{"id":254,"date":"2008-10-14T14:34:03","date_gmt":"2008-10-14T12:34:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/?p=254"},"modified":"2017-03-04T10:02:47","modified_gmt":"2017-03-04T09:02:47","slug":"ein-gespenst-geht-um-in-europa-das-gespenst-von-karl-marx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerojenner.com\/wp\/ein-gespenst-geht-um-in-europa-das-gespenst-von-karl-marx\/","title":{"rendered":"Ein Gespenst geht um in Europa \u2013 das Gespenst von Karl Marx"},"content":{"rendered":"<p><b><\/b>Man sieht sie wieder mit dem Kapital in der Hand, in Tausenden von Basisgruppen erregt diskutierend \u00fcber Mehrwert, Profitrate und die b\u00f6sen Kapitalisten, die die Welt von neuem ins Ungl\u00fcck st\u00fcrzen. Marx geht um: Seit die Finanzkrise die Weltwirtschaft aus der Bahn wirft, weilt der Prophet aus Trier wieder in unserer Mitte.<!--more--><\/p>\n<p>Er hat es verdient, weil er statt Habgier Gemeinschaftlichkeit, statt Egoismus Gemeinschaftssinn, statt Ausbeutung Gerechtigkeit verlangte. Doch w\u00e4hrend Marx als Idealist unsere Hochachtung verdient, haben seine praktischen Rezepte nur Verheerungen angerichtet. Gemeinschaftlichkeit hat er im Sinne eines Kommunismus verstanden, der nicht weniger Schaden als der feindliche Kapitalismus verursacht hat, den Gemeinschaftssinn in eine Zwangsinstitution verwan-delt und Gerechtigkeit als Expropriation derjenigen gefordert, die f\u00fcr das \u00dcbel gar nicht oder in nur in zweiter Instanz verantwortlich sind. Kurz, Marx hat sich in Analyse und Therapie geirrt, er hat das Beste gewollt und mit seinen Rezepten das Schlechteste bewirkt: eine bis heute anhaltende Verwirrung der K\u00f6pfe.<\/p>\n<p>Die ist gerade jetzt wieder besonders gef\u00e4hrlich, weil alles was Marx an \u00dcbeln beschrieb, uns von neuem bedroht. Die Anzeichen mehren sich, dass die gegenw\u00e4rtige Krise den Crash von 29 noch \u00fcbertreffen k\u00f6nnte. Damals waren Ver-elendung der Massen durch Arbeitslosigkeit, eine Brutalisierung der Menschen und der schrecklichste Krieg die Folge, den die Welt bis dahin gesehen hatte. Wer wissen m\u00f6chte, was uns heute bevorsteht, greift zu den \u00fcberkommenen Erkl\u00e4rungsmustern. Karl Marx, der gro\u00dfe Enth\u00fcller, Ankl\u00e4ger und Sozialprophet bietet sich an. Doch seltsam. Der Mechanismus, mit dem Marx im Kapital die Krisen des Kapitalismus beschrieb, traf schon auf die Vorg\u00e4nge von 1929 nicht zu und tr\u00e4gt nichts zum Verst\u00e4ndnis unserer heutigen Lage bei. So zahlreiche Ungleichgewichte und Ungerechtigkeiten die deutsche Realwirtschaft auch aufweisen mag \u2013 jedem fallen auf Anhieb die exorbitanten Vorstandsgeh\u00e4lter und die \u00fcppigen Abfindungen ein, die selbst bei Misserfolg ausbezahlt werden \u2013 diese M\u00e4ngel haben mit der gegenw\u00e4rtigen Krise nicht das Geringste zu tun. Die deutsche Realwirtschaft ist im Kern v\u00f6llig gesund, sie tr\u00e4gt keine Schuld an der Entwicklung. Von einer Akkumulation des (Sach-)Kapitals, die laut Marx notwendig ihren Zusammenbruch herbeif\u00fchren m\u00fcsste, ist in ihr nichts zu bemerken. Im Gegenteil, es wurde und wird kr\u00e4ftig ausgelagert, das Sachkapital wurde <b>deakkumuliert<\/b>. Dennoch wird sie jetzt in den Strudel hineingerissen. Im schlimmsten Fall wird daraus derselbe Tr\u00fcmmerhaufen wie nach der Weltwirtschaftskrise von 29.