An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!

Dieser Spruch aus dem Neuen Testament (Matthäus 7,16) konfrontiert Wirkung und Ursache. Eine schlechte Wirkung kann keine gute Ursache haben, und umgekehrt ist es genauso. Dornen tragen keine Trauben und auf Disteln finden wir keine Feigen. Auf schöne Worte und Theorien sollte man sich nicht verlassen. Was zählt, sind die Wirkungen, die daraus entstehen.

Ludwig Boltzmann, der große österreichische Physiker, hat diese elementare Wahrheit für die Naturwissenschaften auf den Begriff gebracht. „Nicht die Logik, nicht die Philosophie, nicht die Metaphysik entscheidet in letzter Instanz, ob etwas wahr oder falsch ist, sondern die Tat. Darum halte ich die Errungenschaften der Technik nicht für nebensächliche Abfälle der Naturwissenschaft, ich halte sie für logische Beweise. Hätten wir diese praktischen Errungenschaften nicht erzielt, so wüssten wir nicht, wie man schließen muss. Nur solche Schlüsse, welche praktischen Erfolg haben, sind richtig.“

Sehr wohl! Ein Denken ohne nachweisbare Tat,

das sämtliche Phänomene der Natur als ursächlich determiniert sehen wollte, hat es schon 1500 Jahre vor Christus gegeben, nämlich in den sogenannten Brahmana-Texten, wo alle Geschehnisse des Universums als magisch verknüpft mit menschlichem Denken und Handeln gelten. Was der vedische Priester sich vorstellte und dann durch Aufschichten von Opfersteinen und heiliger Butter magisch in Szene setzte, das brachte dann, wie die damaligen Priester glaubten, ganz bestimmte notwendige Folgen hervor. Die indischen Magier wähnten sich imstande, mit ihren Beschwörungen feindliche Armeen vernichten oder eine Mondfinsternis willkürlich herbeiführen zu können (abgesehen von Krankheiten, die sie heilen, und Unglück, das sie verhindern wollten). Von dem Indologen Hermann Oldenberg wurde die damalige Weltsicht als „vorwissenschaftliche Wissenschaft“ bezeichnet, der französische Anthropologe Claude Levi-Strauss sah darin eine Vorwegnahme des wissenschaftlichen Determinismus. Ludwig Boltzmann aber hat den entscheidenden Unterschied zwischen diesem Denken und der beinahe zweitausend Jahre später seit dem 17ten Jahrhundert aufkommenden wissenschaftlichen Weltsicht auf den Begriff gebracht. Das magische Denken richtete nur Unheil im Kopf von Priestern an, aber die Natur blieb unverändert. Feinde wurden von Priestern nie wirklich besiegt, Mondfinsternisse niemals auf nachweisbare Weise herbeigeführt. Irgendwann starb diese abenteuerliche Theorie, weil die Menschen nicht länger an sie glaubten. Sie musste sich sogar gefallen lassen, dass ein amerikanischer Anthropologe sie als sinnfreies „Priestergebrabbel“ bezeichnete. Es ist daher so, wie Boltzmann und die Bibel sagen: An der Tat, d.h. an ihren Früchten, sollt ihr sie erkennen.

Ludwig Boltzmann lebte bis zum Beginn

des vergangenen Jahrhunderts. Mit Recht konnte er von einem spektakulären Erfolg der Naturwissenschaften reden. Innerhalb von nur drei Jahrhunderten hatte dieser die Staaten Europas zu den bei weitem reichsten und mächtigsten der damaligen Zeit gemacht. Nie genoss eine Bevölkerungsmehrheit so großen materiellen Wohlstand wie schon zu seiner Zeit, nie zuvor lebten Menschen so lange und konnten sich so gut gegen Krankheiten schützen, wie dies der Fortschritt der Wissenschaften in kürzester Zeit bewirkte. Und er verschaffte Europa auch gewaltige Macht über den Rest der Welt. Bis 1914 beherrschte Großbritannien ein Viertel der gesamten Landfläche des Globus und errang im Jahr 1921 seine größte Ausdehnung. Insgesamt hatten die industriell aufgerüsteten Staaten eines geographisch winzigen westlichen Zipfels Eurasiens ganze Kontinente erobert (Nordamerika und Australien) und den Rest der Welt einschließlich der beiden Hochkulturen China und Indien ihrer Botmäßigkeit unterworfen. Niemand vermochte daran zu zweifeln, dass die neuen, mit hohem naturwissenschaftlichen Sachverstand entwickelten Waffen die entscheidende Rolle spielten: Sie waren die unmittelbaren Früchte des neuen naturwissenschaftlichen Wissens und Könnens.

Aber Achtung, wie sehen diese Früchte denn heute aus

mehr als ein Jahrhundert nach Boltzmann? Wenn wir den ethischen Maßstab der Bibel und den wissenschaftlichen des großen Naturwissenschaftlers auf die heutige Situation anwenden, zu welchem Schluss müssen wir dann gelangen? Albert Einstein hatte damals die berühmte Formel von der Äquivalenz von Masse und Energie als Theoretiker auf ein Stück Papier geschrieben. Das war ein faustischer Akt, Mephisto aber war sogleich zur Stelle, um eine Frucht daraus zu machen, an der wir die Richtigkeit der Theorie erkennen. Seitdem leben wir mit jenem gewaltigen Arsenal an Massenvernichtungswaffen, mit dem die Menschheit sich selbst mehr als hundertfach ausrotten kann. Kein Theoretiker hat dies gewollt, am wenigsten Einstein selbst, der dann später wie kein anderer vor der Wirkung der Bombe warnte und in einer Weltregierung die einzige Möglichkeit sah, um die tödliche Bedrohung zu überwinden. Aber Disteln tragen nun einmal Dornen. Wenn wir der Logik von Boltzmann folgen, ist es uns nicht erlaubt, einseitig nur von den süßen Früchten der Naturwissenschaften zu schwärmen – dem historisch einzigartigen Reichtum, den sie einem nicht geringen Teil der Weltbevölkerung verschafften -, wir müssen auch den Mut aufbringen, ihre giftigen Früchte zu sehen.

Nein, dazu bedarf es inzwischen nicht einmal besonderen Muts

Eine heile Welt gibt es nur noch in Märchenbüchern, die reale steht derweil auf einer Vielzahl von roten Listen. Von Kalifornien über Australien und Indonesien bis nach Sibirien lodern die Wälder. Zur gleichen Zeit werden die Stürme immer heftiger und Überschwemmungen treten immer häufiger auf. Schon im Jahr 2006 beschwor der Stern Report die beängstigende Perspektive, dass die Landwirtschaft in Teilen Afrikas die Menschen dort nicht mehr ernähren kann und Millionen von Menschen die Festung Europa stürmen.

Doktor Faust, der kühne Theoretiker, hat die abstrakten

Formeln aufs Papier gekritzelt, welche dem modernen Menschen eine Herrschaft über die Natur verschaffen, die bis dahin als Vorrecht Gottes galt. Es war Mephisto an seiner Seite, der sich dann an die Spitze jener Tausende begnadeter Ingenieure setzte, welche die Geistesblitze der Theorie anschließend in die Tat umsetzten. Das waren, wie Boltzmann sagt, ihre logischen Beweise.

