Das Dilemma der Wissenschaften: Hoffnung, Glaube, Wahn

Einer der gescheitesten, informiertesten, scharfsinnigsten Schriftsteller des vergangenen Jahrhunderts, Umberto Eco, traf den Nerv seiner Zeit, als er kategorisch verkündete, dass Objektivität nichts Besseres als nur ein Mythos sei. Man weiß, dass Eco sich gegen Ende seines Lebens mehr und mehr mit dem Studium der Lüge und generell dem des Falschen befasste, weil, wie er sagte, man nur darüber einigermaßen verlässlich berichten könne, während die Wahrheit sich dem Betrachter nach Art einer Fata Morgana entziehe. 

Wie war es möglich, dass ein großer Denker so vielen Menschen aus der Seele sprach und sich doch zugleich in seinen eigenen Sophismen verfing?

Zunächst ist anzumerken, dass über das Falsche nur reden kann, wer eine – wie auch immer nebelhafte – Vorstellung vom Richtigen und Wahren besitzt. Um zu wissen, was falsch ist, setze ich die Erkenntnis des Wahren voraus. Dennoch: als historisch geschulter Geisteswissenschaftler hatte Eco allen Grund, an der Objektivität auch dieser Kriterien zu zweifeln. Denn sie waren im Mittelalter ja grundsätzlich andere als im 21. Jahrhundert. Und solche Unterschiede manifestieren sich im Raum ebenso wie in der Zeit. Wahr und falsch wurden und werden in Indien anders verstanden als in China und in Europa. Diese Divergenzen standen dem großen Italiener vor Augen, als er die Objektivität als bloßen Mythos verwarf.

Andererseits lebte Eco dreieinhalb Jahrhunderte nach Francis Bacon, welcher als erster systematisch von einer Wahrheit sprach, die sich von allen subjektiven Täuschungen (Idolen) befreit – also von einer im heutigen Sprachgebrauch „objektiven“ Wahrheit, die unabhängig von menschlichem Wollen und Wünschen ist. Die Gesetze der Natur können Menschen nur erkennen, sie aber nicht selbst erschaffen wie etwa die Gesetze (Ge- und Verbote), die jede Gesellschaft aus eigener Kraft erschafft. Soziale Gesetze sind nie objektiv, weil sie das Resultat menschlichen Wollens und Wünschens sind – die Gesetze der Natur aber stehen uns als unabänderliche Realität gegenüber. Die Objektivität der Naturgesetze ist für einen Naturwissenschaftler ebenso grundsätzlich wie offensichtlich, und ebenso ist es die Unterscheidung zwischen wahr und falsch. Die symbolische Formelsprache, mit deren Hilfe wir die Vorgänge in der Natur beschreiben, ist entweder richtig – dann funktioniert ein Motor, trifft eine Rakete den vorgesehenen Landeplatz auf dem Mars – oder sie ist falsch, dann läuft keines unserer Geräte. Die moderne Industriegesellschaft funktioniert einzig deshalb, weil die symbolische Sprache die Vorgänge der Natur zuverlässig beschreibt und vorhersehbar macht. In genau diesem empirischen Sinne ist sie für uns wahr. Auf dieser für jeden erkennbaren Wahrheit beruhte die Hoffnung der Aufklärung, mit den Naturwissenschaften ein Werkzeug geschaffen zu haben, mit dem der Mensch nun seine Welt nach eigenen Vorstellung formen und sie sich unterwerfen konnte.

