Hunnensturm – Putins fürchterliche „Befreier“

(auch erschienen in fbkfinanzwirtschaft)

Wer die Nachrichten im Ersten Kanal des russischen Fernsehens verfolgt, dem wird eine Siegesmeldung nach der anderen präsentiert: Erst wurde Palmyra mit Hilfe russischer Bomber von ISIS gesäubert, jetzt ist es den Truppen Assads mit Hilfe Putins gelungen, Aleppo von den „Terroristen“ zu befreien. Welche Mächte da aufeinander treffen, steht für die russische Berichterstattung zweifelsfrei fest: Ein rechtmäßiges Regime, die Regierung Bashar al-Assads, wird von seinen Freunden vor einer Phalanx von Banditen geschützt.

Auf russischer Seite wird dabei nicht versäumt, den durchschlagenden Erfolg der eigenen Politik mit dem kläglichen Versagen des Westens zu konfrontieren. Während dieser den nahen bis zum weniger nahen Osten, will sagen von Libyen über den Irak bis nach Afghanistan, ins Chaos stürzte und sich als völlig unfähig erwies, den Frieden auch nur annähernd wiederherzustellen, habe Russland mit seiner entschiedenen Unterstützung einer legal gewählten Regierung innerhalb kürzester Zeit für Ordnung gesorgt.

Verbrannte Erde

Nehmen wir einmal an, dass die Situation wirklich so eindeutig sei, wie sie die russischen Medien und ihr englischsprachiger Ableger „Russia Today“ (RT) präsentieren, nehmen wir also an, dass Putin und Assad gegen die Mächte der Finsternis kämpfen, dann müssten sich die Russen wohl trotzdem die Frage stellen, was sie mit ihrer „Befreiung“ in der größten und wirtschaftlich bedeutendsten Stadt Syriens bewirkten?

Aleppo, eine einst blühende Metropole, zählte mit ihren beinahe 5000 Jahren Geschichte zu den ältesten menschlichen Ansiedlungen überhaupt.

Assad und Putin haben sie in Schutt und Asche gelegt.

Für die Muslime ist Aleppo so bedeutend wie Paris oder Wien für die Christen. Die Stadt war eine Perle der islamischen Kultur, ihr historischer Kern so prächtig und so berühmt wie ihre Moscheen. Überdies war sie eine verhältnismäßig moderne Stadt mit wichtigen Industriebetrieben, ohne die eine Einwohnerschaft von annähernd zwei Millionen nicht hätte leben können. Was würden wir sagen, wenn Paris oder Wien das Schicksal Aleppos erleiden würden?

Mit tatkräftiger Unterstützung Russlands ist Aleppo ausradiert worden.

Von dem UNESCO Weltkulturerbe ist nach der von den Russen bombastisch zur „Befreiung“ erklärten Zerbombung nicht viel mehr übrig als eine Geisterstadt aus Skeletten, wo die Mehrzahl aller Gebäude nur noch zum Abriss taugt, eine Stadt, in der die nächsten zwanzig Jahre wohl nur noch Ratten und anderes Ungeziefer in größerer Zahl überleben.

Aleppo – ein Trümmerhaufen.

Die sogenannte „Befreiung“ ist in Wahrheit ein Hunnensturm, durchgeführt von einem der skrupellosesten Diktatoren der neueren Geschichte, Bashar al-Assad, der im Namen einer alawitischen Minderheit das eigene Volk, die sunnitische Mehrheit, zum Abschuss freigab, wobei er die geschworenen Feinde der Sunniten zur Hilfe rief: iranische Schiiten, die sich nach Angabe des Spiegels (2016_51) zu Tausenden im Land befinden. Ohne das Eingreifen Putins und der iranischen Bodentruppen wäre es zu einem Bürgerkrieg mit voraussehbarem Ende gekommen: dem Sturz Assads und dem Sieg der mit ungefähr 80% dominierenden sunnitischen Mehrheit. Erst das Eingreifen Russlands hat das Regime für die nächste Zeit stabilisiert, aber es kann wohl kein Zweifel daran bestehen, dass für die zwei Millionen Menschen Aleppos jedes Regime – selbst das von ISIS – besser gewesen wäre als diese Art von „Befreiung“, die eine ganze Stadt, die größte Syriens, von der Landkarte tilgt und ihre Einwohner zu heimatlosen Vagabunden und Bettlern macht. Zwar gibt es nur ganz wenige muslimische Kämpfer, die eine moderate laizistische Ordnung in Syrien unterstützen. Außer ISIS treten militante Salafisten, Nusra-Front und ähnliche bewaffnete Gruppierungen für einen menschenunwürdigen Scharia-Staat ein,  aber ohne auswärtige Unterstützung hätte der Bürgerkrieg nie derartig katastrophale Folgen haben können. Ist denn heute noch ernstlich damit zu rechnen, dass ein solcher Brandherd zu löschen sei, solange die sunnitische Mehrheitsbevölkerung der Barbarei Assads und seiner iranischen und russischen Helfer ausgesetzt bleibt?

Als Zerstörer bewährt

In den russischen Nachrichten wechseln die Berichte über eigene Siege regelmäßig mit Anklagen gegen den Westen ab. Seht, unser Militär hat an der Seite einer rechtmäßig gewählten Regierung die Ordnung in kürzester Zeit wiederhergestellt, jetzt solle der Westen, da er seine Krokodilstränen doch so gern über humanitäre Katastrophen vergießt, wenigstens Hilfe für die Notleidenden gewähren! So würde Putin es natürlich am liebsten sehen: Sich erst dafür bewundern lassen, dass das so lange vom Westen mitleidig als Regionalmacht belächelte Russland der Welt wieder Macht und Muskeln zeigt – um anschließend, wenn es für ihn wirklich teuer käme, schnell wieder von der Bildfläche verschwinden. Denn die Millionen Heimatlosen, die jetzt in Flüchtlingslagern dahinvegetieren, auch nur halbwegs zu versorgen, würde die schwache Wirtschaftskraft Russlands weit überfordern. Die wenigen Almosen, die man an die Ausgebombten verteilt, werden vom russischen Fernsehen zwar als großartige humanitäre Hilfe verkauft, in Wirklichkeit aber sind sie nicht mehr als ein winziger Tropfen auf einen sehr heißen Stein: Die große Not steht erst noch bevor. Einen Mann wie Putin, der meisterlich auf der Klaviatur der Propaganda zu spielen weiß, wird das schwerlich erschüttern: Es ist jetzt schon vorauszusehen, dass er den Westen für unterlassene Hilfe an der von ihm bewirkten Not anklagen wird. Bitte schön, wir haben gemacht, wozu ihr nicht fähig wart: die Terroristen vertrieben und für Ordnung gesorgt. Nun zeigt wenigstens, dass ihr den Leuten zu helfen wisst! Natürlich weiß Putin genau, dass es vergleichsweise billig ist, ein Haus, eine Stadt, ein ganzes Land zu verheeren; dass es aber eine Aufgabe von Generationen ist und je nachdem astronomische Summen verschlingt, ein Haus, eine Stadt, ein ganzes Land neu zu erbauen. Assad und Putin haben sich als Meister großflächiger Vernichtung bewährt, für den Aufbau fehlt ihnen das Geld – die spärlichen humanitären Almosen sind nichts als fadenscheinige Lüge.

