Geldschöpfung aus dem Nichts – Realität oder Chimäre?

(auch erschienen in fbkfinanzwirtschaft)

Von der Geldschöpfung aus dem Nichts, wie sie angeblich die Notenbanken betreiben, war schon die Rede. Jetzt geht es um die Geschäftsbanken.

Grundsätzlich sind Geschäftsbanken in der Lage, auf dem Wege der so genannten Bilanzverlängerung Kredit aus dem Nichts zu schöpfen, bei entsprechender Nachfrage vonseiten der Kreditnehmer wäre ihnen dies sogar in unbegrenztem Ausmaße möglich. Die Frage ist nur, ob sie es tun, genauer gesagt, ob es sich für sie lohnt, das zu tun.

Wer diese Frage entscheiden will, muss zwei Situationen deutlich trennen und sie gegeneinander abgrenzen. Erstens, den Fall eines intensiven Wettbewerbs zwischen Geschäftsbanken A bis Z und, zweitens, den Fall einer (fiktiv-hypothetischen) monopolistischen Geschäftsbank A, die als einzige unterhalb der Notenbank übrig bleibt.

Eine monopolistische Geschäftsbank schöpft Kredit aus dem Nichts

Im Falle der monopolistischen Geschäftsbank darf davon ausgegangen werden, dass der Zins für Einlagen, d. h. für das Bargeld, dass die Sparer auf ein Sparkonto legen, gleich Null sein wird. Die Bank ist auf die Einlagen von Sparern ja nicht länger angewiesen, weil sie das selbst kreierte Geld billiger kommt als eine Spareinlage, für die sie dem Sparer im Regelfall einen Minimalzins zahlen muss. Eine monopolistische Bank wird also schnell dazu übergehen, auf Spareinlagen überhaupt zu verzichten und alles Kreditgeld aus dem Nichts zu schöpfen. In diesem Fall, aber auch nur in diesem, sind jene im Recht, welche in der Buchgeldschöpfung aus dem Nichts ein gewaltiges Problem erblicken.

Geschäftsbanken im perfekten Wettbewerb

Wie verhält es sich aber mit einem System des perfekten Wettbewerbs zwischen den Geschäftsbanken A bis Z?

Auch in diesem Fall steht es jeder Bank offen, Kreditgeld durch Bilanzverlängerung aus dem Nichts zu schöpfen. Sie muss aber damit rechnen, dass der Kreditnehmer den ihm gut geschriebenen Girobetrag dazu verwendet, um Güter oder Leistungen bei einem Kunden zu erwerben, der ein Konto bei der Bank Z unterhält und den von der Bank A nach Z überwiesenen Betrag dann in bar behebt. Das zwingt die Bank A zu einem Saldoausgleich mit der Bank Z, den sie in Notenbankgeld begleichen muss. Anders gesagt, muss die Bank A, wenn sie Geld aus dem Nichts schöpft, den entsprechenden Betrag in Notenbankgeld an andere Banken entrichten.

Dieses Notenbankgeld hat sie aber nicht

da sie ja Buchgeld aus dem Nichts geschöpft hatte und den Betrag eben nicht in bar von einem Sparer erhielt. Die Bank ist daher gezwungen, sich den Betrag zu leihen und für die Entleihung natürlich Zins zu entrichten.

Drei verschiedene Zinssätze kommen bei einer solchen Entleihung in Frage. Der Spargeldzins, den sie an Sparer entrichtet, der Interbankenzins, falls sie sich das Geld von einer anderen Bank entleiht, oder der Zins, den sie an die Notenbank zu entrichten hätte, wenn sie das Geld aus dieser Quelle bezieht. Es leuchtet ein, warum der Interbankenzins immer über dem Sparzins liegt und der Notenbankzins seinerseits fast immer über dem Interbankenzins (außer Kraft gesetzt wird diese Regel nur in den seltenen Fällen, wo gegenseitiges Misstrauen zwischen den Banken so groß ist, dass es den Interbankengeldmarkt austrocknet).

