Hannah Arendt contra Wladimir Putin

Es ist wohl unserer Primatennatur geschuldet, dass große Gefühle so oft mit dem Triumph über Feinde verbunden sind. Die Ilias ist ein Heldengesang, wo mit höchstem Aufwand an dichterischer Inspiration die blutigsten Siege gefeiert werden. Kein Wunder also, dass der neue russische Zar seine Landsleute seinerseits auf die uralten Gefühle einschwört. Immer öfter hört man aus seinem Mund, wie heldenhaft das russische Volk sich gegen den Faschismus gewehrt und ihn schließlich überwunden habe. Endlose Paraden, endlose Beschwörungen. Man sieht es den Gesichtern der jungen Soldaten und steinalten Veteranen an, wie ihnen die Gänsehaut kommt, wenn sie an die glorreichen Tage denken …

Und natürlich lässt Putin die Gelegenheit nicht aus, den Westen anzuklagen, der es ganz offensichtlich in boshafter Absicht unterlässt, den Russen dafür zu danken, dass sie es waren, die den Sieg über Hitler und den Faschismus ermöglicht haben. Ohne die rote Armee wäre es den westlichen Mächten nie gelungen, Hitler zu überwunden. Die bei weitem größten Opfer seien schließlich auf ihrer Seite erbracht. Diese Wahrheit werde in der westlichen Propaganda, in den Medien und in Volksbefragungen beharrlich verschwiegen. Da könne man immer nur hören und lesen, dass der Sieg über die Pest des Faschismus dem Westen zu danken sei.

Das große Talent des russischen Präsidenten besteht in der Kunst, Wahrheit und Lüge auf so subtile Art miteinander zu amalgamieren, dass das eine vom anderen am Ende kaum noch zu trennen ist. Denn er hat ja durchaus Recht – kein Historiker würde das ernsthaft bestreiten – dass Hitler an der russischen Abwehr gescheitert ist und dass dieser Sieg weit größere Opfer von den Russen gefordert hat als von den Alliierten. Für die Sowjets war es überdies ein gerechter Krieg, denn ihr Land wurde ohne alle russische Provokation auf brutale, durch nichts zu rechtfertigende Art von Deutschland überfallen. Hätte Hitler nicht noch weit fürchterlichere Verbrechen begangen, so wäre dies allein schon genug, um ihn nicht nur als Unhold in die Geschichte eingehen zu lassen, sondern zudem noch, wie Sebastian Haffner sagt, als den größten Feind der Deutschen. Er hat das Verhältnis zu ihren russischen Nachbarn, das aufgrund kultureller Gemeinsamkeiten oft genug freundschaftlich eng und von gegenseitigem Verständnis geprägt war, auf hinterhältige Weise geschädigt.Eine solche Schädigung fand nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion dann noch einmal statt. Der Westen hat damals die einmalige Chance versäumt, dem Land mit tatkräftiger Kooperation zu helfen. Stattdessen wurde Russland in den neunziger Jahren, wo es daniederlag, mit unverkennbarer Häme gedemütigt – vor allem von Seiten der USA.

Das erklärt das Verhalten Putin, rechtfertigt aber nicht die von ihm zu politischen Zwecken betriebene Fälschung der Geschichte. Denn diese geschieht ganz bewusst – ich halte den russischen Präsidenten für viel zu intelligent, um seinen eigenen Parolen zu glauben. Oder sollte er die Geschichte wirklich so schlecht kennen, dass ihm die entscheidende Rolle des Westens bei der Niederschlagung des Nationalsozialismus entgeht?Tatsache ist, dass ohne die Alliierten nur eine Diktatur die andere abgelöst hätte; eine staatliche Mafia – das Regime Stalins – wäre an die Stelle einer anderen getreten. Dagegen war es die Hoffnung auf Freiheit, welche Europa erlöste: die Verheißung einer Rückkehr der politischen, ökonomischen, sozialen Selbstbestimmung, also alles dessen, was es unter Stalin ebenso wenig wie unter Hitler gegeben hatte. Gewiss, haben die Russen sich heldenhaft gegen einen heimtückischen Überfall gewehrt – das uralte Recht jeder angegriffenen Nation -, aber für die Freiheit war damit noch nichts gewonnen. Das sowjetische System ist ebenso über Millionen von Leichen geschritten wie das nationalsozialistische.

