Gero Jenner

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Gero Jenner ist ein deutsch-österreichischer Autor und Publizist, dessen Veröffentlichungen sich auf Wissenschaft (Philosophie, Wirtschaft, Sprachwissenschaft) und Literatur erstrecken. Studium der Philosophie, Indologie und Sinologie in Hamburg, später in München, Paris und Rom. Zuvor Aufnahme in die „Studienstiftung des Deutschen Volkes“. Zweitstudium der Soziologie in München und London ebenfalls mit Unterstützung der Studienstiftung. Tätigkeit an der Ecole Française d`Extrême Orient in Kyoto, Japan. Koordinator für Südasienforschung an der Universität Heidelberg. Lektor für Deutsche Kultur und Sprache an der Tohoku Universität Sendai, Japan. Assistent für Indologie an der Freien Universität Berlin. Eine Habilitationsschrift über Patanjalis Yogasutram brach Jenner überraschend ab, um sich mit einer linguistischen Arbeit zu habilitieren. Die wurde von der Kommission „aus formalen Gründen“ abgelehnt. Daraufhin verlegte Jenner ab 1982 seinen Wohnsitz nach Österreich, Puch bei Graz. Ab 1979 ist er mit der Bildhauerin Anna Jenner verheiratet und betätigt sich als freier Schriftsteller. Mehr

unsichtbar
1. Philosophie
1.1 Das Gegenüber von Wissenschaft und Religion
1.2 Das Verhältnis von Religion zu Mystik
1.3 Das Problem der Freiheit in Religion und Wissenschaft
1.4 Über den Frieden
2. Wirtschafts- und Politikanalyse
……….2.1 Handelstheorie
……….2.2 Steuertheorie
……….2.3 Geldtheorie
……….2.4 Globalisierungskritik
3. Sprachwissenschaft
……….3.1 Generelle Grammatik
4. Erzählungen und Romane
5. Kritik von Vertretern
……….5.1 des Bedingungslosen Grundeinkommens
……….5.2 der Vollgeldtheorie
……….5.3 von Datenschützern
……….5.4 Kritik am Fehlen eines eindeutigen 
……….Bekenntnisses zum linken bzw. rechten Lager
6. Literatur

 

1. Philosophie

Jenner sieht in der Philosophie mehr als eine akademische Disziplin – heute vorzugsweise auf die beiden Fachbereiche von Sprachanalytik und Philosophiegeschichte reduziert: Sie ist für ihn eine Geisteshaltung, die vor allem darin besteht, vermeintlich Selbstverständliches zu hinterfragen. In diesem Sinne stand für ihn die Frage nach der Wissenschaft immer im Vordergrund, eben weil deren Wahrheiten heute als Inbegriff des Selbstverständlichen gelten. In welchem Verhältnis stehen die Gesetze der Natur zu denen des Menschen, wie sie sich in der Kultur, speziell, den Religionen manifestieren? Schriften

……1.1 Das Gegenüber von Wissenschaft und Religion
Jenner zufolge sei diese Frage gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Geistesgrößen wie Wilhelm Dilthey, Max Weber, Emile Durkheim oder William James mit nie wieder erreichter Breite des empirischen Überblicks und Tiefe des Denkens behandelt worden; abgeschlossen sei diese Diskussion aber bis heute nicht, wie das höchst intelligente, aber seiner Meinung nach irreführende Buch von Richard Dawkins „Der Gotteswahn“ beweise. In Jenners bei Metropolis erschienenem Werk „Die Macht der Träume und die Ohnmacht der Vernunft – eine Philosophie der Freiheit“ (englisch: Doubt and Dogma – a Philosophy of Freedom in Nature and Man) geht es um die Wahrheit der Religion im Verhältnis zur Wahrheit der Wissenschaft.