Der Zins für Spareinlagen ist immer der billigste, deswegen sind die Geschäftsbanken so auf das Geld der Sparer versessen

Da der Interbanken- bzw. der an die Notenbank zu zahlende Zins für das von Bank A benötigte Banknotengeld also fast immer höher liegt als der Zins, den die Bank für eine in bar gezahlte Spareinlage entrichtet, kommt sie ein Kredit, der auf einer Geldschöpfung aus dem Nichts beruht, zwangsläufig teurer als ein Kredit, der aufgrund einer Spareinlage zustande kommt.

Diese im Vergleich zum Sparzins höhere Last muss die Bank A aber an den Kreditnehmer weiterreichen. Zwangsläufig hat dieses Vorgehen zur Folge, dass sie im Wettbewerb mit anderen Banken, die keine Geldschöpfung aus dem Nichts betreiben, an Konkurrenzfähigkeit einbüßt.

Im perfekten Wettbewerb ist die Geldschöpfung aus dem Nichts für Geschäftsbanken viel zu teuer

Hier und nur hier ist der Grund dafür zu suchen, dass die Geschäftsbanken in einem System funktionierenden Wettbewerbs de facto keine Geldschöpfung aus dem Nichts betreiben, obwohl sie dazu durchaus in der Lage wären. Ökonomisch betrachtet, macht es für sie schlicht keinen Sinn, von einem System der Kreditvergabe aufgrund von Spareinlagen zu einem solchen der Kreditvergabe aufgrund von Geldschöpfung aus dem Nichts überzugehen.

Geradezu als Indikator für einen funktionierenden Wettbewerb muss es dabei gelten, wenn nur geringe Geldmengen im täglichen Saldenausgleich zwischen den Banken verschoben werden – eben weil der Ausgleich für geliehenes Geld so teuer ist (nennen wir ihn den „Interbankentransferindikator“).

Im übrigen wird nach dem Gesagten auch verständlich, warum Banken bei einem Übermaß an faulen Krediten Bankrott gehen können, ohne dass sie eine Geldschöpfung aus dem Nichts davor retten könnte.

Welches System herrscht in Deutschland: ein Monopol oder der Wettbewerb?

Die Frage, ob das gegenwärtige Geschäftsbankensystem eher auf Wettbewerb gründet, ob also die Geldschöpfung aus dem Nichts praktisch kaum eine Rolle spielt, oder ob es eher zur Alternative eins tendiert, d.h. sich bereits in Richtung eines Kartells oder gar Monopols entwickelt, wo Geldschöpfung aufgrund fehlender Konkurrenz eine realistische Möglichkeit wäre, lässt sich nicht theoretisch, sondern nur auf empirischem Weg entscheiden, und zwar, erstens, durch den von mir so genannten Interbankentransferindikator und, zweitens, durch den Vergleich des gesamten Sparvolumens mit dem gesamten Kreditvolumen. Die empirischen Untersuchungen zur zweiten Frage sind Helmut Creutz zu danken und lassen keinen Zweifel zu:

„Die Geldersparnisse gehen aber nicht nur den Krediten voraus, sondern sie liegen auch durchweg über den Krediten… Zieht man dafür die Gesamtbilanzen heran, die regelmäßig im statistischen Teil der Monatsberichte der Deutschen Bundesbank auf den Seiten 20 bis 23 veröffentlicht werden, dann ergeben sich dort für Ende 2002 folgende Größen:

Kredite an Nichtbanken u.a. Aktiva: 4258 Mrd. Euro

Einlagen von Nichtbanken u.a. Passiva: 5003 Mrd. Euro

Dadurch entsteht also ein Einlagenüberschuss von 745 Mrd. Euro bzw. rund 15 Prozent, was längerfristig betrachtet etwa der Obergrenze dieser Überschüsse entspricht (H. Creutz, Die 29 Irrtümer rund ums Geld, München 2004).

