2 Über ehrliche und unehrliche Dissidenten

Wir wissen, warum ein Gerhard Schröder, ehemaliger Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, den skrupellosen Diktator Wladimir Putin zum lupenreinen Demokraten erklärte, wobei ihn weder dessen Morde an Dissidenten, weder die Unterdrückung der Pressefreiheit noch die systematisch von oben betriebene Korruption und nicht einmal der inzwischen dritte Überfall auf ein unabhängiges Land von dieser Meinung abzubringen vermochten. Schröder kommt aus kleinen Verhältnissen – die Versuchung, durch eine Verbindung mit Gasprom und dem großen Kapital zu einem reichen Mann zu werden, hat sein demokratisches, ja, sein sozialdemokratisches Gewissen offenbar zu lähmen vermocht.

Wir wissen auch, warum Donald Trump den derzeitigen russischen Präsidenten so sehr bewunderte. Wie die Untersuchungen seiner Vorbereitungen zum 6. Januar zeigen, hätte der schon in seinem früheren Geschäftsgebaren bedenkenlose Businessman sich den russischen Präsidenten gern zum Vorbild genommen. Der Unterschied zu Russland: Bei allen inneren Gegensätzen, an denen die USA derzeit leiden und die sie sogar zerstören könnten, sind die demokratischen Kräfte immer noch stark genug, um politische Morde, die Unterdrückung der Presse und Korruption in großem Maßstab zu verhindern. Aber die Faszination, welche starke Männer auf schwache Köpfe ausüben, ist nicht nur in Amerika stark. Mit seiner Aussage über Wladimir Putins angeblich lupenreine demokratische Gesinnung hat Gerhard Schröder der Welt gezeigt, was er unter Demokratie versteht. Glücklicherweise waren deren Institutionen in Deutschland stark genug, um ihn daran zu hindern, dieses neue Verständnis auf Trumpsche Manier auf das eigene Land anzuwenden.

Über Trump und Schröder wurde genug gesagt; wenig gesagt wurde bisher über die zahlreichen Intellektuellen in Deutschland, welche der Faszination des russischen Diktators ebenso widerstandslos erliegen. Wie ist es möglich, dass zweifellos gescheite, zweifellos sozial engagierte, sich für ihre Mitmenschen aktiv einsetzende Intellektuelle gläubig nach Osten blicken, so als käme das Heil von dort – und nicht, wie gegenwärtig der Fall, Auftragsmorde, Unterdrückung der Freiheit und brutale kriegerische Überfälle auf unabhängige Nationen? Im Folgenden spreche über einen Artikel von Stefan Nold. In einer Zeitschrift, deren großes Verdienst darin besteht, auch Positionen zu Wort kommen zu lassen, die sich deutlich vom Mainstream unterscheiden, hat er einen Aufsatz verfasst, der, wie im Folgenden gezeigt werden soll, das Vorgehen von Wladimir Putin unkritisch rechtfertigt und das des Westens nicht minder unkritisch inkriminiert. Auch von mir sind immer wieder, ja, fast in jeder Ausgabe, Artikel in dieser Zeitschrift erschienen. Allerdings war mir immer klar, dass man mit abweichenden Positionen nur dann überzeugen kann, wenn man sie mit gesicherten Fakten und zwingenden Argumenten doppelt gut begründet. Davon kann in diesem Fall keine Rede sein. Der Artikel ist ein Abklatsch russischer Propaganda. Auf Humane Wirtschaft fällt, Nold zu Dank, der inhumane Schatten des Wladimir Putin..