……1.2 Das Verhältnis von Religion zu Mystik
Religionen setzen Werte und stellen Gemeinschaft her (Bindung: der elementare Sinn von „Religio“) – eine Funktion, welche die Wissenschaften nicht auszuüben vermögen. Mystik versucht sich von allem Menschlich-Allzumenschlichen (allen Anthropomorphismen) zu befreien. In dieser Hinsicht gleicht sie der Wissenschaft. Es ist nicht verwunderlich, dass ihre Sprache – wie ihr größter Kenner Rudolf Otto betont – eine universale ist, der man in allen Epochen und über den ganzen Globus begegnet. In seinem bisher unveröffentlichten Buch „Der Dawkinswahn oder die Antwort der Mystik“ unternimmt es Jenner, in die Tiefen und Spielarten mystischen Denkens vorzudringen.

……1.3 Das Problem der Freiheit in Religion und Wissenschaft
Ein zentrales Problem ist für Jenner die Freiheit des Willens und der darauf begründeten Handlungen. In der modernen Neurologie wird sie geleugnet. Das Gehirn sei ein nach Naturgesetzen funktionierender Apparat, also müsse jede Wirkung dort gesetzhaft auf eine Ursache zurückgeführt werden können. Willensfreiheit gebe es nur als subjektive Illusion, aber nicht als objektives Faktum. Diesen Glauben an eine durchgehend von Naturgesetzen beherrschte Welt – von der Physik durch die Quantenmechanik längst relativiert – hält Jenner mit Karl Popper für eine „metaphysische“ (weil nicht falsifizierbare) Annahme, deren historischen Ursprung und seiner Meinung nach fehlerhafte Begründung er in seinem Buch „Die Macht der Träume“ systematisch verfolgt. Bemerkenswert erscheint ihm dabei der Parallelismus zwischen der Leugnung von Freiheit in Religionen und Wissenschaft – wobei nur auf den ersten Blick die jeweilige Motivation als grundverschieden erscheint, denn ebenso wie der „kritischen Theologie“ die „Machttheologie“ so stehe, Jenner zufolge, einer „Machtwissenschaft“ die „kritische Wissenschaft“ gegenüber. Ob es Jenner gelungen ist, mit seinen „vier Beweisen für die Freiheit in Mensch und Natur“ die religiösen bzw. naturwissenschaftlichen Deterministen zu überzeugen, wird man abwarten müssen.

……1.4 Über den Frieden
Von Immanuel Kants berühmtem Werk „Zum ewigen Frieden“ hat Jenner sich zu dem bisher ebenfalls unveröffentlichten Buch „Technik, Terror und der kommende Weltstaat“ inspirieren lassen – einem Buch, das er, wie er selbst es ausdrückt, lieber nicht geschrieben hätte, denn das Menschenbild, das sich ihm dabei erschloss, weise wenig sympathische Züge auf. „History is made by lazy, greedy, frightened people (who rarely know what they’re doing) looking for easier, more profitable, and safer ways to do things”, so lautet das Resümee des großen englischen Historikers Ian Morris über den Durchschnittsmenschen auf der östlichen wie westlichen Seite des Globus. Zu einem ähnlichen Schluss gelangt Jenner, wobei er allerdings die Rolle der Technik und das weltweite Wettrennen um die größere ökonomische und militärische Macht besonders hervorhebt. Für die Zukunft lässt Jenner dennoch den Lichtblick eines andauernden Friedens durchscheinen. Mit der Idee einer künftigen Weltregierung, die vielen Menschen heute noch als phantastisch erscheint, bewegt er sich immerhin auf den Spuren großer Denker: Er folgt er dem Historiker Arnold Toynbee, dem Philosophen Bertrand Russell und dem Naturwissenschaftler Albert Einstein – nicht zuletzt aber auch Immanuel Kant, der dieselbe Idee in anderer Form propagierte. Mehr

 

