Wer sich um Europa bemüht – trotz allen Propagandagetöses das größte Friedens- und Versöhnungsprojekt der neueren Geschichte -, der wird sich nicht an den Giftmischern von AfD, FPÖ, Lega Nord, Front National etc. orientieren, aber er wird sie besonders genau studieren, weil gerade sie, und zwar als Sprachrohr großer Bevölkerungskreise, die Fehler und Irrwege sichtbar machen, die den Erfolg dieses Projektes bedrohen.
Wer nach dem Motto „Wir schaffen es!“ Migranten zu gleichwertigen Bürgern machen möchte, der wird sich mit den deutschen Islamforschern Navid Kermani (persische Eltern) und Ahmad Milad Karimi (afghanische Wurzeln) befassen, aber er wird Sarrazin ganz genau kennen – statt sich wie Frau Merkel als Verdienst anzurechnen, ihn nie gelesen zu haben -, denn nur dann wird er wissen, dass eine leichtfertige Einwanderungspolitik durchaus scheitern könnte – und wir es vielleicht „nicht schaffen werden“. Seit einiger Zeit herrscht bei uns (in Deutschland und Österreich) die Tendenz, auf den anderen Teil nicht mehr zu hören, falls er sich weigert, die offizielle Linie zu übernehmen, denn Probleme glaubt man auf einfache Art dadurch zu lösen, dass man die Augen vor ihnen verschließt. Bassam Tibi, ein deutscher Politikwissenschaftler mit syrischen Wurzeln, wird bei uns neuerdings nicht mehr gehört, umso wichtiger ist es, seine Ansichten zu kennen:
28.7.16

Elmar Podgorschek schrieb per Mail dazu:
Sehr geehrter Herr Doktor Jenner,
nachdem ich in regelmäßigen Abständen Ihre Emails erhalte und diese auch studiere, möchte ich mich sehr herzlich für die Informationen bedanken. Ich bitte Sie deshalb, mich als verantwortungsbewussten freiheitlichen Politiker nicht als Giftmischer zu bezeichnen. Das größte Friedensprojekt der Nachkriegszeit wird leider derzeit von den verantwortlichen Politikern massiv gefährdet und nicht von Kritikern dieser Entwicklung.
Beste Grüße!
Elmar Podgorschek
Christian Müller warnt mich (per Mail):
Sehr geehrter Herr Dr. Jenner
Bitte seien Sie mit der Empfehlung der Plattform „audiatur“ vorsichtig. Die Plattform wurde als Vehikel für Pro-Israel-PR gegründet, wobei einer der Gründer, der Schweizer PR-Berater Sacha Wigdorovits, wohl nicht ganz zufällig nicht mehr im Stiftungsrat figuriert. (Er war involviert in den politischen Abschuss eines israelkritischen Mitgliedes des Schweizer Parlaments mithilfe der Publikation einer Sex-Selfie-Geschichte in einem Schweizer Sensationsblatt. Alles in allem eine recht unappetliche Geschichte. Der Schweizer Presserat hat das Vorgehen der Zeitung und ihrer Informanten bereits scharf kritisiert, die noch hängigen Gerichtsverfahren lassen auf sich warten.)
Siehe dazu auch http://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Pro-Israel-Meinungsmache-wird-professionalisiert
Auch dass Audiatur regelmässig und ausführlich Henryk M. Broder als Kronzeuge ihrer Berichte zitiert, ist wohl eher nicht ein Indiz dafür, dass es der Website Audiatur-online um eine anständige Anhörung der „altera pars“ geht.
Mit freundlichem Gruss
Christian Müller
Dr. Volker Soyez schickt per Mail folgenden Kommentar:
Sehr geehrter Herr Dr. Jenner,
„Giftmischer“???? Das steht Ihnen nicht zu! Solange das BVerfG nicht die Verfassungswidrigkeit einer Partei festgestellt hat, ist diese als legitime demokratische Kraft zu respektieren, und zwar unabhängig davon ob man deren politisches Programm teilt oder nicht. Im Übrigen scheinen die aktuellen und eklatanten außen-, innen-, wirtschafts-, und sozialpolitischen Probleme eher das Ergebnis eines eifrigen Giftmischens der bisherigen Regierungsparteien zu sein.
Mit Ihren anti-demokratischen Plattitüden machen Sie sich zum Teil des Problems und tragen sicherlich nicht zur Lösung bei. Gerade von Ihnen hätte ich Anderes erwartet.
Mit freundlichen Grüßen
Volker Soyez
Werner Schwarz gab per Mail folgende Meinung ab:
Lieber Gero,
ich glaube, es ist besser, wenn du mir deine Belehrungen bezüglich der derzeitigen Flüchtlingspolitik nicht mehr zukommen lässt. Wir haben einen anderen Zugang. Wir kennen selber zahlreiche Flüchtlinge, das Thema beschäftigt uns fast täglich. Deinen Standpunkt kennen wir, die Zeitungen sind voll mit derartigen Kommentaren und Leserbriefen.