Deswegen hat die Sowjetunion, so siegreich sie war, nirgendwo die Menschen vom Faschismus „befreit“. Sie hat nur dafür gesorgt, dass die Freiheit eine offene Tür vorfand. Dafür können ihnen die vom Nazis überfallenen Völker dankbar sein, aber auch wirklich nur dafür allein. Überall dort, wo die Sowjets selbst zur Besatzungsmacht wurden, haben sie das Erbe der Besiegten übernommen, indem sie die Freiheit ihrerseits mit Panzern platt walzten. Wenn das gegenüber Gorbatschow mündlich abgegebene Versprechen, die NATO nicht weiter nach Osten auszudehnen, so schnell gebrochen wurde, dann aus der immerhin verständlichen Angst des östlichen Europa, neuerlich unter die Knute ihrer „Befreier“ zu geraten.

Das ist Geschichte, die jedermann kennt – natürlich auch Putin. Trotzdem arbeitet er beharrlich an dem Projekt, die Vergangenheit der Sowjetunion nachträglich rein zu waschen, so als wäre es ein liberaler, freiheitsliebender Stalin gewesen, der die Zukunft des Alten Kontinents damals in glücklichere Bahnen lenkte. Aber wie es in Wirklichkeit war, dazu hat Hannah Arendt schon alles gesagt. Dennoch scheint es nötig zu sein, in den Zeiten einer neuerlich auflebenden Propaganda, die keine Scheu vor den dreistesten Lügen kennt, ihre zentrale These zu wiederholen. Die Sowjetunion war ein totalitärer Unrechtstaat, nicht anders als das Naziregime. Das Individuum zählte nichts, es wurde zu Millionen geopfert, wenn die Staaträson oder – richtiger gesagt – der Wille eines misstrauisch rachsüchtigen Diktators an seiner Spitze, das für richtig befand. Beide Regime waren skrupellos mörderisch.

Ein Unterschied allerdings spricht auf den ersten Blick für das Sowjetregime – das kommunistische Ideal einer Brüderschaft aller Menschen war von transzendenter Reinheit – es hätte dem Neuen Testament entlehnt sein können. Die Naziideologie dagegen erschien von vornherein atavistisch: es zerteilte die Menschheit in WIR und die ANDEREN. Dieser Unterschied war es, der einen Großteil westlicher Intellektueller – selbst einen Mann wie Arthur Koestler, der darüber später selbstkritisch Rechenschaft ablegte – dazu verleitete, den Sowjets so lange zu glauben. Viele Intellektuelle sahen nicht oder wollten nicht sehen, dass der Gegensatz „WIR und die ANDEREN“ im real existierenden Sozialismus eine ebenso fürchterliche Fratze besaß: Wir, das waren die linientreuen Parteisoldaten, die an der Spitze des Staats alle Vorteile der Nomenklatura genossen; die ANDEREN, das waren die Ungläubigen, die das Regime zu Hause und in der übrigen Welt ausschalten durfte und musste. Totalitarismus ist, wenn man das Paradies herbeimorden will.

In letzter Zeit hört man Putin eindringlich davor warnen, die Geschichte zu fälschen. Viele sind naiv genug, ihm zu glauben, weil sie nicht sehen, dass dies die Taktik aller Wölfe ist, die sich in einem Schafspelz verkleiden. Die anderen anklagen für das, was man selber vorhat – wer wüsste nicht, dass diese Strategien von jeher zum Operationsbesteck gewiefter Demagogen zählt? Vor der Krise von 2007 wäre Putin damit im Westen allerdings auf taube Ohren gestoßen; die Leute hätten den Kopf geschüttelt. Inzwischen gibt es aber nicht nur Putinversteher, sondern eine breite Putingefolgschaft.