Barbaren hier, Barbaren dort

Und dennoch: So leicht es fällt, Putin für den Hunnensturm auf Syrien zu verdammen, so schwer muss es uns leider fallen, den Westen von dem Vorwurf der Lüge und Barbarei frei zu sprechen. Wir erinnern uns: Die amerikanische Regierung unter Eisenhower hatte auf Betreiben der um ihre Öleinnahmen besorgten englischen Regierung die CIA 1953 dazu ermächtigt, Mohammed Mossadegh, den Premier einer liberalen, frei gewählten und populären Regierung in einem gewaltsamen Staatsstreich zu stürzen (hierzu vgl. Michael Lüders: https://www.youtube.com/watch?v=syygOaRlwNE). Dies war der Beginn der repressiven und blutigen Herrschaft von Shah Resa Pahlewi, der sich als Marionette der Vereinigten Staaten sehr bald verhasst machen sollte. Der leichtsinnige Eingriff in die Souveränität eines den USA zuvor keineswegs feindlich gesonnenen Staates war ein Fehler von kaum absehbarer politischer Tragweite. Keine Geringere als eine amerikanische Außenministerin, Madeleine Albright, gab dies ein halbes Jahrhundert später ausdrücklich zu. Dieser Coup war letztlich die Ursache für die Genese des militanten islamischen Fundamentalismus von Ayatollah Khomeini, dem 1979 die Vertreibung des Shahs gelang.

Dass westliche, in diesem Fall französische und US-amerikanische, Barbarei und Lüge zur gleichen und in der darauf folgenden Zeit im Fernen Osten, nämlich in Vietnam, mit gleicher Rücksichtslosigkeit praktiziert worden sind wie heute von Putin in Syrien, bedarf keiner besonderen Betonung. Wer darüber von berufener Seite noch belehrt werden muss, der sollte den Klassiker der großen US-amerikanischen Historikerin Barbara Tuchman lesen: The March of Folly – from Troy to Vietnam.

Die Sünden des Westens

Lügen und Barbarei der großen Mächte im Umgang mit den Kleinen, den Wehrlosen und den Schwachen, hörten gegen Anfang des neuen Jahrhunderts keineswegs auf. 2003, im Dritten Golfkrieg, wurden die angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins zu Zwecken der Propaganda frei aus dem Hut gezaubert. In Wahrheit ging es ums Öl und die Vorherrschaft des amerikanischen Dollars – die Beglückung mit westlicher Demokratie hat der kleine Bush als Feigenblatt dann noch hinzugefügt, um seinen Landsleuten den Krieg als eine Art von humanitärer Mission zu verkaufen – so wie es Putin heute in Syrien macht, wenn er dafür sorgt, dass die Medien seines Landes alle Kameras möglichst auf einige russische Krankenschwestern und ein paar Tonnen humanitäre Almosen gerichtet halten.

Nicht nur die USA, das westliche Lager insgesamt ist damals schuldig geworden. Der vormalige englische Premier, Tony Blair, hatte ja nichts Eiligeres zu tun, als sich seinem Herrn George W. Bush als williges Schoßhündchen anzudienen. Und da man schon einmal dabei war, Diktatoren zu stürzen, so sah auch der Franzose Nicolas Sarkozy den Moment gekommen, welthistorisch zu wirken, indem er sein Land mutwillig in einen Krieg gegen Muammar al-Gaddafi trieb, den er ohne Beihilfe der Amerikaner wohl nur unter größten Verlusten gewonnen hätte. Die russische Propaganda ist ja leider durchaus im Recht, wenn sie nicht müde wird, ihr eigenes Vorgehen in Syrien damit zu rechtfertigen, dass der Westen im ganzen Vorderen Orient, ja, darüber hinaus bis nach Afghanistan nichts als Chaos erzeugt und hinterlassen habe. Diktatoren wurden im Irak, in Libyen und in Afghanistan beseitigt und dadurch in den Nachbarstaaten Unruhen bis hin zum Bürgerkrieg, wenn nicht ausgelöst so doch befördert. Als man mit diesem „Regime-Change“ begann, hat sich freilich niemand gefragt, wohin die Zerstörung staatlicher Ordnungen führen würde. Diese Ordnungen waren aus westlicher Sicht widerwärtig, gewiss, aber für das Gros der Bevölkerung waren sie weit erträglicher als das Chaos, das durch ihre Zerstörung bewirkt worden ist.

Nicht RTs Lügen – RTs Wahrheiten sind gefährlich!

Die russische Kritik an der westlichen Politik im muslimischen Orient ist berechtigt – und der englischsprachige Propagandasender „Russia Today“ (RT) bei westlichen Politikern ja auch nicht deswegen gefürchtet, weil er sich zum Sprachrohr russischer Lügen macht – die lassen sich richtigstellen. Nein, RT wird im Westen gefürchtet, weil er nebenbei etwas weit Gefährlicheres tut, nämlich Wahrheiten verbreitet, die für uns peinlich sind. Wladimir Putin kann sich die Hände reiben, seitdem im Europäischen Parlament die Frage erörtert wurde, ob man RT nicht besser verbieten solle (was sich in Zeiten des Satellitenempfangs wohl kaum bewerkstelligen lässt). Derselbe Mann, der die Opposition im eigenen Lande massiv bedroht, bzw. sie schon weitgehend beseitigt hat, braucht Kritik aus dem Westen kaum mehr zu fürchten. Jetzt kann er über die ihm hörigen Medien verbreiten, wie schlecht es im angeblich so liberalen Europa um Meinungsfreiheit und Opposition in Wahrheit bestellt ist.

Auch Deutschland hat kein reines Gewissen

Zu den peinlichen Wahrheiten, die RT in seinen Anklagen gegen den Westen gebetsmühlenartig psalmodiert, gehört die Abhängigkeit vom Öl, die Verteidigung des Dollars gegen alle Versuche, sich seiner Herrschaft zu entziehen, kurz, Krieg als Mittel, um westliche Interessen zu wahren, aber es zählt dazu auch die Frage, ob stark übervölkerte Staaten überhaupt anders als durch Diktatoren zu bändigen sind? Ein einziger gut entlohnter Arbeitsplatz, von einem Fünfzigjährigen besetzt, wird dort nämlich von drei oder mehr jugendlichen Anwärtern belagert (siehe Heinsohn und Steiger: Weltmacht und Söhne), die den Staat von unten mit Aufruhr und Umsturz bedrohen – genau das hat sich im sogenannten „arabischen Frühling“ ja auch tatsächlich abgespielt. Den blauäugigen Politikern des Westens ist dieser Gedanke nie eingefallen, weil ein solches Problem in unseren geburtenarmen Wohlstandsstaaten längst nicht mehr existiert – schon seit mehr als einem Jahrhundert. Was freilich nach wie vor existiert, ist die Lust der Starken, den Schwachen die eigene Macht zu beweisen. Seit die Erinnerung an das größte Unglück unserer Geschichte, der Zweite Weltkrieg, in der jüngeren Generation zu verblassen beginnt, lebt diese Lust wieder auf: und zwar auch in Deutschland. Es war Joschka Fischer, ein als Student noch Steine schleudernder Linksradikaler, der als Vorsitzender einer bis dahin auf den Pazifismus eingeschworenen Partei, seine Gefolgschaft mit massiver Demagogie zur Einwilligung in die völkerrechtswidrige Kriegsbeteiligung im Kosovo zwang und damit zum ersten Mal nach der Katastrophe die Deutschen erneut zu den Waffen rief. Seitdem waren und sind auch von bundesrepublikanischer Seite wieder Töne zu hören, die man längst überwunden glaubte. Kein Geringerer als ein Präsident der Bundesrepublik verlangte sogar, deutsche Interessen am Hindukusch zu verteidigen. Wie unterscheidet sich eine solche Aussage von der Forderung Putins, die Interessen Russlands in Syrien wahrzunehmen?

