{"id":6706,"date":"2022-09-29T17:27:48","date_gmt":"2022-09-29T15:27:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/?p=6706"},"modified":"2022-11-12T10:38:18","modified_gmt":"2022-11-12T09:38:18","slug":"sabotage-staatsraeson-und-der-einfache-buerger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/sabotage-staatsraeson-und-der-einfache-buerger\/","title":{"rendered":"Sabotage, amerikanische Staatsr\u00e4son und der einfache B\u00fcrger"},"content":{"rendered":"\n<p>Nordstream 1 und 2 wurden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit Hilfe starker Explosivk\u00f6rper nicht nur f\u00fcr Jahre sondern vermutlich f\u00fcr immer unbrauchbar gemacht. Nach Auskunft des gew\u00f6hnlich gut informierten Experten (Wu Dahui) von CCTV-4 (des chinesischen Staatsfernsehens) entsprach die freigesetzte Kraft mindestens zwei Tonnen TNT. Die Explosion war so stark, dass sie die Seismografen in D\u00e4nemark und Schweden erzittern lie\u00df.<!--more--><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gibt mindestens drei Staaten<\/strong>, die an einer dauerhaften und m\u00f6glichst endg\u00fcltigen Unterbrechung von Gastransporten \u00fcber beide Pipelines ein unmittelbares Interesse besitzen, und zwar obwohl die Gaszufuhr \u00fcber Nordstream 1 ohnehin schon auf Null herabgesetzt war. Aber die deutsche Wirtschaft setzte die Politik gerade unter massiven Druck, Nordstream 2 doch noch in Betrieb zu nehmen, da andernfalls die Abwanderung gro\u00dfer deutscher Konzerne in die USA und eine progressive&nbsp;Deindustrialisierung unvermeidlich seien. Auch Stimmen aus der SPD waren bereits in diesem Sinne zu h\u00f6ren. Da wurde nicht nur an die Industrie sondern ebenso an den kleinen B\u00fcrger gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer sind die drei Staaten mit einem unmittelbaren Interesse<\/strong>, die direkte Energie-Trasse zwischen Deutschland und Russland zu kappen? An erster Stelle ist da nat\u00fcrlich die Ukraine zu nennen, denn die gewaltigen Einnahmen, die Russland an den Gaslieferungen verdient, halten einerseits Putins Kriegsmaschine am Laufen &#8211; <em>sie kosten also jeden Tag Hunderte von Toten<\/em> -, andererseits haben sie eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes empfindlich geschm\u00e4lert. Seit Deutschland sein Gas auf direktem Weg aus Russland bezieht, kann die Ukraine daf\u00fcr keine Transitgeb\u00fchren erheben. Auch Polen hat sich dem Bau beider Pipelines nachdr\u00fccklich widersetzt. F\u00fcr Warschau spielt au\u00dferdem das existenzielle Interesse eine Rolle, die Ukraine in das westliche Lager zu holen \u2013 die Bedrohung durch Russland wird dadurch um mehrere Hundert Kilometer nach Osten verschoben. Beide L\u00e4nder, die Ukraine wie Polen, haben mithin ein elementares Interesse an einer Zerst\u00f6rung der beiden Nordstream Pipelines.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber sind diese L\u00e4nder \u00fcberhaupt<\/strong>&nbsp;in der Lage, einen solchen Akt vorzunehmen? Das Gebiet der Ostsee in der Umgebung der Insel Bornholm geh\u00f6rt zu den von der NATO am besten \u00fcberwachten Regionen. Kein russisches Unterseeboot kann sich unbemerkt in dieses Gebiet vorwagen. Die Ukraine besitzt ohnehin keinen Zugang zur Ostsee; Polen schon, aber es w\u00fcrde seinen Ruf in der EU und sein Verh\u00e4ltnis zu Deutschland unheilbar besch\u00e4digen, wenn man dem Land diesen Sabotageakt nachweisen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>Bleibt ein weiteres Land<\/strong>, <\/strong>ein enger und unverzichtbarer B\u00fcndnispartner, die USA. Diese sind nicht nur an einem Stopp der Gaslieferungen \u00fcber Nord Stream interessiert sondern an der Beendigung aller russischen