Die moderne Industriegesellschaft besteht allerdings nicht nur aus – weitgehend – verlässlich funktionierenden Maschinen, mit denen wir uns die umgebende Natur unterwerfen, sie besteht vor allem aus uns, den Menschen, die nun ihrerseits der Wirkung des neuen Instrumentariums ausgesetzt sind. Und eben daraus ergibt sich das Dilemma, von dem hier die Rede sein wird. Die Gesetze der Natur weisen nämlich ein offensichtliches Manko auf – sie stehen dem Menschen als sinnfreie Fakten gegenüber. Dass Wasser bei null Grad gefriert und bei hundert Grad verdampft, müssen wir als objektiv gegeben akzeptieren – einen Sinn können wir nicht damit verbinden. Der einst hochberühmte Aufklärer Christian Wolff wurde von Egon Friedell in seiner Kulturgeschichte der Neuzeit mit Recht dafür verspottet, dass er in der Natur eine Veranstaltung zum Wohle des Menschen sah. Der Mond wäre etwa dafür gedacht, dem nächtlichen Wanderer ein Minimum an Licht zu spenden. Die Sonne damit er es tagsüber schön warm haben wird. In diesem Sinne ließe sich dann ergänzen, dass Wasser bei Null Grad gefrieren soll, damit es zum Schlittschuhlaufen für Kinder taugt. Inzwischen haben wir einsehen müssen, dass die Natur den Menschen nicht braucht – in diesem Sinn sind die Natur wie ihre Objektivität für uns schlechterdings sinn-los. Der französische Biochemiker und Nobelpreisträger Jacques Monod hatte das schon vor einem Jahrhundert in aller Deutlichkeit ausgesprochen: „dann muss der Mensch endlich aus seinem tausendjährigen Traum erwachen und seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Er weiß nun, dass er seinen Platz wie ein Zigeuner am Rande des Universums hat, das für seine Musik taub ist und gleichgültig gegen seine Hoffnungen, Leiden oder Verbrechen.“

Der Natur können wir keinen Sinn beilegen, schon deswegen, weil sie längst vor uns existierte. Dagegen werden der Mensch und sein Handeln immer vom Sinn bestimmt und gesteuert. Wir erstreben das eine, weil wir es als gut erachten, verwerfen das andere, weil es uns schlecht erscheint. Gut und böse sind die lenkenden Kräfte im menschlichen Verhalten. Der andere Mensch ist für uns keine Maschine, kein von unpersönlichen Gesetzen gelenkter Automat, sondern Wollen und Wünschen – Eigenschaften, die wir in der Natur der uns umgebenden Dinge nicht finden – wirken durchgehend auf unser Verhalten ein. Aus dieser offensichtlichen Tatsache haben große Gelehrte des neunzehnten Jahrhunderts (wie beispielsweise Wilhelm Dilthey) den Schluss gezogen, dass die Wissenschaften vom Menschen einen grundsätzlich anderen Weg zu beschreiten hätten als die der Natur. Um Letztere zu verstehen und zu lenken, fragen wir nach dem Automatismus der Gesetze, um den Menschen zu verstehen und zu lenken, fragen wir nach dem Sinn, fragen nach seiner Entscheidung für Gut oder Böse, Nutzen und Nachteil. Unter dieser Voraussetzung begreift ein Historiker das Verhalten eines Cäsar oder Ovid um so viel besser, je reicher er selbst an Lebenserfahrung ist, denn er muss sich in ihn hineinversetzen, um ihn zu verstehen. Die Lektüre jedes guten Romans konfrontiert uns mit der gleichen Forderung. Wir müssen über genügend eigene Lebenserfahrung verfügen, um die geschilderten Figuren auch zu begreifen. Da steht uns keine fremde und sinnfreie Realität gegenüber, sondern wir sind mit einem menschlichen Selbst konfrontiert, dass wir im Guten wie im Bösen nur dann verstehen, wenn wir ähnliche Regungen in uns selbst vorfinden.

