{"id":5287,"date":"2021-08-20T08:01:08","date_gmt":"2021-08-20T06:01:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/?p=5287"},"modified":"2022-04-18T16:47:37","modified_gmt":"2022-04-18T14:47:37","slug":"das-wunderbare-und-seine-feinde-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/das-wunderbare-und-seine-feinde-1\/","title":{"rendered":"Das Wunderbare und seine Feinde (1)"},"content":{"rendered":"\n<p><p>Dies ist ein Auszug aus meinem neuen Buch &#8222;Das Wunderbare und seine Feinde&#8220;.<\/p><!--more--><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorwort<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Buch ist eines nicht: ein esoterischer Versuch, dem vorherrschenden wissenschaftlichen Weltverst\u00e4ndnis unserer Zeit eine neo-obskurantistische Theorie von Wundern entgegenzusetzen. Ein Wunder nach klassischem Verst\u00e4ndnis w\u00e4re es, wenn sich in einem Friedhof Sargdeckel pl\u00f6tzlich heben und Tote auferstehen. Ein Wunder w\u00e4re es auch, wenn aus einem H\u00fchnerei unversehens ein Adler schl\u00fcpft, Wasser sich in Wein verwandelt, Gott aus einem brennenden Dornbusch tritt oder es einem Zauberer gel\u00e4nge, ein Naturgesetz der Physik durch blo\u00dfe Geistesmacht au\u00dfer Kraft zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche und noch viel abenteuerlichere Wunder haben Religionen \u00fcberall auf der Welt ihren jeweiligen Gottheiten zugeschrieben \u2013 und ihre Anh\u00e4nger haben ihnen inbr\u00fcnstig geglaubt. Heute ist das nicht l\u00e4nger der Fall. Sp\u00e4testens seit der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung des 17. und 18. Jahrhunderts hat Wissenschaft solche Behauptungen unnachsichtig verspottet und als Aberglauben zur\u00fcckgewiesen. An dieser Auffassung wird in diesem Buch festgehalten &#8211; auch wenn sich zeigen wird, dass die Wissenschaften, wie schon Karl Popper&nbsp;zeigte, keineswegs gegen die Versuchung gefeit sind, ihrerseits mit dem (Aber-)Glauben zu flirten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grunds\u00e4tzlich anders verh\u00e4lt es sich mit dem Wunderbaren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses ist in Wahrheit allgegenw\u00e4rtig, nur dass die Routine des Alltags die meisten Menschen daf\u00fcr nahezu vollst\u00e4ndig erblinden lie\u00df. In einem fort wird ihnen eingeredet, dass nur der Dumme \u00fcber die Erscheinungen dieser Welt erstaunt. Ein wissenschaftlich aufgekl\u00e4rter, gebildeter Mensch wisse, dass in der Natur alles&nbsp;<em>auf die allernat\u00fcrlichste Weise<\/em>&nbsp;geschehe. Ein Dichter, Saint-Exup\u00e9ry,&nbsp;musste den Kleinen Prinzen auf einen Asteroiden versetzen, um uns, den Menschen, die eigene, unglaubliche Situation in den Weiten des Alls wieder bewusst zu machen. Immanuel Kant&nbsp;musste den Sternenhimmel beschw\u00f6ren und das moralische Gesetz in der eigenen Brust, um dem Geheimnis des Lebens neuerlich zu begegnen und seine Leser zum Erschauern zu bringen. Das allerdings hielt er nicht lange durch; gleich darauf war Kant wieder bem\u00fcht, das Geheimnis in bannende Formeln zu pressen. Das Erschauern vor einer Wirklichkeit, die m\u00e4chtiger ist als menschliche Vernunft, die sie z\u00e4hmen will, ist das Privileg von geistiger Offenheit. Diese \u00f6ffnet die Augen f\u00fcr Geheimnisse, die der Mensch seit Beginn seiner Geschichte zu entr\u00e4tseln sucht und bis heute niemals zu entr\u00e4tseln vermochte. Anders gesagt, \u00f6ffnet sie die Augen f\u00fcr das Wunderbare der menschlichen Existenz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer sich diesem Geheimnis ohne Scheuklappen stellt,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>der ist sich bewusst, dass uns DIE WAHRHEIT unerreichbar bleibt, auch wenn sich uns unendlich viele Teilwahrheiten erschlie\u00dfen. Das wissenschaftlich