Gaslieferungen nach Deutschland und Europa. Zweifellos tr\u00e4gt es zur Stabilit\u00e4t der Ukraine und zu deren Anbindung an den Westen bei, wenn dieses Land sein Staatsbudget durch Transitgeb\u00fchren aufbessern kann. Andererseits ist es das Recht jeden Betriebes wie jeder Nation, sich f\u00fcr den preisg\u00fcnstigsten Bezug lebensnotwendiger G\u00fcter zu entscheiden. Das war aus deutscher wie aus russischer Sicht die Direktverbindung durch Nordstream. Ausschlaggebend f\u00fcr die USA ist jedoch ein anderes Argument, gegen das weder die Deutschen noch die EU ernsthafte Einw\u00e4nde vorbringen k\u00f6nnen.&nbsp;<em>Die USA sehen nicht ein, dass sie Milliarden von Dollar f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Ukraine ausgeben, w\u00e4hrend die EU umgekehrt die russische Kriegsmaschinerie mit noch mehr Milliarden Dollar am Laufen h\u00e4lt.<\/em>&nbsp;Zwar wurden die Gaslieferungen durch Nordstream 1 von russischer Seite bereits beendet, aber ihre Wiederaufnahme durch Nordstream 2 wurde im Juli von Putin in Aussicht gestellt.&nbsp;\u201eWir haben noch eine fertige Trasse \u2013 das ist Nord Stream 2.\u201c Wie schon gesagt, war das auch eine Forderung von Seiten der&nbsp;deutschen Industrie und einer wachsenden Zahl deutscher Politiker. Aus amerikanischer Sicht war daher keineswegs auszuschlie\u00dfen, dass es neuerlich zu einer direkten Gasversorgung durch Russland kommen w\u00fcrde \u2013 in diesem Fall \u00fcber Nord Stream 2. Am Ende kommt zu dem strategischen f\u00fcr die USA noch ein \u00f6konomisches Interesse. Wenn Deutschland sich nicht mehr mit (fr\u00fcher einmal) billigem russischen Gas versorgen kann, ist es zu einem guten Teil auf amerikanische Lieferungen von Fl\u00fcssiggas angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>F\u00fcr entscheidend halte ich jedoch die Tatsache<\/strong>, <\/strong>dass Deutschland und die EU die russische Kriegsmaschine de facto finanzieren \u2013 die \u00f6konomische Rivalit\u00e4t f\u00e4llt da beiweitem weniger ins Gewicht. Immerhin haben die Vereinigten Staaten Europa und Japan als wirtschaftliche Konkurrenten mehr als ein halbes Jahrhundert lang sehr wohl geduldet und anfangs sogar gef\u00f6rdert. Dagegen war die finanzielle Unterst\u00fctzung des Putin-Regimes durch die Europ\u00e4er schon Donald Trump ein Dorn im Auge<strong>.&nbsp;<\/strong>Auch Biden war damit nicht einverstanden, obwohl die USA bei der Planung der Sanktionen anfangs noch R\u00fccksicht auf die deutsche Volkswirtschaft genommen hatten. Kurz vor Kriegsbeginn aber sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Kanzler Olaf Scholz im Wei\u00dfen Haus:&nbsp;\u201eIf Russia invades Ukraine, then there will be no longer a Nord Stream 2. We will bring an end to it.\u201c Als ein Reporter nachfragte, wie das m\u00f6glich sei, da das Projekt doch unter deutscher Kontrolle stehe, hat Biden hinzugef\u00fcgt.&nbsp;&#8222;I promise you, we&#8217;ll be able to do it.&#8220; Diese in ihrer Deutlichkeit unmissverst\u00e4ndliche Drohung ist dem manchmal unbedacht ehrlichen Pr\u00e4sidenten Joe Biden vermutlich nur herausgerutscht. Sicher war sie nicht mit den \u00fcbrigen Regierungsstellen abgesprochen. Offenbar war Biden nicht bewusst, dass der CIA, um jede m\u00f6gliche Anklage gegen die USA von vorherein abzuschmettern, die Bundesrepublik bereits einige Zeit fr\u00fcher vor einem m\u00f6glichen Anschlag warnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf eher beil\u00e4ufige Art und am Ende eines langen&nbsp;Artikels, wo alle m\u00f6glichen Verd\u00e4chtigen nacheinander Revue passieren, verniedlicht der Spiegel (22\/40) in seiner Titelgeschichte die Worte Bidens als Auszug aus einem &#8222;\u00e4lteren