Nicht etwa deshalb, weil der russische Präsident selbst sich geändert hätte. Von Anfang an wollte er Russland stärken. Dass er sich dazu aller verfügbaren Mittel bedient, wird man ihm schwer vorwerfen können. Die Erklärung für den Erfolg solcher Geschichtsfälschungen ist deshalb auch gar nicht bei Putin selbst zu suchen. Nicht er hat sich geändert, sondern Europa.

Denn das ist ja nicht länger jener einst so selbstbewusste, zukunftsoptimistische Kontinent, der sich (auf dem EU-Gipfel von 2000) noch vollmundig damit gebrüstet hatte, die USA bis spätestens 2010 ökonomisch zu überholen, das ist auch nicht mehr jenes Europa, welches sich als moralisches Gewissen der Welt sehen möchte. Seit der Krise wird Europa von einer Krankheit heimgesucht, die es zu lähmen droht: einem rapiden Vertrauensschwund in Politik und Zukunft. Wie schon einmal gegen Ende der Zwanziger Jahre nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise breiten sich in der Bevölkerung Zweifel und Ratlosigkeit aus; dazu kommt auch noch wachsende Wut vor allem in den Länder im europäischen Süden und Osten. Zu ihren unmittelbar sichtbaren Folgen zählt die zunehmende Polarisierung der politischen Lager: In Frankreich, Italien, Polen, Ungarn noch mehr als in Deutschland. Es ist dieser Zweifel an einer rauen, unübersichtlichen, immer schwieriger verstehbaren  Gegenwart, die viele Menschen dazu bewegt, auch der eigenen Vergangenheit nicht länger zu trauen. So werden sie für Geschichtsfälschungen empfänglich. Nicht mit Putin sollten wir uns beschäftigen, sondern mit uns selbst – mit Europa. Wie ist es möglich, dass der Pesthauch der späten zwanziger Jahre schon wieder über uns liegt?

13 Gedanken zu „Hannah Arendt contra Wladimir Putin“

  1. Von Herrn Dr. A. Wosni (Dr. A. Holberg) erhalte ich folgenden Kommentar per Mail:

    Sehr geehrter Dr. Jenner

    Ein guter Artikel!
    Wie im Westen muss man sicher auch auf „sowjetischer“ Seite unterscheiden zwischen den gegebenenfalls auch authentisch „antifaschistischen“ Beweggründen vieler Kriegsteilnehmer (Soldaten) und den Beweggründen der politischen Führung. Abgesehen einmal von dem rassistischen Aspekt, der in diesem Krieg in Hinblick auf die „slawischen Untermenschen“ eine besondere Rolle spielte, kann man angesichts des im Marx’schen Sinn ja nun wirklich nicht „sozialistischen“ Charakters der Nach-Lenin’schen-SU hier nicht mehr von eine „antifaschistichen“ Krieg reden als bei der Verteidigung Russlands gegen die Truppen Napoleons, sondern eben von einem nationalen Verteidigungskrieg „der“ „Russen“ gegen „die“ Deutschen. Die von Ihnen gut aufgezeigten objektiven Folgen sind davon naürlich zu unterscheiden. Aber es gibt halt immer eine Menge Leute, die ein Bedürfnis nach voller Identifikation mit dem (vermeintlich) „Guten“ haben und deshalb keine kritischen Einschränkungen vertragen können.
    Ansonsten: um „Putinversteher“ zu sein, genügt es m.E., sich die in der gegenwärtigen Phase realistischen Alternativen – sowohl im internationalen Rahmen als auch bzgl. der RF – vorzustellen. Man möge sich nur ausmalen, in Moskau säße so eine halbgare Führungsmannschaft wie in Washington oder Kiew oder Ankara.