Mit anderen Worten, beruhte das deutsche Geschäftsbankensystem im Jahr 2002 auf einem funktionierendem Wettbewerb, ebenso im Jahr 2008 (siehe Creutz, Das Geldsyndrom 2012: 205).

Vollgeld: auf Illusion gebaut

Das Problem der Geldschöpfung aus dem Nichts ist damit definitiv gelöst. Jahre lang konnte man so unsinnige Sätze lesen, wie dass die Annahme, Kredite würden auf Spareinlagen beruhen, eine Irrlehre sei, in Wahrheit würden Geschäftsbanken alle oder doch 95% aller Kredite aus dem Nichts erzeugen.

Oder: „Um heute investieren zu können, muss nicht erst langwierig Geld gespart und Eigenkapital gebildet werden…, sondern das benötigte Geld kann nach Bedarf und nach vorhanden Willen der maßgeblichen Akteure frei im Vorhinein geschöpft werden“ (Huber 2016: 53; vgl. meinen Artikel: Prof. Dr. Joseph Hubers Vollgeldtheorie – gebaut auf Sand und schlechtem Denken).

So wurde die Wahrheit – bei Huber mit einem erstaunlichen Aufwand an vernebelnder professoraler Gelehrsamkeit – von den Füßen auf den Kopf gestellt, denn eine solche Geldschöpfung ist nur in einem einzigen, theoretisch konstruierten Extremfall real, einem Extremfall, der bisher nirgendwo verwirklicht wurde und hoffentlich auch nie eintreten wird: in einem System, wo die Kreditversorgung innerhalb eines Währungsraums zum Monopol einer einzigen Geschäftsbank geworden ist oder ein striktes Kartell die gleiche Wirkung erzielt. In diesem, und nur in diesem, Fall würde die Geldschöpfung aus dem Nichts die Spareinlagen vollständig verdrängen.

Hingegen ist eine Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken in einem System funktionierenden Wettbewerbs ausgeschlossen. Theorien wie „100% Money“ oder die sogenannte „Monetative“, welche dies dennoch behaupten, sagen schlicht und einfach die Unwahrheit.

Dazu ist es gekommen, weil die Theoretiker der Geldschöpfung aus dem Nichts sich die Tatsache nicht zu erklären vermochten, dass die moderne Wirtschaft kaum mehr Bargeld, sondern stattdessen fast nur noch Buchgeld benutzt – eine Tatsache, die doch auf recht einfache Art erklärt werden kann.

Ja, das herrschende Geldsystem würde gewiss viele dringende Reformen benötigen, was es hingegen gar nicht braucht, ist eine so genannte Vollgeld-Reform, die schlicht auf Denkfehlern gründet.

6 Gedanken zu „Geldschöpfung aus dem Nichts – Realität oder Chimäre?“

  1. Von Herrn Egon W. Kreutzer erhielt ich – per Mail – bereits einen halb zustimmenden Kommentar:

    „Sieht man die Geschäftsbanken als isolierte Wettbewerber an, ist die Hereinnahme von Spareinlagen zur Refinanzierung der Kredite sicherlich der Weg der Wahl.“

    Meine Stellungnahme:

    Nein, nicht der Wahl: Die Geschäftsbanken sind durch die gegenseitige Konkurrenz zu diesem Verhalten auf Gedeih und Verderb gezwungen!
    Im übrigen kann Herr Kreutzer mir natürlich nur halb zustimmen: Die Geldschöpfung aus dem Nichts ist ihm so ans Herz gewachsen (er hat sie so oft so hartnäckig verteidigt), dass er es vorzieht, meine Alternative eins für gegeben zu halten. In Deutschland – und seiner Meinung nach vermutlich auch überall sonst – sei der Wettbewerb längst ausgehebelt, die Geschäftsbanken hätten sich zu einem Kartell zusammengeschlossen.
    Nun, an diesem Punkt tritt die empirische Beweisführung von Helmut Creutz in Kraft, die unzweifelhaft das Gegenteil beweist.