Herzliche Grüße
Werner
Meine Antwort:
Lieber Werner,
erst jetzt komme ich zu einer Antwort auf Deine eMail. Nein, du wirst von mir in Zukunft nichts mehr hören, schon gar keine Belehrungen, zumal ich nicht einsehe, worin diese bestand. Bassam Tibi bringt einen Standpunkt vor, von dem die Zeitungen ganz gewiss nicht voll sind, denn er gehört weder zu den Fremdenhassern (dann müsste er ja sich selbst und seine Landsleute hassen) noch zu den Willkommensideologen, also zu den Fanatikern beider Lager. Er ist ein einfach nur ein Denker der Frankfurter Schule, die dafür berühmt ist, vor keinen Tabus zurückzuschrecken. Natürlich musst Du seine Ansichten nicht teilen, wenn Du es besser und anders weißt, aber sie als Belehrung, also als etwas Störendes abzulehnen, kommt mir doch etwas merkwürdig vor.
Bin ich also der Belehrende, dessen Meinungen ohnehin in allen Zeitungen zu finden sind? Das sollte mich wundern. Ich stand und stehe bis heute weit außerhalb der beiden ideologischen Lager. Mein ganzes Studium war, wie Du weißt, fremden Kulturen gewidmet, aber andererseits vermag ich nicht darüber hinwegzusehen, dass speziell die Deutschen und Österreicher immer den Extremen zuneigten und damit in ihrer Geschichte Fürchterliches bewirkten. Genau deswegen habe ich immer für Besonnenheit und Vorsicht plädiert – eine Haltung, die bei den Fanatikern aller Couleurs freilich nur Misstrauen hervorruft. Es ist einfach nicht wahr, dass Du meinen Ansichten in allen Zeitungen begegnest. Das Gegenteil ist richtig, gerade der Besonnenheit begegnet man in den Medien am allerwenigsten. Der Fanatismus der Hasser und der Gutmenschen ist längst traurige Regel, ein Fanatismus, der das Gespräch abbricht, wenn ihm die Meinung des anderen nicht mehr passt – und der sich dabei meist auch noch überlegen dünkt.
Wie gut, dass es in Österreich auch Menschen wie van der Bellen gibt, die allen Extremen abgeneigt sind. Schade, dass Du ganz ausdrücklich mit ihm keinesfalls identifiziert werden möchtest.
Herzliche Grüße
Gero
Folgender Kommentar kam per Mail von Helmut Höft:
Guten Tag, sehr geehrter Herr Jenner,
Yep, ein anders Kaliber als der unsägliche Tom Brower. Vielen Dank für das Link; Sie haben recht: Den Namen Basam Tibi kennt man seit ewig … und doch ist nicht aufgefallen, dass er die letzten Jahre verschwunden war!
Naja, so ist sie halt, die Pressefreiheit, die Freiheit jemanden tot zu schweigen der einfach nicht mehr ins Propagandaschema passt.
Gute Zeit für Sie und Ihre Familie
Helmut Höft
Von Dr. Ulrich Diehl kam per Mail folgende Nachricht:
Lieber Herr Jenner,
vielen Dank für den Hinweis auf den Artikel vom Bassam Tibi, dem ich nur zustimmen konnte. Ich habe über 20 Jahre Erfahrung mit befreundeten Muslimen und deren Familien in Heidelberg und Halle gemacht und u.a. auch deren Antisemitismus kennen gelernt. Selbst studierte Leute wie Ärzte schieben gerne die Schuld auf die Juden oder die Amis. Dagegen kommt man kaum an.
Aus meinen drei Jahren in den USA habe ich Auslandserfahrung und kenne die deutschen Marotten nur zu gut. Der eigentliche Kultur-Schock fand beim Heimkehren statt. Derzeit zerbrechen ständig alte Freundschaften und kollegiale Beziehungen, weil man in schwarz-weißen Schablonen denkt und meine differenzierten Stellungnahmen nicht hören möchte. Merkel scheint mir auch immun gegen gut begründbare Kritik geworden zu sein.
Das Mobbing an den deutschen Universitäten habe ich in Heidelberg und Halle selbstverständlich auch kennen gelernt. Eine sachliche Diskussionskultur mit echten Kontroversen gab es praktisch gar nicht mehr seit meiner Rückkehr. Man trägt nur pro forma vor für die nächste Publikation. Es geht um Stellen, Gelder und Karrieren. Ich hätte aber nicht gedacht, dass Bassam Tibi in den letzten Jahren so sehr auf taube Ohren gestoßen ist.
Herzliche Grüße
Ulrich Diehl