    Dr. A.Wosni

  2. Von Prof. Franz Zebinger erhalte ich folgende Rückmeldung:

    Diese uralten Gefühle haben in der Geschichte zu schrecklichen Ereignissen geführt… und tun dies noch heute. Es ist ein gefährliches und fahrlässiges Zündeln mit dem Feuer, stammesgeschichtliche Emotionen dieser Art als Mittel politischer Strategie einzusetzen, wie es gerade wieder beliebt wird. Die Folgen können verheerend sein!

  3. Prof. Dr. Friedrich Romig – laut Wikipedia „Als christlich-konservativer Publizist … Bindeglied zwischen katholischen Fundamentalisten und rechtsextremistischen Kreisen“ schrieb – per Mail – folgenden Kommentar:

    Sehr geehrter Herr Jenner!

    Auch der Westen hat uns ja nicht befreit, sondern eine Niederlage
    beigebracht, von der sich Deutschland nicht mehr erholen, sondern nur noch „abschaffen“ konnte.
    Zweitens vergessen Sie das, was Ernst Nolte den „kausalen Nexus“ nennt. Heute nennt man das völkerrechtlich „preemptive action“.
    Und drittens sind Deutschland, Europa und der Westen dank
    „Reformation, Aufklärung und Religionskritik“, die unsere
    „demokratisch-freiheitliche Grundordnung“ hervorgebracht haben (Präsident Gauck, 1. Nov. 2016 zur Eröffnung des Lutherjahres) am Ende. Man lese dazu die Predigt von Cardinal Schönborn zu Maria Nam 2016! Wir haben unser christliches Erbe „verschleudert“ und sind jetzt wehrlos, weil wertlos geworden gegen Eroberung durch den Islam.

    Mit freundlichen Grüßen!

    F. Romig

  4. Von Franz Witsch kommt – per Mail – folgender Kommentar:

    Lieber Gero Jenner
    (und FreundeInnen des politischen Engagements),

    ich möchte auf Ihren Text (Mail siehe unten) antworten und diese Antwort zugleich über einen Bürgerbrief öffentlich machen:

    Was Sie sagen, ist richtig; große Gefühle sind leicht und bequem macht- und herrschaftspolitisch instrumentalisierbar. Leider sind die Menschen psychisch so disponiert – sie ticken im Gut-Böse- und Bestrafungs-Denken -, als dass man sie über ihre Fähigkeit, große Gefühle zu entfalten, nicht erfolgreicher erreichen würde als durch Vernunft, die uns sagen könnte: es nichts besser, vermutlich alles schlimmer mit militärischer Gewalt, Drohgebärden, noch dazu zwischen Supermächten. Es gibt zur Diplomatie und Verständigung zwischen den Ländern auf der Welt keine Alternative; es muss ohne militärische Gewalt gehen oder es könnte bald nichts mehr gehen…