  2. Lieber Gero!

    Auch eine Monopolgeschäftsbank kann genauso wenig wie konkurrierende Geschäftsbanken die Netto-Giralgeldschöpfung bestimmen. Beide haben nur Einfluss auf die Brutto-Geldschöpfung. Die Geldvernichtung wird in beiden Fällen durch die Nichtbanken bestimmt. Und Netto-Geldschöpfung ist gleich Brutto-Geldschöpfung minus Geldvernichtung.

    Der Unterschied zwischen einer Monopolgeschäftsbank und konkurrierenden Geschäftsbanken besteht nur darin, dass eine Monopolbank den monetären Vorteil in Höhe der Netto-Geldschöpfung als Seignoragegewinn behalten kann, voll konkurrierende Geschäftsbanken (ohne Eigengeschäft) den monetären Vorteil in Höhe der Netto-Geldschöpfung über niedrigere Kreditzinsen oder höhere Sparzinsen weitergeben müssen.

    Meine Replik:

    Vielen Dank für diese Anmerkung, die jedenfalls unterstreicht, dass Giralgeld in keinem Fall endlos vermehrt werden kann – was genauso auch auf Buchgeldkredite zutrifft, denn in diesem Fall ist die Nachfrage der Kreditnehmer entscheidend. Eine irreführende Formulierung meinerseits habe ich korrigiert.
    Allerdings geht diese Stellungnahme leider am Kern meiner Aussagen völlig vorbei! Ich weiß schon, dass es Herrn Glötzl schwer fallen muss, Fehler zuzugeben, zumal er sich ursprünglich ja zur richtigen Auffassung bekannte.

  3. Von Herrn Prof. Winfried Radtke erhalte ich per Mail folgenden Kommentar:

    Sehr geehrter Herr Dr. Gero Jenner!
    In Ihrem Artikel schreiben Sie unter der Überschrift:
    Geschäftsbanken im perfekten Wettbewerb
    „Auch in diesem Fall steht es jeder Bank offen, Kreditgeld durch Bilanzverlängerung aus dem Nichts zu schöpfen. Sie muss aber damit rechnen, dass der Kreditnehmer den ihm gut geschriebenen Girobetrag dazu verwendet, um Güter oder Leistungen bei einem Kunden zu erwerben, der ein Konto bei der Bank Z unterhält und den von der Bank A nach Z überwiesenen Betrag dann in bar behebt. Das zwingt die Bank A zu einem Saldoausgleich mit der Bank Z, den sie in Notenbankgeld begleichen muss.“
    Daraus folgt auch klar, warum die Banken daran interessiert sind, das Bargeld abzuschaffen – und wir als Bürger alles daran setzen, den Bargeldverkehr aufrecht zu erhalten.
    Vielen Dank für diese Erkenntnis aus Ihrem Artikel!
    Viele Grüße
    Ihr
    Winfried Radtke

    Meine Replik:

    Sehr geehrter Herr Radtke,

    mein Aufsatz richtet sich gegen eine falsche Theorie, die Vorstellung, dass Kreditgeldschöpfung aus dem Nichts zum Wesen des herrschenden Geldsystems gehöre, er richtet sich nicht gegen das Bargeld. Man kann für oder gegen die Abschaffung von Bargeld sein, aber aus meinem Artikel lässt sich keineswegs der Schluss ableiten, dass das Bargeld unbedingt zu erhalten wäre.

    Viele Grüße

    Gero Jenner

  4. Von Herrn Anton Rainer bekomme ich einen Kommentar, der leider ebenfalls an der eigentlichen Aussage und Intention meines Aufsatzes, wonach es bei funktionierendem Wettbewerb keine Geldschöpfung aus dem Nichts geben könne, entschlossen vorbeiargumentiert:

    Sehr geehrter Herr Jenner, sehr geehrte Geldschöpfungsdiskutanten,
    Ich möchte Herrn Glötzl noch ergänzen: Die Banken (auch eine Monopolbank) können weder Geldvernichtung noch Bruttogeldschöpfung ohne Mitwirkung von Nichtbanken betreiben.