Unser Verständnis der Natur einerseits, unser Verstehen des Menschen auf der anderen Seite gehorchen damit je eigenen Kriterien. Die Hauptsätze der Thermodynamik, die Schwerkraft, die Ohmschen Gesetz oder das Lichtgeschwindigkeitspostulat können wir für unsere Zwecke nutzen, aber keinen verstehbaren Sinn darin finden. Unser eigenes und das Verhalten anderen Menschen erschließt sich umgekehrt allein durch den damit verbundenen Sinn. Insofern leuchtet es ein, dass die Wissenschaften vom Menschen einen anderen Weg beschreiten als die der Natur. In diesem zweigleisigen Verständnis von Natur und Mensch hat das neunzehnte Jahrhundert die großartigsten Leistungen hervorgebracht. Nie wurden so viele, so geistreiche, so empathische Werke über fremde Kulturen geschrieben. Max Weber, Emile Durkheim und viele andere Geisteswissenschaftler bezeugen eine besondere Erkenntnistiefe mit ihren bis heute richtungweisenden Werke. Das gilt auch für die großen Werke der Kunst, von denen nicht wenige ein noch schärferes Bild einer Epoche entwarfen. Ich denke an Marcel Proust, Fjodor Dostojewski und Thomas Mann. Die Geisteswissenschaften und die großen Künstler verstanden einander, beide lebten mit einer Realität, die in der Aufdeckung menschlichen Wollens und Wünschens und damit in der Entschleierung des Sinns bestand. Dennoch tritt auch zwischen ihnen ein erkennbarer Unterschied zu Tage. Den Geisteswissenschaften ging es darum, im äußerlichen Chaos menschlichen und sozialen Verhaltens Muster und zeitüberdauernde Regelmäßigkeiten zu erkennen, die großen Schriftsteller aber interessiert das jeweils Einzigartige einer Persönlichkeit oder Epoche – die Freiheit ihrer Selbstgestaltung. Weil Umberto Eco weit mehr Künstler war denn Wissenschaftler wollte er von Objektivität und Gesetz nichts wissen. Seine Auflehnung gegen die Objektivität war ein Votum für menschliche Freiheit.

Kunst und Geisteswissenschaften verfolgten zwar andere Ziele, aber beide setzen die Freiheit des Menschen voraus. Als unüberbrückbar erwies sich dagegen der Abstand zwischen der Kunst und den Naturwissenschaften. Während die zweiten in einer von aller Emotionalität (allem Wünschen und Wollen) entleerten Formelsprache einen sinnfreien Kosmos beschreiben, geht es für die erste um eine Welt, in der sich Menschen aufgrund von Sinn orientieren. Der Gegensatz zwischen den beiden Weltbildern reicht bis in die soziale Sphäre hinein. Naturwissenschaftler und Künstler leben gleichsam auf zwei verschiedenen Planeten, wie das C. P. Snow das in seinem Buch „The Two Cultures“ so meisterhaft schilderte.

Von Anfang an erwies sich diese Zweigleisigkeit allerdings als prekär. Die Geisteswissenschaften – Psychologie, Soziologie, Politik-, Literaturwissenschaften usw. – sahen sich einem naheliegenden Einwand ausgesetzt. Die Wissenschaften der Natur bereichern menschliches Wissen um Wahrheiten mit Ewigkeitsanspruch, objektives Wissen, das in China genauso gilt wie in Dänemark oder auf dem Mars. Die Geltung des Ohmschen und aller anderen Gesetze beruht auf jederzeit nachweisbaren Zusammenhängen von bestimmten Ursachen und deren Wirkungen. Das Verstehen menschlicher Handlungen, wie es von den Geisteswissenschaften betrieben wird, kann aber schon in ein und derselben Raumzeitregion den größten Schwankungen unterliegen. Trump und seine Anhänger verstehen dieselbe Realität offensichtlich vollkommen anders als ihre Gegner. Jeder weiß, dass in einer Diktatur sozialisierte Menschen demokratische Institutionen ihrerseits völlig anders bewerten als die Bürger einer Demokratie. Anders gesagt, wird den Geisteswissenschaften ein Mangel an Ojektivität vorgeworfen, der im Extrem bis in die Beliebigkeit reicht. Aus der Hoffnung, welche die Aufklärer mit den Naturwissenschaften verbanden, wurde bald der Glaube, dass allein die Erkenntnis objektiver Gesetze die Menschheit aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit erlösen könne. Dieser Glaube bestimmte dann auch die Hierarchie unter den Wissenschaften. Nur die zeitlos gültigen Gesetze, die der Natur, in denen subjektives Wünschen und Wollen prinzipiell keine Rolle spielen, stehen an ihrer Spitze, die des Geistes müssen sich mit einer niederen und nicht selten belächelten Stellung begnügen. Und nicht nur das. Während die Naturwissenschaften mit ihren objektiven Methoden sich in sämtlichen modernen Staaten heute vertausendfachen, werden die Geisteswissenschaften überall ins Abseits gedrängt. Der Geschichtsunterricht in den Schulen verschwindet, an den Universitäten werden ihnen die Mittel gekürzt.