  5. Von Herrn Alexander Dumas aus Hamburg erreichen mich – per Mail – folgende Zeilen:

    Als US Pressesprecher Spicer von „Holocaust Centers“ sprach, da jaulten die Kritiker laut auf vor Vergnügen und / oder Empörung über so viel Dämlichkeit. Fake fact!Fake fucking fact! Dabei hat der Depp lediglich Konzentration mit Center übersetzt, und Holocaust mit Vernichtung, was bei Einfachgestrickten durchaus nachzuvollziehen ist. Dass Holocaust aber vollständig verbrannt , holokaustos < das Verbrennen von Tieren als Opfergabe bedeutet und somit ein Telos, ein fait accompli, an accomplished, ultimate end, müsste zwar in USA, mit seiner hohen Anzahl von Juden, die das auch Shoah nennen, selbstverständlich sein, ist vielleicht noch eher eine Bildungs -Feinheit. Wenn jedoch Seine Herrlichkeit der Papst, wie heute in den Medien verlautet, formuliert: Flüchtlings-Lager seien Konzentrationslager, dann muss sich der Laie wundern über eine solche assertio falsum und der Fachmann vor Staunen am Scrotum kratzen. Das ist nämlich post-faktisch, wie ich besser, präziser formulieren würde : kontra -faktisch. Denn der Papst tut hier das gleiche wie Spicer (der Depp): Was ist ein Flüchtlingslager denn anderes als ein Ort der Konzentration von Flüchtlingen. Aber -bei all dem, was in den elenden, teilweise permanenten Flüchtlingslagern beklagenswertes geschehen mag- : Die ungeheure, böse Inhaltsschwere, für die der Begriff Konzentrationslager der Deutschen, das KZ, inhaltlich synonymisch steht, geht ja wohl ein bissi über die Zustände dort hinaus ( über Konzentrationslager in anderen Zeiten und Ländern spricht ja niemand mehr wegen des deutschen nec plus ultra- Superlativs). Das weiß der Pressesprecher des Stuhles Petri alles, und er sollte daher feinstofflicher, präziser formulieren: gewisse Flüchtlingslager haben leider einige / gewisse Merkmale (sic!) von Konzentrationslagern. Einschränkung, Papa! Oder arbeitet etwa der Papst, wie Trump, ebenfalls mit dem Instrument der hyperbole? Wenn diese Technik des "newspeak1984" weiter einreißen sollte, dann wird demnächst kein Schwein noch irgendwem, irgendwo, irgendetwas glauben! Faire ses preuves avec la langue ist ein köstliches, gerade weil auch zweideutiges, doppelsündiges (züngiges) bonmot. Aber Kunst kommt von können, oder? *und merke: wishy washy bedeutet mehr als Wischiwaschi. Alexander B. Guillaume Dumas Meine Replik:
    Kommentare, die mit dem Aufsatz offensichtlich nichts zu tun haben und beleidigende Äußerungen über Dritte (in diesem Fall den Papst) abgeben, werde ich in Zukunft nicht mehr veröffentlichen, auch wenn sie sachlich Richtiges enthalten. Ich sehe nicht, wie man mit sprachlichen Kapriolen und Unappetitlichkeiten (sich am Scrotum kratzen) das Denken ersetzen will. Schon gar nicht, wenn der Ton so arrogant ist und der Schulmeister von seinem hohen Ross dann doch gleich mit so simplen Fehlern wie „assertio falsum“ /sic!/ herunterpurzelt. GJ

  6. Von Herrn Ulrich Scharfenorth erhalte ich – per Mail – folgende Meldung:

    Hallo Gero Jenner, ich hasse diesen Glorifizierungs-Trend Putins auch. Aber wie kann man den Kampf der Russen gegen den Faschismus so relativieren. Ohne ihre 20 Millionen Toten hätten die Alliierten 2 Millionen Tote mehr oder wir den dauerhaften Faschismus erlebt. Ohne Putin würde Russland zerfallen. Da immer über Demokratiedefizite zu jammern, ist geschichtsfremd. Derzeit geht es um die Bestandswahrung des russischen Ländles. Die Bürgerbewegungen werden sich in den kommenden Jahrzehnten schon holen, was dem Bürger zukommt. Nach Zarismus und Kommunismus bereits heute eine menschenwürdige offene Gesellschaft zu erwarten, ist naiv. Die Amerikaner haben ein Jahrhundert dafür gebraucht, ein wenig Demokratie zu verbreiten. Und was herausgekommen ist, heißt Milton-Friedman-Kapitalismus für SuperReiche, heißt auf der anderen Seite allzu oft Versklavung durch Verdummung … 50% der Amerikaner glauben an die Schöpfung.
    Schöne Grüße aus Ratingen!
    Ulrich Scharfenorth

    Meine Replik: Es gehört für mich zu den ersten Aufgaben jedes kritischen Denkers, Lüge und Wahrheit zu unterscheiden, besonders, wenn sie von hochgestellten Persönlichkeiten stammen. Russland hat Europa nicht befreit – um diese Wahrheit geht es -, sondern hat es, wo das möglich war, weiterhin versklavt. Dass im Westen – und zwar besonders seit etwa zwei Jahrzehnten – ebenfalls auf erschreckende Weise gelogen wird, ist ein anderes Thema, das natürlich genauso viel Beachtung verdient.