    GJ: Sehr richtig, aber das ist irrelevant im Hinblick auf meine These.

    Was Geldschöpfung ist oder nicht ist, hängt natürlich sehr stark von der Gelddefinition ab. Bei der üblichen Definition (Bargeld und Sichteinlagen der Nichtbanken) hat meine Bank z.B. keine Chance (oder nur um die Gefahr eines Runs), zu verhindern, dass ich von meinem Sparkonto abhebe und dadurch Geld schöpfe oder dass ich umgekehrt etwas aufs Sparbuch einlege.

    GJ: Auf meinem Sparkonto liegen terminlich gebundene Einlagen, die in der Regel durch Einzahlung von Bargeld zustande kommen. Hier findet also gerade keine Geldschöpfung statt!

    Wenn sie mir aber einen Kredit einräumt, also mit meiner Mitwirkung Geld schöpft, kann diese Geldschöpfung (abgesehen von den wenigen Fällen, in denen sie den Kredit in bar auszahlt) nur aus dem Nichts erfolgen, also mit einer Bilanzverlängerung (Kredit-Banksoll, Sichteinlage-Bankhaben).

    GJ: Sie wiederholen hier nur, was ich ebenso sage, wissen aber seltsamerweise ganz genau, dass die Barauszahlung durch andere Banken (B – Z) nur in seltenen Fällen stattfindet. Das ist von Ihnen als Kritik gedacht. Sie merken nicht einmal, dass Sie meine These dadurch unterstützen, denn in einem System funktionierenden Wettbewerbs ist die Kreditschöpfung aus dem Nichts für Banken zu teuer, also spielt der Saldoausgleich zwischen den Banken eben gerade in einem solchen System kaum eine Rolle.

    Alle anderen Bilanzpositionen bleiben davon unberührt. Übrigens verstehe ich nicht, wie die Banken dadurch zu einem Seignorage-Gewinn kommen sollten.

    GJ: Die Feststellung von Herrn Glötzl, dass eine monopolistische Bank natürlich auch Monopolgebühren verlangen kann, sollte sogar für Laien leicht zu verstehen sein.

    Aber auch eine Monopolbank würde relativ bald an Grenzen stoßen (abgesehen von einer Situation wie derzeit mit schwacher Kreditnachfrage und Verunseicherung der Banken bezüglich der Kreditsicherheiten). Da die Kredite mit Eigenkapital zu unterlegen sind, würde sie bei übermäßiger Bilanzverlängerung sehr bald Probleme bekommen, ausreichend Eigenkapital aufzubringen.

    GJ: Ja, aber nicht wenn die Mindestreserveanforderungen so niedrig wie derzeit sind.

    Selbst ohne solche Vorschriften könnte bei starken Missverhälnissen ihrer Vermögens- und Schuldenstruktur die Gefahr einer Illiquidität bzw. eines Bankruns zu groß werden.
    Ich mache mir auch keine Sorgen, dass auch eine Monopolgeschäftsbank Spareinlagen annehmen würde und übrigens auch müsste (weil in diesem Fall der Staat bzw. die Zentralbank vorschreiben würde, dass sie allen Bürgern ein Konto einräumt.

    GJ: Sie haben offenbar den Punkt nicht verstanden, dass eine Monopolbank sich deswegen nicht länger um Spareinlagen bemühen würde, weil ihr diese Kosten aufgrund der an die Sparer zu entrichtenden Zinsen aufhalsen würde – im Gegensatz zu selbst kreiertem Geld, für das sie als Monopolbank keine Zinsen entrichtet, weil die Auszahlung in Bargeld nicht länger in Frage kommt.

    Aber diese Überlegungen haben kaum praktische Relevanz, weil in den meisten Regionen zwar keine perfekte, aber doch eine gewisse Konkurrenz zwischen mehreren Banken gegeben ist.