gesicherte Fakten- und Gesetzeswissen ist nach zwei Jahrhunderten industrieller Revolution zu einem rei\u00dfenden Strom angeschwollen, der von Tag zu Tag breiter wird. Bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung k\u00f6nnte es scheinen, als w\u00e4re der moderne Mensch gerade im Begriff, auch noch die letzten R\u00e4tsel seines Daseins zu l\u00f6sen. Anderseits gibt es zu denken, dass er von dieser \u00dcberzeugung bereits vor mehr als hundert Jahren durchdrungen war, als sein Wissen ungleich geringer als heute war. 1899 ver\u00f6ffentlichte Ernst Haeckel&nbsp;ein Buch mit dem Titel&nbsp;<em>Die Weltr\u00e4thsel<\/em>. Da behauptete der Autor nicht mehr und nicht weniger, als dass alle Geheimnisse dieser Welt von der Wissenschaft bereits grunds\u00e4tzlich gel\u00f6st worden seien. Nur was das kantische \u201eDing an sich\u201c eigentlich sei, bleibe ein R\u00e4tsel; das aber k\u00f6nne man wohl damit erkl\u00e4ren, dass dieses seltsame Dinge eine blo\u00dfe Erfindung ist.<\/p>\n\n\n\n<p>An Haeckels Buch &#8211; dem mit Abstand gr\u00f6\u00dften popul\u00e4rwissenschaftlichen Erfolg der deutschen Buchgeschichte &#8211; ist zu erkennen, dass die behauptete Entr\u00e4tselung wenig bis gar nichts mit dem Umfang des tats\u00e4chlichen vorhandenen empirischen Wissens einer Zeit und eines Autors zu tun hat. Diese erstaunliche Erkenntnis wird uns schlagartig zu Bewusstsein gebracht, wenn wir einen noch viel gr\u00f6\u00dferen Sprung vollziehen, n\u00e4mlich in die Vergangenheit vor zweieinhalbtausend Jahre. Damals waren die beiden griechischen Philosophen Demokrit&nbsp;und Leukipp&nbsp;zutiefst davon \u00fcberzeugt, das gesamte Weltgeschehen&nbsp;auf die unterschiedlichen Relationen von kleinsten materiellen Teilchen, die sie \u201eAtome\u201c nannten, zur\u00fcckf\u00fchren und vollst\u00e4ndig erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen<em>.<\/em>&nbsp;Sie setzten eine mechanistische Religion in die Welt, um mit ihr die G\u00f6tter und zusammen mit diesen auch gleich noch den sinnenden, wollenden Menschen zu entsorgen. Schon damals, als menschliches Wissen im Vergleich zum heutigen nahe bei null lag, nahmen sie die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Formel von Laplace&nbsp;ahnend vorweg (vgl. Kap.&nbsp;<em>Wissenschaftsreligion: die Entzauberung von Mensch und Natur<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht erst die moderne Wissenschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>hat den Wunsch nach gottgleichem Wissen zum Vater des Gedankens gemacht. Ganz gleich wie gro\u00df oder beschr\u00e4nkt das tats\u00e4chliche Wissen war, immer gab es tollk\u00fchne Theoretiker, die sich imstande w\u00e4hnten, jenen Sessel irgendwo im All zu besetzen, auf dem der Mensch zuvor den g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfer der Welt thronen sah. H\u00e4tten sie diesen Anspruch auf die erfolgreiche L\u00f6sung aller R\u00e4tsel zu Recht erhoben, dann w\u00e4re es dem Menschen nicht nur gelungen, das Wunder sondern auch noch das Wunderbare f\u00fcr alle Zeit zu verbannen \u2013 als entsorgte Antiquit\u00e4t unaufge\u00adkl\u00e4rter K\u00f6pfe. Welches Geheimnis bleibt denn noch, wenn wir die Welt restlos entziffern, sie vollst\u00e4ndig in Formeln beschreiben und mit ihrer Hilfe die Zukunft entschl\u00fcsseln, um dann menschliches Handeln ebenso verl\u00e4sslich wie die Bahnen der Planeten voraussagen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Wahrheit haben wir es<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>mit einer blo\u00dfen Wunschvorstellung zu tun; ich werde von \u201eWissenschaftsreligion\u201c sprechen. Gerade die gr\u00f6\u00dften Wissenschaftler sind sich bewusst, dass ein gel\u00f6stes Problem sofort ein Dutzend neue Probleme beschw\u00f6rt. Je heller der Strahl, den der erkennende Geist in das ihn umgehende Dunkel wirft, desto mehr weiten sich die R\u00e4ume, die dieser Lichtkegel erfasst &#8211; desto mehr dehnt sich daher auch das Dunkel aus, das sich jenseits dieses Lichtkegels befindet.