Beide zusammen, Doktor Faustus und Mephistoles, sein Kumpan, verkörpern die zwei Seiten des Menschen, dessen Taten aus guten wie giftigen Früchten bestehen. So zweifelt zum Beispiel niemand an den gewaltigen Fortschritten der Medizin, aber dieser Fortschritt hat uns nicht nur ermöglicht, das Leben um Jahrzehnte zu verlängern und uns bis ins hohe Alter gesund zu erhalten, sondern erlaubt uns ebenso, die Erbsubstanz lebender Wesen nach unserem Willen zu verändern. Schon steht Mephisto bereit, um uns einzuflüstern, wir mögen dieses Können doch bitte auch auf den Menschen selbst anwenden. Dann werden wir ein Geschlecht von pseudohumanen Robotern erschaffen, die sich als Frankensteinmonster entpuppen könnten.

Solche Aussichten sind bedrückend. Unsere Erde wird zu einem furchtbaren Ort, solange wir nicht fähig sind, der überragenden Intelligenz von Dr. Faust und seinem Alter Ego Mephisto etwas ganz anderes an die Seite zu stellen, nämlich Sophia, die glücklicherweise in uns ebenfalls angelegte menschliche Weisheit. Im Sinne des bloßen Überlebens auf einem zunehmend geschundenen Planeten müssen wir zu bindenden ethischen Regeln gelangen, um die Menschheit vor sich selbst zu schützen, nämlich vor den zunehmend giftigen Früchten der wissenschaftlich-technischen Intelligenz.

Denn – vergessen wir nicht – die Tat

ist nicht denkbar ohne den Zugriff auf die Dinge, d.h. auf die Natur und ihre Ressourcen. Ohne die Ausbeutung der in der Erdrinde verborgenen Reserven an Kohle, Öl und Gas hätte es die industrielle Revolution niemals gegeben. In der Einleitung zu einem neuen, bisher noch unveröffentlichten Buch gebrauche ich den folgenden Vergleich:

„Ist unsere gegenwärtige Situation nicht der einer siegreichen Armee zu vergleichen, die alle Beute eines eroberten Landes in kurzer Zeit an sich riss und sie nun in einem kurzen, besinnungslosen Festrausch verprasst? Seit Beginn der industriellen Revolution, die man mit gleichem Recht die fossile nennen kann, vergeuden wir den Reichtum der Erde und wollen nicht sehen, dass er nur noch für ein oder zwei Generationen reicht – und schon gar nicht wollen wir uns sagen lassen, dass unser Festmahl ringsherum überall Spuren von Gift hinterlässt: in der Luft, im Wasser und im Boden.“

Für empfindliche Ohren sind dies Kassandratöne,

welche die selbstgefälligen Lügen unseres staatlich geförderten „positiven“ Weltbilds gefährden. Doch die ökologische Krise ist eine Tatsache, an der die führenden Ökologen schon längst keinen Zweifel mehr lassen. Herman E. Daly, ehemaliger ökonomischer Mitarbeiter der Weltbank, der bis heute mit seinen Schriften vielen als die größte Autorität auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Erhellung ökologischer Zusammenhänge gilt, hat meiner Analyse seinen ausdrücklichen Beifall gezollt. „Lieber Herr Dr. Jenner, meinen Dank, dass Sie mir Ihr schlüssig begründetes, gut dokumentiertes und klar geschriebenes Buch geschickt haben. Ich hoffe, es wird weithin gelesen. Mit den besten Wünschen, Herman E. Daly.“

Von ökonomischen Experten hatte ich schon früher Lob für meine Schriften erhalten, nämlich von zwei ehemaligen deutschen Wirtschaftsweisen Bert Rürup und Gerhard Scherhorn. Die wohlwollende Beurteilung meiner neuen Arbeit durch Herrn Prof. Daly aber ist für mich besonders bedeutsam, weil ich nur wenige Wissenschaftler kenne, welche sich auch dann noch zur Wahrheit bekennen, wenn diese, wie Al Gore es ausdrückt, „unbequem“ ist und zudem noch gegen jenen Zwang zur politischen Korrektheit verstößt, der unser Denken mittlerweile immer mehr auf das Geleis der Selbstzensur zwingt.

Politisch korrekt ist mein Buch jedenfalls nicht

denn es kam mir nur darauf an, die Tatsachen „gut zu dokumentieren“, die Folgerungen aus ihnen „schlüssig zu begründen“ und möglichst „klar darüber zu schreiben.“ Wer allerdings politische Korrektheit verlangt, um niemanden vor den Kopf zu stoßen, der schreckt vor manchen ihrer Aussagen zurück, auch wenn deren fachliche Unanfechtbarkeit von einem international gefeierten Ökonomen ausdrücklich gewürdigt wird. Frau Julia Womser, eine Lektorin des dtv-Verlags, mit der ich telefonisch die Zustellung des Manuskripts vereinbart hatte, scheint nicht einsehen zu wollen, dass inzwischen selbst Schülerinnen wie Greta Thunberg die Dramatik unserer heutigen Situation begreifen. Jedenfalls haben die Verstöße meines Buches gegen die politische Korrektheit die Dame offenbar so sehr empört, dass sie es nicht einmal für nötig hielt, die üblichen Formen der Höflichkeit zu wahren: Selbst nach schriftlicher Rückfrage – ein Monat nach Zustellung fragte ich nach, ob Interesse an der Arbeit bestehe – hielt sie es nicht für nötig, mir auch nur eine Antwort auf meine Frage zu erteilen.*1* 

Aber es stimmt ja: Das Buch „Wir schaffen das!“*2*

schreckt vor politischer Unkorrektheit durchaus nicht zurück. Es spricht nicht nur über den Klimawandel und seine jetzt schon klar erkennbaren Folgen ohne alle Beschönigung sondern ebenso über Migration, bedingungsloses Grundeinkommen und ähnliche Themen, die für viele Zeitgenossen zu Kampfbegriffen geworden sind, an denen man andere Menschen entweder als Gesinnungsgenossen oder als zu bekämpfende Feinde erkennt. Ich selbst habe mich nie von dem Standpunkt entfernt, dass sich wissenschaftliche Wahrheitssuche darin erweist, dass über jedes Thema sachlich gesprochen wird – unter sorgfältigem Abwägen des Für und Wider. Dabei geht es um eine offene Diskussion, denn Kritik ist die eigentliche Essenz und Antriebskraft jeder Wissenschaft. Was deren Geist grundsätzlich widerspricht, ist dagegen der populäre Shitstorm ebenso wie das heimliche Strippenziehen im Hintergrund. Letzteres habe ich im Hinblick auf das vorliegende Buch inzwischen auch schon erleben müssen. Ich erwähne diesen an sich für Unbeteiligte ganz unbedeutenden Vorfall aus dem einzigen Grund, weil es inzwischen auch zur politischen Korrektheit gehört, sich duckmäuserisch klein zu machen und Verstöße gegen das Ethos von Wahrheit und Wissenschaft feige zu verschweigen.