Gegen den Einwand mangelnder Objektivität haben sich die Geisteswissenschaften durch vielfache Mimikry gewehrt, indem sie sich zunehmend der Methoden der exakten Naturwissenschaften bedienten. In der Soziologie und Psychologie geschah dies unter anderem durch das Instrument der Befragungen. Das Urteil über soziale oder psychische Phänomene wird auf eine solidere Basis gestellt, wenn statt einzelner Wissenschaftler möglichst viele Menschen ein Urteil abgeben. Wenn dann noch komplexe mathematische Auswertungen den gewonnenen Ergebnissen zusätzlich Seriosität verleihen, glaubt man der erstrebten Objektivität wesentlich näher zu sein. In Wahrheit bleibt das subjektive Urteilen trotz solcher Bemühungen unaufhebbar. Die Antworten, welche Menschen unserer Zeit auf Befragungen liefern, hätten in der Vergangenheit und in anderen Kulturen völlig andere Ergebnisse erbracht.

Die Weisheit eines Umberto Eco kommt genau an diesem Punkt ins Spiel – ebenso wie seine Blindheit gegenüber der neuen naturwissenschaftlichen Realität. In der Welt des Menschen ist Objektivität ein Mythos, in der neuzeitlichen Deutung der Natur durch die Naturwissenschaften ist sie dagegen allgegenwärtig – wenn auch ohne einen für uns erkennbaren Sinn (abgesehen natürlich davon, dass wir die materielle Welt zu unseren Zwecken verändern).

Die offenbare Unmöglichkeit, den unserem Wollen und Wünschen entspringenden Sinn menschlichen Handelns jemals in unbestreitbarer Objektivität zu erkennen, hat dazu geführt, dass sich heute ein ganz moderner und sehr erfolgreicher Zweig der Wissenschaften ganz von der immer subjektiv gefärbten Sphäre des Geistes abkehrt und sich stattdessen seinem materiellen Ursprung und Substrat zuwendet, also dem menschlichen Gehirn. Das Ergebnis dieses Überspringens des unweigerlich subjektiven geistigen Zwischenglieds ist die Neurobiologie.

Diese neue Wissenschaft betrachtet das menschliche Gehirn so wie die Naturwissenschaften die umgebende Natur, nämlich als eine Art von – überaus komplexer – Maschine. Sie erlaubt Eingriffe in diese Maschine, deren Ergebnisse sich so quantifizieren und präzisieren lassen wie generell in den Naturwissenschaften. Man erringt einen gewaltigen Fortschritt an Funktionalität; es ist damit zu rechnen, dass in Zukunft viele geistige Prozesse – natürlich auch solche der Heilung – auf mehr oder weniger mechanische Weise in beliebigen Hirnen ausgelöst werden können. Der Preis für die nun auch hier gewonnene Objektivität ist allerdings hoch: auch in diesem Fall besteht er in radikaler Sinnfreiheit. Die elektrischen, hormonalen und alle anderen Vorgänge in einem Gehirn lassen sich zwar ebenso wie die Vorgänge in einem magnetischen Feld exakt beschreiben und lenken, aber für menschliches Verstehen besitzen sie keinen erkennbaren Sinn. Um das mit einem naheliegenden Bild zu veranschaulichen. Ein Kuss zwischen zwei Liebenden, den wir auf einem Computerbildschirm erblicken, ist unmittelbar verständlich, die Abfolge all jener binären Symbole aus Nullen und Einsern, die diesem Bild als Inputsignale zugrundeliegen, bleibt völlig unverständlich. Das eine ist unmittelbar verstandener Sinn, das andere perfekte Sinnlosigkeit.