&nbsp;<em>Wissenschaft ist der Versuch, mit den endlichen Mitteln der erkennenden Vernunft in das Unendliche vorzusto\u00dfen<\/em>. Das Wunderbare wird auf diese Weise niemals ersch\u00f6pft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und Wissenschaft ist bekanntlich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>nicht die einzige Art und Weise, wie wir uns der uns umgebenden Wirklichkeit n\u00e4hern. Sie kann es nicht sein, da sie nur dem intellektuell-erkennenden Verm\u00f6gen Entfaltung bietet. Gef\u00fchle und Empfindungen d\u00fcrfen dabei prinzipiell keine Rolle spielen, denn sie sind lediglich &#8222;subjektiv&#8220; &#8211; an das jeweilige W\u00fcnschen und Wollen gebunden. Die wissenschaftliche Wahrheit aber soll grunds\u00e4tzlich unabh\u00e4ngig von unserem W\u00fcnschen und Wollen sein, sie soll die uns gegen\u00fcberstehende Wirklichkeit \u201eobjektiv\u201c erfassen, also gleichg\u00fcltig davon, ob diese uns emotional ber\u00fchrt oder nicht. Ein St\u00fcck Traubenzucker auf meiner Zunge kann Entz\u00fccken bewirken, die chemische Formel C<sub>6<\/sub>H<sub>12<\/sub>O<sub>6<\/sub>&nbsp;aber l\u00e4sst meine Gef\u00fchle kalt. Denn die Formel geht ausschlie\u00dflich aus den Forderungen des analytischen Verstandes hervor. Daher hat Wissenschaft f\u00fcr den Menschen nur einen instrumentellen Wert (obwohl der Akt der Entdeckung eines naturwissenschaftlichen Gesetzes ihren Urheber sehr wohl emotional sehr stark bewegen kann). Sie gibt uns Sicherheit im Umgang mit den Dingen der Welt; ihre gr\u00f6\u00dften Erfolge erzielt sie, wenn sie uns erlaubt, die Zukunft aufgrund unseres Wissens zu planen oder vorauszusagen. Nur auf indirekte Art steht auch sie damit im Dienste menschlicher Gef\u00fchle, denn Sicherheit geh\u00f6rt zu den elementaren Bed\u00fcrfnissen, da sie uns von der Angst vor dem Unplanbaren, dem Unberechen- und dem Unvorhersehbaren befreit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dennoch w\u00e4re der Mensch der F\u00fclle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>seines Menschseins beraubt, wenn es f\u00fcr ihn nur Wissenschaft g\u00e4be, also die Anwendung seiner analytischen F\u00e4higkeiten, um die Wirklichkeit objektiv zu beschreiben &#8211; ohne Ansehen der eigenen Gef\u00fchle. Au\u00dfer der wissenschaftlichen gibt es noch eine zweite Art, mit Wirklichkeit umzugehen; diese ist von der wissenschaftlichen radikal unterschieden. Auch dabei haben wir es aber mit einer Form der Erkenntnis zu tun, nur eben einer ganz anders gearteten. Statt vorhandene Wirklichkeit zu entschl\u00fcsseln, besteht diese Erkenntnis darin,&nbsp;<em>dass sie Wirklichkeit selbstt\u00e4tig hervorbringt<\/em>. Sie kreiert ihre Wahrheit und ihre Wirklichkeit statt sie nur zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nat\u00fcrlich spreche ich von der Kunst<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In ihr manifestiert sich nicht etwa das Wunder \u2013 das wurde von den Wissenschaften zu Recht entsorgt &#8211; sondern das Wunderbare. Auch wenn Kunst keineswegs mit dem Sch\u00f6nen identisch ist (dar\u00fcber wird noch zu sprechen sein), besteht sie doch sehr oft in dessen Hervorbringung. Sch\u00f6nheit ist keine Beschreibung des Wirklichen aufgrund intellektueller Analyse, sie ist schon gar keine emotional unbeteiligte Zeugenschaft. Sch\u00f6nheit ist die Projektion unserer intellektuellen zusammen mit unseren emotionalen Kr\u00e4ften,&nbsp;<em>um neue Wirklichkeiten hervorzubringen<\/em>. Kunst macht uns zu Sch\u00f6pfern, weil das Sch\u00f6ne eine neue Wahrheit und Wirklichkeit ist, die sich aus der vorhandenen nicht ablesen l\u00e4sst, sondern unmittelbar aus dem Inneren des Menschen, aus seinem Hirn&nbsp;<em>und<\/em>&nbsp;seinem Herzen, stammt. Wissenschaft hingegen ist keine neue Wahrheit sondern Wahrheit, die sich darauf be\u00adschr\u00e4nkt, in zugleich analytischer und generalisierender Form zu erfassen, was in der Wirklichkeit objektiv in unendlich vielen Einzelereignissen bereits vorhanden ist.