{"id":5556,"date":"2022-02-22T14:04:19","date_gmt":"2022-02-22T13:04:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/?p=5556"},"modified":"2022-04-18T16:41:19","modified_gmt":"2022-04-18T14:41:19","slug":"putins-vision-der-ukraine-und-von-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/putins-vision-der-ukraine-und-von-europa\/","title":{"rendered":"Putins Vision der Ukraine und von Europa"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt wissen wir es also: die russische Knute steht im Fenster. Aus der Sicht Putins ist ja nicht nur die Ukraine ein gescheiterter Staat, sondern prophetisch sehen er und Xi Jinping bereits das Ende der freien westlichen Welt voraus. Die fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfte Atommacht bietet eine Alternative, die auf eine lange imperiale Tradition zur\u00fcckblicken kann &#8211; von den Zaren \u00fcber Stalin bis zu Wladimir Putin selber. Der russische Pr\u00e4sident bietet Ruhe &#8211; von oben verordnete Unfreiheit, gest\u00fctzt auf Polizei, Milit\u00e4r und die systematische Unterdr\u00fcckung aller Opposition.<!--more--> Stalin hatte einst die Frage gestellt, wie viele Divisionen der Vatikan denn mobilisieren k\u00f6nne. Putin fragt, \u00fcber wieviel Milit\u00e4rmacht Europa verf\u00fcge \u2013 und \u00fcber wie viele das heutige Russland? Die Antwort ist f\u00fcr ihn entscheidend. Daraus leitet er sein imperiales Auftreten ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Putin ist es gelungen, sein in den neunziger Jahren gedem\u00fctigtes Land neuerlich zu einer gef\u00fcrchteten Atommacht aufzur\u00fcsten. Eine gewaltige Leistung, die ihm die Unterst\u00fctzung des Milit\u00e4rs und aller russisischen Patrioten sichert. Damals nach dem Untergang der Sowjetunion waren die Amerikaner und die L\u00e4nder des ehemaligen Warschauer Paktes nur zu froh, dass Russland am Boden lag, denn Stalin hatte sie zwar von den Nazis befreit, aber ihnen eine nicht weniger brutale Diktatur aufgezwungen. So erkl\u00e4rt sich ihre Bereitschaft ja ihr Dr\u00e4ngen, sich dem Schutz der NATO zu unterstellen, auch wenn westliche Politiker gegen\u00fcber Russland andere \u2013 m\u00fcndliche \u2013 Versprechungen abgegeben hatten. Man wollte keine Bevormundung mehr, man wollte wirkliche Freiheit und nationale Selbstbestimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings hat die Freiheit, die der Westen meinte, nicht nur Wohlstand gebracht, sondern auch wachsende Ungleichheit. Liberalismus ist eine Chance, aber er ist ebenso eine Versuchung, wenn er zum Neoliberalismus entartet und sich dann der Reichtum in immer weniger H\u00e4nden ballt. So ist viel Ern\u00fcchterung auch im Osten Europas eingetreten, aber eines ist unbedingt festzuhalten. Russische Korruption und Oligarchentum sind keine Alternative zum Neoliberalismus, sie haben diesen nur um Unterdr\u00fcckung und politische Friedhofsstille erweitert, weil jeder offene Protest verboten ist*1*<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einige wenige mag das ebenso anziehend wirken wie das chinesische Modell der totalen \u00dcberwachung. Unzweifelhaft sorgt Putin f\u00fcr Ruhe, die er dann Frieden nennt. Dagegen war das Eingreifen des Westens w\u00e4hrend des Arabischen Fr\u00fchlings zwar gut gemeint, man wollte die demokratischen Kr\u00e4fte st\u00e4rken, aber das Vorgehen war von erschreckender Blau\u00e4ugigkeit. Wie soll Demokratie in L\u00e4ndern verwirklicht werden, wo auf drei junge M\u00e4nner, die eine Familie begr\u00fcnden wollen, allenfalls ein einziger ausreichend bezahlter Arbeitsplatz kommt? Bei so gro\u00dfem Bev\u00f6lkerungsdruck ist nur eine Diktatur in der Lage, den fortw\u00e4hrend schwelenden Aufruhr zu bez\u00e4hmen. Anders als westliche Politiker hatten Soziologen wie Steiger und Heinsohn (<em>S\u00f6hne und Weltmacht)<\/em>&nbsp;daf\u00fcr den richtigen Blick \u2013 aber eben auch Wladimir Putin. Der