Videoschnipsel&#8220;. Der Leser bekommt den Eindruck, dass dem Spiegel diese Information eher peinlich ist und er sie am liebsten ganz unterschlagen h\u00e4tte, ganz so als handele es sich um eine belangslose Nebens\u00e4chlichkeit, die man nur der Vollst\u00e4ndigkeit halber zitiert. Aber bitte, es handelt sich &#8211;&nbsp;<em>ausgesprochen von keinem Geringeren als dem amerikanischen Pr\u00e4sidenten in Gegenwart des deutschen Kanzlers und vor der Welt\u00f6ffentlichkeit&nbsp;<\/em>&#8211; um die unmissverst\u00e4ndliche Drohung, mehr noch: um die Ank\u00fcndigung, Eigentum seines Verb\u00fcndeten zu vernichten. Liebe Spiegel-Leute, das war diesmal kein \u201eQualit\u00e4tsjournalismus\u201c. Diese Titelgeschichte haben insgesamt elf von euch verfasst, doch jeder einzelne schloss messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.*1*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die USA sind die einzige Macht,<\/strong> die eine derartige Sabotage nicht nur technisch zu jeder Zeit durchf\u00fchren kann, sondern auch so, dass die Ausf\u00fchrenden unentdeckt bleiben werden (auch wenn alle nach Aufkl\u00e4rung schreien). Im Rahmen der NATO unternehmen die Amerikaner fortw\u00e4hrend Aufkl\u00e4rungsfl\u00fcge in der Umgebung von Bornholm. Im chinesischen Staatsfernsehen wurde gestern, in der Sendung \u201eJinri guanzhu\u201c, direkt auf bestimmte Fl\u00fcge mit der Bezeichnung \u201eFFAB123\u201c Bezug genommen. Man geht von der Zerst\u00f6rung der beiden Pipelines durch die Amerikaner wie von einem gesicherten Faktum aus. Dass der ehemalige polnische Au\u00dfenminister und derzeitige EU-Parlamentarier Radek Sikorski sich in einer Twitternotiz (\u201eThank you, USA\u201c) f\u00fcr die Sabotage bei den Amerikanern bedankte, dr\u00fcckt zwar nicht mehr als eine pers\u00f6nliche \u00dcberzeugung aus, best\u00e4tigt aber die Annahme, dass den USA die Sabotage mindestens ebenso gelegen kommt wie der Ukraine und Polen. Erneut wiegelt der Spiegel (22\/40) ab: &#8222;Auf Twitter \u00fcberschrieb Polens ehemaliger Au\u00dfenminister Radoslaw Sikorski ein Bild des gurgelnden Ostseewassers mit der Zeile: \u00bbThank you, USA!\u00ab &#8211; ein krummer Tweet, den der Amerikafreund Sikorski wohl kaum als Hinweis auf T\u00e4terschaft meinte.&#8220; Warum denn nicht? Gerade weil er ein Freund der Vereinigten Staat ist, wird er es so gemeint haben, denn sie handeln im Sinne Polens.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was Russland betrifft<\/strong>, so ist es zwar richtig, dass das Putin-Regime vor keiner noch so dreisten L\u00fcge zur\u00fcckschreckt; im vorliegenden Fall wird man die Russen aber doch wohl von jedem Verdacht freisprechen m\u00fcssen. Eine Zerst\u00f6rung des eigenen Kapitals erscheint so unwahrscheinlich wie ein Schnitt in das eigene Fleisch. Sie w\u00fcrde auch nicht mit der Bereitschaft Putins und deutscher Industrieller zu erneuten Gaslieferungen durch Nordstream 2 zu vereinbaren sein. Es ist eben leider ein trauriges, gleichwohl unbestreitbares Faktum, dass die Europ\u00e4ische Union Wladimir Putin mit eben jenen finanziellen Mitteln versorgt \u2013 zumindest versorgte -, die er ben\u00f6tigt, um in der Ukraine weiterhin zu morden. Wenn man es f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt, dass Putin diese radikal gegen die eigenen Interessen gerichtete Sabotage durchf\u00fchren lie\u00df, dann m\u00fcsste man sie mit demselben Recht auch dem deutschen Kanzler zutrauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als Deutscher<\/strong>&nbsp;bin ich zun\u00e4chst einmal emp\u00f6rt, dass der engste Verb\u00fcndete Europas als m\u00f6glicher T\u00e4ter \u00fcberhaupt in Betracht kommt und dass kein Geringerer als der