2. Wirtschafts- und Politikanalyse

Ein Zweitstudium der Soziologie und ein mehr als dreijähriger Aufenthalt in Japan gaben den Ausschlag für Jenners intensive Beschäftigung mit Problemen des industriellen Kapitalismus, in dem er zugleich das erfolgreichste Wirtschaftssystem und das am stärksten gefährdete sieht, weil eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich eine akute Gefahr für die Stabilität der Gesellschaft bilde. Gekennzeichnet sei der „parasitäre Kapitalismus“ durch eine Reichtumsverlagerung von der Leistung zum leistungslosen Erwerb (durch Zinsen, Dividenden und die Spekulation mit Rohstoffen aller Art einschließlich Nahrungsmitteln). Die Gesellschaft zerfällt dadurch in eine für immer weniger Lohn arbeitende Mehrheit und eine Minderheit von weniger als zehn Prozent (in den USA weniger als 1 Prozent), in deren Händen sich die Vermögen konzentrieren. Den zugrundeliegenden Vorgang hat Jenner als „Pyramidenspiel“ beschrieben, das regelmäßig in ökonomischem wie sozialem Kollaps kulminiere. Jenners Arbeiten auf dem Gebiet der ökonomischen Analyse wurde von zwei Experten, Prof. Bert Rürup und Prof. Gerhard Scherhorn, gewürdigt, beide vorübergehend Mitglieder des Deutschen Sachverständigenrats (Rat der Wirtschaftsweisen). Schriften

……….2.1 Handelstheorie

Gerhard Scherhorn zufolge hat Jenner den Begriff des „Verdrängungshandels“ geprägt, mit dem Billiganbieter (allerdings im Interesse heimischer Großkonzerne) die produktive Basis der alten Industriegesellschaften aushöhlen.  Jenner liefert eine theoretische Begründung, warum technologischer Fortschritt, auch wenn er – wie seit zweihundert Jahren der Fall – Arbeit und Berufe in großem Maße vernichtet, per Saldo ein Vielfaches an neuen Tätigkeiten erzeugt (siehe Die Arbeitslose Gesellschaft, S. Fischer). Da Automatisierung die Produkte stetig verbilligt, steige die allgemeine Kaufkraft und damit die Nachfrage nach neuen Produkten und den entsprechenden Berufen. Dieser Prozess sei heute nur deswegen (weitgehend) außer Kraft gesetzt, weil der durch solche Verbilligung erzielte Gewinn überwiegend in die Taschen der Investoren fließe (statt die Kaufkraft der Bevölkerung zu erhöhen). In Zeiten der Globalisierung steht den Investoren aber die Möglichkeit offen, den zusätzlichen Gewinn in aller Welt überall dort anzulegen, wo die Steuern am tiefsten, die Umweltauflagen am geringsten und die Arbeit am billigsten ist. Erst auf diese Weise sei es tatsächlich zu einer Vernichtung der Arbeit in den alten Industrienationen (allen voran den USA) gekommen.

……….2.2 Steuertheorie

Jenner hat ein radikal vereinfachtes Steuersystem entworfen, das die Leistung – also das, was das Individuum der Gesellschaft gibt – grundsätzlich unangetastet lässt. Stattdessen greift es ausschließlich auf den Konsum zu, d.h. auf das, was der Einzelne der Gesellschaft durch seinen Verbrauch entzieht. Arbeit in allen Formen bleibt also grundsätzlich unbesteuert. Sämtliche Lohnnebenkosten entfallen (Neuer Fiskalismus).

Jenners Modell einer ausschließlichen Belastung des Konsums verbindet die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit mit der ebenso wichtigen nach ökologischer Schonung der Natur. Ebenso wie die Bekämpfung des kriminellen Geldes lässt sich beides am wirksamsten in einem bargeldlosen System realisieren, wie es seit Ende des vergangenen Jahrhunderts technisch möglich wurde.

……….2.3 Geldtheorie

Im Gegensatz zu den Vollgeldtheoretikern, welche den Geschäftsbanken die Fähigkeit zuschreiben, in beliebigem Umfang Geld aus dem Nichts zu kreieren und damit das Monopol der Zentralbanken außer Kraft zu setzen, hält Jenner die Kritik der orthodoxen Geldtheorie an dieser Auffassung für grundsätzlich richtig. Mit Silvio Gesell und Helmut Creutz geht er allerdings davon aus, dass der Mechanismus der Zinsen eine leistungslose Bereicherung ermöglicht, welche die ohnehin inhärente Tendenz eines parasitären Kapitalismus begünstigt, die Gesellschaft in eine plutokratische Minderheit und eine durch diese ausgebeutete Mehrheit zu spalten. Die Umverteilung des volkswirtschaftlichen Reichtum von unten nach oben wird dabei nicht allein durch Zinsen, sondern mit gleicher Wirksamkeit durch Dividenden und Spekulation ermöglicht (Das Pyramidenspiel, Das Ökonomische Manifest)