Ein Lektor und ein keineswegs unbekannter deutscher Wissenschaftler

sind, wie ich meine, der einen mit seinem guten Ruf, der andere mit seiner Reputation recht leichtfertig umgegangen – auch solche Folgen kann ein politisch unkorrektes Buch bewirken. Oder ist es nicht für den guten Ruf eine ernste Gefahr, wenn ein Lektor zwei Wochen nach meiner zugleich schriftlich wie telefonisch erfolgten Anfrage, ob ein grundsätzliches Interesse an dem Buch bestehe, dem Autor einerseits bescheinigt, dass die „Buchidee .. natürlich zu uns passt und es sicher auch Wert /sic!/ ist, in Deutschland zu erscheinen“, nur um seine Mail dann mit der Standardfloskel zu schließen, „bitte werten Sie diese Absage nicht als Kritik an der Buchqualität.“ All dies, wohlgemerkt, ohne auch nur eine einzige Zeile des Buches gelesen zu haben, denn Herr Hirsch kannte nur deren Titel und die wohlwollende Beurteilung durch einen international renommierten Experten – das Manuskript selbst hatte er überhaupt nicht angefordert. Sehr wohl hat er aber davon durch Herrn Niko Paech gewusst, einen geschätzten Autor des Verlags, der das Manuskript von mir bekommen hatte und mich zu der lobenden Stellungnahme von amerikanischer Seite beglückwünschte – „so ein feedback vom Papst /der Wachstumskritik/ hätte ich auch mal gern…“ Prof. Paech wusste auch, dass ich mich an den oekom-Verlag wenden wollte, denn dies hatte ich ihm zuvor in zwei Mails mitgeteilt und ihn um seine Unterstützung gebeten.*3*

Nun, derartige Intrigen und heimliche Absprachen im Hintergrund sind so alltäglich, dass es sich nicht lohnen würde, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Andererseits möchte ich mir nicht sagen lassen, dass ich aus Duckmäuserei davor die Augen verschließe. Offene Diskussion bedeutet auch, dass man diejenigen bei Namen nennt, die sich davor drücken und lieber hinter den Kulissen tuscheln. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!

Aber lässt sich denn über die Klimakrise überhaupt noch etwas sagen,

das denen, die informiert sein wollen, nicht ohnehin schon bekannt ist? Wohl eher wenig. Meinem Buch wird man nur in einer Hinsicht eine gewisse Originalität und Bereicherung der Diskussion zubilligen können. Wenn es stimmt, dass die Erschöpfung der Ressourcen und – mehr noch – die stetige Vergiftung der Umwelt durch die Rückstände der industriellen Prozesse (von denen CO2 ja nur eines unter inzwischen Hunderttausenden ist) eine noch weit größere Wende bedeutet als die beiden größten Revolutionen der Vergangenheit, die neolithische und die fossile. Und wenn es ebenso richtig ist, dass die notwendigen Maßnahmen zur Überwindung dieser welthistorischen Krise an und für sich einfach sind und der Wissenschaft wohlbekannt, wie ist es dann zu erklären, dass diese Maßnahmen auf so erbitterten Widerstand stoßen und wir dem Abgrund trotz Pariser Vertrag und unzähligen anderen Bemühungen de facto nur immer schneller entgegenschlittern? Diese Frage verlangt nach einer Antwort – und diese steht denn auch im Vordergrund meines Buches.

1 Man darf sich nicht wundern, dass es angesichts derartigen Verhaltens von Lektorenseite immer üblicher wird, dass Autoren ihre Manuskripte gleichzeitig an mehrere Verlagen senden – andernfalls müssen sie damit rechnen, bis ans Ende ihrer Tage auf eine Antwort zu warten.

2 Die englische Version, die als Kindle bei Amazon vorliegt, trägt einen besseren Titel: „Yes, we can – No, we must“.

3 Die gedankenreichen und oft herausfordernden Überlegungen von Prof. Niko Paech schätze ich sehr. Das war der Grund, warum ich ihm mein Manuskript zuschickte, wobei ich gleichzeitig um Fürsprache beim oekom Verlag bat, falls ihm die Arbeit gefalle, er sei dort mit seinem von mir mehrfach zitierten Buch ja ein geschätzter Autor. Diese Bitte habe ich dann ein zweites Mal ausgesprochen, nachdem er den Empfang des Manuskripts bestätigt hatte. Ich habe mir nichts dabei gedacht, dass Herr Paech auf meine Bitte nicht reagierte. Jedenfalls wandte ich mich unmittelbar danach an Herrn Hirsch vom oekom Verlag, ob er an der Arbeit interessiert sei, dann würde ich ihm das Manuskript zuschicken. Das geschah, wie schon erwähnt, sowohl in einer Mail wie am selben Tag auch telefonisch. Wenn er mein Publikationsangebot von vornherein ausschlagen musste, weil es keine freien Programmplätze mehr gab, dann hätte er mir dies am Telefon gleich sagen können – und sagen müssen.

Zwei Wochen später erhielt ich eine Absage in Gestalt des üblichen Standardtextes, nämlich dass der Verlag schon andere Bücher in seinem Programm habe und ich das bitte nicht als Aussage über die Qualität meines Buches auffassen solle. Angesichts der Tatsache, dass Herr Hirsch das Manuskript nie bekommen hatte, war dies reine Verhöhnung. Nur Herr Paech, der geschätzte Autor des Verlages, hatte ihm innerhalb dieser beiden Wochen Auskunft über das Buch geben können – Herr Paech hatte zweimal von mir erfahren, dass ich mich an den oekom Verlag wenden wollte.

Der Vorfall ist an und für sich ganz bedeutungslos, verdient aber deswegen erwähnt zu werden, weil er das Gegenteil einer möglicherweise durchaus berechtigten Kritik an meiner Arbeit ist. Wäre diese offen und nicht auf diese „hinter-listige“ Weise vonseiten Herrn Paechs erfolgt, dann wäre ich dankbar dafür gewesen. Was Herrn Hirsch betrifft, so sind Verlage private Unternehmen und haben daher das Recht, auch ohne Angabe von Gründen, anzunehmen oder abzulehnen, wen oder was sie wollen, doch gibt es Regeln der Anständigkeit, die auch ein Herr Hirsch einhalten sollte. Im Hinblick auf Herrn Paech gilt grundsätzlich die Unschuldsvermutung. Immerhin ist bei Gott alles möglich – vielleicht hat der Erzengel Gabriel Herrn Hirsch Einsicht in mein Buch verschafft, sodass er sich in den zwei Wochen ein sachlich fundiertes Urteil darüber bilden konnte.

.

Von Robert Menasse erhielt ich die beiden Mails:

Lieber Gero, gibt es mittlerweile eine Perspektive, wo das Buch nun doch erscheinen wird? Herzliche Grüße, Robert

und:

Lieber Gero, ich hoffe, dass Du das Buch noch nicht herumgeschickt hast. Heute als Autor selbst ein Buch an Verlage zu schicken, ist zu 99% aussichtslos. (Deine 5% sind viel zu optimistisch). Nein, Du musst das Buch einem Agenten/einer Agentin geben. Eine Agentur findet den Verlag, in deinem Fall bei dieser Thematik mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Kennst Du Agenturen? Herzlich, Robert

Jenner über Jenner: Abriss einer geistigen Biographie

Als Menschen werden wir von Gefühlen und von unserem Intellekt gesteuert – immer ist beides im Spiel, auch wenn es manchmal so scheint, als hätten wir es mit reinen Gefühlsmenschen oder reinen Intellektuellen zu tun. Ein Mathematiker etwa, dessen Formeln dem Durchschnittsmenschen so kalt, leblos und abweisend erscheinen wie eine Gefängnismauer, kann über die Schönheit, Eleganz und Einfachheit einer neuen Gleichung so in Ekstase geraten wie ein Musiker, wenn er Bach oder Mozart spielt. Hier gibt es kein Entweder-Oder, aber es gibt ganz sicher vorherrschende Neigungen.