&nbsp;<em>Ein Naturgesetz ist keine Erfindung des Menschen \u2013 sie ist Findung von etwas bereits Daseiendem.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Greifen wir willk\u00fcrlich eines von unendlich vielen Beispielen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fcr das Sch\u00f6ne heraus: Beethovens&nbsp;neunte Symphonie. Aus wissenschaftlicher Perspektive begreifen wir m\u00fchelos, warum uns die Zuf\u00fchrung von Kalorien am Leben erh\u00e4lt. Aber wie sollen wir begreifen, dass blo\u00dfe Schwingungen der Luft, erzeugt von einem Blasen durch R\u00f6hren und das Kratzen von Rosshaaren auf metallischen Saiten \u2013 denn aus nichts anderem besteht diese wie auch alle anderen Symphonien &#8211; uns in Ekstase versetzen k\u00f6nnen. Das ist und bleibt ein unl\u00f6sbares Geheimnis: Inbegriff des Sch\u00f6nen und eben des Wunderbaren. Wir brauchen keine Aufhebung der Naturgesetze, wir ben\u00f6tigen kein Wunder, damit uns dieses Geheimnis ersch\u00fcttert. Wir brauchen nur auf das l\u00e4chelnde Gesicht eines Menschen zu blicken, wenn er, von Rhythmus und Melodie bezwungen, etwas Unsichtbares, Ungreifbares erf\u00e4hrt, das ihn st\u00e4rker ber\u00fchrt als die allt\u00e4glichen Akte seiner physischen Existenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus physikalischer Perspektive sind blo\u00dfe Schwingungen von Luftmolek\u00fclen nahezu irreal. Dennoch kann ihre Wirkung so \u00fcberw\u00e4ltigend sein, dass manche von uns ihr t\u00e4gliches Leben \u00fcberhaupt nur deswegen ertragen, weil sie die Musik zeitweise in eine andere, h\u00f6here Daseinsform katapultiert &#8211; in das Wunderbare. Auch das ist offenbar eine Form der Erkenntnis, denn sie pr\u00e4gt uns selbst ebenso wie unser Erleben der \u00e4u\u00dferen Dinge. Die Welt verwandelt sich f\u00fcr uns durch die Erfahrung des Sch\u00f6nen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ber\u00fchrung mit dem Wunderbaren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>macht den Alltag ertr\u00e4glich, sie verzaubert die Wirklichkeit. Andererseits ist deren Entzauberung daf\u00fcr verantwortlich, dass vielen Menschen das eigene Leben und die umgebende Welt nur schwer ertr\u00e4glich erscheinen. Hat man den Wissenschaften zu Recht vorgeworfen, dass sie daf\u00fcr verantwortlich sind, weil sie die Welt entzaubern?<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, so einfach ist es gewiss nicht. Nur teilweise ist es richtig, wenn wir die Wissenschaften f\u00fcr diese Ern\u00fcchterung verantwortlich machen. Dennoch besteht kein Zweifel, dass sie der Welt viel von ihrem Zauber genommen haben. Vor William Harvey&nbsp;(1578 &#8211; 1657) war das Herz ein geheimnisvolles Organ &#8211; f\u00fcr viele V\u00f6lker und Zeiten der Sitz \u00fcbernat\u00fcrlicher Kr\u00e4fte. Nach Harvey war das Herz nur noch eine Pumpe. Das war einerseits ein gewaltiger Erkenntnissprung &#8211; Ausweitung von \u00fcberpr\u00fcfbarer Wahrheit, andererseits war es ein emotionaler Verlust: eine Pumpe eignet sich nicht l\u00e4nger f\u00fcr ausschweifende poetische Gleichnisse. F\u00fcr die Dichtung war das Herz seitdem entzaubert, verloren. Dieselbe Banalisierung der Wirklichkeit aufgrund der sukzessiven Wahrheitsfortschritte des analytischen Verstandes betraf bald immer gr\u00f6\u00dfere Bereiche der uns umgebenden Welt, z.B. die Himmels\u00adk\u00f6rper. Bis zum Aufkommen der modernen Astronomie und der Spektroskopie galten Planeten und Sterne als Sitze der G\u00f6tter oder wurden sogar als deren Verk\u00f6rperung gesehen. Heute sind sie nur noch fliegende Klumpen von unterschiedlicher chemischer Struktur. F\u00fcr unsere Gef\u00fchle sind sie erkaltet. Einen Auf\u00adenthalt auf einem dieser trostlosen Gebilde w\u00fcrden wir selbst unseren \u00e4rgsten Feinden nicht w\u00fcnschen, geschweige denn den G\u00f6ttern (sofern wir noch an sie glauben).