Die inneren Angelegenheiten eines Staates gehen andere Staaten nichts an!

Die wichtigste Frage für das friedliche Zusammenleben der Nationen scheint ganz aus dem Blick geraten: Welches Recht hat ein Staat, in die inneren Angelegenheiten eines anderen einzugreifen, solange ihm von diesem kein Angriff droht? Weder Vietnam noch Afghanistan, weder der Irak noch Libyen haben die Vereinigten Staaten bedroht. Weder Gaddafi noch der Kosovo bedrohten Frankreich oder Europa – so wenig wie Syrien für Russland eine Gefahr ist. Auch ISIS ist Europa nur insofern gefährlich, als junge tollköpfige Europäer sich von ihm ausbilden lassen, damit sie anschließend Akte des Terrors in ihrer Heimat verüben. Wenn wir uns davor schützen wollen, genügt es, den Jugendlichen mit der Aberkennung der Bürgerrechte zu drohen und sie an der Wiedereinreise nach Europa zu hindern. Eine solche Maßnahme mag hart gegen die wenigen Betroffenen sein, aber sie ist unendlich viel weniger grausam, als ganze Länder auszubomben und eine Massenflucht ihrer Völker auszulösen!

ISIS ist Teil unserer Geschichte!

ISIS ist wie jede andere Art des Terrorismus eine geistige Krankheit, aber man scheint bei uns ganz vergessen zu haben, dass wir in der Geschichte Europas eine ziemlich genaue Entsprechung zu dieser Terrorvereinigung finden und dass davon im Allgemeinen nicht mit Abscheu geredet wird, sondern voller Bewunderung. Die Revolutionäre nach 1789 waren eine blutrünstige, mordversessene Bande, die Tausende ihrer Mitbürger zur Gaudi des Volkes öffentlich hinrichten ließ – zwar nicht mit Dolchen, sondern technisch ein wenig aufwändiger und moderner mithilfe der eigens zu diesem Zweck erfundenen Guillotine, mit der man die Zahl der täglichen Morde ganz wesentlich steigern konnte. Nach anfänglichen Orgien der Bestialität hörte der Terror gleichwohl nach kurzer Zeit weitgehend auf – was auch von vornherein zu erwarten war. Jede Verbrecherbande – ob Jakobiner, Mafia oder eben auch ISIS – kann sich dauerhaft nur an der Macht behaupten, wenn sie auf die Bedürfnisse der Bevölkerung Rücksicht nimmt, also die blutigen Exzesse, der sie den Umsturz verdankt, nach einer Übergangsphase beendet. Nach zwei, drei Jahrzehnten fand Frankreich zur Ruhe zurück und errichtete den blutrünstigen Revolutionären anschließend marmorne Sockel, auf denen sie noch heute als Helden gefeiert werden.

Vor dem Kalifat braucht Europa sich nicht zu fürchten

Das ist natürlich kein Plädoyer für Jakobiner und ISIS – jede Revolution bringt unsägliches Leid hervor -, sondern soll nur der Feststellung einer historischen Tatsache dienen: Völker, auch solche, die sich gegen ihre Regierungen erheben, finden ohne äußere Einmischung meist ziemlich schnell zurück in den Normalzustand staatlich gebändigter Gewalt. Bürgerkriege sind furchtbar, aber Eingriffe von außen richten in der Regel weit größere Verheerungen an. Die Jakobiner wollten die Welt erobern, aber seit damals hat Frankreich seine Grenzen bekanntlich kaum ausgeweitet. ISIS will das Kalifat bis nach Spanien ausdehnen, doch macht sich wohl jeder lächerlich, der ernstlich behaupten würde, der Westen hätte einen Angriffskrieg dieses steinzeitlich gerüsteten Regimes zu fürchten. Die Auswirkung kriegerischer Einmischung aber, die erst der Westen und jetzt Putin im Nahen Osten mit einer Politik der Zerbombung zu verantworten haben, die werden wir noch lange zu fürchten haben, denn da wird unsägliches Unheil und extremes Unrecht der einen Seite mit dem Terror der Gegenseite vergolten.

17 Kommentare zu „Hunnensturm – Putins fürchterliche „Befreier““

  1. La Guerre de Troie n’aura pas lieu ? O doch!
    Was mit dem Sykes – Picot understanding begann, mit dem Sturz Mossadeghs bis zu den zynischen, fatalen Einmischungen der vergangenen Jahrzehnte, das Säen des Windes, führt nun zu der Ernte eines Sturms von unendlichem Leid – dort und hier. Wie lang mag dieser Tornado noch über sämtliche Agonisten hinwegfegen. Wovor mir graut: Wann wird der Vergeltung s Terrorismus zum Einsatz von Kampfmitteln (bei uns) führen, die weit, sehr weit über ein paar Pfund Semtex und einige Feuerstöße a.d. AK hinausgehen?

  2. Von Herrn Ingenieur Günther Robol erhielt ich per Mail folgende Nachricht:

    Sehr geehrter Herr Dr. Jenner

    Ich gratuliere Ihnen zu der gelungenen Satire, die durch ihr Mittel der Übertreibung die Heuchelei der ach so guten westlichen Politik, der es natürlich bei all ihren Kriegen nur um die Menschen, Verteidigung von Kultur, westlichen Werten, Menschenrechten, Demokratie, Freiheit usw. geht und die Haltung der willfährigen Presse, mit ihrer propagandistisch einseitigen Berichterstattung, sehr gut aufdeckt und sicherlich zum Nachdenken anregen wird.

    Liebe Grüße
    Günther Robol

    Meine Replik:

    Lieber Herr Robol,

    es ist alles noch schlimmer, denn ich habe jede Zeile in vollem Ernst geschrieben – ohne satirische Absicht!

    Viele Grüße, Gero Jenner

  3. „Die Revolutionäre von 1789 waren eine blutrünstige, mordversessene Bande, die Tausende ihrer Mitbürger zur Gaudi des Volkes öffentlich hinrichten ließ – zwar nicht mit Dolchen, sondern technisch ein wenig aufwändiger und moderner mithilfe der eigens zu diesem Zweck erfundenen Guillotine, mit der man die Zahl der täglichen Morde ganz wesentlich steigern konnte.“

    Diese Aussagen zeugen entweder von einer sehr eigenwilligen Interpretation der Ereignisse und Personen oder mangelnderSachkenntniss. Die Revolutionäre von 1789 waren nicht verantwortlich für den sog. Grande Terreur drei Jahre später. Demouslins, La Fayette, Mirabeau, Sieyes – eine blutrünstige, mordveressene Bande? Bitte informieren Sie sich besser! Die Guilloutine wurde 1792 das erste Mal eingesetzt.

    Und so mordversessen können Robespierre und Saint Just nicht gewesen sein, sonst hätten sie nicht Hebert und Genossen aufgehalten, sondern sich auf seine Seite geschlagen und es hätte noch weitaus mehr Hingerichtete gegeben.

    Zudem mussten sie sich und die Revolution gegen tatsächliche (und auch eingebildete) Konterrevolutionäre aber eben auch gegen halb Europa verteidigen, dessen alte Monarchen nichts mehr fürchteten als die Verbreitung der neuen Ideen und Frankreich (und der Revolution und der Idee der Menschenrechte) den Krieg erklärten.

    Die Jakobiner mit ISIS gleich zu setzen ist – entschuldigen Sie den Ausdruck – hanebüchener Unsinn!