<\/p>\n<p>Die Attacke kommt auch diesmal nicht aus der Realwirtschaft sondern von einer ganz anderen Seite, die Marx konsequent \u00fcbersah. Sie kommt vom Finanzsystem, d. h. vom Geld und seinen privilegierten Besitzern. Nicht weil die Eigent\u00fcmer von <b>Sach<\/b>kapital, die so genannten Kapitalisten, das System bis aufs Blut ausgesaugt haben, droht der Geldfluss der westlichen Welt zu versiegen, sondern weil die Eigent\u00fcmer von <b>Geld<\/b>kapital in Panik gerieten. Die gro\u00dfen Verm\u00f6gensbesitzer &#8211; ein exklusiver Kreis von weniger als zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung, der ann\u00e4hernd \u00fcber die H\u00e4lfte des gesamten Volksverm\u00f6gens verf\u00fcgt \u2013 werden von Angst gepeinigt, dass die Realwirtschaft, in die sie w\u00e4hrend des vergangenen halben Jahrhunderts stetig wachsende Mengen von Geld f\u00fcr Investitionen pumpten, um dann Jahr um Jahr einen um Zinsen und Dividenden vermehrten Betrag von ihr zur\u00fcckzuerhalten, diese Leistungen nicht mehr zu erbringen vermag. Deswegen ziehen sie ihr Geld schlagartig zur\u00fcck und bringen die Realwirtschaft dadurch ins Wanken.<\/p>\n<p>Noam Chomsky hat die gro\u00dfen Verm\u00f6gensbesitzer, die in den Vereinigten Staaten die Schalthebel der Macht so gut kontrollieren, dass keiner ohne ihre Wahlspenden Pr\u00e4sident werden kann, als Plutokraten bezeichnet. F\u00fcr diese Plutokratie ist die Realwirtschaft mitsamt den in ihr besch\u00e4ftigten Massen nichts anderes als eine Milchkuh, die man r\u00fccksichtslos melken darf \u2013 auch dann noch wenn sie dabei zugrunde zu geht.<\/p>\n<p>In einer Phase des Aufschwungs, wie sie in Europa nach dem Kriege und heute in China herrscht, ist die Realwirtschaft den Anspr\u00fcche des Geldkapitals allerdings noch durchaus gewachsen. Mag dieses seine f\u00fcnf Prozent Realverzinsung verlangen, solange die Wirtschaft um zehn Prozent w\u00e4chst, wird daraus kein Problem und von Sozialneid kann keine Rede sein. Im Gegenteil, man bewundert die erfolgreichen Million\u00e4re, solange es einem selbst Jahr um Jahr besser geht. Doch dieser gl\u00fcckliche Zustand kann in keiner Wirtschaft von Dauer sein. Keine kann auf l\u00e4ngere Zeit um 10% wachsen. Beginnt ein Land wie China, das noch vor wenigen Jahrzehnten ein Agrarstaat war, mit seiner Industrialisierung, dann reichen ein paar Dutzend neu gegr\u00fcndete Firmen aus, um auf Anhieb auf zehn oder mehr Prozent Wachstum zu kommen, in einem hochentwickelten Industriestaat wie Deutschland, m\u00fcsste man Zehntausende neuer Firmen aus dem Boden stampfen und die letzten noch gr\u00fcnen Fl\u00e4chen verbauen, um die schon gigantische Menge an vorhandenen Fabriken um weitere 10% aufzustocken. Mit anderen Worten, jedes Wachstum (gleichg\u00fcltig ob quanti- oder qualitativ) geht mit fortschreitender Entwicklung notwendig zur\u00fcck und tendiert bei Ressourcenknappheit am Ende sogar gegen Null. Die Anspr\u00fcche des Finanzkapitals an die reale Wirtschaft werden daher im selben Augenblick zu einem ganz hei\u00dfen Problem, wo sie prozentuell \u00fcber der Wachstumsrate liegen.