<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine radikale Entzauberung! Wenn wir um uns blicken, dann sehen wir, dass die wissenschaftliche Erkl\u00e4rung sich wie ein grauer Mehltau auf die Dinge legte und sie ihrer Poesie beraubte. Das Herz wurde zur Pumpe, die gesamte uns umgebende Wirklichkeit zu einer Maschine von mehr oder weniger gro\u00dfer Komplexit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doch etwa seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>ist etwas Seltsames, eher Unerwartetes, geschehen. Durch die Quantenphysik wurde die Physik so au\u00dferordentlich komplex, dass ihre Theorien und Produkte uns genau deswegen wieder mit einer Art Zauber ber\u00fchren. Newtons&nbsp;allgemeine Himmelsmechanik, welche die Bewegung von Sternen ebenso wie die eines Apfels auf unserem Planeten beschreibt, war (fast) f\u00fcr jedermann verst\u00e4ndlich. In ihrer mechanischen Verl\u00e4sslichkeit wirkte sie einerseits als Offenbarung f\u00fcr den forschenden Intellekt, andererseits als kalte Ern\u00fcchterung f\u00fcr das Gef\u00fchl. In dem bis dahin von Leben durchpulsten Kosmos vermochte der Mensch nach Newton nur noch ein gro\u00dfes Uhrwerk zu sehen, das man zwar verstehen aber nicht lieben konnte. Wer liebt schon ein so totes Ding wie einen nach sturen Regeln funktionierenden Mechanismus?<\/p>\n\n\n\n<p>Doch 1900 entwarf Max Planck&nbsp;die Grundidee der Quantenmechanik und eineinhalb Jahrzehnte sp\u00e4ter trat Albert Einstein&nbsp;mit der Allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie auf den Plan. Wie ihre gr\u00f6\u00dften Kenner \u00fcbereinstimmend verk\u00fcnden, l\u00e4sst sich die Quantentheorie nicht mehr anschaulich machen und auf diese Weise verstehen \u2013 die Wirklichkeit des Atoms entspricht nicht mehr der Wirklichkeit der Mittleren Welt, in der wir leben (vgl. Kap.&nbsp;<em>Die verpasste Revolution der Quantenphysik<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Versagen der menschlichen Anschauung gegen\u00fcber der fremdartigen Wirklichkeit des Allerkleinsten konnte nicht ohne Folgen bleiben. Das Bild der Natur von einem Uhrwerk und toter Mechanik hatte damit auf einmal ausgedient. Pl\u00f6tzlich war das R\u00e4tsel zur\u00fcckgekehrt, denn f\u00fcr die Naturwissenschaft gibt es kein gr\u00f6\u00dferes Geheimnis, als wenn sie zugeben muss, die Welt nicht l\u00e4nger erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen (selbst wenn sie sich immer noch manipulieren l\u00e4sst &#8211; sonst w\u00e4re die neue Theorie \u00fcberhaupt \u00fcberfl\u00fcssig). So d\u00fcrfen wir heute behaupten, dass gerade die k\u00f6nigliche Disziplin der Wissenschaften, die Physik, die Natur zwar einerseits radikal entzauberte, ihr andererseits aber auch wieder etwas von ihrem R\u00e4tsel zur\u00fcckgab &#8211; Nichtverstehen ist identisch mit dem Geheimnis.