Der eher durch seine Gefühle geleitete Mensch

lässt sich auf einen Gegenstand ein und macht ihn sich Schritt für Schritt in immer größerer Tiefe zu Eigen. So geht der Künstler vor, so aber findet auch jedes normale Studium statt. Man fühlt sich von einem Gegenstand angezogen, erwirbt in seinem Umgang langsam immer mehr Wissen und Fertigkeiten – und irgendwann wird man dann selbst zu einem Experten. Man hat sich ein Renommee erworben oder doch zumindest amtlich beglaubigte Zeugnisse, die dann auch dazu legitimieren, sich mit Kompetenz über das jeweilige Fach zu äußern.

Wer sich auf diese Weise mit einem Gegenstand identifiziert, für den tritt dieser kaum je als Problem in Erscheinung. Ein klassischer Musiker stellt sich wohl kaum die Frage, ob nicht der bloße Zufall seiner Geburt dafür verantwortlich sei, dass er gerade Bach so sehr liebt und nicht die Musik der Pekingoper. Der mit Kant aufgewachsene Philosoph sieht die Welt mit den Augen des Königsbergers, er fragt sich gewöhnlich nicht, warum er sie nicht zum Beispiel durch die Brille des Vedanta eines Shankararcharya sieht.

Die intensive Gefühlsbindung an einen geliebten Gegenstand schließt den Blick auf Probleme sehr oft geradezu aus. Menschen, die in einer bestimmten Tradition aufwachsen, wehren sich deshalb nicht selten mit aller Entschiedenheit gegen die Zumutung, dass jemand von außen diese Tradition anzuzweifeln, sie in Frage zu stellen, sie zu modifizieren wagt. Die verständliche Reaktion einer solchen affektiven Beziehung besteht dann überhaupt in der Losung, die man den Außenseitern entgegenhält: „Unbefugten ist der Zutritt verboten.

Der eher intellektgesteuerte Mensch

geht nur selten den geraden und langsamen Weg einer wachsenden emotionalen Bindung, er fühlt sich im Gegenteil von Problemen und Bruchstellen angezogen, ohne notwendigerweise von vornherein mit einem großen Wissen zu punkten. „Die arbeitslose Gesellschaft“ (S. Fischer, 1997) erwies sich als publizistischer Erfolg, aber Jenner hatte niemals ein volkswirtschaftliches Seminar besucht. Was ihn beschäftigte, war nicht das ökonomische Fach als solches, das ihn bis dahin überhaupt nicht interessierte, sondern etwas ganz anderes: ein Problem. Während seines studien- und arbeitsbedingten Aufent­halts in Japan hatte er erlebt, wie dieses Land – ganz so wie heute China – immer mehr industrielle Kapazitäten aus dem Westen ins eigene Land übernahm. Er fragte sich, was eine zunehmende Auslagerung der industriellen Produktion nach Asien (damals vor allem nach Japan und zu den „ostasiatischen Tigern“) für Deutschland bedeuten würde. Dieses Problem beschäftigte ihn – und erst während der Beschäftigung mit diesem erwarb er als Autodidakt die nötigen ökonomischen Kenntnisse, um auf dem Gebiet mitreden zu können.

Problemlöser sind fast immer daran zu erkennen,

dass sie die übliche Reihenfolge umdrehen, ja sie geradezu auf den Kopf stellen: nicht das jahrelange Studium, die allmähliche oft liebevolle Vertiefung bis zum staatlichen anerkannten Examen kommt bei ihnen zuerst, sondern an erster Stelle steht das sie herausfordernde, sie faszinierende Problem – und dieses drängt sie dann zu einer genauen, oft stürmischen Eroberung des fraglichen Gegenstands. Zweifellos widerstreitet dieses Vorgehen der oben genannten Losung, denn ein Unbefugter verschafft sich in diesem Fall Zugang. Er tut dies überdies auf ungewohnte, oft als ungehörig empfundene Weise, nämlich ohne vorher bei den ausgewiesenen Autoritäten dafür um Erlaubnis nachzufragen.

Das Risiko eines solchen Vorgehens ist zweifellos sehr groß

Wir wissen, dass jede Menge von inspirierten Spinnern dauernd damit beschäftigt ist, Lösungen für sämtliche Weltprobleme aus allen möglichen esoterischen Hüten zu zaubern. Solche Menschen treten bestenfalls als Problemsteller in Erscheinung – sie weisen auf bestehende Bruch- und Konfliktstellen hin -, aber in den seltensten Fällen treten sie als wirkliche Problemlöser hervor. Man braucht ja nur einen flüchtigen Blick ins Internet zu werfen, um sich auf Anhieb davon zu überzeugen. Andererseits kommt keine Gesellschaft ohne solche Problemsteller und Problemlöser aus, denn die gefühlsmäßig Attachierten pflegen für Probleme und Bruchstellen nicht selten unzugänglich oder ganz blind zu sein. Sie halten an dem Erlernten und an ihrem jeweiligen Fach wie an einer Geliebten fest, deren Schönheit sie niemals in Frage stellen.

Was Jenner betrifft, so hatte er Glück

Prof. Bert Rürup, ein damals renommierter „Wirtschaftsweiser“, der als ökono­mischer Ratgeber für die deutsche Regierung sowie für den Fischerverlag fun­gierte, setzte sich für seine Arbeit ein (deren Thema, die Auslagerung in Zeiten der Coronakrise übrigens neuerlich an Aktualität gewinnt). Dadurch bahnte er ihr den Weg. Die übliche Reaktion gegenüber Außenseitern: „Für Unbefugte ist der Zugang verboten“ wurde durch Prof. Rürups Empfehlung damals außer Kraft gesetzt. Jenner hatte sich in den Reihen der ökonomischen Zunft Zugang verschafft – zumindest für eine gewisse Zeit.

Problemlöser sind allerdings unberechenbar

Sie treten ja überhaupt als solche nur deshalb in Erscheinung, weil sie von Natur aus dazu neigen, vieles in Frage zu stellen, was anderen als selbstverständlich erscheint. Das zeigte sich auch im Fall des frischgebackenen Ökonomen. Jenner war Herrn Rürup zweifellos zu großem Dank verpflichtet (was er freilich erst später bemerkte, als dieser sich bereits in einen Feind verwandelt hatte). Wäre sein Manuskript, statt diesem ausgewiesenen Wirtschaftsexperten vor Augen zu kommen, in die Hände eines durchschnittlichen Lektors geraten, dann hätte dieser zunächst einmal gefragt: „Ist der Mann überhaupt befugt, sich zu diesem Gegenstand zu äußern“. Diese Frage hätte er natürlich abschlägig beschieden, und das Manuskript wäre mit der üblichen hochmütigen Arroganz vom Verlag abgelehnt worden.

Aber Dankbarkeit war für Jenner kein Grund, ein Vorgehen zu akzeptieren, das ihm ungeheuerlich erschien. Auf einer der ersten Seiten seines zweiten bei S. Fischer veröffentlichten Buchs (Das Ende des Kapitalismus – Triumph oder Kollaps eines Wirtschaftssystems) bezeichnete sich Prof. Rürup als Mitautor – wörtlich: „Fachliche Beratung: Prof. Dr. Dr. h. c. Rürup“. Da sich Jenner auch nach angestrengtester Selbstbefragung an eine solche Beratung partout nicht erin­nern konnte, sah er in dieser Behauptung nun wiederum ein großes Problem, das er persönlich dadurch löste, diese Usurpation öffentlich zurückzuweisen.