<\/p>\n<p>Wie sollen Renditeanspr\u00fcche von zwanzig Prozent und mehr oder auch nur Zinsen und Dividenden von realen drei Prozent noch befriedigt werden, wenn die Wirtschaft um weniger als reale zwei Prozent w\u00e4chst? Der von Marx zum An-gelpunkt der Kritik erhobene Mehrwert, den die Unternehmer in ihre Tasche stecken, spielt dabei \u00fcberhaupt keine Rolle. So ungerechtfertigt und manchmal geradezu skandal\u00f6s die Bez\u00fcge der Vorst\u00e4nde eines b\u00f6rsennotierten Konzerns oder die der klassischen Eigent\u00fcmer von Mittelstandsunternehmen im Einzelnen auch sind &#8211; verteilt auf die gesamte Bev\u00f6lkerung, ist ihr Ausma\u00df unerheblich. Deutsche und selbst Amerikaner w\u00e4ren nach einer solchen Verteilung nicht sp\u00fcrbar reicher. Dagegen hat das Guthaben der oberen zehn Prozent, die in Deutschland \u00fcber nahezu f\u00fcnfzig Prozent der Verm\u00f6gen verf\u00fcgen, inzwischen eine astronomische H\u00f6he erreicht: Es betr\u00e4gt mehr als dreimal das Bruttosozialprodukt der Deutschen (7900 Milliarden Euro im Jahr 2007). \u00dcber das Bankensystem (weniger \u00fcber die B\u00f6rsen) werden diese gewaltigen Guthaben permanent in die Realwirtschaft eingeschleust, wo sie dann in gleicher H\u00f6he als Schulden aufscheinen. Dabei steigen mit der Gr\u00f6\u00dfe dieser Guthaben=Schulden zwangsl\u00e4ufig auch die zu ihrer Bedienung auf-zubringenden Zinsen und Dividende. Mit anderen Worten, je reicher die ohnehin schon superreiche Minderheit ist, umso gr\u00f6\u00dfer werden ihre Forderungen an die Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu den neuen Plutokraten ist der klassische (Sach-)Kapitalist nach Marx eine geradezu harmlose Erscheinung. W\u00e4hrend der letztere nur einen volkswirtschaftlich unerheblichen (wenn auch oft in seinem Ausma\u00df in-akzeptablen) Mehrwert kassiert, saugen jene die Realwirtschaft immer mehr aus. W\u00e4hrend der klassische Kapitalist marxscher Pr\u00e4gung als Besitzer oder Manager des Produktionskapitals immerhin noch mit beiden F\u00fc\u00dfen in der Realwirtschaft steht, sind die Empf\u00e4nger der Zinsen und Dividende mit der Realwirtschaft meist nur noch durch den Geldfluss verbunden, den ihre Guthabenkonten aufweisen. Im \u00dcbrigen stehen sie den Unternehmen so fern wie der adlige Gro\u00dfgrundbesitzer am Hofe Ludwigs des XIV. den ihm geh\u00f6renden L\u00e4ndereien, die er m\u00f6glicherweise niemals gesehen hat. Damals waren Verwalter damit betraut, aus den Bauern so viel Rendite wie irgend m\u00f6glich herauszuquetschen. Heute erf\u00fcllen Bankmanager, Analysten und alle m\u00f6glichen Fonds dieselbe Aufgabe, indem sie die astronomischen Guthaben von zehn Prozent gro\u00dfer Verm\u00f6gensbesitzer in renditetr\u00e4chtige Schulden f\u00fcr die \u00fcbrigen 90% arbeitender Menschen umwandeln.<\/p>\n<p>Denn diese Schulden werden mit den Zinsen in den Preisen der von den Unternehmen und Dienstleistern angebotenen Konsumg\u00fcter bedient. Die Last dieser t\u00e4glichen Forderungen an das Portemonnaie der arbeitenden Menschen ist inzwischen so gro\u00df, dass jeder Deutsche den dritten Teil des ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Einkommens f\u00fcr Zinsen ausgeben muss. Dieser Mehrwert \u2013 man k\u00f6nnte ihn als parasit\u00e4ren Unwert bezeichnen, da er einer privilegierten Minderheit leistungslose Einkommen verschafft &#8211; wird von den Einnahmen der Unternehmen abgezogen und als Anlegerrendite (Shareholdervalue) zu deren eigentlichem Zweck deklariert. Er