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diese Wiederverzauberung gilt nicht nur f\u00fcr die Theorie,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>sie gilt auch f\u00fcr viele moderne Produkte, die wir ihr zu verdanken haben. Wir brauchen nur an Computer oder Handys zu denken, um uns davon einen Begriff zu machen. Die Menschen w\u00e4ren ihnen nicht so verfallen, sie w\u00fcrden nicht so s\u00fcchtig mit diesen Dingen arbeiten und spielen, wenn diese Ger\u00e4te ihnen nicht geheimnisvoll und geradezu unersch\u00f6pflich erscheinen w\u00fcrden. Wie ein klassisches Telefon funktioniert, war auch f\u00fcr den Laien noch leicht zu begreifen. Es hatte eine bestimmte Aufgabe zu erf\u00fcllen, die \u00dcbertragung von Sprache; darin ersch\u00f6pfte sich sein Gebrauch. Ein Smartphone aber bietet eine nahezu un\u00fcberschaubare F\u00fclle dieser und anderer Funktionen; es stellt nicht nur eine intellektuelle Herausforderung dar sondern h\u00e4lt dar\u00fcber hinaus auch noch die Gef\u00fchle in Bann, wenn seine Nutzer sich in aufregenden Spielen verlieren. F\u00fcr viele Menschen f\u00e4llt die neueste Wissenschaft hier pl\u00f6tzlich wieder mit der \u00e4ltesten Magie und Zauberei zusammen, denn allenfalls einer von tausend wei\u00df, wie solche Ger\u00e4te tats\u00e4chlich funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir leben in einer paradoxen Zeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich sagte gerade, dass die Kunst neue, nie dagewesene Wirklichkeiten erschafft, w\u00e4hrend die Wissenschaft bestehende Wirklichkeiten beschreibt. Diese Feststellung scheint logisch unanfechtbar, sie scheint den Tatsachen aber dennoch zu widersprechen. Zwar trifft es zweifellos zu, dass bis ins 18. Jahrhundert die Gestaltung der Wirklichkeit \u00fcberall in der Welt \u00fcberwiegend durch die Kunst erfolgte. Tempel und Kathedralen, G\u00e4rten und Schl\u00f6sser sind die sichtbarsten Beispiele f\u00fcr diese Transformation der Wirklichkeit durch den Menschen. Rechnet man noch den Bereich des Unsichtbaren hinzu, n\u00e4mlich Musik und Dichtung, dann ist die Evidenz f\u00fcr die wirklichkeitsgestaltende Macht der Kunst \u00fcberw\u00e4ltigend.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch diese Macht der Kunst \u00fcber die Wirklichkeit wurde seit Ende des 18. Jahrhunderts gebrochen. Seitdem sind es die Produkte der Wissenschaften, welche die uns umgehende Natur so stark verwandeln, dass die Menschen fr\u00fcherer Zeiten ihre damalige Welt in der heutigen kaum mehr wiedererkennen w\u00fcrden. Es sind Tausende neuer durch Wissenschaft hervorgebrachte Apparate \u2013 Eisenbahnen, Autos, Flugzeuge &#8211; und Tausende von Fabriken zu deren Herstellung, die das Aussehen unserer St\u00e4dte und Landschaften ebenso bestimmen wie unser t\u00e4gliches Leben. Offenbar besteht die eigentliche, die f\u00fcr jedermann sichtbare Leistung der Wissenschaften nicht darin, dass sie die Ordnung der Natur an ihren Gesetzen objektiv richtig beschreiben,&nbsp;<em>sondern dass sie die Natur auf eine nie dagewesene Art in kurzer Zeit radikal transformieren<\/em>&nbsp;\u2013 weit umfassender als das jemals die Kunst vermochte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie passt das zusammen: Wissenschaft als die Gesamtheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>aller objektiven (f\u00fcr jedermann nachpr\u00fcfbaren) Aussagen \u00fcber die uns umgebende Welt einerseits und auf der anderen Seite Wissenschaft als das bisher wirksamste Instrument zur Erschaffung neuer, nie dagewesener Wirklichkeiten, also als&nbsp;<em>ein Instrument zur Entfesselung menschlicher Freiheit<\/em>?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wir noch sehen werden, passt das \u00fcberhaupt nicht zusammen, sondern wir sto\u00dfen gerade hier auf das Wunderbare, das Wissenschaft selbst nicht zu erkl\u00e4ren vermag. Die Entfesselung menschlicher Freiheit durch eine Wissenschaft, welche Freiheit ganz leugnet oder sie mit einem sinnlosen Zufall identifiziert, ist das vielleicht gr\u00f6\u00dfte Paradox unserer Zeit (siehe Kap.