  7. Von Herrn Ulrich Scharfenorth erhalte ich – per Mail – folgende Meldung:

    Hallo Gero Jenner, ich hasse diesen Glorifizierungs-Trend Putins auch. Aber wie kann man den Kampf der Russen gegen den Faschismus so relativieren. Ohne ihre 20 Millionen Toten hätten die Alliierten 2 Millionen Tote mehr oder wir den dauerhaften Faschismus erlebt. Ohne Putin würde Russland zerfallen. Da immer über Demokratiedefizite zu jammern, ist geschichtsfremd. Derzeit geht es um die Bestandswahrung des russischen Ländles. Die Bürgerbewegungen werden sich in den kommenden Jahrzehnten schon holen, was dem Bürger zukommt. Nach Zarismus und Kommunismus bereits heute eine menschenwürdige offene Gesellschaft zu erwarten, ist naiv. Die Amerikaner haben ein Jahrhundert dafür gebraucht, ein wenig Demokratie zu verbreiten. Und was herausgekommen ist, heißt Milton-Friedman-Kapitalismus für SuperReiche, heißt auf der anderen Seite allzu oft Versklavung durch Verdummung … 50% der Amerikaner glauben an die Schöpfung.
    Schöne Grüße aus Ratingen!
    Ulrich Scharfenorth

    Meine Replik: Es gehört für mich zu den ersten Aufgaben jedes kritischen Denkers, Lüge und Wahrheit zu unterscheiden, besonders, wenn sie von hochgestellten Persönlichkeiten stammen. Russland hat Europa nicht befreit – um diese Wahrheit geht es -, sondern hat es, wo das möglich war, weiterhin versklavt. Dass im Westen – und zwar besonders seit etwa zwei Jahrzehnten – ebenfalls auf erschreckende Weise gelogen wird, ist ein anderes Thema, das natürlich genauso viel Beachtung verdient.

  8. Hallo Herr Dr. Jenner,
    ich bin mal wieder voll mit Ihrer Analyse einverstanden! Aber – was ist zu tun?
    Ich meine, es wird höchste Zeit, dass sich die Menschen auf sich selbst besinnen, bereit sind, für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen und sich damit für ihre Selbstbestimmung einzusetzen. Das geht nur, wenn die den weltweit herrschenden Eliten anhängenden und sich wie im Westen als „aufgeklärt“ Betrachtenden endlich aus den Nischen ihre Privilegien herausbewegen. Das wiederum würde bedeuten, die herrschenden Monopole, wie Geld- und Zinsmonopol, Schul- und Wissenschaftsmonopole, Medizinmonopole bis zum Gewaltmonopol in Frage zu stellen und durch private Vereinigungen abzulösen, denen jeder mit Unterschrift beitreten kann.
    Und jeder der mir sagt, dass das so überhaupt nicht ginge, wird sich von mir Fragen lassen müssen, was er für ein Menschenbild hat. Das wurde uns nämlich mehr als 1.000 Jahre lang von den Christlichen Kirchen, den Feudalherren aller Art und jetzt abgelöst von den herrschenden Wissenschaften mit ihren Dogmen (immer ist der Mensch Schuld, so wie jetzt am Klimawandel) schlecht gemacht, um Herrschaft zu begründen, mit der vorgeblich die Bestie Mensch in Schach gehalten werden muss.
    Jürgen Behm