ist ein permanent an die Gl\u00e4ubiger str\u00f6mender Sturzbach: Geld, das sich aus den Portemonnaies des Durchschnittsb\u00fcrgers auf dem Weg \u00fcber die Unternehmen in die Taschen der Plutokratie ergie\u00dft. In Deutschland hat dieser Strom von unten nach oben mittlerweile das Ausma\u00df der staatlichen Lohnsteuer erreicht (Jenner: Pyramidenspiel, S. 51), in angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern d\u00fcrfte die Belastung noch gr\u00f6\u00dfer sein. W\u00fcrde man diesen Betrag auf alle arbeitenden Menschen verteilen, so h\u00e4tte das allerdings eine gewaltige Wirkung: Die arbeitenden 90% m\u00fcssten ihre Lohnsteuer nicht wie heute gleich zwei Mal zahlen, einmal an den Staat und das zweite Mal an die reichsten zehn Prozent ihrer Mitb\u00fcrger. B\u00fcrger, Gemeinden und Staat h\u00e4tten auf Anhieb wesentlich mehr in der Tasche, die meisten Probleme, mit denen wir heute zu k\u00e4mpfen haben, w\u00e4ren schlagartig beseitigt.<\/p>\n<p>Obwohl die Realwirtschaft die Last des Finanzkapitals kaum noch zu tragen vermag, gibt dieses sich mit dem Status Quo nie zufrieden. Wie schon in den Jahren vor der Krise von `29 sucht das Finanzkapital \u00fcberall nach weiteren Anlagem\u00f6glichkeiten, d. h. nach Schuldnern, die seine Guthaben vermehren. Das im \u00dcberfluss vorhandene Geld wurde allen, die nur irgendwie kreditw\u00fcrdig erschienen, von den Banken aufgeschwatzt und manchmal geradezu nachgeworfen. Damals, vor 1929, \u00fcberschwemmte man den Markt mit Konsumentendarlehen, nach 2000 sowohl mit diesen wie &#8211; speziell in Amerika \u2013 mit Unmengen an Hypothekenkrediten. Irgendwann ist dann freilich des Schlechten zuviel getan. Droht die Realwirtschaft unter der Last der Abgaben an die plutokratische Minderheit ohnehin zu er-sticken, dann reicht schon ein geringf\u00fcgiger Anlass, um das System zu ersch\u00fcttern.<\/p>\n<p>Dabei ist die Realwirtschaft \u2013 man muss es nochmals betonen &#8211; an sich v\u00f6llig gesund. Die Betriebe funktionieren wie immer, auch wenn die Menschen aufgrund der ihnen aufgeb\u00fcrdeten Last mit jedem Jahr hektischer, gestresster und prek\u00e4rer als zuvor arbeiten m\u00fcssen. Die Realwirtschaft \u00e4chzt zwar, aber sie steht. Es sind diejenigen, die den parasit\u00e4ren Unwert \u2013 das leistungslose Einkommen der Anlegerrenditen &#8211; kassieren, diejenigen also, welche die Kuh r\u00fccksichtslos melken, die ihr nun auch den Todessto\u00df geben. Ihre Guthaben sind in der Realwirtschaft eingefroren, es gen\u00fcgt, dass irgendwo ein paar faule Kredite auftauchen \u2013 nur etwa zehn Prozent der amerikanischen Hypothekenkredite sind faul \u2013 um in ihnen den durchaus begr\u00fcndeten Verdacht zu erwecken, dass die Realwirtschaft ihre Forderungen nicht l\u00e4nger erf\u00fcllen kann. Sobald sich dieser Verdacht bei ihnen zur Gewissheit erh\u00e4rtet, ziehen sie \u2013 von Panik erfasst \u2013 alles Geld, das sie noch retten k\u00f6nnen, von Banken und B\u00f6rsen ab, bzw. lassen kein neues Geld nachstr\u00f6men. Stattdessen wandeln sie es in dauerhafte Realwerte um (Gold, \u00d6l, Getreide etc.) oder lassen es wie 1929 in Tresoren verschwinden.