Dabei hätte Jenner natürlich wissen müssen, dass sich ein derartiges Vorgehen in Deutschland zwanglos mit dem akademischen Ethos verträgt. Professoren halten es, wie man weiß, für ihr gottgegebenes Recht, die Knochenarbeit von Assistenten verrichten zu lassen und sich, wann immer es ihnen opportun erscheint, mit fremden Geistesfedern zu schmücken. Jenner glaubte gegen diese ehrwürdige Tradition protestieren zu müssen. Das war naiv, denn natürlich hat er dafür bezahlen müssen. Herr Rürup sorgte dafür, dass ihm der Zugang zum S. Fischer Verlag von da an versperrt bleiben sollte.

Problembezogen waren auch zwei weitere ökonomische Arbeiten,

die von großen Verlagen veröffentlicht wurden: „Energiewende – so sichern wir Deutschlands Zukunft“ setzte 2006, als von der drohenden Klimakrise noch kaum die Rede war, ganz auf den Übergang zur Nachhaltigkeit, und zwar mit einem Begriff, der erst nach Fukushima dann auch offiziell Eingang in den deutschen Sprachgebrauch fand. Jenner sprach wörtlich von einem „nationalen Projekt„. Allerdings hatte er die Entwicklung der deutschen Wirtschaft in diesem Buch zu schwarz gezeichnet. Der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit in deutschen Schlüs­selindustrien (vor allem der Autobranche) aufgrund von Auslagerung und chinesischer Konkurrenz droht sich erst jetzt abzuzeichnen.

Mit dem 2008 bei Signum veröffentlichten „Pyramidenspiel“ über die Dynamik staatlicher und privater Verschuldung konnte Jenner neuerlich die Aufmerk­samkeit eines ökonomischen Experten, nämlich von Prof. Gerhard Scherhorn, für sich gewinnen. Dieser leitete das Buch überdies mit einem wohlwollenden Vorwort ein. Anders als an den erstgenannten Ökonomen erinnert sich Jenner bis heute voller Hochachtung an diesen Mann, auch wenn er sich nicht an einen Ratschlag hielt, den dieser ihm damals in väterlicher Absicht erteilte. Er solle doch davon Abstand nehmen, riet ihm Prof. Scherhorn, seine Texte (Newsletter) an Gott und die Welt zu verschicken. Das sei unter ernst zu nehmenden Akademikern einfach nicht üblich.

Ein Merkmal von Problemstellern und -lösern

ist ihre Sprunghaftigkeit. Jenner hatte sich Wissen und Interesse an grundlegen­den ökonomischen Fakten angeeignet. Aber die Ökonomie als solche hatte ihn weniger gereizt als die Beschäftigung mit fremden Kulturen, denen er sich ja gleich zu Beginn in seinem Studium zugewandt hatte, also vor allem der indischen, chinesischen und japanischen. Bei seinem letzten Japanaufenthalt aber begann ihn ein Problem zu beunruhigen, welches für ihn dann mit der Zeit das Problem schlechthin werden sollte, obwohl es ihm zunächst dort begegnete, wo es den meisten Menschen als solches gewöhnlich nicht einmal bewusst ist, nämlich in der Sprache.

Ein Deutscher hält es für evident, den Affen mit dem Wort „Affe“ zu bezeichnen, während ein Engländer dazu „monkey“, ein Italiener „scimmia“, ein Japaner „Saru“, ein Chinese „Houzi“ sagt. Der berühmte Schweizer Linguist Ferdinand de Saussure schloss daraus, dass die Zeichen, welche der Mensch für Begriffe verwendet, arbiträr, d.h. zufällig seien. Diese Auffassung ist freilich eine rein intellektuelle Einsicht, die sich im krassen Widerspruch zu dem befindet, wie der gefühlsgebundene Mensch die Sprache erlebt. In den meisten früheren Kulturen waren die Menschen davon überzeugt, dass die Götter in ihren Worten reden – diese konnten daher niemals bloß zufällig sein.

Dennoch wird sich der Leser fragen, ob es nicht lächerlich sei, in der Beziehung eines Begriffs zu seinem Zeichen überhaupt so etwas wie ein Problem zu sehen?

Nein, in Wirklichkeit ist das viel weniger lächerlich, als es auf den ersten Blick scheint. Wie weit diese Beziehung in Wahrheit reicht, wird sofort klar, sobald wir die Frage auf andere kulturelle „Selbstverständlichkeiten“ beziehen. Man sage einem Muslim, dass der Genuss von Schweinen nicht mehr und nicht weniger gerechtfertigt sei als der von Rindern. Oder einem Christen, dass sein Glaube an Jesus Christus ebenso mit dem Zufall seiner Zugehörigkeit zu dieser Religionsgemeinschaft erklärt werden könne wie der Glaube eines Hindu an Schiwa oder Wischnu. Beide werden darauf mit Wut reagieren. Offenbar haben wir es hier mit kulturellen Positionen zu tun, welche die Menschen so gegeneinander aufstacheln konnten, dass sie sich immer wieder gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Aber zunächst blickte Jenner „nur“ auf das Problem der Sprache

denn die nächstliegende Frage lautete ja hier: wenn in jeder von ihnen alle einzelnen Zeichen (Baum, Affe, Wolke, etc.) willkürlich sind, wie de Saussure behauptet, gilt das dann nicht für Sprache insgesamt, nämlich auch für alle ihre Regelmäßigkeiten, die man mit dem Begriff der Grammatik bezeichnet? Wenn jede Sprache insgesamt ein Werk des Zufalls ist, kann es dann überhaupt irgendwelche verbindende Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Sprachen geben? Zwischen bloßen Zufällen kann es doch keine Ähnlichkeit geben!

Diese Frage wurde für Jenner zu einem Problem, das ihn so sehr faszinierte, dass seine nächste und eine noch dazu sehr ehrgeizige Arbeit daraus entstand. Ebenso wie im Fall der Wirtschaftswissenschaften hatte er sich zuvor mit dem Gegenstand selbst – in diesem Fall mit der Sprachwissenschaft – niemals befasst, obwohl er während Studiums gleich mehrere Sprachen erlernte. Nun aber geriet er sofort in den Bann eines damals führenden Linguisten: nämlich des damaligen Papstes der Linguistik Noam Chomsky, der die Frage auf ähnliche Weise stellte. Gibt es ein universales Sprachvermögen, das allen Menschen gemein ist und sich in einer Universalen Grammatik auch nachweisbar manifestiert? Offenbar würde eine solche Universale Grammatik den sprachlichen Zufall von sprachlicher Notwendigkeit trennen. Zwar würden Menschen in jeder Sprache beliebige Zeichen verwenden, aber die Regeln, die ihre Verbindung in grammatischen Mustern kodifiziert, wären universal und eben nicht zufällig. Solche universalen Muster glaubte Chomsky entdeckt zu haben, aber er rekurrierte dabei auf dieselben Grundbegriffe, wie sie traditionelle Grammatiken aus dem Studium indogermanischer Sprachen gewonnen hatten. Jenner war sich schnell darüber im Klaren, dass dieser Weg in die Irre führte. Chomsky hatte nie verstanden, dass diese Grundbegriffe schon für eine Sprache wie das Chinesische nicht mehr gelten. 1