  9. Grüß Gott, sehr geehrter Herr Jenner, Danke für den Hinweis auf die „allgemeine Relativität“ (unsere Helden – eure Feinde … *grins* Ironie off). Höre ich mit heute Putins Rede von 2001 im Bundestag an und lasse dann Revue passieren, wie „unsere“ Politik darauf reagiert hat (Stichwort: „unser Werte“), kann mir nur schlecht werden.
    Noch schlechter wird mir von Hannah Arendt. Die Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft lese ich gerade. Sie beschreibt dort – meine Lesart – das was gestern war, heute ist und morgen sein wird.
    Aus der Geschichte lernen? „Die Geschichte lehrt, dass die Geschichte nichts lehrt!“ Es gibt immer ein tumbes Gemüt welches dazu steht „Man muss den Unsinn nur oft genug wiederholen, irgendwann wird’s dann doch gut!“ und genügend Volk das solchen Kreaturen nachläuft.
    Na denn!

    Was Sie persönlich betrifft: Weiter so – alles Gute und Gesundheit.

  10. Sehr geehrter Herr Jenner,
    von einer „Primatennatur“ zu lesen ist für mich normaler Weise schon der Grund, einen Artikel nicht zu studieren.
    Leider bestätigen Ihre Ausführungen über Putins Denkweise des Weiteren auch meine Hypothese, wenn Sie nicht nur in Stalin, sondern eben auch in Putin den „Wolf im Schafspelz“, also einen Dämon sehen müssen, was – wissenschaftlich beurteilt – „unterste Schublade“ von Hetze und Propaganda darstellt.
    Putin hat Russland nicht „versklavt“, was auch immer Sie darunter verstehen mögen und was Sie natürlich nicht begründen (werden), weil Sie es nicht begründen könnten.
    Dass Sie Putins Strategie nicht verstehen, ist nicht Putin, sondern Ihrem Hass auf die in Russland Herrschenden geschuldet, den Sie mir ebenfalls nicht erklären könnten, ist der doch grundlos.
    Jeder weiß, wenn er auch sonst nichts weiß, dass die russische Politik seit Errichtung der Sowjetunion einen defensiven Charakter besessen hat, insofern die nach 1945 unterworfenen Staaten (Ostblock) als Cordon Sanitaire gegenüber dem us-amerikanischen Imperialismus fungieren mussten.
    Während das Pentagon in der Zeit von 1945 bis heute in 120 Ländern mit mehr als 1.300 Militärstützpunkten dafür Sorge trägt, den von der privatwirtschaftlich beherrschten FED gedruckten Dollar als Leitwährung für die „Bezahlung“ von Rohstoffen und Konsumgütern durchzusetzen, während das Pentagon die Bundeswehr von einer Institution der Landesverteidigung zur Fremdenlegion dieses Imperiums umgebaut hat, während der Feind der Menschheit – eben jenes Imperium – im Nahen Osten und im ehemaligen sowjetischen Machtbereich – ein Land nach dem anderen unter seine Kontrolle bringt, ist Putin bestrebt , die dieser Politik zugrunde liegende Strategie von Zbigniew Brzezinski am entscheidenden Punkt – der Annexion der Potentiale Russlands – zu unterbinden. Und das ist mehr als verdienstvoll, muss dieser Widerstand doch mit wirtschaftlichen Sanktionen und miltärischen Aufrüstungszwängen teuer bezahlt werden.
    Da Sie keines meiner Argumente widerlegen können, würde ich mich freuen, wenn wenigstens Sie, Herr Jenner, die cochones bzw. die Fairness besäßen, diesen meinen Leserkommentar nicht zu unterdrücken.

    Replik: Sie haben Recht, dazu habe ich keine Argumente.