fragte im Hinblick auf Syrien, welche Kr\u00e4fte dort die reale Macht besa\u00dfen \u2013 die Antwort fiel eindeutig aus: das blutige Assad-Regime. Dem gew\u00e4hrte Putin daher seine Unterst\u00fct\u00adzung \u2013 und damit trat Ruhe ein: Friedhofsruhe (und eine russische Mittelmeerbasis ergab sich noch dazu als erfreulicher Bonus). \u00dcberall sonst setzte sich die Diktatur wieder durch oder es herrscht wie in Libyen weiterhin B\u00fcrgerkrieg. In den Augen Russlands und seiner Propaganda hatte der Westen sich heillos blamiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Traditionen sind z\u00e4hlebig, so auch die russische. Die Sowjetunion f\u00fchlte sich aufgerufen, die slawischen Br\u00fcderv\u00f6lker in ganz Europa unter dem russischen Dach zu versammeln. In seiner gestrigen Rede (22. Februar 2022) hat der russisiche Pr\u00e4sident bewiesen, wie sehr er dieser Tradition verpflichtet ist. Ob die Ukrainer selbst diese Vision teilen, also ob sie unter russischer Bevormundung oder gar Herrschaft leben wollen, ist f\u00fcr ihn ohne Belang. Sie sprechen eine dem Russischen eng verwandte Sprache und hatten in der Vergangenheit eine gemeinsame Geschichte, also geh\u00f6ren sie einverleibt. Wir erinnern uns, dass dies auch f\u00fcr Hitler ein Argument war, B\u00f6hmen und M\u00e4hren von der Tschechoslowakei abzusprengen und sie dem deutschen Reich einzugliedern. Es ist das klassische Argument aller Eroberungspolitiker, ein Argument, das jeden dauerhaften Frieden vereitelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn mit dem Blick in die Geschichte l\u00e4sst sich jedes Annexionsgel\u00fcste untermauern. Slawische St\u00e4mme haben &#8211; wie entsprechende Ortsnamen beweisen \u2013 einmal gro\u00dfe Teile Europas besiedelt. Der neue russische Zar k\u00f6nnte sich aufgerufen f\u00fchlen, nicht nur die Ukrainer daran zu erinnern, dass sie imgrunde Russen seien, sondern dass dies ebenso f\u00fcr alle anderen slawischen V\u00f6lker gilt, also f\u00fcr Polen, Tschechen, Slowenen, Kroaten und nat\u00fcrlich die Serben. Um Freiheit zu diskreditieren, haben Diktatoren von jeher die passenden Argumente gefunden. Und tats\u00e4chlich ist die Freiheit ja auch stets prek\u00e4r und gef\u00e4hrdet. Das westliche Lager hat sie mit Blau\u00e4ugigkeit verwechselt und teilweise auch mit sozialer Verantwortungslosigkeit \u2013 wie gegenw\u00e4rtig in den USA.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber ist Europa mit der Putinschen Vision der Knute und Friedhofsstille geholfen?<\/strong>*2*<\/p>\n\n\n\n<p>1 In den vom Regime gleichgeschalteten politischen Talkshows wird allerdings immer wieder lauthals gebr\u00fcllt: In der Sendung \u201eVremya pokazhet\u201c&nbsp;(\u0412\u0440\u0435\u043c\u044f \u043f\u043e\u043a\u0430\u0436\u0435\u0442 \/die Zeit wird es weisen\/)&nbsp;des ersten&nbsp;russischen Kanals m\u00fcssen Dezibel die Stelle von Argumenten ersetzen. Nur im Bolschaya Igra&nbsp;(\u0411\u043e\u043b\u044c\u0448\u0430\u044f \u0438\u0433\u0440\u0430 \/das Gro\u00dfe Spiel\/) herrscht&nbsp;ein vergleichsweise vornehmer Ton, aber Dmitriy Saims (\u0414\u043c\u0438\u0442\u0440\u0438\u0439&nbsp;\u0421\u0430\u0438\u043c\u0441), die einzige gem\u00e4\u00dfigte Stimme in diesem Kreis, wird sich auf Dauer wohl kaum durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>2 Nein, es ist schon richtig. Politische Friedhofsstille verlangt Putin nur im eigenen Land. Dagegen bereitet es ihm die gr\u00f6\u00dfte Freude, wenn sich bei uns Putinversteher und ihre Gegner gegenseitig die K\u00f6pfe einschlagen; das f\u00f6rdert er sogar mit allen Mitteln hybrider Kriegsf\u00fchrung \u2013 doch die wird von beiden Lagern betrieben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr, Johannes Rauter schreibt folgenden Kommentar:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hallo Herr Jenner,<\/p>\n\n\n\n<p>da ist Ihnen ein &#8211; f\u00fcr meine Geschichtskenntnisse &#8211;&nbsp;<br>exzellenter Essay zu Putin gelungen. Gratuliere!