    Meine Replik:

    Sehr geehrter Herr Brendan,

    ich bleibe bei meiner „eigenwilligen Interpretation der Ereignisse und Personen“, wobei man allerdings zwischen den Philosophen und Theoretikern der Revolution und ihren Akteuren unterscheiden muss. Nur von Letzteren ist bei mir die Rede.
    Die Guillotine wurde seit dem 20 Marz 1792, also auf dem Höhepunkt der Revolution eingeführt. Während der sogenannten Septembermorde wurden mehr als tausend Gefängnisinsassen auf Betreiben Dantons und Marats dem Pöbel preisgegeben und massakriert (also schlimmer aus durch die Guillotine). Nach der Enthauptung Ludwig XVI. im Januar 1793 war „la terreur à l’ordre du jour“. Robespierre ließ in den Monaten März und April 1794 erst die Hébertisten und danach die Gefolgsleute Dantons umbringen. Die Gesamtzahl der Revolutionsopfer wird auf zwischen 35 bis 40 tausend geschätzt.

  4. Von Alexander Dill erhielt ich per Mail folgenden Kommentar:

    Lieber Herr Jenner,

    Aleppo war – wie Syrien – nie alawitisch, schiitisch, christlich, sunnitisch, sondern eine sehr atheistische Stadt. Deshalb flohen 500.000 Menschen 2012 aus Ost-Aleppo nach West-Aleppo, als dort ein “islamischer” Staat begann.
    40.000 blieben, in der Hoffnung auf einen solchen Staat.

    “Over 1.5 million civilians live in the government-held areas of western Aleppo, including 600,000 civilianswho fled eastern Aleppo in 2012. Of the 200,000 to 220,000 people living in the terrorist-occupied areas in the eastern parts of the city, an estimated 50,000 or more are members of the so-called “rebel” factions and their families, according to the Aleppo Medical Association.”

    26 Prozent! der Menschen dort sind Christen. Und alle möchten Assad als Präsidenten behalten.

    Beste Grüße in die postfaktische Zone Ihres Alexander Dill

    Meine Replik:

    Lieber Herr Dill,

    Ich sage nicht, dass die Bewohner Aleppos alewitisch oder sunnitisch seien, sondern nur, dass eine alewitische Minderheit ein Land mit sunnitischer Mehrheit regiert.
    Sie zitieren aus MintPress News. Nicht anders als Sie kann auch ich mich natürlich nur auf Auskünfte verlassen, die ich als halbwegs seriös einschätze. Nehmen wir einmal an, die von Ihnen zitierte Quelle biete ein authentisches Bild der Lage, dann bleibt der Imperativ meines Artikels gleichwohl bestehen: Drittstaaten, heißen Sie nun USA oder Russland, haben in Syrien, im Irak, in Afghanistan usw. – Staaten, von denen sie nicht angegriffen werden – nichts zu suchen. Sie machen nur alles schlimmer.

  5. Von Frau Dr. Gabriele Matzner-Holzer, ehemalige österreichische Botschafterin in Bratislava, Tunis und London, erhielt ich per Mail folgende Nachricht:

    aha, geh bitte!
    Was wissen wir schon, was dort wirklich abläuft?
    Den Medien (auch den „westlichen“) ist doch wirklich nicht zu glauben! Noch dazu, wo unsere „Wertegemeinschaft“ dort mit Waffen etc. seit langem intensiv „mitspielt“, meist an der Seite Saudi-Arabiens, zu dessen mittelalterlichem Regime es offenbar keine Berührungsängste gibt. Und so weiter.
    Sicher ist nur, dass es den „normalen“ Menschen ganz schlecht geht.
    G. Matzner

  6. Von Herrn Gerhard Loettel, Pfarrer in Magdeburg, bekam ich folgende Meldung per Mail:

    öfter, schneller, Jenner

    Lieber herr Jenner !

    Ja, da hat man sein Tun schnell genug den letzten Jenner zu lesen und zu internalisieren, ehe schon wieder der nächste im Postkasten ist. Danke, danke für den vorletzten und besonders für den letzten „Hunnensturm“ der endlich mal ein bißchen Klarheit und Linie in dieses verworrene System Naher Osten bringt. Ganz toll interpretiert. Da scheint es ja keine sog. „Guten“ zu geben. Doch wer will das einsehen? Übrigens deckt sich Ihre Analyyse mit der Einschätzung eines Imams, den ich hier kenne und hin und wieder konsultiere.

    Doch nun noch etwas ganz anderes, zu Ihrer anderen Seite, der träumerischen. Ich hoffe ich renne keine offenen Türen ein, wenn ich Ihnen nun ein Buch empfehle, denn ich finde den Autor nicht in Ihrem Personenverzeichnis von „Die Macht der Träume…“ Es handelt sich um einen Physiker und Wissenschafts-schriftteller aus den USA, Fred Alan Wolf und sein Buch „Die Physik der Träume“. In der Beifügung unterbreite ich Ihnen mal einige Statements, die Wolf bearbeiten möchte in diesem Buch. Wolf geht wie Sie auch die Geschichte der Philosophie, der Psychologie und der Phsik durch, um die Entwicklung aufzuzeigen, dass und in welcher Weise Träume immer mehr „wahrgenommen“ werden und wie sie unser gesellschaftliches Leben beeinflussen. Höchst aufschlussreich und interessant. Das geht bis dahin, dass Wolf, der das Bewußtsein und damit das Träumen auch quantentheoretisch untersucht, so weit spekuliert, ob nicht das Träumen – evtl. von einem großen „mystischen Träumer“ ein Grundkonstante des Universums ist? Doch lesen Sie selbst.

  7. Bitte nicht den Zusammemhang vergessen: Preußen und Österreich waren in Frankreich eingefallen und hatten den Revolutionären gedroht – von wegen Nichteinmischung in die inneren Anhelegenheiten 😉

    Die Opfer der Septembermorde gehen mindestens so sehr auf das Konto der Arroganz der europäischen Kriegstreiber wie auf das von Danton, der übrigens nichts betrieben und den „Pöbel“ nicht angestiftet hat. Allerdings hat er auch nichts dagegen unternommen. Und auch eine konkrete Anstiftung seitens Marats ist nicht belegt.

    Todesurteile durch ordentliche Gerichte gab es weniger als 20000. In Paris selbst wurden nur rund 2000 hingerichtet. Nimmt man die Toten des Bürgerkrieges hinzu kommt man auf 150000 bis 200000.

    Nur durch die Maßnahmen des Wohlfahrtsausschusses konnte die Revolutionsregierung sowohl den ideellen Zusammenhalt als auch die materiellen Bedingungen schaffen, um sowohl der Bedrohung von innen als auch von außen erfolgreich begegnen zu können.
    Aber darüber streiten sich die Historiker bis heute.

    Nur nicht darüber, dass die tragenden Kräfte von 1789 andere waren als die von 1792 bis 1794. Ausdrücke wie blutrünstig, mordversessen und Bande sind in jedem Fall völlig am Platz.

  8. Es tut mir leid, ich wüsste nicht, wie man eine Orgie der Gewalt, die ganz Europa elektrisierte und zumindest bei einem Teil der Öffentlichkeit, auch vielen Intellektuellen, Abscheu hervorrief, anders bezeichnen soll. Sie sollten nicht vergessen, dass auch die Anhänger von ISIS von einer „reinen“ Ideologie ausgehen. Man müsse nur eben vorher einige unbelehrbare Köpfe abschlagen! Das war auch die Meinung jener, die auf dem Höhepunkt der Französischen Revolution den Terreur proklamierten.
    Aber ich gebe Ihnen ja in einem wesentlichen Punkt recht: die Einmischung in die inneren Angelegenheiten hat auch in diesem Fall den Terror zusätzlich angeheizt – das ist ja eine Hauptthese meines Artikels!