  11. Von Herrn Wolfgang Sternstein kommt – per Mail – die folgende Meldung:

    Lieber Gero Jenner,
    wie stets, ist Ihr Artikel klug und einleuchtend – und dann doch nicht ganz. Die Frage ist eben, ob es sich bei der Zweck-Mittel-Beziehung um eine Art „Naturgesetz“ handelt (ich nenne es in meinem neuen Buch ein „Sozialgesetz“, das wie ein Naturgesetz keine Ausnahme zulässt). Ich bin der Meinung, dass das so ist. Folglich kann ein guter Zweck nicht durch böse Mittel (z.B. Gewaltfreiheit nicht durch Gewalt, Gerechtigkeit nicht durch Ungerechtigkeit und Frieden nicht durch Krieg erreicht werden. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Sie kennen sicherlich den Römerspruch „Si vis pacem para bellum“. Das ist kompletter Unsinn. Das Gegenteil ist richtig. Es muss heißen „Si vis pacem para pacem“. Wenn du Frieden willst bereite den Frieden vor. Darüber mehr in meinem neuen Buch, das im Selbstverlag erscheinen wird, weil ich trotz einer halbjährigen Suche keinen Verlag dafür finden konnte. Es wird mir ein Vergnügen sein, Ihnen demnächst ein Exemplar zukommen zu lassen.
    Mit herzlichem Gruß
    Wolfgang Sternstein

    Replik: Ich wünschte ich könnte Ihnen da beipflichten, denn Sie sagen etwas, was leider überhaupt nicht selbstverständlich ist. Max Weber bezeichnete den Stadt als den Monopolisten legitimer Gewalt. Wenn es kein Chaos gibt, wo jeder das Eigentum oder selbst das Leben seiner Nachbarn gefährdet, dann genau deswegen, weil die Gewalt des Staates im Hintergrund droht, aber nicht weil der Staat die Bürger auf Knien bittet, doch friedlich zu sein. Natürlich nützt Gewalt allein nichts – deswegen gehen Staaten ja auch immer wieder zugrunde, aber ohne die Drohung mit Gewalt ist eben auch kein Frieden möglich. Insofern stimmen eben beide Sprichwörter: „Si vis pacem para bellum“ ebenso wie „Si vis pacem para pacem“. Wir sollten uns hüten, aus lauter Edelmut unser Wunschdenken mit der Wirklichkeit zu verwechseln! GJ

  12. Von Herrn Dr. Karl Pitz erhielt ich – per Mail – folgende Mitteilung:

    ich habe Ihnen schon öfters eine +1 gegeben.

    Hierzu:
    „Wenn das gegenüber Gorbatschow mündlich abgegebene Versprechen, die NATO nicht weiter nach Osten auszudehnen, so schnell gebrochen wurde, dann aus der immerhin verständlichen Angst des östlichen Europa, neuerlich unter die Knute ihrer „Befreier“ zu geraten“
    gibt’s eine -1
    🙁

  13. Von Herrn Dr. Kendel, Architekt in Berlin, erhalte ich die folgende Nachricht:

    Sehr geehrter Herr Dr. Jenner,

    ich lese Ihre Beiträge, auch die in der Humanen Wirtschaft immer sehr gerne.
    Beim Lesen Ihres Beitrag über Putin habe ich mir gedacht, ob Sie nicht auch einmal über die ungeheuerlichen Verbrechen der von der Hochfinanz beeinflussten Regierungen der USA in den letzten Jahrzehnten schreiben: Die von der UNO nie abgesegneten Kriege in Jugoslawien, 9.11, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, und und und. Angesichts dieser völkerrechtlichen Schandtaten kann man gut verstehen, dass Putin von dem Teil der Bevölkerung, die die Geschehnisse in der Welt beobachten, hohe Anerkennung geniest.

    Mit freundlichen Grüßen
    Prof. Hermann Kendel
    Berlin

    Meine Replik:

    Sehr geehrter Herr Dr. Kendel,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich glaube, dass die Fehler der einen Seite nicht gegen die der anderen aufgerechnet werden sollten. Außerdem neige ich dazu, „antizyklisch“ vorzugehen. In Intellektuellenkreisen gehört es mittlerweile zum guten Ton, die Dummheiten der Amerikaner aufzuzählen, die zum Teil auch Verbrechen sind.Ich wollte zeigen, dass derjenige, der dazu am wenigsten qualifiziert ist, Wladimir Putin heißt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gero Jenner

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