<br>Aber auch Ihre Nebenbemerkungen zum arabischen Fr\u00fchling<br>finde ich h\u00f6chst treffend &#8211; leere Wohlstandsversprechen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re noch hinzuzuf\u00fcgen: Ex occidente tenebris &#8211;&nbsp;<br>aus Sicht der Russen: Napoleon, Brest-Litowsk, Stalingrad,&nbsp;<br>Leningrad, Zerfall der SU, Obama.<\/p>\n\n\n\n<p>Und: wenn die Demokratien des Westens nicht lernen besser<br>mit Problemen umzugehen (Gilets Jaunes, Impfverweigerer,<br>Windradgegner, etc. ) wird m.E. deren Akzeptanz schwinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bedenklich: in einer von der SZ zitierten Meinungsumfrage,&nbsp;<br>rangiert in Russland bei den W\u00fcnschen der Menschen<br>Stabilit\u00e4t weit vor Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Und man erinnere sich auch an den Kriminalpsychiater<br>R. Haller : &#8222;Die Macht der Kr\u00e4nkung&#8220;.&nbsp; Jedem Amoklauf&nbsp;<br>lag eine tiefe Kr\u00e4nkung zugrunde ..<\/p>\n\n\n\n<p>Mit freundlichem Gru\u00df<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Rauter<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von Dr. Alexander Dill bekomme ich folgende Meldung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Herr Jenner,<\/p>\n\n\n\n<p>noch vor drei Jahren durfte ich auf der Bundespressekonferenz bemerken, dass die EU-Staaten mehr Geld f\u00fcr die Bedrohung eines europ\u00e4ischen Nachbarlandes ausgeben als die EU insgesamt Budget hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal ist mit Ihnen wirklich die Geohistorie durchgegangen. Die Ukraine wurde 1918 von der Sowjetunion gegr\u00fcndet. Als sie diese 1991 verliess, bildete sich sofort eine \u201eAutonome Republik Krim\u201c. Die veranstaltete mehrere Wahlen, die von der Ukraine nicht anerkannt wurde. Dies geschah acht Jahre vor Putin und 22 Jahre vor dem \u201eEuro-Maidan\u201c. Die Krim musste 2014 nicht annektiert werden. Sie war Ur-Russisch und zudem russischer Marinest\u00fctzpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>71% der Krim-Bewohner wollten bereits 1994 zu Russland geh\u00f6ren. Im Donbass nun war es \u00e4hnlich: Nach dem Putsch in Kiev besetzten Rebellen die Rath\u00e4user und Polizeistationen. Die ukrainische Regierung hatte die geniale Idee, ihre Armee dorthin zu senden. Daraufhin erbaten die Rebellen, unter ihnen erfahrene russischer Soldaten, russische Bruderhilfe. Im Minsk-Abkommen steht, dass der Donbass Wahlen und Autonomie bekommen soll. Nichts bekam er.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut UNHCR sind seit 2014 eine Million Ukrainer wohin umgesiedelt? In das schreckliche Gef\u00e4ngnis Russland! Dort verdient ein Arbeiter statt 300 Euro 1000 Euro im Monat. Seit Monaten wird in der EU gegen Russland, pardon, gegen \u201ePutin\u201c gehetzt und gedroht. In Madrid sitzen Katalonen in Haft, weil sie eine Wahl abhalten wollten. Frau von der Leyen kann gar nicht erst gew\u00e4hlt werden. Nordiren d\u00fcrfen nicht zu Irland. Assange sitzt in London in Folterhaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die NATO hat in Kriegen in Afghanistan, Libyen, Irak, Syrien und Kosovo \u00fcber eine Million Menschen ermordet und diese L\u00e4nder dauerhaft mit Kosten von \u00fcber drei Billionen Euro dauerhaft verw\u00fcstet. Und jetzt sollen Deutsche sich freuen, wenn ein bankrotter und v\u00f6llig korrupter Unrechtsstaat namens Ukraine gegen russische Landesteile k\u00e4mpft? Der Ukraine bleibt der Westen und Kiev. Traurig genug, denn auch aus der Westukraine fliehen die Menschen. Nach Polen. Bezug zum \u201erussischen Grossreich\u201c? Null.