Stefan Nold ist Doktor und Ingenieur; er lässt uns nicht im Unklaren darüber, dass andere ihn als überdurchschnittlich intelligent einstufen. Immerhin war er ein Stipendiat der Studienstiftung. Wiederholt betont er den eigenen Widerspruchsgeist, denn es ist seine Intelligenz und soziale Einstellung, die ihm verbieten, Ja und Amen zu Verhältnissen oder Maßnahmen zu sagen, die er persönlich nicht billigen kann. Diesen Geist hatte er schon während der Schulzeit an sich entdeckt: „Ja, was wollen denn Sie, klein und hässlich in der letzten Bank“, hat Herr Dietzel, unser Geschichtslehrer, mir gesagt, als ich ihn wieder einmal mit einer abweichenden Meinung störte. Bei dieser Neigung zum Widerspruch blieb es auch noch, als er zum Wehrdienst eingezogen war. …ich habe Wehrdienst geleistet – und gelernt, dass man Befehle verweigern muss, wenn sie gegen die Menschenwürde verstoßen /Hier hätte man sich konkretere Angaben über die Verletzung seiner Menschenwürde gewünscht/. Als er erfuhr, dass seine Firma Pumpen verkauft, die zu militärischen Zwecken missbraucht werden konnten, hat Nold eindeutig Stellung bezogen:  Ich antwortete (dem Chef meiner Firma): „Der Tag, an dem ich das weiß /das Ihr Pumpen für die Herstellung von Giftgas verkauft/, ist mein letzter in dieser Firma.“ Man kann ihm nur beipflichten, wenn er zusammenfassend erklärt: … wer einer offenen und ehrlichen Diskussion Raum gibt… der hat Respekt und Anerkennung verdient

Nold ist also kein bloßer Theoretiker, er hat sich auch praktisch immer wieder eingebracht. So zählt er mehrere Fälle seines unmittelbaren Einsatzes im Rahmen von Bürgerinitiativen auf. Für die Junkies wurde am Rande des Herrngartens /von Darmstadt/ das „Scentral“ eingerichtet und nach einigen Verzögerungen und Vorwänden wurde auch das Herrngartencafé wieder zum Leben erweckt. Das war uns wichtig, um eine soziale Kontrolle über einen damals kritischen Bereich des Parks zu gewährleisten. Und: Nach der Vorgabe „Suchet der Stadt Bestes“ habe ich mich immer wieder in verschiedenen Initiativen eingebracht. Denn: Ich bin immer nah an die Leut‘.

Diese Biografie ist beneidenswert. Ich selbst bin ein vorwiegend theoretisch orientierter Mensch, ich habe mich viel weniger eingebracht, war und bin zwar für Gedanken leidenschaftlich engagiert, aber ich kann nicht von mir behaupten, mich für meine Mitbürger in tätigem Handeln so eingesetzt zu haben wie Stefan Nold. Wäre von ihm nur das eben Gesagte zu berichten, dann müsste man von einem vorbildlichen Bürger sprechen. Warum also bezeichne ich ihn als unehrlich, doktrinär, unwissend in wichtiger Hinsicht und einen Mann, der sich zu allem Überfluss auch noch lächerlich macht?

Da ist zunächst seine Bemerkung über Demokratie: „Die Demokratie ist keine schöne Frau. Aber ich liebe sie. Wenn wir ihre und unsere eigenen zutiefst menschlichen Schwächen akzeptieren und damit überwinden, hat diese Liebe eine Chance.“ Das habe ich 2012 geschrieben. Nun muss der Leser wissen, dass der Zweck des Artikels darin besteht, Russland zu rechtfertigen, den Westen als Kriegstreiber und Wladimir Putin als Friedensapostel hinzustellen. Nicht einmal andeutungsweise ist die Rede davon, dass der russische Präsident die Demokratie seit seinem Amtsantritt vor mehr als zwanzig Jahren nur mit den Füßen tritt. Entweder hat Nold davon keine Ahnung, dann ist er über ein Land, um das es in seinem Artikel geht, mehr als nur schlecht orientiert. Oder er weiß es, dann macht er sich einer flagranten Unehrlichkeit schuldig.  Will er sich Gerhard Schröder zum Vorbild nehmen, indem er uns eine neue Definition von Demokratie präsentiert? Oder liebäugelt er wie so viele andere Intellektuelle mit einem starken Mann, der sie endlich von allen Zweifeln erlöst und sie wie Putin und Trump mit dem reinen „Willen zur Macht“ zum Schweigen bringt? Oder weiß Stefan Nold vielleicht selbst nicht, was er eigentlich will?

