahnungen von Krieg: USA gegen China – hoffentlich nur ein Handelskrieg

(Auch erschienen in „Humane Wirtschaft“)

Noch gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts war im Spiegel zu lesen, dass die Supermacht USA nach dem Untergang der Sowjetunion einen vollständigen Sieg errungen habe. Tatsächlich waren überall auf der Welt die Filme Hollywoods zu sehen, kleideten sich die Leute in Jeans, wurde amerikanisch gesungen und musiziert, Coca-Cola getrunken und breiteten sich Windows, Apple und das in Amerika erfundene Internet aus. Noch in den neunziger Jahren schien keine andere Weltmacht denkbar zu sein als die Vereinigten Staaten von Amerika. Vorahnungen von Krieg: USA gegen China – hoffentlich nur ein Handelskrieg weiterlesen

Kapitalismus, Reichtum und Macht

Bei allem Gejammer über den Neoliberalismus geht manchmal die Einsicht verloren, dass die vergangenen zweihundert Jahre den größten Fortschritt in der Geschichte des Menschen bewirkten – vorausgesetzt natürlich, man beschränkt sich ganz und gar auf dessen materiellen Aspekt. Kapitalismus, Reichtum und Macht weiterlesen

Unerträgliche Wahrheit: Menschenflut

Eine von jenen Wahrheiten, welche offenbar als so unerträglich empfunden werden, dass man sie mit aller Kraft verdrängt, verschweigt, wenn nicht rundheraus leugnet, ist den Experten seit zweihundert Jahren bekannt. Der geweihte Priester und Ökonom Thomas R. Malthus hatte sie Ende des 18. Jahrhunderts theoretisch begründet. Die Menschen, so sagte er, vermehren sich in geometrischer Progression, während die Nahrungserzeugung allenfalls arithmetisch wächst. Unerträgliche Wahrheit: Menschenflut weiterlesen

Unsere Werte – ihre Werte. Plädoyer für eine gerechte und wehrhafte Demokratie

(auch erschienen in „fbkfinanzwirtschaft“)

Der türkische Ministerpräsident, Recep Tayyip Erdogan, ist im Begriff, die Demokratie seines Landes in ein neues Sultanat umzuwandeln. Seitdem die Wirtschaft sich weniger gut entwickelt, kann der gewissenlose Populist und schrille Demagoge sich der Bestätigung durch eine Mehrheit allerdings nicht länger sicher sein, war es doch vor allem der ökonomische Aufschwung, der ihm in den ersten Jahren seiner Amtstätigkeit so großen Zuspruch verschaffte. Erdogan ist daher bemüht, seine nach Europa ausgewanderten Landsleute zu mobilisieren. Anders gesagt, nimmt er für sich das Recht in Anspruch, in Demokratien außerhalb seines Machtbereichs, für eine antidemokratische Wende zu werben.

Unsere Werte – ihre Werte. Plädoyer für eine gerechte und wehrhafte Demokratie weiterlesen