……….2.4 Globalisierungskritik

Während Jenner in der Globalisierung des Wissens einen bedeutenden Fortschritt erblickt, ist er ein scharfer Kritiker jener Globalisierung der Finanz- und Warenströme, durch die beliebige Verwerfungen und Zusammenbrüche an bestimmten Punkten der Erde zur Gefahr für den ganzen Globus werden.

Im Gefolge von Bertrand Russell, Albert Einstein, Arnold Toynbee und Immanuel Kant sieht er die einzige Chance für eine Menschheit, die am mörderischen technisch-ökonomischen und militärischen Wettbewerb mit sich selbst zugrunde zu gehen droht, in der Errichtung einer künftigen Weltregierung. Diese allein sei imstande, die Globalisierung aus der Bahn der Zerstörung in die eines dauernden Friedens umzulenken.

 

3. Sprachwissenschaft

In seinen Sachbüchern zur allgemeinen Sprachwissen­schaft vertritt Jenner einen generativen Ansatz, der in seiner Zielsetzung Noam Chomsky folgt, aber auf einer strikten Trennung von Bedeutung und Form besteht. Damit legt Jenner der generativen Grammatik universale Grund­begriffe zugrunde, welche (im Gegensatz zu Chomsky) die Vielfalt menschlicher Sprachen aus gleichen semantischen wie formalen Grundelementen erst analytisch zu erfassen und synthetisch zu generieren erlauben. Schriften

……….3.1 Generelle Grammatik
Eine generelle Grammatik legt einerseits die grundlegenden semantischen Bausteine und Strukturen frei, welche der neurologische Apparat des Menschen (sein Gehirn) bei der konzeptuellen Erfassung des Wirklichen benutzt, andererseits beschreibt sie die grundlegenden Bausteine und Strukturen, deren sich das lautbildende menschliche Organ bedient, um die semantischen Inhalte „formal zu realisieren“ und sie dadurch für die Kommunikation allererst nutzbar zu machen. Die konkrete semantische Analyse des Wirklichen ist zwar potentiell ebenso unendlich wie deren konkrete lautliche Realisierung (so unendlich wie alle je vorgefundenen und noch möglichen Sprachen); die grundlegenden Bausteine und Strukturen sind aber endlich und tatsächlich sehr begrenzt, so dass auch die Zahl möglicher Sprachtypen eingeschränkt ist.

 

4. Erzählungen und Romane

Vernunft ist ein Instrument humaner Daseinsorientie­rung wie der magnetische Sinn von Wandertauben oder die Ultraschallortung der Fleder­mäuse. Die Welt selbst erweist uns allerdings nicht den Gefallen, sich nach menschlicher Vernunft zu richten. Deswegen kann es zu einem Bedürfnis werden, sich manchmal von deren übermäßigem Gebrauch zu erholen. Das bezweckt Jenner mit seinen Erzählungen und Romanen. Die Welt erscheint in ihnen weder durch Vernunft zurechtgebogen noch künstlich verschönert, sondern so wunderbar irrational, absurd und böse, wie sie uns gewöhnlich erscheint. Schriften

 