Dafür spricht eine eine weitere Aussage. Bürgerrechte, so sagt er treffend, muss man sich nicht verdienen. Das ist die Grundlage eines freiheitlichen Staates. Sehr richtig, aber warum interessiert sich Nold absolut nicht für die Bürgerrechte von Leuten wie Litwinenko, Anna Politowskaja, Boris Nemzow, Nawalny und Tausende von anderen Opfern der Putinschen Repression? Oder hat er auch davon nie etwas gehört? Gewiss, dieser deutsche Intellektuelle hat hier und da aufgemuckt, vielleicht hat er wegen seiner Ansichten manchmal auch heftigen Widerspruch erfahren, aber wurde er jemals auf der Straße zusammengeschlagen, ohne Gerichtsverfahren weggesperrt oder gar ermordet, wie dies in Russland seit Putins Regierungsantritt regelmäßig mit Dissidenten geschieht? Nein, Nold ist ein verwöhnter Wohlstandsbürger, der das Maul aufreißen darf, so weit wie er nur will, ohne – glücklicherweise! – in unserer Demokratie mehr befürchten zu müssen, als dass man ihn unehrlich, unbedeutend und anmaßend findet, wenn man ihn mit den echten und ehrlichen Dissidenten in Putins Diktatur vergleicht.

So sieht es unser verwöhnter Luxusdissident allerdings nicht. Statt vor Russland und seinem vor nichts zurückschreckenden Präsidenten zu erschauern und – trotz aller Missstände im Westen und im eigenen Land – immerhin dieses hohe Maß an eigener Freiheit und eigenen Bürgerrechten zu würdigen, schmäht er beides. … Aus und vorbei… ich habe wirklich nichts mehr /mir diesem Land/ zu tun. Denn: Unser Land ist wie dieser /madenzerfressene/ Schinken. Die Hülle, das Grundgesetz, der Bundestag, Bundesverfassungsgericht, die Ministerien, das Kanzleramt, das alles sieht auf den ersten Blick gut aus, äußerlich sauber; es wirkt edel und gediegen. Es ist im Lauf der Jahre von innen aufgefressen worden, von Lobbyisten, Journalisten und Politikern, die das Geld riechen und sich darin tummeln wie die Maden im Speck.

Um uns aber ein Kontrastbild zum eigenen Zustand finaler Verrottung zu vor Augen zu stellen, hebt er mehrfach die Menschlichkeit der Russen hervor, so zum Beispiel Aussagen Gollwitzers über die gute Behandlung, welche nicht wenige Deutsche während ihrer Kriegsgefangenschaft von den Russen erfuhren. Aber bitte schön, welcher halbwegs geschichtlich gebildete Mensch hat jemals daran gezweifelt, dass es in dieser großen europäischen Kulturnation wunderbare Menschen gibt? Und wer würde bezweifeln, dass es auch während des Naziregimes in der großen europäischen Kulturnation Deutschland Millionen von Bürgern gab, die keine Heuchler, keine brutalen Lügner, und weder blut- noch mordrünstig waren wie der Führer und seine Schergen? Deutsche, die einfach anständig waren oder sich zumindest bemühten, es unter den obwaltenden Umständen zu sein? Natürlich gilt das ebenso für die Russen, die heute das Unglück haben, in Putins Polizei- und Korruptionsstaat zu leben.

Wieder beweist uns Nold seine Unehrlichkeit. Kein vernünftiger Mensch will Feind der Russen sein – die haben den Diktator Wladimir Putin ebenso wenig verdient wie die Deutschen damals den Führer Adolf Hitler. Aber von dieser Unterscheidung ist bei Doktor Nold keine Rede. Stattdessen versucht er uns auf nicht nur kritiklose sondern geradezu alberne Weise davon zu überzeugen, dass jeder, der die Russen verteidigt, auch mit Putin einverstanden sein muss.

Weiß er denn nicht, dass die großen russischen Dissidenten glühende – für unsere Begriffe manchmal zu glühende – Patrioten sind, die sich gegen den Diktator gerade deswegen stellen, weil sie ihr Land und ihre Mitbürger so lieben? Auch Graf von Stauffenberg und andere deutsche Widerstände haben sich aus Patriotismus (und manchmal aus religiösen Gründen) gegen Hitler gestellt. Die Tatsache, dass so viele Deutsche auch in der Zeit des nationalsozialistischen Grauens anständige Bürger waren, beweist doch nicht, dass dies auch für Hitler und seine Schergen galt!