Jenner war und ist mit Chomsky im Hinblick auf das Ziel einverstanden

Es geht um die Beschreibung der universalen Eigenschaften des menschlichen Sprachvermögens. Wo endet der Zufall, und wo beginnen die allen zugrunde liegenden Strukturgesetze, die eben gerade nicht zufällig sind? Dass natürliche Sprachen ein Tertium comparationis miteinander gemein haben müssen, ist evident – wie sonst wäre es möglich, dass sie (weitgehend, wenn auch keineswegs vollständig!) in einander übersetzt werden können? Dem äußeren Gewand ihrer zufälligen Form liegen Bedeutungen und Bedeutungstrukturen zugrunde, die von allen Menschen als solche begriffen werden. Zwischen 1981 und 1993, als die „Principles of Language“ (im Peter Lang Verlag) erschienen, machte sich Jenner daran, diese nicht-zufälligen „Tiefenstrukturen“ und ihre teils zufällige, teils formal notwendige Verwirklichung in verschiedenen empirischen Sprachen aufzuzeigen. Aus heutiger Sicht erscheint ihm vieles, was er damals schrieb, schwer lesbar und noch schwerer verständlich. Einverstanden ist er erst mit der 2019 erschienenen revidierten Ausgabe der Principles bei Amazon (The Principles of Language: Towards trans-Chomskyan Linguistics).

Auch hier war Jenner als Unbefugter

in ein ihm ursprünglich fremdes Gebiet eingedrungen. Aber diesmal hatte er nicht das Glück, einen aufgeschlossenen Gönner für eine Untersuchung zu finden, die so offensichtlich der herrschenden Lehrmeinung widersprach. Vielmehr war er mit der in diesen Fällen typischen Reaktion konfrontiert: „Unbefugten ist der Zutritt verboten!“. 2 Da hatten renommierte Wissenschaftler die kostbarste Zeit eines kurzen menschlichen Lebens an die schier übermenschliche Aufgabe verschenkt, ein wenig Licht in die weitgehend unverständliche Scholastik eines Noam Chomsky zu bringen, und ein Außenseiter erklärt diese Mühe einfach für überflüssig, macht sich gewissermaßen über ehrbare Wissenschaftler lustig, wenn er behauptet, dass schon die Grundbegriffe der Generativen Grammatik in die Irre führen, weil sie gerade nicht universal sind. Die Antwort erfolgte auf dem Fuß, sie lautete: „Nicht einmal ignorieren!“ 3

Und doch war es ja keineswegs abwegig, bei einem Sprachwissenschaftler eine gewisse Kenntnis seines Gegenstands, also empirischer Sprachen, vorauszuset­zen. Von Chomsky heißt es, dass er außer Englisch nur Spanisch beherrsche und ein wenig Hebräisch, während Jenner in Sanskrit promovierte, Russisch, Japanisch und Chinesisch liest und versteht und an der Sorbonne (Paris), an der Università degli Studi in Rom und an der School for Oriental and African Studies in London studierte. Chomsky selbst lässt einen derartigen Einwand aber keineswegs gelten. Er glaubt, auf Nebensächlichkeiten wie die Kenntnis empirischer Sprachen durchaus verzichten zu können, da er in seinem Inneren, wie er wörtlich bekennt, einen „Homunkulus“ mit sich trage – und diesen brauche er nur zu studieren, um alles an der Sprache Wesentliche in sich selbst zu entdecken – da komme es auf real existierende Sprachen eben in Wirklichkeit gar nicht an! 4

Das Problem von Zufall und Freiheit

ließ Jenner danach nicht mehr los. In der Sprache hatte er es zuerst entdeckt, bevor es für ihn zu einem Problem viel grundsätzlicher Art werden sollte. Mit seinem Buch „Schöpferische Vernunft – eine Philosophie der Freiheit (William James gewidmet)“ wagte er sich nun in ein Terrain, das ihn zwar von jeher beschäftigt hatte, aber eben bis dahin nicht als besondere Herausforderung.

Wir sahen: in der Sprache ist die Existenz des Zufalls unbestreitbar, niemand vermag zu begründen, warum ein Begriff wie Baum gerade mit dem im Deutschen üblichen Laut „realisiert“ wird, wo doch unendlich viele andere Laute möglich wären. Umso merkwürdiger musste es Jenner erscheinen, dass es in der europäischen Wissenschaft seit dem 17ten Jahrhundert eine dogmatisch vertretene Lehrmeinung, den Determinismus, gibt, welche den Zufall grundsätzlich leugnet und ihn allein mit menschlicher Unwissenheit erklärt. In Wahrheit werde die gesamte Natur einschließlich des Menschen – so besagt diese Doktrin – ausschließlich von Gesetzen beherrscht. Es gebe in der Natur keinen Zufall. Auch menschliche Freiheit wird in dieser Sicht als Illusion abgetan – genauer gesagt, als subjektive Täuschung.

Schöpferische Vernunft“ ist im ersten Teil eine historische Arbeit. Das Buch verfolgt die Leugnung von Zufall und Freiheit durch die philosophische Geistesgeschichte der vergangenen dreihundert Jahre. Sie zeigt, warum gerade die Wissenschaft so sehr auf der Leugnung der Freiheit bestand und dass sie selbst als die Quantenphysik die Existenz des Zufalls endlich akzeptierte, mit diesem doch nichts anzufangen weiß. Der Zufall wird als schlechterdings sinnlos und blind abgetan.

Dagegen vertritt Jenner im Hinblick auf Zufall und Freiheit

eine der ganzen bisherigen Tradition widerstreitende Auffassung. „Wir können die Notwendigkeit ohne Freiheit (Zufall) nicht einmal denken. Eine deterministische Wissenschaft ist ein logischer Selbstwiderspruch, weil sie immer schon Freiheit voraussetzen muss.“ Die Schöpferische Vernunft tritt in seiner Sicht gleichrangig an die Seite der die Gesetze erkennenden Vernunft.

Jenner betrachtet „Schöpferische Vernunft“ als sein bestes und originellstes Werk, weil es zum ersten Mal Freiheit neben Notwendigkeit als logisch unverzichtbare Dimension begründet und damit eine Änderung auch unseres Weltbilds notwendig macht. „Tantum possumus quantum scimus“ (wir können immer nur so viel, wie wir wissen) – diese seit Francis Bacon akzeptierte Aussage über den Menschen war seiner Meinung nach immer schon falsch. Jeder Mensch kann und bewirkt in jedem Augenblick seines Lebens weit mehr als er weiß. Schöpferische Vernunft ist ein Buch, dessen Ziel darin besteht, zugleich die Reichweite und die Grenzen der menschlichen Vernunft zu erhellen und auszuloten.

In der menschlichen Geschichte manifestiert sich

der Gegensatz zur Notwendigkeit nicht als Zufall, sondern als menschliche Freiheit. Denn der wesentliche Unterschied zwischen Freiheit und Zufall besteht darin, dass wir den Zufall, dem wir in der Natur begegnen, nicht verstehen, während wir sehr wohl die Motive anderer Menschen nachempfinden und ihrer wie auch unserer Freiheit daher einen Sinn zu geben vermögen. Warum die Welt überhaupt existiert und so ist, wie sie ist, das werden wir nie enträtseln, auch wenn wir ihre Ordnung in Tausenden von Gesetzen beschreiben. Deshalb steht in der Natur die Notwendigkeit (als Gesamtheit aller Gesetze) einem Zufall gegenüber, den wir als blind und sinnlos empfinden, nicht weil er das unabhängig von unserem Denken wirklich so ist, sondern weil wir ihm keinen menschlichen Sinn zuteilen können.