    GJ: Ich werde in Zukunft keine so unüberlegten Kommentare mehr akzeptieren, die nur der Selbstdarstellung dienen. Der Auseinandersetzung über wichtige Problem ist nicht damit gedient, dass mal eben so aus der Hüfte geschossen wird.

    Mit besten Grüßen
    Anton Rainer

  5. Von Ellen Brown, der US-amerikanischen Galionsfigur der „Geldschöpfung aus dem Nichts“ erhielt ich per Mail folgenden Kommentar:

    Best wishes,
    Ellen Brown
    http://EllenBrown.com
    http://PublicBankingInstitute.org

    I read your paper. I agree that borrowing from deposits is the cheapest way for a bank to get its liquidity. But the question is, where did the deposits come from? As the Bank of England acknowledges, only 3% of the money supply is created by the central bank as paper notes or coins. Where does the rest come from? Loans create deposits. Those deposits find their way into other banks, which back other loans, etc. I just wrote a long piece on that, which I can forward if you’re keenly interested.

    Best wishes,
    Ellen

    Meine Replik:

    Well, I am satisfied that you agree with a main point I made in my argument: Deposits are, indeed, the cheapest way. But where do they come from? Obviously, this ist the question. You find the solution in my paper

    http://www.gerojenner.com/wp/?p=1032

    which, however, so far, I did not find the time to translate into English.

    Kind regards

    Gero Jenner

  6. Sehr geehrter Herr Jenner,

    Nehmen wir an, es gebe irgendwo eine Monopolgeschäftsbank mit folgender Bilanzstruktur
    Bargeld 20 (gehört natürlich nicht zur Geldmenge, da nicht bei Nichtbanken), Einlagen bei Zentralbank 10, Kredite 70; Guthaben bei Zentralbank 15, Spareinlagen 30, Sichteinlagen (Giro) 45, d.h. Eigenkapital 10 (also 10% der Bianzsumme oder ca. 14% der Kredite). Wenn ich dann 2 von meinen Spareinlagen abhebe, vermindert sich sowohl der Bargeldbestand der Bank als auch die Spareinlagen um 2, die Geldmenge (Bargeld+Sichteinlagen) erhöht sich um 2 (und zwar unabhängig davon, dass ich früher meine Spareinlagen durch Geldvernichtung = Einzahlung geschaffen habe).
    Nehmen wir an, es ist ein Eigenkapital von 12,5% der Kredite vorgeschrieben, andernfalls hat die Bank hohe Strafzahlungen zu leisten und es gäbe Kreditanträge in Höhe von 30. Wenn die Bank keine Strafe zahlen will, kann sie höchstens 10 davon begeben, außer sie kann ihr Eigenkapital durch Ausgabe neuer Aktien entsprechend erhöhen (und zwar unabhängig von Mindestreservebestimmungen, die sich ja üblicher Weise auf die Einlagen beziehen). Diese 10 Kredite werden bei der Bank im Soll, verbucht, auf der Habenseite muss die Bank den Kreditnehmern diese 10 als Sichteinlagen (=Erhöhung der Geldmenge) gutschreiben.
    Dass eine Monopolbank höhere Renditen erzielen kann, indem sie weniger Zinsen auf Einlagen gibt und höhere Zinsen auf Kredite, möchte ich nicht bestreiten, das sind aber keine Seignoragegewinne. Das ist einfach eine höhere Zinsspanne (=Anteil an den Profiten).
    Sind das unüberlegte Kommentare?

    Mit freundlichen Grüßen
    Anton Rainer

    Meine Replik:

    Ich habe mehrere Ihrer Einwände zu diesem Artikel als offensichtlichen Unfug entlarvt (siehe oben), ohne dass Sie das eingestanden oder berichtigt hätten. Das entbindet mich meinerseits von der Pflicht, auf jeden Ihrer Einfälle einzugehen. Eine generelle Antwort, die Ihren Sonderfall umgreift, werden Sie aber unter meinem bald erscheinenden Artikel „Prof. Dr. Joseph Huber – eine Lektion in unsauberem Denken“ finden. Also nichts für ungut – bis bald!

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