amerikanische Pr\u00e4sident diese M\u00f6glichkeit bei seinem Treffen mit Scholz in den Raum stellen konnte. W\u00e4re ich allerdings Amerikaner, dann w\u00fcrde ich mit Sicherheit anders dar\u00fcber denken. Die amerikanische Volkswirtschaft pumpt derzeit Milliarden von Dollar nach Europa, um zu verhindern, dass Russland erst die Ukraine und dann weitere Teile Europas \u201eentnazifiziert\u201c, und zwar in der Absicht, den Zusammenbruch der Sowjetunion &#8211; in Putins Worten \u201edie gr\u00f6\u00dfte Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts\u201c &#8211; schrittweise wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Dagegen pumpt Deutschland, wie schon gesagt, noch mehr Geld in umgekehrter Richtung nach Russland, wodurch Putins Projekt aktiv bef\u00f6rdert wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bis zu einem gewissen Grade<\/strong>&nbsp;ist zweifellos wahr, was die russische Staatspropaganda den B\u00fcrgern tagt\u00e4glich einh\u00e4mmert. Danach seien die Deutschen &#8211; ebenso wie alle \u00fcbrigen Europ\u00e4er &#8211; l\u00e4ngst Vasallen der Vereinigten Staaten. Sollte es zutreffen, dass die USA tats\u00e4chlich f\u00fcr die Sabotage der Ostsee-Pipelines verantwortlich sind, dann w\u00fcrde sich diese Auffassung auf eklatante Weise best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Emp\u00f6rung dar\u00fcber h\u00e4lt sich dennoch in Grenzen \u2013 so wie sich einige Jahre zuvor auch die Emp\u00f6rung in Grenzen hielt, welche die Bespitzelung der Kanzlerin \u00fcber ihr Handy ausl\u00f6ste. W\u00e4re Europa eine milit\u00e4rische Macht auf gleicher Augenh\u00f6he mit den beiden Superm\u00e4chten USA und Russland, dann brauchten wir uns nicht auf den Schutz Ersterer zu verlassen und mit dem Rivalen der USA, mit Russland, k\u00f6nnten wir beliebige Handelsbeziehungen pflegen. Aber diese Option ist Europa nach der Selbstzerfleischung durch zwei Br\u00fcderkriege verwehrt. Heute sind wir eine von fremdem Schutz und fremder Energiever\u00adsorgung existenziell abh\u00e4ngige Region. Europa ist politisch, \u00f6konomisch und milit\u00e4risch zu schwach, um seine Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber den beiden atomaren Superm\u00e4chten Russland (mit seinem Verb\u00fcndeten China) und USA aus eigener Kraft zu behaupten. Es bleibt uns keine andere Wahl, als uns einem der beiden Lager anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unter dieser Voraussetzung gibt es f\u00fcr mich<\/strong>&nbsp;nicht das geringste Z\u00f6gern. Die Verteidigung Europas gegen das russische totalit\u00e4re Zwangsregime w\u00e4hrend des Kalten Krieges machte den alten Kontinent schon damals von dem gro\u00dfen amerikanischen Bruder abh\u00e4ngig \u2013 wir waren Vasallen aus russischer Perspektive -, aber Deutschland bl\u00fchte unter dieser Vasallenschaft auf, w\u00e4hrend in den russisch besetzten L\u00e4ndern des Ostens die Vasallenschaft an Sklaverei grenzen konnte: Armut n\u00e4hrte dort die Bereitschaft zum Aufstand. Das erkl\u00e4rt, warum keiner der ehemaligen Ostblockstaaten seine Zugeh\u00f6rigkeit zur Europ\u00e4ischen Union mit dem ehemaligen oder einem zuk\u00fcnftigen russischen Joch vertauschen m\u00f6chte &#8211; schon gar nicht nach dem \u00dcberfall Putins auf die Ukraine. Wir wissen, wie der neue Zar mit den eigenen \u2013 eng verwandten \u2013 Br\u00fcdern verf\u00e4hrt; als eifriger H\u00f6rer wei\u00df ich meinerseits, wie in den russischen Medien Tag f\u00fcr Tag mit Ausrottungsfantasien gehetzt wird (zum Beispiel in der fr\u00fcher einmal intellektuell anspruchsvollen Sendung \u201eBolschaya Igra\u201c \u2013 das gro\u00dfe Spiel). Nat\u00fcrlich w\u00e4re es unsererseits ein Verbrechen, die