  9. Von Ulrich Scharfenorth erhielt ich per Mail folgenden Kommentar:

    Lieber Herr Jenner, so furchtbar das mit OST-Aleppo auch ist (ich habe die Bombardements – durch welche Seite auch immer – stets verurteilt). Bitte solche einseitig-verkürzten Botschaften nicht mehr schicken. Alles in diesem Bericht ist richtig, nur eben nicht vollständig. So werden z.B. die Verbrechen der Assad-Gegner nicht erwähnt, weil sie in der westlichen Berichterstattung nicht vorkommen. Immerhin gibt es nur ganz wenige muslimische Kämpfer, die eine moderate laizistische Ordnung in Syrien unterstützen. Alles andere – IS, militante Salafisten, Nusra-Front und ähnlicher Abschaum – treten für einen menschenunwürdigen Scharia-Staat ein und erzeugten bei ihrem Sieg genau das Chaos, das wir aus Libyen kennen. Ich verstehe gar nicht, wie unsere offizielle Politik diesen „Widerständlern“ Beifall spenden konnte. Sie sind für die Zerstörung der Stadt ebenso verantwortlich wie der Verbrecher Assad und sein Helfer Putin.
    Wer über die Situation in Syrien urteilen möchte, muss schon erheblich tiefer graben. Und bei Scholl-Latour, Todenhöfer und Michael Lüders nachlesen. Was Sie, Herr Jenner, sonst auch tun. Da geht es natürlich um eine massive Benachteiligung der Sunniten, aber wie sieht es denn im Irak aus. Dort geschieht mit Billigung der Amerikaner genau dasselbe. IS und Al Nussra wären zahnlose Tiger, würde man eine paritätische Beteiligung der Sunniten an der Macht durchsetzen. Dafür ist die Diplomatie, dafür sind die politischen Kräfte der mächtigen Staaten dieser Erde zuständig. Doch die tun nichts. Weil sich ein Engagement wegen fehlender wirtschaftspolitischer Anreiz nicht lohnt.
    Anders herum: Putin will und wird seinen Flottenstützpunkt in Syrien verteidigen/halten – so wie das die Amerikaner in Saudi-Arabien tun. Mit Moral hat das alles nichts – aber auch gar nichts zu tun!
    Schöne Grüße aus Ratingen!
    Ulrich Scharfenorth

  10. Lieber Herr Scharfenorth,

    ich bin Ihnen dankbar für diese Ergänzung! Eine Passage davon habe ich meinem Artikel eingefügt. Ich möchte aber doch noch einmal betonen: Jeder revolutionäre Umsturz pflegt in der Auflösung aller Ordnung – dem Chaos – zu beginnen, um nach einiger Zeit zu politischer Ordnung zurückzufinden, weil andernfalls aller Rückhalt in der Bevölkerung verloren ginge. Ein solcher Prozess ist aber nur ohne Einmischung von außen möglich – das ist in meinem Artikel der springende Punkt. Wenn ich da die Verbrechen der beiden Seiten nicht ganz gerecht gegeneinander abgewogen habe – wer kann das schon in dem gegenwärtig wogenden Krieg der Lügen? – so scheint mir das weniger bedeutsam.

  11. Von Dr. Volker Soyez, dem Leiter einer Brüsseler Rechtsanwaltskanzlei, bekam ich folgenden Kommentar, der mich durch seine – wie soll ich sagen? – raffinierte Unredlichkeit befremdet:

    Sehr geehrter Herr Dr. Jenner,

    So – jetzt sind Sie also auch beim Putin-Bashing angekommen. Eigentlich, so hatte ich den Eindruck, wäre dieser Modetrend schon überwunden. Die wirklich informierten und objektiven Betrachter hatten sich diesem Trend indes niemals hingegeben, da ihnen stets bewusst war, dass der westlichen Propaganda noch weit weniger zu trauen ist als RT. Klar ist, dass Putin’s Medizin für Syrien bitter bzw. seine dortigen Operationen schmerzhaft waren. Dass der pathologische Zustand Syriens indes vom Westen verursacht wurde, steht ebenso außer Frage. Sie kritisieren den Arzt und verniedlichen den Bazillus. Immerhin dürfte dies noch von der Meinungsfreiheit gedeckt sein.

    GJ: Es erweckt von vornherein Misstrauen, wenn jemand für die eigene Position (ohne weitere Begründung) Objektivität und Informiertheit voraussetzt und sie dem anderen abspricht. Herr Soyez sollte sich glücklich schätzen, dass seine kritischen Anmerkungen über das eigene Haus, den Westen, von der Meinungsfreiheit gedeckt sind. Er scheint nicht zu wissen, dass sie es in Russland auf keinen Fall wären. RT, das geschickt auf westliche Empfindsamkeit abgestimmt ist, vermittelt da nämlich ein irreführendes Bild. Ich verfolge regelmäßig russische Sendungen, und da werden heimische Kritiker immer öfter als „Vaterlandsverräter“ apostrophiert. Wir kennen das aus unserer eigenen Geschichte, die nur ein Dreiviertel Jahrhundert zurückliegt. Eine echte Opposition existiert in Russland schon längst nicht mehr; die Demokratie wurde dort durch ein autoritäres Regime abgelöst. Alexei Nawalny, der einzige Mann, der Putin offen Paroli bietet, kommt in den Medien nicht vor, darin liegt seine einzige Chance, das man ihn gewähren lässt: als eine Art Feigenblatt für die demontierte Demokratie.

    Anders verhält es sich mit Ihrer platten und unsubstantiierten Hypothese, dass Assad einer der „blutigsten und skrupellosesten Diktatoren“ der neueren Geschichte sei. Dies ist reine Diffamation und schlichte Propaganda unter BILD-Niveau. Von Ihnen hätte ich mir eine differenziertere Betrachtung erwartet. Sie haben sich vollständig disqualifiziert. Reisen Sie einfach mal nach Damaskus.

    GJ: Ja, sehr geehrter Herr Soyez, wenn ich nach Damaskus reisen würde, bekäme ich einen Herrscher im Heiligenschein vorgeführt. Genauso, wie wenn ich Kim Jong-un in Pjöngjang besuchen würde oder Hitler damals in Berlin!

  12. Von Herrn Pfarrer Walter Keppler bekam ich per Mail folgenden Kommentar:

    Sehr geehrter Herr Dr. Jenner,

    vielen Dank für diesen Artikel. Ich teile Ihre Ansicht weitgehend. Allerdings scheinen mir einige Gesichtspunkte nicht ausreichend berücksichtigt.
    Wenn man den Aussagen des Historikers Dr. Daniele Ganser folgt, so liegt der Ursprung der Konflikte in Syrien in einem vom Westen initiierten regime chance. In diesem Zusammenhang zitiert er in seinen Vorträgen auch Robert Kennedy. Ein regime chance ist ein illegitimer Eingriff in die Souveränität eines Staates. Diesem verdeckten Eingreifen in die Staatssouveränität Syriens folgte offenes Eingreifen in den Jahren ab 2011. Der Westen hat sich mit Verbrechern gemein gemacht, um das oberste Ziel, einen Wechsel an der Staatsspitze zu erreichen. Nur dumm, dass nicht so gelaufen ist, wie man sich wohl erwartet hat, auch mit deshalb, weil das syrische Volk, auch die Christen, die sich durch ihn geschützt sehen, weit stärker hinter ihrem Präsidenten stehen, als man dies von einem angeblichen ‚Tyrannen‘ vermuten müsste.
    Das Eingreifen Russlands in den Konflikt erfolgte erst sehr spät, wenn ich es recht weiß, im September letzten Jahres. Im Gegensatz zur völkerrechtswidrigen, illegalen Präsenz des Westens erfolgte die Präsenz Russlands im Einklang mit dem Völkerrecht, denn die syrische Staatsführung hatte um Hilfe gebeten. Es lässt sich nur darüber spekulieren, ob es so für das Volk besser ist, als wenn Russland nicht eingegriffen hätte.