<\/p>\n<p>Das ist der GAU. Mit dem Kreislauf des Geldes bricht auch der Kreislauf der G\u00fcter zusammen. Wenn Staat und Notenbank jetzt unt\u00e4tig bleiben, kommt es zur Deflation: Das Geld wird aus dem Kreislauf gesogen wie in den USA nach 1929 und in Japan in den neunziger Jahren. Greift der Staat aber als letzter Nothelfer ein, um sich der Angst der Plutokraten vor dem Verm\u00f6gensverlust entgegenzustemmen, so kann er damit zwar vor\u00fcbergehend neue Kursfeuerwerke entfachen, auf l\u00e4ngere Sicht tr\u00e4gt er aber seinerseits zur Vermehrung des Schadens bei, weil der parasit\u00e4re Unwert &#8211; der Geldtransfer von unten nach oben &#8211; jetzt mit Steuergeldern noch zus\u00e4tzlich aufrechterhalten und die Last auf der Realwirtschaft weiter vermehrt wird. Und nat\u00fcrlich bleibt der Schaden genauso gro\u00df, wenn nicht die Steuerzahler bezahlen, sondern die Notenpresse zu rotieren beginnt. Dann werden alle enteignet: kleine wie gro\u00dfe Einkommensbezieher und Sparer, aber die kleinen ungleich mehr als die gro\u00dfen: Die H\u00e4lfte eines gro\u00dfen Verm\u00f6gens oder Einkommens durch Inflation zu verlieren, l\u00e4sst sich verschmerzen. Wer dagegen ein Subsistenzeinkommen besitzt, der geht an einer solchen Entwertung zugrunde.<\/p>\n<p>Marx hat die Verstaatlichung der Produktionsmittel gefordert, aber selbst wenn der Staat nicht nur die Banken sondern auch s\u00e4mtliche Unternehmen verstaatlichen w\u00fcrde, g\u00e4be es in einem System, das auf dem parasit\u00e4ren Unwert aufbaut und ihm sogar die h\u00f6chste Priorit\u00e4t zuerkennt, keinen Ausweg. Die Krise l\u00e4sst nur eine einzige L\u00f6sung zu: den Reset. Die \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Guthaben=Schulden m\u00fcssen verbrannt und vernichtet werden. Genau dieses Szenario spielt sich gegenw\u00e4rtig vor unseren Augen ab. Das Drama k\u00f6nnte uns gleichg\u00fcltig sein, wenn dabei nur die gro\u00dfen Verm\u00f6gen ein tragisches Ende n\u00e4hmen, aber nebenbei wird dabei auch die Realwirtschaft in den Abgrund gerissen und mit ihr jene arbeitende Mehrheit, die an diesem Ungl\u00fcck zwar v\u00f6llig unschuldig ist aber immer zum eigentlichen Opfer jeder Finanzkrise wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Problem der gro\u00dfen Krisen des 20. Jahrhunderts bietet Marx keine L\u00f6sung, weil er ihr Wesen \u00fcberhaupt nicht verstanden hat. Er hat nicht gesehen, dass der <b>Sach<\/b>kapitalist &#8211; die Realwirtschaft &#8211; gegen\u00fcber dem <b>Geld<\/b>kapitalisten &#8211; dem Finanz- und Geldsystem \u2013 zur Ohnmacht verurteilt ist. So wichtig Marx als Macht- und Ideologiekritiker aber auch als F\u00fcrsprecher der Armen und Entrechteten ist, so wenig taugt seine Therapie f\u00fcr die \u00dcberwindung und seine Diagnose f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der gro\u00dfen Wirtschaftskrisen. Marx \u00fcbersah, dass diese aus der Finanzwirtschaft stammen, d. h. vom Geldsystem, aber eben nicht von der Realwirtschaft. Umso schlimmer, dass Marx immer noch als Gespenst in den K\u00f6pfen umgeht, wo er gerade in diesen Tagen wieder f\u00fcr gro\u00dfe Verwirrung sorgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man sieht sie wieder mit dem Kapital in der Hand, in Tausenden von Basisgruppen erregt diskutierend \u00fcber Mehrwert, Profitrate und die b\u00f6sen Kapitalisten, die die Welt von neuem ins Ungl\u00fcck st\u00fcrzen. 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