Seit etwa dreihundert Jahren leben wir in einer Welt, welche die Sphäre der Sinnlosigkeit stetig erweitert und den Sinn gleichsam in Abseits drängt, weil er aus Sicht der objektiven Wissenschaften mit dem untilgbaren Makel bloßer Subjektiviät behaftet bleibt. Einerseits schwillt die Zahl der Wissenschaftler lawinenhaft an, welche sich in den abgelegensten Winkeln menschlicher Erkenntnis bewegen. Es gibt praktisch keinen Gegenstand der materiellen Welt, den die Forschung nicht zu ihrem Gegenstand macht, von den Essgewohnheiten der Zikaden bis zu denen unserer steinzeitlichen Vorfahren. Andererseits stehen die meisten Ergebnisse dieses sprunghaft expandierenden Wissens in keinem Zusammenhang mit dem Wollen und Wünschen der heute lebenden Menschen. Der Gegensatz zwischen dem unendlichen Zuwachs an intellektueller Raffinesse und Tiefe unseres Wissens und dem urtümlichen Bedürfnis nach gemeinsamer Orientierung und damit nach Sinn scheint immer mehr zuzunehmen. Der Elefantiasis eines unendlichen sinnfreien Wissens steht das elementare Bedürfnis nach Sinn und Orientierung gegenüber, das eine sinnfreie Wissenschaft bei aller geistigen Brillanz nicht zu bedienen vermag. Kein Wunder, dass es Verbrechern wie Stalin, Hitler und Putin oder Volksverführern wie Donald Trump immer wieder gelang und gelingt, diese Leere mit unglaublich primitiven Sinnbotschaften auszufüllen.

Längst hat sich das Dilemma der Wissenschaften zu einem Wahn gesteigert. Wir glauben fanatisch an ein Ziel, das prinzipiell unerreichbar ist. „Objektiv“, also unabhängig von allem Wollen und Wünschen, wollen wir eine Realität beschreiben, die ihrerseits genau darauf beruht, nämlich auf Wollen und Wünschen. Wir gehen dabei von der falschen Gewissheit aus, dass Freiheit sich als bloßer Automatismus entpuppen werde. Oder präziser ausgedrückt, dass wir mit Gesetzen – also Zwängen, welche das Vergangene beherrschen – das Neue erklären können.

Das Neue und Unerklärbare begegnet uns aber nicht nur im menschlichen Handeln, es tritt uns in der Evolution selbst entgegen und damit in der Domäne der exakten Naturwissenschaften, wie uns der schon einmal zitierte Biochemiker und Nobelpreisträger Jacques Monod in aller Deutlichkeit sagte.

„Unseren heutigen Erkenntnissen zufolge darf die Vorstellung der /gesetzhaft verlaufenden/ Entwicklung… nicht auf das evolutionäre Werden /bezogen werden/. Eben weil dieses auf dem grundsätzlich Unvorhersehbaren beruht /z.B. dem Zufall der Mutation/ ist es der Schöpfer des absolutNeuen… Der Zufall allein liegt am Grund aller Neuerungen, aller Schöpfung im Reich der Biosphäre. Der reine Zufall… an der Wurzel des großartigen Bauwerks der Evolution: Dieses zentrale Konzept der modernen Biologie ist nicht mehr nur eine unter anderen möglichen oder auch nur vorstellbaren Hypothesen. Es ist heute das einzig zulässige Konzept, welches allein mit den beobachteten und geprüften Fakten übereinstimmt.“

Das Neue in der natürlichen Evolution nennen wir Zufall, weil sich uns da kein Sinn entschleiert. Das Neue in der sozialen Welt ist dagegen ein Produkt unseres Wünschens und Wollens – unserer Freiheit. Die soziale Realität ist ein Faktum nur sobald sie der Vergangenheit angehört und selbst dann spiegelt sie sich in unserem Bewusstsein notwendig in verschiedenen Farben. Je nachdem, welche neue Welt wir erstreben, verdammen oder loben wir das Vergangene.

Mehr zu diesem Thema in meinem jüngst bei ibidem erschienenen Buch „Eine Welt, kein Turmbau zu Babel – eine kritische Philosophie der Geschichte vom Jagen und Sammeln bis zu Wettrennen der Nationen“.