<\/p>\n\n\n\n<p>Russland hat zulange zugesehen, wie die NATO zun\u00e4chst unter Jelzin das Land billig aufkaufen wollte und dann mit der NATO-Osterweiterung wieder wie ab 1982 totr\u00fcsten. Die Ukraine k\u00f6nnte froh sein, wenn sie wieder zu Russland zur\u00fcckdarf. Dann darf auch wieder die Muttersprache gesprochen werden und die Gasdurchleitung erfordert nicht die Berufung des Sohnes des gegenw\u00e4rtigen US-Pr\u00e4sidenten in den Aufsichtsrat. Die Westukraine aber w\u00e4re besser bei Polen aufgehoben. F\u00fcr einen hochger\u00fcsteten Nationalstaat Ukraine gibt es keinen Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit besten Gr\u00fcssen Ihr<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Dill<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Replik<\/strong>;<\/p>\n\n\n\n<p>Was Sie anf\u00fchren, h\u00f6re ich t\u00e4glich in den russischen Talkshows &#8211; und leider ist das alles teilweise wahr. <em>Aber eben nur teilweis<\/em>e. Es sind die ewigen Halbwahrheiten \u00fcber den Arabischen Fr\u00fchling und die Befreiung Osteuropas &#8211; die ganze Liste von RT, die Sie da wiederholen. Dabei haben Sie eine vollst\u00e4ndige Wahrheit nicht einmal erw\u00e4hnt, n\u00e4mlich die falsche Anklage, Massenvernichtungswaffen betreffend, die 2003 gegen den Irak von Colin Powell erhoben wurde und den Krieg zur Folge hatten, den auch viele Amerikaner heute als Verbrechen sehen. Powell hat seinen Fehler eingesehen, h\u00f6rt man \u00e4hnliche Eingest\u00e4ndnisse von der gleichgeschalteten Presse auf russischer Seite? Ist es \u00fcberhaupt denkbar, dass &#8211; wie in den Vereinigten Staaten &#8211; ein radikaler Kritiker des eigenen Landes wie Noam Chomsky und ein Putin-Verehrer wie Donald Trump im heutigen Russland zur gleichen Zeit leben k\u00f6nnten? Sie wissen so gut wie ich, dass ein intellektueller Au\u00dfenseiter wie Sie dort das Schicksal eines Nawalny erleiden w\u00fcrde &#8211; wenn man Sie nicht sogar &#8211; verzeihen Sie mir bitte, wenn ich Ihre Bedeutung damit allzusehr \u00fcbertreibe! &#8211; ebenso ins Grab bef\u00f6rdern w\u00fcrde, wie das mit Boris Nemzow, Anna Politkowskaja und vielen anderen geschah. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch das geht an meinem eigentlichen Einwand vorbei: Was immer die Fehler beider Lager sein m\u00f6gen &#8211; und Sie z\u00e4hlen zu Recht einige von ihnen auf &#8211; letztlich sollte es nur um eines gehen: <em>Die Ukrainer &#8211; und nicht die Russen, Amerikaner oder Europ\u00e4er &#8211; m\u00fcssen das Recht erhalten \u00fcber ihr eigenes Schicksal zu entscheiden<\/em>. Ob Sie auch gegen diese selbstverst\u00e4ndliche Forderung argumentieren? Putin jedenfalls tut es.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elmar Klink schreibt mir:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vielen Dank f\u00fcr positive Resonanz!Was w\u00e4ren wir Menschen, wenn wie keine Idee-alisten w\u00e4ren&#8230;&nbsp;Auch Ihrem Ukraine-Text stimme ich sehr zu. Sehr freundlichen Gru\u00df, Elmar Klink<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael Kilian, Prof. f\u00fcr Rechtswissenschaften schreibt Folgendes:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Herr Dr. Jenner,<br>&#8230; Ich bewundere Ihre faktenbasierten und \u00fcberaus konzisen Ausf\u00fchrungen jedesmal, wenn ich mich in den Text vertiefe&#8230; Folgende Fundstelle der letzten Tage m\u00f6chte ich Ihnen nicht vorenthalten:<br>Auszug aus der Rede des BAM Hans-Dietrich Genscher am 31. Januar 1990 in Tutzing: &#8222;&#8230; Sache der NATO ist es, eindeutig zu erkl\u00e4ren: Was immer im Warschauer Pakt geschieht, eine Ausdehnung des NATO-Territoriums nach Osten, das hei\u00dft, n\u00e4her an die Grenzen der Sowjetunion heran, wird es nicht geben. Diese Sicherheitsgarantien sind f\u00fcr die Sowjetunion und ihr Verh\u00e4ltnis bedeutsam. Der Westen mu\u00df auch der Einsicht Rechnung tragen, da\u00df der Wandel in Osteuropa und der deutsche Vereinigungsproze\u00df nicht zu einer Beeintr\u00e4chtigung der sowjetischen Sicherheitsinteressen f\u00fchren darf. Die daf\u00fcr erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, wird ein hohes Ma\u00df an europ\u00e4ischer Staatskunst verlangen &#8230;&#8220;.