Russen und ihre Vergangenheit mit dem derzeitigen verbrecherischen Regime gleichzusetzen. Aber das Putin-System stellt derzeit die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung Europas dar &#8211; und Europa ist, auf sich allein gestellt, schlicht nicht in der Lage, die Gefahr abzuwehren. So gesehen, w\u00e4re es nicht \u00fcberraschend, dass die USA im Sinn der Staatsr\u00e4son einen Preis daf\u00fcr verlangen, dass sie Putins weiteres Vordringen verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Ich habe meinen Artikel Donnerstag, den 29. September, ver\u00f6ffentlicht, die elektronische Ausgabe des Spiegels konnte ich am 30. einsehen.<\/p>\n\n\n\n<p>                                                              *******<\/p>\n\n\n\n<p>Von <strong>Bruno Kathollnig<\/strong> erhalte ich folgende R\u00fcckmeldung:<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrter Herr Jenner!<\/p>\n\n\n\n<p>Gratuliere zu dieser brillanten Argumentation und Analyse&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den besten Gr\u00fc\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<p>Bruno Kathollnig<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A. Wosni<\/strong> schreibt:<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrter Herr Jenner,<\/p>\n\n\n\n<p>Sie beginnen in Ihrem sehr interessanten Artikel den Absatz \u00fcber die m\u00f6gliche russische Urheberschaft am Anschlag mit den Worten: &#8222;Was Russland betrifft, so ist es zwar richtig, dass das Putinsche Regime vor keiner noch so dreisten L\u00fcge zur\u00fcckschreckt.&#8220; Das ist vermutlich durchaus zutreffend. Aber glauben Sie nicht, dass man auch die Ausf\u00fchrungen \u00fcber das &#8222;Biden Regime&#8220;, das &#8222;Truss Regime&#8220; oder das &#8222;Scholz-Habeck Regime&#8220; ebenso h\u00e4tte einleiten k\u00f6nnen? Sie entsinnen sich doch sicher an die entsprechende L\u00fcgen der jeweiligen US-Regime vom Tonking-Zwischenfall \u00fcber Saddam Husseins &#8222;Massenvernichtungswaffen&#8220; bis zu etc. etc. und den aktuellen M\u00e4rchen \u00fcber die Verteidigung der &#8222;Demokratie&#8220; und &#8222;unserer&#8220; sonstigen &#8222;Werte&#8220; ausgerechnet durch die Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit vorz\u00fcglicher Hochachtung&nbsp;&nbsp; A.Wosni<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Replik<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Gelogen wird auf allen Seiten &#8211; soviel ist richtig. In Zeiten des Kriegs gleichen die Gegner sich auch in dieser Hinsicht mehr und mehr an. Nur darf man nicht das Augenma\u00df verlieren. Es ist etwas anderes, ob ein Putin seine brutale Herrschaft ausdehnt oder ob wir die US-amerikanische Ordnung akzeptieren, die im Vergleich ungleich menschlicher ist. Deshalb kann ich Ihren Satz nicht billigen, dass letztlich doch alle L\u00fcgner seien, denn damit werden alle Parteien gleichgesetzt. W\u00e4hrend des Kalten Krieges h\u00e4tten die meisten Deutschen schon gar nichts mit einer solchen Gleichsetzung anfangen wollen. Sie waren froh, nicht unter der russischen Knute zu leben. Und was einen politisch so redseligen Menschen wie mich betrifft, so w\u00fcrde ich in Moskau schnell im Gef\u00e4ngnis landen, aber nicht in New York oder Los Angeles. Ich kann Ihnen auch nicht beipflichten, wenn Sie Demokratie und Werte in Anf\u00fchrungszeichen setzen. Beides existiert, auch wenn es oft mit F\u00fc\u00dfen getreten wird. Mein Aufsatz zeigt, dass ich daf\u00fcr pl\u00e4diere, alle L\u00fcgen klar zu benennen &#8211; auch die der eigenen Seite -, aber dabei trotzdem das Augenma\u00df zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alexander Dill:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Herr