&nbsp;<em>Demokratische Antignosis in unserer Zeit<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>So gesehen ist es ein eher bescheidenes Paradox,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>dass die talentiertesten und ehrgeizigsten K\u00f6pfe seit mindestens einem Jahrhundert in die Wissenschaften dr\u00e4ngen, und zwar in die Wissenschaften von der Natur, weil deren Nutzen f\u00fcr die Steigerung von Reichtum, Macht und Ansehen eines Staates so evident sind. Dagegen verk\u00fcmmern die Kunst und die Wissenschaften des Geistes schon seit Jahrzehnten. Sie werden an immer k\u00fcrzerer Leine gehalten, weil ihr materieller Nutzen vergleichsweise begrenzt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Welch ein Gegensatz zur Vergangenheit? W\u00e4hrend Geist und Talent vor f\u00fcnfhundert Jahren zu den K\u00fcnsten strebten und Italien zu dem Wunder machten, das es aufgrund so vieler Zeugnisse der Sch\u00f6nheit bis heute geblieben ist, widmen die herausragenden K\u00f6pfe der heutigen Zeit ihre ganze Kraft den Naturwissenschaften und allem, was mit diesen zusammenh\u00e4ngt. Doch die Wissenschaften erzeugen zwar intellektuelle F\u00fclle, sie steigern das analytische Verm\u00f6gen und verwandeln uns in Verstandesmenschen mit steigendem Intelligenzquotienten, aber sie hinterlassen eine spirituelle und emotionale Leere, da sie das menschliche Bed\u00fcrfnis nach emotionaler W\u00e4rme und spiritueller Geborgenheit nicht befriedigen. In ihrer theoretischen Grundlegung haben sie keinen Platz f\u00fcr ethisches Sollen und \u00e4sthetische Sch\u00f6nheit. Was den Menschen als ganzen am meisten betrifft, das entzieht sich ihrem Zugriff und ihrem Interesse (so kunstsinnig einzelne Wissenschaftler pers\u00f6nlich auch gewesen sein m\u00f6gen und oft heute noch sind). Wir verstehen zwar, warum Wunder keinen Platz in der wissenschaftlichen Weltanschauung haben. Wenn die Gesetze der Natur per definitionem ewig und unverbr\u00fcchlich sind, dann stellt ihre Durchbrechung einen logischen Widersinn dar. Aber warum ist seit dem Aufkommen der Wissenschaften auch das Wunderbare ganz aus dem Blickfeld verschwunden? Mit Logik ist diese Tatsache nicht zu begr\u00fcnden &#8211;&nbsp;sie geh\u00f6rt zu den Vorurteilen der Wissenschaft als einer neuen s\u00e4kularisierten Religion.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Vorurteile aufzudecken, ist keine Aufgabe f\u00fcr Experten, die ja eher bestrebt sind, ihr Wissen wie ein Monopol zu verwalten. Sie ist eine Aufgabe jenes menschlichen Grundverm\u00f6gens, das Kant&nbsp;als \u201ereine Vernunft\u201c bezeichnet hatte. Ich werde im n\u00e4chsten Kapitel von \u201edemokratischer Antignosis\u201c sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der Soziologe&nbsp;<strong>Dr. Alexander Dill<\/strong>&nbsp;schreibt dazu Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Herr Jenner<\/p>\n\n\n\n<p>Ich entdecke bei Ihnen zunehmend mein eigenes Denken, eine romantische und arg selbstverliebte Skepsis gegen\u00fcber der vermeintlichen Aufkl\u00e4rung, so, wie einst die Frankfurter Schule, dann Peter Sloterdjik und die postmodernen Franzosen. Bei Ihnen kommt das eher British daher. Sehr fashionable und highly sophisticated. Das Wunderbare ist ja auch das Unwahrscheinlichste, n\u00e4mlich die eigene Existenz. Da wir wenig bis nichts \u00fcber das Wissen wissen (Wissen kann man \u00fcbrigens nicht googeln), steht das Wunderbare in der heroischen Reihe der gro\u00dfen R\u00e4tsel, zusammen mit Gott, dem Anderen, dem Du, der Zeit und der Unendlichkeit. Dazu gibt es ein l\u00e4ngeres Video mit mir aus der Schweiz, in dem ich eine Geschichte des Wissens als Einleitung biete:&nbsp;https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ey9MSXOPijk.