Weil es Stefan Nold letztlich darum geht, Putin, sein Handeln und sein Regime zu rechtfertigen, macht er keinen Unterschied zwischen ihm und dem russischen Volk. Aus demselben Grund haben auch die großen russischen Dissidenten in seinem Weltbild schlicht keinen Platz. Da ergibt sich dann als logische Konsequenz, dass der Westen an allem schuld sein muss. Die selbstherrliche Sanktionspolitik unserer Eliten, die anderen Ländern durch Einfrieren des Entgelts die geschuldete Leistung nach Gutdünken vorenthält, nagt sich nun auch in unser Land hinein.

Ja, was hätte der Westen denn anderes tun sollen, wenn er eine direkte militärische Konfrontation mit Russland vermeiden will? Dann kamen und kommen nur wirtschaftliche Sanktionen infrage (dass diese weit weniger wirksam sind als erhofft, steht auf einem anderen Blatt). Wie kommt dieser doch anerkanntermaßen keineswegs dumme Doktor dazu, die folgenden Behauptungen aufzustellen. …  der Westen wollte nicht aufklären, sondern hetzen und noch einmal hetzen…  Wir /im Westen/ wollen keinen Frieden, wir wollen keine Diplomatie, wir wollen Blut sehen… Was Russland als /harmlose/ „Sonderoperation“ begann, ist nun ein blutiger imperialistischer Krieg um /Russlands/ Land und Bodenschätze… es ist ein von außen /sprich vom Westen/ geschürter Ukraine-Konflikt

Das ist nun schon unverblümte, reine russische Kriegspropanda, wie ich sie täglich aus den Nachrichten und den Talkshows im russischen „Pervüi Kanal“ (Erster Kanal) erlebe. Es ist dann nur noch ein Tüpfelchen auf dem i, wenn Nold schließlich ganz die Diktion des russischen Gewaltherrschers übernimmt. Das Verhältnis der beiden Länder /Russland und Ukraine/ sollte so sein wie zwischen Kanada und den USA, freundlich, aber unabhängig. Das war Putins Konzept. Ja, Putin ist ganz wie Hitler ein Meister der Täuschung. Wenn er für das westliche Publikum spricht, frisst er jedes Mal Kreide; das hört sich im russischen Fernsehen freilich ganz anders an. Da wird Klartext gesprochen. Wenn das Brudervolk der Ukrainer weiter auf seiner Unabhängigkeit und Freiheit besteht, dann wird man dieses Volk eben mit Gewalt zu seinem Glück bekehren, auch wenn man das ganze Land dabei in Flammen aufgehen und seine Bewohner – in der Diktion des Regimes sämtlich Neonazis – systematisch ermorden lässt.

Wie gesagt, Nold. ist hochbegabt, ein Studienstiftler; nur leider schützt (technische) Intelligenz durchaus nicht vor abgründiger menschlicher Dummheit, denn eines ist für ihn einfach zu viel: er bringt es nicht fertig, den Klartext hinter der Lüge zu erkennen. Vielleicht will er den Klartext aber auch gar nicht erkennen, weil er keinen Platz in seinem Weltbild hat. Das wäre dann ein viel schwerer wiegender Vorwurf, nämlich ideologisch verfestigte Unehrlichkeit.

Zweifeln darf und kann jeder – gerade in einer Zeit des Kriegs, denn bis zu einem gewissen Grad zwingt jeder Krieg die Menschen zur Lüge. Wenn man Leute, die um ihr Leben kämpfen, nicht demoralisieren will, dann muss alles gut erscheinen, was man selbst betreibt, dagegen alles böse sein, was der Gegner macht. Aber so ist es in Wirklichkeit nie: Kriegsverbrechen geschehen auf beiden Seiten. Würde Nold seine Intelligenz dazu nutzen, mit kritischer Sorgfalt alle Zeugnisse der streitenden Parteien zu sichten, um sich ein möglichst objektives Urteil zu verschaffen, so könnte man ihn dazu nur beglückwünschen. Aber davon ist er weit entfernt. Er übernimmt, was ihm die russische Propaganda sagt, und er verwirft, was ihr widerstreitet. Statt sich umfassende Kenntnisse über Russland anzueignen, rückt er sich selbst als guten Menschen ins Bild (sein Aufsatz ist zur Hälfte Autobiografie), weil er uns damit einreden will, dass seine Meinungen dann doch wohl ebenso gut sein müssen!

