Wikipedia

Warum ist der Wikipedia-Eintrag so dürftig? Ich bin dort praktisch unsichtbar. Folgender Absatz sollte unter dem Eintrag „Gero Jenner“ zwischen den beiden Absätzen „Leben“ und „Schriften“ eingeschoben werden.

Forschungsschwerpunkte

Ein mehr als dreijähriger Aufenthalt in Japan hatte Jenners Interesse an Wirtschaftsproblemen erweckt. Mit drei Sachbüchern zu diesem Thema gewann er größere Aufmerksamkeit nicht nur in der Öffentlichkeit sondern auch unter Experten. Die Arbeitslose Gesellschaft und Das Ende des Kapitalismus – Triumph oder Kollaps eines Wirtschaftssystems wurden von Bert Rürup, einem ehemaligen deutschen „Wirtschaftsweisen“, gefördert; das zweite Buch sogar mit dessen „fachlicher Beratung“. Das Pyramidenspiel erschien mit dem Vorwort eines weiteren renommierten Wirtschaftsweisen, Gerhard Scherhorn. Während die beiden ersten Arbeiten die Gefahren und Chancen der Globalisierung behandeln, geht die Letztere auf die unbeabsichtigte, aber stetige Umverteilung von unten nach oben durch Zinsen und Dividenden ein. Seine vorläufig letzte Veröffentlichung zur politisch-ökologischen Zukunft des Globus Yes, we can – no we must wurde von Herman Daly, Senior Economist der Weltbank und Träger des Alternativnobelpreises, besonders empfohlen. Jenner hat seine Gedanken zu Politik und Wirtschaft stets auf grundsätzlich-philosophische Weise begründet. Das erklärt, warum er selbst seine im engeren Sinne philosophischen Arbeiten für die wichtigsten hält (Schöpferische Vernunft und Das Wunderbare und seine Feinde).

Die Professoren Karl Acham (Soziologie), Michael Kilian (Verfassungsrichter, Anwalt), Rolf Kreibich (Physiker, Soziologe) und Ernst-Ulrich von Weizsäcker (Umweltwissenschaftler, Politiker) haben sich für diese Ergänzung eingesetzt, denn die Schriften, mit denen ich bekannt geworden bin, wurden erst nach der abgesagten Habilitation geschrieben, also dem Zeitpunkt, an dem mein „Leben“ in Wikipedia offiziell zu Ende geht. Die Fürsprache hatte jedoch keinen Erfolg, wie ich in einer Mail vom 3.3.2022 berichten musste:

Niemand von Ihnen hat Zeit – und im Augenblick gibt es nun wirklich größere Probleme. Aber der Vorgang bei Wikipedia hat paradigmatische Bedeutung, und er weist inzwischen kafkaeske Züge auf. Zunächst allerdings muss ich mich bei Ihnen bedanken. Sie haben Wikipedia (Herrn Rapp) für mich umzustimmen versucht. Auf besonders liebenswürdige Weise hat Herr Acham dies getan:

Jenners durch die Aktualitäten des Tages veranlasste, aber nie nur auf diesen fixierte Erörterungen grundlegender politischer, ökologischer, sozialökonomischer und kultureller Fragen zählen zum Anregendsten, das derzeit an klar formulierter historischer Soziologie im deutschen Sprachraum zu finden ist“ (Karl Acham).

Der Versuch, diese Beurteilung in den Text „Forschungsschwerpunkte“ aufzunehmen, wurde abgeschmettert. Warum? Dazu muss man wissen, dass unter meinem Eintrag bis 2017 zehn Jahre lang eine Passage zwischen dem ersten Absatz „Leben“ und „Schriften“ stand (bei mir und sicherlich auch bei Wikipedia gespeichert), die dreifach länger war als der jetzt vorgeschlagene Absatz „Forschungsschwerpunkte“ – zehn Jahre lang hatte niemand bei Wikipedia daran Anstoß genommen. Es stand auch nicht wie jetzt ein warnender Balken über dem Text, wonach Belege fehlen und der Eintrag deshalb jederzeit gelöscht werden könne. Dass dies bisher nicht geschehen ist, liegt wohl einzig daran, dass Wikipedias Satzungen dies verbieten, denn ein Sachbuchautor, der mindestens vier Werke in renommierten Verlagen vorweisen kann, hat ein Recht darauf, bei Wikipedia zu erscheinen (bei mir sind es sechs Bücher bei S. Fischer, Propyläen und Signum, noch mehr wenn man den kleinen Verlag Metropolis hinzurechnet (die in eigener Regie bei Amazon veröffentlichen Bücher zählen für Wikipedia nicht).

Herr Rapp ist ein freundlicher Mensch, der seine Freizeit für eine gute Sache opfert und sich sichtlich gewunden hat, um mir all diese Ungereimtheiten zu erklären. Ich habe nämlich Belege für jeden einzelnen Satz im Abschnitt „Leben“ und „Forschungsschwerpunkte“ beigebracht. Sie entsprechen den Satzungsvorschriften. Bücher z.B. werden als öffentliche Zeugnisse gewertet, was darin steht aber offenbar nicht, z.B. die Tatsache, dass Prof. Scherhorn ein Vorwort zu einem meiner Bücher geschrieben hatte. Diese Tatsache wird willkürlich als „privat“ verworfen und komme nach Meinung des Wikipedia-Redakteurs als Beleg daher nicht in Frage. Ebenso werden im Absatz „Leben“ die Belege des DAAD, der Studienstiftung, der Ecole Franchise d’Extreme Orient usw. nicht als öffentliche Belege gezählt sondern diese Beglaubigungen gelten ebenso als privat. Ich frage mich, wie die Lebensläufe anderer Personen in Wikipedia dann überhaupt belegt werden können. Vermutlich wird der Liebe Gott da zu Rate gezogen.

Herr Rapp hat den Absatz „Forschungsschwerpunkte, wie er mich am 3. März 22 wissen ließ, schließlich ins Netz gestellt, nur um mir eine Stunde später mitzuteilen, dass einer seiner Kollege den Text sogleich wieder löschte. Für diesen sonst völlig unverständlichen Widerspruch gibt es eine naheliegende Erklärung. Ich habe leider einen mächtigen (inzwischen allerdings nicht mehr ganz so mächtigen) Feind außerhalb von Wikipedia, der auch verhindert hat, dass ich bei S. Fischer noch weitere Bücher veröffentlichen durfte. Wenn diese Vermutung zu Recht besteht, muss man sich allerdings fragen, ob Wikipedia wirklich als die objektive und unabhängige Instanz gelten darf, die es zu sein behauptet? Wenn jemand wie ich außerhalb der Organisationen steht, scheint beides: Objektivität und Unabhängigkeit, jedenfalls nicht länger zu gelten.

Hierzu siehe auch „Geistige Biographie