<\/p>\n\n\n\n<p>Wunderbar ist auch, dass Fritz Goergen hier mitliest, der mich unter seinem vorigen Namen Fritz Fliszar als Doktorstipendiat in die Friedrich Naumann Stiftung aufnahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Herzlicher Gru\u00df Ihres Alexander Dill<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Replik:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Herr Dill,<\/p>\n\n\n\n<p>wenn es uns gel\u00e4nge, eine Diskussion \u00fcber die Sache zu f\u00fchren, indem Sie mich &#8211; je nachdem &#8211; loben, heftig kritisieren, eigene Vorschl\u00e4ge vorbringen usw., dann w\u00fcrde ich das sehr begr\u00fc\u00dfen, denn das Thema liegt zweifellos in der Luft. Aber h\u00fcten wir uns, einander Etiketten aufzudr\u00fccken (Romantiker mit britischer Orientierung, Epigone der Frankfurter Schule etc.). Daran denke ich n\u00e4mlich, wenn ich \u00fcber die Feinde des Wunderbaren rede. F\u00fcr die gibt es nichts, was sie nicht verstehen, weil sie die gesamte Wirklichkeit sorgf\u00e4ltig in etikettierten Schubladen abgelegt haben. Wenn man solchen Leuten begegnet, wird aus jeder Diskussion eine Art von Beauty Contest, ein Ego-Gefecht, wo jeder der oder die Sch\u00f6nste bzw. Intelligenteste sein m\u00f6chte. Will man die Wirklichkeit als das erfahren, was sie in Wahrheit ist, dann muss man erst einmal die Ego-Blase sprengen, in der man \u201earg selbstverliebt\u201c gefangen ist (a propos, Sie wissen nat\u00fcrlich, wie verbreitet die Neigung ist, anderen genau jene Fehler zuzuschreiben, die man an sich selbst entdeckt). \u00dcbrigens kommen solche eher psychologischen Abschweifungen in meinem Buch eher selten vor. Es geht um elementare Logik \u2013 demokratische Antignosis \u2013 wie ich das nenne.<\/p>\n\n\n\n<p>(Ihr Youtube Video ist leider akustisch schlecht aufgenommen, zum Teil schwer zu verstehen)<\/p>\n\n\n\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n\n\n\n<p>Gero Jenner<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schauspieler <strong>Fritz Stavenhagen<\/strong> schreibt:<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrter Herr Jenner,<br>seit etlichen Jahren erhalte, lese und genie\u00dfe ich Ihre Abhandlungen zu politischen, historischen, philosophischen Themen. Zum Wunderbaren Ihrer letzten ist mir eingefallen, dass ich zu der von Ihnen angesprochenen Entzauberung der Wirklichkeit durch die Naturwissenschaften im Rahmen meiner kleinen &#8222;Einf\u00fchrung in die Lyrik&#8220; speziell zur Herzproblematik einiges gefunden und referiert habe, das die ausschlie\u00dfliche Funktion des Herzens als Pumpe in Frage stellt, wenn nicht widerlegt. Ich bin nicht Wissenschaftler sondern K\u00fcnstler geworden. So haben mich die Forschungen und Erkenntnisse der Kardiologen nicht nur brennend interessiert, sondern auch zutiefst befriedigt und best\u00e4tigt. Ich erlaube mir, Ihnen mein B\u00fcchlein anzuh\u00e4ngen und m\u00f6chte insbesondere auf das letzte Kapitel verweisen (Seite 74ff).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den besten Gr\u00fc\u00dfen&nbsp;<br>Fritz Stavenhagen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist ein Auszug aus meinem neuen Buch &#8222;Das Wunderbare und seine Feinde&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,89,32,427,804,428,24],"tags":[779,1104,1108,697,714,290,780,1107,1105,1103,1106],"class_list":["post-5287","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-betrachtungen","category-kreation-und-freiheit","category-kunst","category-philosophie","category-religion","category-zukunftsperspektiven-wirtschaftstheorie","tag-demokrit","tag-ernst-haeckel-2","tag-ffritz-stavenhagen","tag-immanuel-kant","tag-isaac-newton","tag-karl-popper","tag-leukipp","tag-max-planck","tag-pierre-simon-de-laplace","tag-saint-exupery","tag-william-harvey"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5287","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5287"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5287\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5287"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5287"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}