    Wie dem aus sei, nun ist die Situation für die Menschen wirklich besch… Ich wünschte, dass alle Beteiligten jetzt in einen Friedensprozess eintreten, damit die gequälten Menschen zur Ruhe kommen können. Aber es sieht wohl nicht danach aus…

    Viele Grüße
    Walter Keppler

    Meine Replik:

    Der arabische Frühling ging in Nordafrika und dem Nahen Osten aus der Unzufriedenheit mit den amtierenden Regierungen hervor, eine Unzufriedenheit, die sich – wie ich in meinem Artikel ausführe -, aber auch aus einer Übervölkerung speist, die der jungen Generation dort kaum Hoffnungen ließ. Dass dann Kräfte im Westen die Chance witterten, die herrschenden Regierungen zu stürzen – und dadurch das dort heute grassierende Chaos schufen, ist sicher richtig.

  13. Prof. Hellmut Fleckseder schickte per Mail folgende Stellungnahme:

    Sg. Herr Dr. Jenner,

    ich selbst bin – wegen des fehlenden Einblicks in die Vertrauenswürdigkeit der Medienquellen – nicht in der Lage die Situation in Syrien von mir aus zu beurteilen.

    Ich weise Sie auf Nassim Nicholas Taleb hin. Zu seiner Person siehe zB. https://en.wikipedia.org/wiki/Nassim_Nicholas_Taleb. Er hat eine wissenschaftliche Homepage (siehe Wikipedia) wie auch einen Blog (siehe unter https://medium.com/@nntaleb).

    Dieser Blog enthält zwei Verknüpfungen zum Krieg in Syrien. Die eine stammt vom 22. November und befasst sich mit der Frage nach der Vertrauenswürdigkeit der Berichte bezüglich der menschlichen Verluste, siehe unter https://medium.com/opacity/syria-and-the-statistics-of-war-910eb1a00bbd#.h00hai783.

    Darin – wei auch im nächsten Zitat – hält er fest: Sein Elternhaus (in Amioun im Libanon) wurde von dem Vater von Bashar-al-Assad zugehörigen Kräften zerstört, da sein Großvater an der Seite von Baschir (gemeint ist aller Voraussicht nach Baschir Gemayel) stand.

    Vor wenigen Tagen bewertete er in einer kurzen tabellarischen Gegenüberstellung die in Syrien vorliegende Situation, siehe unter https://medium.com/opacity/the-syrian-war-condensed-a-more-rigorous-way-to-look-at-the-conflict-f841404c3b1d#.rno7taigd. Trotz des seiner Familie und ihm durch Vater Assad angetanen Unrechts hält er das Denken und Handeln der Kräfte gegen Bashar-al-Assad wie auch deren Hintermänner für ungleich gefährlicher als diesen sowie die ihn unterstützenden Kräfte.

    Ich halte die Darlegungen von N. Taleb für nachvollziehbar und auch richtig. Ob sie tatsächlich richtig und wahr sind weiss nur jener der mächtiger als wir alle sind.

    Dient Ihrer Kenntnis.

    Mit freundlichen Grüssen Ihr

    Hellmut Fleckseder
    (tit. ao. Univ.-Prof. Dr.techn.)

  14. Also, wenn ISIS mit den Jakobinern vergleichbar ist, dann will ich ISIS unterstützen. Denn schließlich haben wir das Durchhalten Frankreichs gegen die feudalistische Reaktion, also die Durchsetzung der Menschenrechte gegen den 1000-jährigen Feudalismus und damit auch die bürgerliche Neuordnung Europas, allein den Jakobinern zu verdanken! (Allerdings ist mir bislang noch nicht bewusst, dass ISIS sich für eine ähnlich emanzipatorische Zukunft engagiert).
    Laut Soboul, einem der führenden französischen Forscher zur Revolution, wurden in der Zeit des Terreur in Paris nach Gerichtsbeschluss, zugegebener Maßen „Volksgerichte“, rund 1300 Personen, i.w. Kriegsgewinnler wegen des Verstoßes gegen das Maximumgesetz, hingerichtet. Bei uns gerne vergessen wird, dass im weißen Terror nach Robespierres Tod Zehntausende Sansculotten wie streunende Tiere einfach erschlagen wurden! Warum eigentlich wissen unsre Schulgeschichtsbücher darüber so rein gar nichts?

    Meine Replik:

    Die voraufgehende amerikanische Revolution – von der sich die französische inspirieren ließ – zeigt, dass der Bruch mit der feudalistischen Vergangenheit auch ganz anders möglich war, nämlich ohne Terreur (Hannah Arendt hat in ihrem Vergleich beider Revolutionen darüber geschrieben). Was die von Ihnen genannten Zahlen betrifft, so gibt es in diesem Punkt offensichtlich beträchtliche Meinungsverschiedenheiten. Aber ich gebe Ihnen natürlich vollkommen recht, dass von der Ideologie der ISIS keinerlei emanzipatorische Wirkungen zu erwarten sind.

  15. Von Detlev Matthias Daniel erhielt ich per Mail folgende Stellungnahme:

    Am 19.12.2016 um 15:50 schrieb Detlev Matthias Daniel :

    Sehr geehrter Herr Jenner,

    mein erster Eindruck war auch, hier soll das Putin-Bashing auf einem scheinbar höheren Niveau inszeniert werden. Dann kamen Absätze, die diesen Eindruck etwas relativiert haben, indem sie den Fokus der Betrachtung verschoben. Aber der Beitrag wird nicht dadurch ausgewogen oder gerecht, daß er Kritik an „beiden“ Seiten übt.

    GJ: Da bin ich ganz Ihrer Meinung: Eine Meinung wird allein dadurch gerecht, dass sie richtig ist!

    Entscheidend für die Wirkung ist nicht die Analyse, sondern die Bewertung. Sie ist es, die Entscheidungen beeinflußt. Das Wesen von Propaganda ist, daß die Bewertung nicht eigens und unterscheidbar von den Argumenten getroffen wird, sondern in der Schilderung der tatsächlichen oder auch nur der behaupteten Fakten oft schwer erkennbar enthalten ist. Dafür gibt es Techniken, die ich jetzt nicht im Einzelnen anführen will.

    In der Gesamtschau ergibt sich etwa folgende Bewertung: Der skrupellose Diktator Assad und sein nicht minder perverser Helfer Putin und haben in Aleppo alles zerstört, ohne sich um die Folgen für die Menschen zu kümmern.

    GJ: Pervers habe ich Putin nie genannt und würde ihn so auch nicht nennen. Er ist außerordentlich intelligent und wohl auch immer skrupellos, wenn seine Absichten es erfordern, aber diese Eigenschaft teilt er mit vielen weniger intelligenten Politikern.