Jenner<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lese gerade \u201dDie Welt von Gestern\u201d von Stefan Zweig. Er schwor, dass weder er noch sonst wer in Wien im August 1914, in Wien 1937\/38 und in London zur Zeit des M\u00fcnchner Abkommens 1939 geahnt habe, was kam. Ich schw\u00f6re, dass ich zwar Vieles bef\u00fcrchte, aber dass die Ampel einen Krieg starten und die deutsche Wirtschaft zerst\u00f6ren w\u00fcrde&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Entgegnung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Stefan Zweig ist einer der gr\u00f6\u00dften \u00d6sterreicher, ein Mann, welcher sich zeitlebens, z.B. in seinen B\u00fcchern \u00fcber Erasmus, Castellio oder Fouch\u00e9, entschieden aller Einseitigkeit und Dogmatik widersetzte &#8211; damit war er in seinem Ton (Zweig hat nie &#8222;geschworen&#8220;) wie auch in seiner Absicht (er war ein Mann von gr\u00f6\u00dfter Besonnenheit und Augenma\u00df) so ziemlich Ihr Gegenteil. Denn dass die Ampel-Koalition einen Krieg gestartet hat und die deutsche Wirtschaft dadurch ruinieren will, ist so absurd, dass ich die weiteren Zeilen nicht mehr abdrucken mochte. Bitte, beziehen Sie sich nicht auf Stefan Zweig, er geh\u00f6rt zu meinen Lieblingsdichtern und -denkern. Ich bedaure nur, dass ich \u00fcberwiegend Kommentare von Leuten erhalte, die auch mich zur Unduldsamkeit reizen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ralf Kr\u00e4mer<\/strong>, Gewerkschafter und Politiker (Die Linke):<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrter Herr Jenner,<\/p>\n\n\n\n<p>bitte streichen Sie mich aus Ihrem Verteiler. F\u00fcr solche Positionen m\u00f6chte ich nicht meine Zeit verwenden \u2013 also konkret meine ich nicht die nachvollziehbare Interessenanalyse, sondern das Einverst\u00e4ndnis damit und die ziemlich unanalytisch einseitige Sicht auf den Krieg in der Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Freundliche Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n\n\n\n<p>Ralf Kr\u00e4mer<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Antwort<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00fcge bleibt L\u00fcge und Sabotage bleibt Sabotage, gleichg\u00fcltig welche Seite sie inszeniert. Aber man kann nicht einerseits damit einverstanden sein, dass die Amerikaner nicht nur die Ukraine sondern ganz Europa gegen Putins Expansionsgel\u00fcste verteidigen und andererseits so tun, als sei man im Recht, wenn man Putins Kriegsmaschine finanziert. Insofern &#8211; und wirklich nur in diesem Sinne &#8211; kann ich das Vorgehen der Amerikaner verstehen (auch wenn sie jetzt um jeden Preis ihre Verantwortung bestreiten werden). Aber so ist es leider: f\u00fcr die Leute vom Spiegel ist mein Artikel nicht amerikafreundlich genug, f\u00fcr Leute, die wie Sie &#8222;Die Linke&#8220; vertreten, ist er nicht ausreichend russlandfreundlich. Dogmatiker links, Dogmatiker rechts &#8211; die Wahrheit bleibt auf der Strecke. Unser Denken ist bereits so heillos polarisiert, dass man nur eines sein darf: Amerikafreund oder Amerikafeind, Russlands Freund oder Russlands Feind. So verzichtet ihr aufs eigene Denken aus Furcht, man k\u00f6nnte euch dann vielleicht im falschen Lager verorten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nordstream 1 und 2 wurden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit Hilfe starker Explosivk\u00f6rper nicht nur f\u00fcr Jahre sondern vermutlich f\u00fcr immer unbrauchbar gemacht. Nach Auskunft des gew\u00f6hnlich gut informierten Experten (Wu Dahui) von CCTV-4 (des chinesischen Staatsfernsehens) entsprach die freigesetzte Kraft mindestens zwei Tonnen TNT. 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