Der Autor gibt sich große Mühe, seinen Lesern mit literarischen Kenntnissen zu imponieren. Von insgesamt 39 Literaturhinweisen stützen allerdings nur acht sein Kernthema, nämlich das Reinwaschen Putins und die Inkriminierung des Westens. Und auch diese acht bezieht er nur von ideologischen Glaubensgenossen. Angesichts dieser Urteilsschwäche ist man denn doch von der Selbsteinschätzung dieses Mannes mehr als nur überrascht.  Nold sieht sich nämlich in der Nachfolge eines säkularen Protestes großer europäischer Geister. Mit seinem Bekenntnis Je refuse – ich verweigere stellt er sich ganz bewusst in eine ehrfurchtgebietende Tradition. Émile Zola wandte sich an den französischen Präsidenten mit dem Schlachtruf „J’accuse“ (ich klage an), weil er die Verurteilung des jüdischen Offiziers Alfred Dreyfus wegen Landesverrats für ungerechtfertigt hielt. Gegenüber einer bis zur Weißglut aufgeheizten öffentlichen Meinung, hinter der damals die mächtigsten Kräfte der französischen Gesellschaft standen (vor allem das Militär), wagte es der französische Schriftsteller eine von Mehrheit und Macht radikal divergierende Meinung zu vertreten. Das erforderte damals außerordentlich viel Mut. Ganz anders das Vorgehen von Stefan Nold. Er posaunt sein „je refuse“ in die Welt, um sich aufzublähen. Da steht für ihn nicht mehr auf dem Spiel als die Befriedigung persönlicher Geltungssucht, die spätestens an diesem Punkt von der Unehrlichkeit und Unwissenheit auch noch ins Lächerliche changiert.

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Antwort von Dr. Stefan Nold:

Sehr geehrter Herr Jenner,

schreiben Sie Ihre Meinung, gerne können Sie meinen vollen Namen verwenden. Aber vielleicht zeigen Sie meinen Artikel und den Ihren einem guten Freund oder ihrer Frau bevor sie ihn veröffentlichen. Denn das, was Sie da schreiben, ist hochnotpeinlich … für Sie. Ich könnte Ihnen mit einer langen Replik antworten, aber ich halte Ihren Text nicht für satisfaktionsfähig.

Mit friedlichen Grüßen

Dr. Stefan Nold

Meine Replik:

Eine noble Antwort, wie es scheint. Friedliche Grüße auf einen unbarmherzigen Verriss. Aber ich kritisiere nicht den Pazifismus, sofern er ehrlich ist und offen ausspricht, dass Europa sich dann auch Hitlers Aggression kampflos hätte ergeben müssen, denn dann wäre der Zweite Weltkrieg gar nicht erst ausgebrochen. Auch jetzt gäbe es keinen Krieg, wenn die Ukraine keinen Widerstand leistet und Europa alle Waffen verschrottet. Nein, ich kritisiere die Verlogenheit von Herrn Nold, der sich vor genau dieser Folgerung drückt, zu dem ihn ein konsequenter Pazifismus sonst zwingen müsste. Um diese Konsequenz nicht zu ziehen, bei der ihm wohl selbst seine engsten Freunde nicht folgen würden, übernimmt er die russische Propaganda, wonach Putin ja ohnehin nur den Frieden will (in den dreißiger Jahren hätte Nold sagen müssen: „Wehrt euch nicht, Hitler will ja nur euer Bestes“). So wird er zu einem konsequenten Lügner, der von der Evidenz nichts wissen will.

Und bei alledem ist er trotz der betont friedlichen Grüße nicht einmal Pazifist. Einerseits würde er im Duell nur zu gern mit der Waffe gegen mich antreten – daran hindert ihn nur der Umstand, dass ich in seinen Augen leider nicht „satisfaktionsfähig“ bin. Andererseits hat er trotz seiner Friedfertigkeit den Dienst an der Waffe keinesfalls verweigert, nur dass er in der Bundeswehr vor allem für seine Menschenwürde kämpfte… Wie wäre es, wenn Herr Doktor Nold auch einmal für die Wahrheit kämpfen würde? Dann erwidere ich sofort seinen friedlichen Gruß.