    Leider ist auch der Gegenspieler, der Westen, nicht frei von Sünden und auch Deutschland hat kein reines Gewissen. Schon die Abschwächung der Bewertungen – Verbrecher / Sünder / kein Engel – beeinflußt die Wahrnehmung der geäußerten Kritik. Es scheint, daß Ihre Kritik umso moderater ausfällt, je näher Ihnen der Kritisierte ist. Dem könnte die durchaus zutreffende Einschätzung zugrunde liegen, daß Verurteilung niemanden zur freiwilligen Einsicht und Veränderung bringt. Dagegen erzeugt die Verurteilung Dritter Feindbilder, gegen die man im Kampf zusammenrücken muß. Genau diese „Notwendigkeit“ ist es aber, die letztendlich zum Verschwinden der Meinungsfreiheit führt. So kann die Aussage „RTs Wahrheiten sind gefährlich“ ganz schnell in die andere Richtung kippen.

    GJ: Schön, wie Sie sich um eine psychologische Deutung meiner tiefer liegenden Absichten bemühen, sozusagen um die zugrundeliegenden Mechanismen aufzudecken, denen mein Gehirn dabei gehorcht. Wäre es nicht richtiger, sich um die Sache selbst zu kümmern – ganz unabhängig von den möglichen Motiven eines Gero Jenner?

    Zwei Aussagen, die Ihnen bedeutsam zu sein scheinen, möche ich noch kritisch hinterfragen:
    1. Die Nichteinmischung in das innere Geschehen eines Staates als Maxime
    Grundsätzlich erscheint mir das sympathisch und begründet, aber: Wo gibt es das denn noch? Sind nicht die zumindest wirtschaftlichen grenzüberschreitenden Beziehungen heute so ausgeprägt, daß die Einflußnahme und Einmischung alltäglich ist?

    GJ: Erlauben Sie mir bitte, einen gewissen Unterschied darin zu sehen, ob man mit anderen Ländern Handel treibt oder sie bombardiert. Wenn Sie in allem nur den fließenden Übergang erkennen, dann landen Sie schließlich bei völliger geistiger Lähmung, was nichts anderes ist als TINA – ist das Ihre Absicht?

    Das ist es doch, worauf das amerikanische Imperium basiert. Alle weiteren Eskalationen ergeben sich schrittweise aus den Reaktionen darauf. Außerdem – muß man warten, bis ein Hitler einen Weltkrieg anzettelt? (Übrigens auch ein schönes Beispiel hinsichtlich der Be- und Verurteilung. Die Relativierung allierter Kriegshandlungen war notwendig zum Abbau der Feindverhältnisse also für den Frieden, nachdem sich die Verhältnisse entschieden hatten.) Ein interessantes Beispiel ist auch die Französische Revolution, ohne die die nachfolgende napoleonische Ära mit allen ihren Facetten nicht denkbar wäre. Wo enden die inneren, wo beginnen die äußeren Angelegenheiten?

    2. Das Problem der „Übervölkerung“ der krisenhaften Staaten und Regionen
    Ihren Ausführungen entnehme ich, daß Sie den Begriff im Sinne von Überbevölkerung verstehen (nicht im Sinne von zu viele Völker in einem Staat, das könnte ja dort auch ein Problem sein).

    GJ: Als Linguisten hat mich das eigentlich überflüssige „be“ gestört, weshalb ich das einfachere Wort gebrauche. Was die Sache selbst betrifft, so empfehle ich Ihnen das im Text genannte Buch von Heinsohn und Steiger.

    Was ist denn eigentlich Überbevölkerung? In einer reinen Agrargesellschaft ist die Frage noch einigermaßen einfach zu beantworten: mehr Menschen, als die Böden nachhaltig hergeben. Wenn aber das Wirtschaftswachstum einer Gesellschaft mit gemischter Wirtschaftsstruktur mit dem Bevölkerungswachstum nicht schritthalten kann, woran liegt das? Ist die Frage überhaupt richtig gestellt? Würde es mit einem geringeren Bevölkerungswachstum schritthalten? Ich denke, einen schwerwiegenderen Anteil, als die Bevölkerungsentwicklung, haben hier doch auch wieder die gesamtwirtschaftlichen Verhältnisse, also insbesondere auch die globalen.

    Mit bestem Gruß

    D.M. Daniel

    GJ: Sehr geehrter Herr Daniel, Sie scheinen zu denjenigen zu gehören, vor deren Augen sich jedes Problem zu einer solchen Komplexität aufbläht, dass sie darüber am Ende überhaupt zu keinem Urteil mehr gelangen, geschweige denn zu Vorschlägen, wie man sie überwindet. Das ist eine Krankheit, an der heute nicht wenige Menschen leiden und leider gerade auch intelligente. Es kommt darauf an, eine vernünftige Mitte zwischen einer Simplification horrible und geistiger Lähmung zu finden!

  16. Von Herrn Dr. A. Holberg (A. Wosni), Bonn/BRD, erhalte ich folgenden Kommentar:

    Sehr geehrter Dr. Jenner,

    während ich dieses und jenes, was Sie mir geschickt haben, durchaus schätze, frage ich mich doch, wie Sie zu Ihrer Meinung bzgl. Assad-Putin-Aleppo (Hunnensturm – Putins fürchterliche „Befreier“) kommen.
    Dass das syrische Baath-Regime unter den Assads (Vater und Sohn) eine Diktatur ist, ist – relativ – unbestritten. Wo gibt es in der Region schon „Demokratien“ im Sinne der kleinen Zahl der reichen kapitalistischen Staaten? Dass sich das Regime aus historischen Gründen auf die Minderheit der Alawiten stützt, ist teilweise auch richtig, wenngleich diese Feststellung durchaus zu relativieren wäre, wurde es doch zumindest bis zum Beginn des „Bürgerkrieges“ auch vom größten Teil des sunnitischen Bourgeoisie untestützt. Lediglich deren traditioneller Sektor, der von den ökonomischen Maßnahmen schon unter Hafiz al-Assad in Miteidenschaft gezogen worden war, hatte sich Anfang der 80er Jahre unter Führung der Muslimbruderschaft erhoben (Hama). Die Internationalisierung der zunächst auf einheimische Entwicklungen zurückgehenden Revolte vor knapp 6 Jahren und die damit einhergehende „Jihadisierung“ dieser Revolte hat dann zumindest die anderen Minderheiten im Land mehr oder weniger wieder an die Seite des Regimes gezwungen. Alleine so ist es schon eine arge Verkürzung zu behaupten, das („alawitische“) Regime gebe „die“ sunnitische Mehrheit „zum Abschuss frei“. Der Realität deutlich näher käme es m.E., wenn man sagen würde: Das (sunnitische) Gros der Bevölkerung Syriens, dessen ländlicher Teil am Urprung der Revolte steht, die sich vor allem an ihrer ökonomischen Verschlechterung in den Jahren der neoliberalen Wende des einst staatskapitalistischen Regimes entzündet hat, ist ihrer Revolte durch in und ausländische Takfiristen/Jihadisten und mit Unterstützung fremder Staaten, die das Regime aus geopolitischen Gründen (Neoosmanismus im Fall der Türkei, Konkurrenz zum Iran im Fall der Golfmonarchien und Israels, Konkurrenz zu Russland im Fall der USA und der EU) stürzen woll(t)en, enteignet worden. Alles Übrige, wie die katastrophale Menschenrechtssituation in Form von Hunger, Tod, Zerstörung und Flucht, ist das übliche Ergebnis des Krieges. Dieser Krieg wäre schon längst zu Ende, wäre er nicht von außen am Leben gehalten worden (und zwar schon vor dem direkten Eingreifen der RF) . Das ist m.E. das hervorstechende Verbrechen gerade auch „unserer“ Regierungen und zwar aus folgendem Grund. „Unsere“ Regierungen haben jahrlang Kräfte in Syrien unterstützt, die nicht nur ebenso wenig mit Demokratie und Menschrechten zu tun haben wie das Regime selbst, sondern – und das ist der ausschlaggebende Punkt – die schon vor Jahren gezeigt haben, dass sie weder in der Lage waren, das Regime militärischzu stürzen noch gar es durch eine eigene fuktionierende Herrschaft im ganzen oder wenigstens größten Teil des Lande zu ersetzen. Die Alternative zur Diktatur der ASBP in Syrien wär also nicht ein prowestliches, ein pro-türkisches/saudisches Regime, sondern die Anarchie aus den Händen unzähliger lokaler Warlords, die ja nicht einmal den Sturz des Regimes abwarten können, um sich gegenseitig an den Hals zu gehen. Dass „Putin“ das Assad-Regime nicht aus Gründen der Verteidigung der Menschenrechte oder der völkerrechtichen Legitimität (obwohl es dieses in der Tat für sich beanspruchen kann) verteidigt, sondern aus geopolitischen Gründen (Marinebasis von Tartous etc.), ist klar. Objektiv aber leistet er damit einen Beitrag zur Verhinderung des allgemeinen Chaos à la Libyen. Ob dieser Beitrag ausreicht, muss sich allerdings noch zeigen. Die Idee, dass der Sturz Assads ein „Sieg der sunnitischen Mehrheit“ wäre, ist völlig abwegig. Die „Sieger“ (mit in vorderster Front Jihadisten aus Tschetschenien, Tunesien, Frankreich, Belgier der BRD und weiß der Teufel von wo sonst noch) wären zwar Sunniten, aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie die subjektiven oder gar objektiven Interessen der Mehrheit der sunnitischen Syrer zum Ausdruck brächten. Im übrigen gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Regime mit russischer Unterstützung „die“ Sunniten bekämpft. Es mag den einen der anderen Zwischenfall gegeben haben, bei dem verbündete schiitische Milizen z.B. aus dem Irak sich sektiererischen Verbrechen schuldig gemacht haben. Aber was soll Assad oder Putin gegen „die“ Sunniten haben? Assad kämpft gegen jeden, der seine Herrschaft in Frage stellt, ganz gleich ob Alawit, Druse, Christ, 12er Schiit oder was auch immer. Die Tatsache, dass sich die erwähnten Jihadisten natürlich vorzugsweise in sunnitschen (man muss hinzufügen: arabisch-sunnitischen, denn die sunnitischen Kurden sind ihnen feind) Regionen bewegen, führt unumgänglich dazu, dass auch die (übrigens größtenteils noch immer aus sunnitischen Wehrpflichtigen bestehende) syrische Armee in diese Regionen schießt und bombardiert, ebenso wie die „Rebellen“ in vom Regime kontrollierten Regionen, in denen – etwa in West-Aleppo – naturgemäß auch viele, wenn nicht gar überwiegend – sunnitische Syrer leben.