Andererseits ist menschliche Geschichte für uns gerade deshalb so faszinierend, weil Menschen das eigene Handeln stets nach einem Sinn ausrichten. Notwendigkeit gibt es natürlich auch hier. Wir können in der Natur nur überleben, wenn wir uns ihren Gesetzen fügen, aber wir können die Gesetze zu selbstbestimmten Zwecken benutzen – und seit der industriellen Revolution tun wir das in einem bis dahin niemals gekannten Maße.

Die drei Bücher

Auf der Suche nach Sinn und Ziel der Geschichte – das Schicksal der Menschheit im 21ten Jahrhundert“ sowie „Frieden, Krieg und Klimawandel – Aufruf zum Umdenken“ und schließlich „Homo IN-sapiens – eine kleine Geschichte menschlichen Schwachsinns“ hat Jenner wieder in der Eigenschaft eines Problemstellers geschrieben, der sich tastend um den Sinn der Geschichte bemüht. Wir erinnern uns, in der Sprache ging es ihm darum, universale Gemeinsamkeiten jenseits der beliebigen Zeichen aufzuspüren.

Dieselbe Aufgabe aber stellte er sich nun im Hinblick auf die über die Sprache hinausreichenden Unterschiede und Gegensätze in der Kultur – sind nicht die unendlich vielen Essens-, Verhaltens- und Glaubensvorschriften letztlich gleich beliebig?

Die Frage lautete auch diesmal: Können wir einen überkulturellen Sinn in der Geschichte erkennen? Im Hinblick auf das allgegenwärtige Böse scheint dieser Sinn so wenig fassbar wie der Zufall in der Natur. Doch das ist gewiss nicht das letzte Wort. Immerhin können wir nach den Motiven der menschlichen Akteure fragen, und – wenn wir sie finden – das Böse bis zu einem gewissen Grade erklären.

Im Hinblick auf das Ziel der Geschichte

aber erscheint es Jenner nicht nur möglich, sondern geradezu geboten, eine Problemlösung anzubieten (von Immanuel Kant bis zu Arnold Toynbee war diese auch schon von anderen begründet worden).

Seit der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts ist das Überleben der Menschen als Spezies in Gefahr. Mit dem Riesenarsenal bestehender Nuklearbomben und ballistischer Raketen hat er es ebenso in der Hand seine irdische Existenz zu beenden wie durch die Zerstörung der Umwelt. Das Ziel der Geschichte steht uns daher zum ersten Mal in der Geschichte ganz klar vor Augen: wir sitzen alle im selben Boot und müssen gemeinsam verhüten, dass dieses kentert und uns allesamt in den Abgrund reißt. Konkret bedeutet dies, dass wir unser Wirtschaftssystem und unsere Politik radikal ändern müssen. Das Problem der Freiheit wird daher auf einmal ganz konkret, weil es unmittelbar mit Krieg und Frieden zusammenhängt, denn der Mensch steht ja nicht nur der Natur gegenüber, sondern auch seinen Mitmenschen. Das Wettrennen der Nationen um die größere wirtschaftliche, militärische und politische Macht ist hier jener Faktor, der uns immer wieder in den Schwachsinn zu treiben droht.

Der intellektgesteuerte Mensch,

der als Problemsteller und manchmal auch als Problemlöser Bruchstellen, Konflikte und Widersprüche benennt, kann den Schwachsinn nur benennen. Er kann aufzeigen, wie Homo insapiens gegen den eigenen Vorteil handelt und dabei sogar das eigene Überleben riskiert. Intelligenz besitzt er im Überfluss, die Intelligenz von Wissenschaft und Technik hat das Antlitz der Erde innerhalb von nur drei Jahrhundert radikal umgestaltet. Diese Intelligenz aber macht ihn durchaus nicht zum Homo sapiens. Dazu ist etwas anderes nötig, nämlich Weisheit, die den Gefühlen entspringt, also der Sympathie für den anderen Menschen, der gegenseitigen Achtung und Hilfe. Solange das unselige Wettrennen der Nationen um die größere wirtschaftliche und militärische Macht nicht beendet wird, dürfen wir kaum hoffen, dass Homo sapiens – der weise und nicht bloß intelligente Mensch – Geschichte endlich in eine andere Richtung lenkt.

Für seinen groß angelegten Geschichtsentwurf

ist Jenner trotz mehrfachem Versuch bei keinem großen Verlag Interesse erregen können, obwohl Meinhard Miegel, ein bekannter Autor, dessen Schriften Jenner immer sehr schätzte, sich gegenüber dem Autor mit Lob über Stil und Inhalt der „Suche nach Sinn und Ziel der Geschichte“ äußerte. Es müsse unbedingt veröffentlicht werden, er wolle dies gegebenenfalls mit einem Druckkostenzuschuss unterstützen. Nicht nur Herr Miegel begrüßte die neue Arbeit, sondern Prof. Karl Acham, ein renommierter Österreichischer Soziologieprofessor, verbürgte sich sogar mit einem ausgiebigen Vorwort für dessen wissenschaftliche Seriosität.

Prof. Acham empfahl ihm den Springer Verlag für Soziologie in der Meinung, dass sein Vorwort dem Autor dort die Tür öffnen würde. Diesmal aber kam es ganz anders als damals beim Fischer Verlag. Gerade einmal zwei Tage nach Anlangen des Manuskripts beim Verlag (als ohne Prüfung) wurde es schon zurückgewiesen. Man kann sich denken, wie eine solche Reaktion zu erklären ist. Natürlich darf ein Lektor sich weder auf die eigene Meinung noch auf die eines ausländischen Gutachters verlassen. Wie im Kolosseum, wo Daumen nach oben oder Daumen nach unten über Leben und Tod eines Gladiators entschieden – geht es um das Placet eines jener Halbgötter am deutschen Professorenhimmel, die sich bei solchen Entscheidungen das letzte Wort vorbehalten – natürlich anonym, niemand kann sie dafür zur Rechenschaft ziehen. Offenbar hat die Losung „Unbefugten ist der Zutritt verboten“ sich in diesem Fall durchgesetzt.

Seitdem veröffentlicht Jenner bei Amazon

In gewisser Weise scheint diese Art der Publikation dem Naturell des Autors sogar entgegenzukommen, denn er findet ja nicht nur an anderen manches auszusetzen, sondern ebenso auch an sich selbst, sodass er in einem fort an den eigenen Schriften retuschiert, sie erweitert oder auch ganze Passagen wieder hinauswirft. Nichts wurmt ihn so sehr, wie wenn man ihm einen Fehler in der Rezeption der Fakten oder gar im Argument nachweisen kann (und das ist bisweilen leider durchaus möglich. Da Jenner ein Einzelkämpfer ist, schleichen sich schon hier und da Fehler ein). 5 Jedenfalls kommt die Veröffentlichung bei Amazon dieser Neigung zur Selbstkorrektur entgegen, denn Änderungen sowohl in der Printedition wie bei der Kindle-Ausgabe lassen sich am eigenen Computer innerhalb einer halben Stunde bewerkstelligen – ein Vorgehen, das bei anderen Verlagen völlig undenkbar wäre.