5. Kritik

5.1 Kritik aus dem Lager des Bedingungslosen Grundeinkommens

Von den Vertretern des bedingungslosen Grundeinkommens wurde Jenner für dessen entschiedene Ablehnung heftig kritisiert, zumal er nicht mit spöttischen Seitenhieben gegen Götz Werner spart, deren prominentesten Vertreter. Zwar hält Jenner es für die eigentliche Grundaufgabe eines demokratischen Staats, die Schwachen vor der Übermacht der Starken zu schützen. Eine Wirtschaft des Wettbewerbs, in der zwangsläufig ein gewisser Prozentsatz an Menschen zu den Verlierern des Fortschritts gehört, wäre ohne soziale Absicherung auf Dauer nicht überlebensfähig. Das bedingungslose Grundeinkommen, das jeden Bürger unabhängig von aller Leistung für die eigene Gesellschaft in einen Rentier verwandelt, und zwar auf Kosten der arbeitenden Mehrheit, würde ihm zufolge aber das Prinzip leistungsloser Einkommen – dieses Grundübels des parasitären Kapitalismus, für den bisher nur eine Minderheit verantwortlich zeichnet – auf die Gesellschaft insgesamt ausdehnen, deren Bürger ihr gegenüber nur noch Rechte einfordern, sich aber von allen sozialen Pflichten befreien. Es sei schon schlimm genug, so Jenner, dass das Prinzip des Gebens und Nehmens, auf dem aller sozialer Zusammenhalt beruht, durch das Privileg erblicher Vorteile von den oberen Zehntausend sabotiert wird – die Einführung bedingungsloser Versorgung würde zu seiner vollständigen Beseitigung führen.

Das von den Verfechtern des bedingungslosen Einkommen – auch von einem so klugen Mann wie Richard David Precht – refrainartig vorgebrachte Argument, wonach die Gesellschaft der Zukunft ohne Arbeit auskommen müsse und daher gar keine andere Lösung in Frage komme, ist nach Meinung Jenners ökonomisch eindeutig falsch (siehe oben 2.1 Handelstheorie).

5.2 Kritik aus dem Lager der Vollgeldtheoretiker

Unter dem Stichwort ‚Gero Jenner’ findet man auf Google gleich an dritter und vierter Stelle Einträge kritischer Art, von denen einer dem Autor ,Empfindlichkeit‘, der andere sogar die Absicht zuschreibt, ,Dreck zu schleudern‘.

Jenners Replik: Herr Prof. Bernd Senf sei ein sehr verdienter Ökonom, dessen Schriften er gerne gelesen habe und eigentlich nur in einem Punkt kritisiere, nämlich in Bezug auf seine Theorie von der Geldschöpfung aus dem Nichts. Diese sei bei ihm keineswegs neu, argumentativ vorgebildet finde man sie bei Ludwig von Mises, Joseph Schumpeter,  Irving Fisher und anderen; allerdings vertrete Herr Senf die Geldschöpfungstheorie mit dem für ihn bezeichnenden missionarischen Eifer, der ihn gegen jede Kritik sehr sensibel macht. Man brauche Herrn Senf nur ein rotes Taschentuch von Kritik vor die Augen zu halten, so stürme er gleich mit gesenkten Hörnern dagegen an.

Zu Norbert Häring möchte Jenner sich nicht weiter äußern, zumal die Feinheiten der Geldtheorie nur eine kleine Zahl wirklicher Spezialisten interessieren. Was er zu diesem Thema zu sagen habe, sei in „Wohlstand und Armut“ zu lesen mit weiteren Anmerkungen in folgenden Artikeln:

Geldschöpfung, Geld und Zinsen sowie:

Das Geld und das Nichts – nun proben auch der DER SPIEGEL und Norbert Häring den Aufstand gegen die Vernunft

Im Einzelnen geht Jenner auf die seiner Meinung nach recht krause Theorie der Geldschöpfung aus dem Nichts in folgendem Artikel jüngeren Datums ein: Ludwig Edler von Mises und die Monetative – wie Irrtümer sich vererben.

Zusammengefasst sind seine Argumente schließlich in der kritischen Besprechung von Prof. Joseph Hubers Buch „Monetäre Modernisierung“. Die hier gegen Hubers Vorstellungen vorgebrachten Argumente widerlegen ebenso Norbert Härings Ansichten zur Geldschöpfung (die dieser übrigens weitgehend von Murray N. Rothbard bezieht, einem Schüler von Ludwig von Mises). Es spricht nicht gerade für die intellektuelle Redlichkeit der Herren Huber,  Häring und Senf, dass sie diese Widerlegung schlicht ignorieren.