<br>Quelle: Richard Kiessler\/Frank Elbe, Ein runder Tisch mit scharfen Ecken. Der diplomatische Weg zur deutschen Einheit, Nomos 1993, Anhang S. 245 ff. (246).<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem man jahrelang gez\u00fcndelt hat, hat sich die Voraussicht Genschers best\u00e4tigt. Aber wir haben eben keine Politiker wie Genscher mehr &#8230;&nbsp; Nun darf die Bev\u00f6lkerung wieder einmal das Unverm\u00f6gen seiner Poliiker ausbaden; wenn es nur finanziell bleibt, hat man Gl\u00fcck gehabt. Und dann noch die Russen ins Lager Chinas treiben, wenn das keine Staatskunst ist.<br>Viele Gr\u00fc\u00dfe, Ihr Michael Kilian<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Replik:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sicher war die Haltung Genschers weitsichtig, aber man sollte nicht vergessen, dass es die ehemaligen Ostblockstaaten waren, die in die NATO dr\u00e4ngten, um sich vor k\u00fcnftigen russischen Expansionsgel\u00fcsten zu sch\u00fctzen. Die NATO konnte nur deswegen expandieren, <em>weil sie dazu aufgefordert wurde<\/em>. Hierzu Wikipedia: &#8222;Russische Milit\u00e4raktionen, darunter der&nbsp;Erste Tschetschenienkrieg, der&nbsp;Transnistrienkrieg&nbsp;und der&nbsp;Krieg in Abchasien, veranlassten die mittel- und osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder, insbesondere diejenigen mit eigenen Erinnerungen an \u00e4hnliche sowjetische Offensiven, auf eine NATO-Beitrittserkl\u00e4rung zu dr\u00e4ngen, um ihre langfristige Sicherheit zu gew\u00e4hrleisten\u2026 Am 12. M\u00e4rz 1999 traten Polen, Tschechien und Ungarn der NATO bei.&#8220; H\u00e4tte Deutschland sich diesen L\u00e4ndern gegen\u00fcber durchsetzen k\u00f6nnen, wenn es selbst den Schutz der NATO (d.h. des gro\u00dfen amerikanischen Bruders) f\u00fcr sich in Anspruch nimmt, ihn aber den anderen verweigert?<\/p>\n\n\n\n<p>Eines ist dennoch klar oder sollte es jedenfalls sein. Auf die Sicherheitsbed\u00fcrfnisse der Russen m\u00fcssen die USA (die NATO) ebenso R\u00fccksicht nehmen, wie umgekehrt die Russen auf die der USA und Europa. Es wird keinen Weltfrieden geben, wenn dieser Imperativ nicht der globalen Gemeinschaft best\u00e4ndig vor Augen steht. Niemand kann mir vorschreiben, welche Partei ich w\u00e4hlen soll, und niemand einem Staat, mit welchen anderen er ein Verteidigungsb\u00fcndnis schlie\u00dft, aber wenn wir nicht gegenseitig auf Sicherheitsbed\u00fcrfnisse R\u00fccksicht nehmen, ist die Alternative, dass wir uns irgendwann gegenseitig in die Luft sprengen werden. Wir haben uns diesem Zustand schon be\u00e4ngstigend weit angen\u00e4hert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt wissen wir es also: die russische Knute steht im Fenster. Aus der Sicht Putins ist ja nicht nur die Ukraine ein gescheiterter Staat, sondern prophetisch sehen er und Xi Jinping bereits das Ende der freien westlichen Welt voraus. Die fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfte Atommacht bietet eine Alternative, die auf eine lange imperiale Tradition zur\u00fcckblicken kann &#8211; von &hellip; <a href=\"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/putins-vision-der-ukraine-und-von-europa\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Putins Vision der Ukraine und von Europa<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,881,21,228,449],"tags":[1123,279,500,814],"class_list":["post-5556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-eu","category-europa","category-internationale-politik","category-russland","tag-baschar-al-assad","tag-gunnar-heinsohn","tag-otto-steiger","tag-wladimir-putin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5556"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5556\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}