<1 Jenners These, wonach die Grundbegriffe der Chomskyschen Universalen Grammatik (Verb, Nomen etc.) nicht universal sind, ist entweder richtig oder falsch. Man sollte meinen, dass ernsthafte Wissenschaftler sie entweder akzeptieren oder widerlegen. Doch weiß Jenner von keinem Linguisten, der sich ernsthaft mit ihr auseinandergesetzt hätte. Das Orchideenfach Linguistik ist inzwischen so sehr zu einem Paradigma erstarrt (wie Thomas Kuhn es beschrieb), dass niemand deren Voraussetzungen mehr untersucht. Zwar mehren sich in letzter Zeit die Angriffe auf Chomsky, aber jetzt wird das Kind mit dem Bad ausgeworfen: Das legitime Ziel, Sprache überhaupt in den Blick zu bekommen und nicht nur Einzelsprachen, wird in Frage gestellt. 

<2 Jenners Habilitationsschrift über Linguistik, welche die Hauptthese bereits enthielt, wurde „aus formalen Gründen“ abgelehnt, obwohl ein Gutachter (Prof. Peter Hartmann aus Konstanz) sich im Gutachtergremium für sie eingesetzt hatte. Prof. Bernfried Schlerath, der damalige Ordinarius an der Freien Universität aber ließ nicht mit sich spaßen. Und das aus verständlichen Gründen: Jenner hatte nie auch nur eine einzige Stunde zu seinen Füßen gesessen.

<3 Chomsky schreibt seine politischen Schriften ebenso klar wie er in seinen linguistischen unklar ist. Vermutlich ist er deshalb aus dem zweiten in den ersten Bereich geflohen. Seiner Scholastik steht auch ein Linguist wie Steven Pinker ablehnend gegenüber. Dieser überzeugt durch erstaunliches Wissen, eine klare Sprache und kluge Argumentation. Jenner kritisiert Pinker aus einem anderen Grund: er hält ihn für unehrlich. Seine Idee von einer vorsprachlichen Sprache (Mentalese) liegt ganz auf der Linie Jenners, und die sich daraus ergebende Schlussfolgerung scheint offensichtlich. Pinker müsste ebenso wie er selbst Chomskys Grundbegriffe der Generativen Grammatik durch vorsprachliche ersetzen. Aber davor schreckt Pinker zurück, dann wäre er ja in Gefahr, sich von Chomsky ganz loszusagen und sich an die Seite eines immer noch ignorierten Außenseiters zu stellen. Hier erweist sich neuerlich die Macht der von Kuhn so eindringlich beschriebenen Paradigmen. Kuhn hatte den Dogmatismus in den Naturwissenschaften in ihren Paradigmen aufgespürt. Er hätte ein sehr viel leichteres Spiel in den Geisteswissenschaften gehabt. Wenn eine Firma neue Geräte gemäß den bekannten Naturgesetzen plant und produziert, dann kann man sich darauf verlassen, dass die zur Anwendung gelangenden Gesetze wahr sind – andernfalls würden die Geräte schlicht nicht funktionieren. Aber in den Geisteswissenschaften können die krausesten Theorien entstehen, ohne dass die Konfrontation mit der Wirklichkeit ihre Verfechter zu Revisionen zwingt.

<4 Die Homunkulus-Wissenschaft, wie sie der späte Chomsky betreibt, wird von David Golumbia in dem Aufsatz „The Language of Science and the Science of Language – Chomskys Cartesianism“ als Verstoß gegen die Grundsätze einer empirischen Wissenschaft in Frage gestellt.

<5 Jenner ist ein Einzelkämpfer, seine letzten Bücher sind weder durch die Hände eines Lektors gegangen, noch hat er Freunde gebeten, sie durchzusehen. Manchmal haben sich deswegen auch Fehler eingeschlichen, die ihm sehr peinlich waren. So hat er zum Beispiel das Anthropozän irrtümlich nicht in dem von seinem Erfinder Paul Josef Crutzen gemeinten Sinn zur Bezeichnung des Industriezeitalters verwendet, sondern es auf die gesamte Geschichte bezogen, seit der Mensch seine Umwelt aktiv veränderte. Das geschah bereits zur Zeit der Jäger und Sammler, als diese die Megafauna global weitgehend ausrotteten. Jenner hat diesen Fehler korrigiert, indem er den Begriff des „Großen Anthropozäns“ verwendet.

Der Autor Egon W. Kreutzer schreibt:

Herzlichen Dank für diesen Einblick in Ihr Innenleben, Gero Jenner! Irgendwann, und wohl ohne meinen diesbezüglichen Antrag, ist meine Mail-Adresse in den Verteiler Ihrer Newsletter geraten. Was Sie schreiben, sammelt sich als Essenz in meinem Bewusstsein an. Ich könnte nichts davon im Wortsinn wieder hervorkramen, doch es eröffnet mir beim Lesen die Wahrnehmung neuer Perspektiven, und lässt mich später die neu entdeckten Standpunkte selbst wieder einnehmen. Herzlichen Dank für alles! Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer

Der Komponist und Freund Franz Zebinger:

Lieber Gero, mit Faszination habe ich eben das Resümee deines Schaffens – und Lebens (wo ja das eine ins andere greift) gelesen! Herzlichen Dank dafür! Vieles verstehe ich nach dieser deiner Selbstanalyse besser. Deine Feststellung, dass die diplomierten Fachleute Outsider einfach nicht ein- und zulassen, kann ich auch für mich als Komponisten ohne einschlägiges Fachstudium bestätigen. Kein renommierter Verlag hat meine Kompositionen jemals gedruckt. Wie du mit Amazon ganz gut leben kannst, kann auch ich mich mittels meines Schreibprogramms Sibelius bestens „verwirklichen“ und meine Musik interessierten Menschen vermitteln.
Ganz herzliche Grüße aus der Klausur, die uns Schöpferischen eigentlich sowieso adäquat und deswegen nicht bedrückend ist!
Franz

Herr Dr. Dirk-Michael Harmsen schreibt mir Folgendes:

Lieber Herr Jenner,

seit vielen Monaten lese ich schon Ihren Blog. Der gestgrige hat mir insofern besonders gefallen, weil Sie auf humorvolle Weise auf sich selbst (zurück)blicken und Höhen und Tiefen Ihres geistigen, schriftstellerischen Lebens Ihren Lesern schildern. So macht das Lesen autobiografischer Notizen Spaß. 

Vielen Dank und … bleiben Sie gesund in diesen pandemischen Zeiten,
Dirk Harmsen

Vermögenssteuer – Theaterdonner im österreichischen Sommerloch

Das Publikum – selbst jenes, das von Politik gewöhnlich nichts wissen will – ist reizbar geworden, wenn es um Fragen der exorbitanten Einkommen von Bankchefs, Konzernherren, Politikern und anderen Magnaten von Wirtschaft und Politik geht. Ein Sturzbach von Steuergeldern, der zur Abwendung der Bankenkrise die Mittel aus den Händen der Ärmeren in die der Reichen und Superreichen (Gläubiger) geschwemmt hat – viele sehen darin ein amoralisches Menetekel. Vermögenssteuer – Theaterdonner im österreichischen Sommerloch weiterlesen