    Mit vorzüglichen Hochachtung
    A. Holberg

    Meine Replik:

    Sehr geehrter Herr Holberg,

    vielen Dank für einige sachkundige Richtigstellungen, die Situation ist offensichtlich so komplex, dass jede Darstellung von dem einen oder anderen aus diesem oder jenem Grund als zu simpel kritisiert werden kann. Aber vergessen Sie bitte nicht, worum es mir letztlich geht und warum ich diesen Artikel überhaupt verfasste! Die global Players sollten sich endlich bewusst sein, dass es nicht zu ihren Rechten und schon gar nicht zu ihren Pflichten gehört, überall in der Welt ihre Finger ins Spiel zu bringen. Innere Auseinandersetzungen eines Staates gehen andere Staaten nichts an, sofern sie nicht in äußere Aggression umschlagen. Das ist die Botschaft, die wir, wie ich meine, aus den unseligen Eingriffen des Westens und jetzt auch Russlands im Nahen Osten gelernt haben sollten.

    Hochachtungsvoll auch meinerseits

    Gero Jenner

    Herr Holberg (Wosni):

    Sehr geehrter Herr Jenner,

    da stimme ich Ihnen zu. Das – ständige – Problem ist halt, das zumindest einer anfängt, gegen diese Maxime zu verstoßen, und dann der andere „Player“ sich – nachvollziehbar -genötigt sieht, nachzuziehen. In diesem konkreten Fall hat nun mal „der Westen“ angefangen. Damit will ich keineswegs sagen, dass „Putin“ von Naur aus besser sei, aber generell war und ist Russland/SU, wenn nicht der bessere so doch der zumindest ökonomisch schwächere „Player“ und überdies weniger global als auf Grund seiner Ausdehnung und Lage „eurasisch“ interessierte. Man vergleiche nur die Verteilung von Auslands-Militärbasen der NATO-Lände (insbesondere der der USA) mit denen Russlands/SU.

    mit besten Grüßen

    A. Holberg

    Replik:

    Ich wünsche, Sie haben Recht mit Ihrer Einschätzung.

  17. Sg Herr Jenner,
    Der richtige und wichtige Punkt Ihres Artikels ist die Erkenntnis der brutalen Jakobinernatur des amerikanischen Konzern / Wall Street Regimes. Damit erklärt sich der realitätsresistente Missionierungseifer, der sich über jedes Gesetz und Menschlichkeit hinwegsetzt und folgerichtig Terrorgruppen u Mafiaorganisationen sponsort und schützt um seine dümmlichen Erlösungsfantasien und moderne Versklavungspraxis durch Verschuldungsspirale und Bombenterror umsetzen zu können.
    Schade ist, daß Sie die staatsmännische Qualität Putins nicht sehen können, der sein Land gegen alle Wahrscheinlichkeit vor eben diesen Chicago u Harvard Hyänen gerettet hat. Meinen Sie wirklich daß ein Restbestand der völlig korrupten 90er wie Nawalny mit Zustimmungsraten von 3% gegen Putins 80%+ mehr als eine Lachnummer ist? Russland ist vom westlichen Liberalismus gründlich geheilt und hat einen weiteren steilen Aufstieg vor sich, militärisch unantastbar, wirtschaftlich zunehmend autark und effizient und politisch von langfristig denkenden, verantwortungsvollen unkäuflichen Patrioten gelenkt. Gleichzeitig geht Europa im Sumpf des Washingtoner Brüssel Regimes mit seinen intelligenzbefreiten Konformisten unter. VErdient!
    LG,
    Viktor Hackl

    Eine Anmerkung meinerseits:

    Dies ist der wohl bemerkenswerteste Kommentar! Nicht deswegen, weil da ein so hochgradiger Hass gegen die Vereinigten Staaten zum Ausdruck kommt. Man kann, so meine ich, sehr wohl darüber streiten, ob es Amerika ist oder doch eher Russland, wo in den letzten zwanzig Jahren mehr gelogen und von wo mehr Unheil bewirkt worden ist. Nein, das Bemerkenswerte an diesem Beitrag liegt in dem ausgeprägten Gegensatz von Hass und Hingabe. Die geistige Haltlosigkeit der modernen liberalen Gesellschaft nährt ja gerade diese beiden Extreme. So war es gegen Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Wie viele Intellektuelle gerade aus dem universitären Milieu sind damals von Hass zu bedingsloser Hinhabe umgeschwenkt! Wie viele haben sich nach dem Ende der Freiheit und der Ankunft eines starken Mannes gesehnt, den Nietzsche sich im „Übermenschen“ ja schon ein halbes Jahrhundert zuvor herbeifantasierte! So scheint es heute erneut zu sein.
    Man könnte diesen Kommentar eines desorientierten Intellektuellen in zwei Wörtern zusammenfassen:
    Heil Putin!

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