Jenners vorläufig letztes Buch zur Ökonomie ‚Das ökonomische Manifest’ (als ebook bei Monsenstein und Vannerdat nicht mehr erhältlich, da der Verlag in Konkurs ging) fasst in fünf Fundamentalreformen einige Forderungen zusammen, die er in früheren Arbeiten bereits angedeutet oder auch schon ausgeführt hatte. Es handelt sich um den wagemutigen, vielleicht tollkühnen Versuch, das scheinbar Selbstverständliche zu hinterfragen. Resultat dieser Reformen ist der Entwurf einer klassenlosen Gesellschaft, wie sie das linke Lager erträumt, aber die in den Revolutionen des 18. Jahrhunderts vorausgeahnte soziale Marktwirtschaft erst möglich gemacht hat: eine Gesellschaft ohne erbliche Privilegien, ausschließlich auf Wissen und Können begründet, in der wir die Steuern auf Arbeit gegen Null reduzieren!

5.3 Kritik aus dem Lager der Datenschützer

Seine Befürwortung eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs, der auch von anderen Wirtschaftstheoretikern positiv beurteilt und in mehreren Staaten bereits schrittweise verwirklicht wird, hat Jenner heftige Kritik eingetragen, die im Wesentlichen auf der berechtigten Sorge vor einer Orwellschen Überwachung durch einen allmächtigen Staat beruht. Das Missverständnis „Vom Ende der Freiheit“ wird allerdings auch von Ökonomen und führenden deutschen Zeitungen vertreten. Jenner hält die Sorge für unbegründet: Eine demokratische Gesellschaft könne sich wirksam davor schützen (Neuer Fiskalismus).

5.4 Kritik am Fehlen einer eindeutigen Zuordnung zum linken bzw. rechten Lager

Jenner hat sich gegen die üblichen Zuordnungen immer gewehrt und es deshalb begrüßt, dass seine Aufsätze von „scharflinks“ ebenso wie von der liberal-konservativen Internetplattform „Tichys Einblick“ übernommen wurden. Während er in seinen sämtlichen Schriften zur politischen Ökonomie die leistungslose Bereicherung als Grundübel des parasitären Kapitalismus anprangert, hält er die kapitalistische Marktwirtschaft selbst, da sie als einzige die politische und wirtschaftliche Initiative aller Individuen für das gemeinsame Wohl mobilisiert, für die größte Errungenschaft der Moderne – solange sie die Gleichheit der Chancen ermöglicht. Denn in dieser Forderung bestand das linke Projekt einer Aufklärung, welche die Privilegien von König, Adel und Klerus bekämpfte und die Demokratie in Wirtschaft und Politik begründete. Karl Marx hat den moralischen Impetus aufgenommen und die fürchterlichen Missstände der beginnenden Industrialisierung wie kein anderer gebrandmarkt. Jenner zufolge habe er sich aber in seinen theoretischen Schriften als verirrter Sohn der Aufklärung erwiesen: Statt sich ausschließlich gegen die Privilegien des Eigentums zu wenden, habe er das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, indem er das Eigentum (an den Mitteln der Produktion) überhaupt beseitigen wollte. Damit habe Marx weltweit verheerenden Schaden angerichtet (vgl. „Wohlstand und Armut“ und „Why Nations Fail“). Die klare Distanzierung Jenners von Marx im Sinne der Aufklärung wird als rechte Abweichung verbucht.
Als rechte Tendenz wird auch die Ablehnung eines Bedingungslosen Grundeinkommens bewertet (siehe oben) und Jenners Haltung zur Flüchtlingsfrage. Was letztere betrifft, so kommt es ihm sehr darauf an, nicht missverstanden zu werden. Zu den Quellen geistiger Inspiration zählen für ihn Max Weber, Émile Durkheim, Alexis de Tocqueville, Hannah Arendt – alles Denker, welche sich auszeichneten durch einen empathischen Blick auf die Vielfalt menschlicher Denk- und Gestaltungsformen. Jenner selbst hat sich speziell mit den Kulturkreisen: Indien, Japan und China befasst. Daraus ergibt sich für ihn die Grunderkenntnis, dass die Verschiedenheit der kulturellen Daseinsentwürfe in historischer Sicht immer Grenzen zur Voraussetzung hat. In der grenzfreien Konfrontation kommen nur drei Arten der Reaktion in Frage: das (oder der) Andere wird gewaltsam verdrängt, man gibt (sich selbst bzw.) das Eigene auf oder das Fremde wird mit dem Eigenen zu einer neuen Synthese vermischt. Die dritte Alternative kann auf lange Sicht durchaus Belebung und Erneuerung bedeuten – in kurzfristiger Perspektive sind alle drei Entwicklungsalternativen fast immer von Vertreibungen und Gewalt begleitet. Eine nicht nur populistisch auf den Augenblick (sei es auch der spontanen Hilfsbereitschaft) fixierte Politik sollte daher stets an die langfristigen Auswirkungen denken. In diesem Sinne hat Jenner von Anfang an vor einer leichtsinnigen Flüchtlingspolitik gewarnt. Die peinliche Nähe zu rechtsextremer Demagogie, die sich den Fremdenhass auf die Fahnen schreibt, hat er dabei ebenso in Kauf nehmen müssen wie andere Warner.

 

6. Literatur

Politik und Sozialökonomie

  • Japan – eine untergehende Sonne? Peter Lang, 1997
  • Die arbeitslose Gesellschaft. S. Fischer, 1997
  • Das Ende des Kapitalismus – Triumph oder Kollaps eines Wirtschaftssystems? Fischer, 1999
  • (Chinesische Version:) 資本主義的未来. Social Sciences Dokumentation Publishing House, 2004
  • Energiewende – So sichern wir Deutschlands Zukunft. Propyläen, 2006
  • Das Pyramidenspiel. Signum, 2008
  • Wohlstand und Armut – eine allgemeine Theorie über Eigentum, Geld, Güter und Staat. Metropolis, 2010
  • Von der Krise ins Chaos. Signum, 2012
  • EuroKalypse Now? Es gibt einen Weg aus der Krise! Metropolis, 2012
  • TechnoKrieg global – oder Frieden mit Mensch und Natur? unveröffentlicht, 2014[1]
  • Das Ökonomische Manifest – fünf Fundamentalreformen, um den Niedergang von Wirtschaft und Demokratie aufzuhalten. Monsenstein und Vannerdat, 2015

Sprache und Linguistik

  • Die poetischen Figuren der Inder von Bhamaha bis Mammata. Schriftenreihe des Europakollegs, Ludwig Appel, 1968
  • The Place of Japanese in General Linguistics. erschienen in den Berichten der Toyogakkai, 1974
  • Grammatica Nova. Peter Lang, 1981
  • Prolegomena zur Generellen Grammatik. Peter Lang, 1991
  • Principles of Language. Peter Lang, 1993
  • Principles of Language. teilweise überarbeitet[2]

Philosophie

  • Max Weber’s Essays on the Sociology of Religion. erschienen in den Berichten der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tokio, 1974
  • Wider den Stachel – Gespräche zur Zeit- und Kulturkritik. Peter Lang, 1985, C.H. Beck im Internet
  • Das Gottesproblem. Peter Lang, 2004
  • Der Dawkinswahn oder die Antwort der Mystik. unveröffentlicht, 2008[3]
  • Die Macht der Träume und die Ohnmacht der Vernunft – eine Philosophie der Freiheit. Metropolis, 2013

Erzählungen

  • Die Messingstadt und andere Erzählungen. Leykam, 1989

Unter dem Pseudonym Till Angersbrecht mehrere Romane phantastischer Art:

  • Allah und die Klavierspielerin
  • Wien!
  • Die Weltenretter
  • Ego – oder das Unglück, ein Mann auf dem Mars zu sein
  • Schatten der Schuld
  • Die Botschaft, die ihr nicht hören wollt
  • Die Leiden des schwarzen Peters

Weblinks

Einzelnachweise