Egon Friedell – die hohe Kunst, die Toten ins Leben zurückzurufen

Lange muss man suchen, um in der heutigen Sachbuchliteratur einen Autor zu finden, der ihm in der Brillanz des Stils, der Tiefe der Reflexion und dem Umfang der Bildung auch nur entfernt nahe kommt. Die Rede ist von jenem Mann, der in Wien aus dem Fenster des dritten Stocks in der Gentzstraße sprang, als er 1938 die Nazischergen an die Tür klopfen hörte. Noch im Augenblick des bevorstehenden Todes hat er auf seine Art den Wiener Charme definiert, denn während seines Sprungs rief der massige Mann den Leuten auf der Straße noch ein „Achtung!“ zu. Egon Friedell – die hohe Kunst, die Toten ins Leben zurückzurufen weiterlesen

Ja oder nein – lernt der Mensch aus der Geschichte?

Die Frage ist umstritten und scheint doch eine schnelle Antwort zu gewähren: Bei oberflächlicher Betrachtung ist der Mensch das aus der Geschichte lernende Wesen schlechthin. Wer sich die Finger am Feuer verbrennt, hält sie gewiss nicht zum zweiten Mal in eine Flamme. Wer den Samen aufgehen sieht, nachdem er ihn in die Erde säte, hat die Grundzüge der neolithischen Revolution begriffen und damit den Grundstein für jenen gewaltigen Bau des kumulativen Wissens gelegt, der nur in einer Gesellschaft des Lernens entstehen konnte, wo sich das begrenzte Wissen einzelner Individuen zu kollektivem Wissen in Raum und Zeit addiert. Nur aus Erfahrung wird der Mensch klug; die Geschichte, aus der er Erfahrung schöpft, bildet die Grundlage aller Erkenntnis und allen Fortschritts. Ja oder nein – lernt der Mensch aus der Geschichte? weiterlesen

Multikulti – ein gefährliches Ideal. Wie die Wohlmeinenden den Staat ruinieren

(auch erschienen in: Tichys Einblick und Forum Freie Gesellschaft)

Eine Wiener Philosophin hat kürzlich im österreichischen Rundfunk mit einem Text von großer sprachlicher Eindringlichkeit für die pluralistische Gesellschaft geworben. Nicht im Kampf der Kulturen, wie Huntington ihn beschwor, liege die eigentliche Bedrohung, sondern im Kampf aller Fundamentalisten gleich welcher Religion und Ideologie gegen die multikulturelle Gesellschaft. Deren Vielfalt sei das einzig positive Ideal unserer Zeit, nicht Homogeneität wie von den Fundamentalisten erstrebt. Multikulti – ein gefährliches Ideal. Wie die Wohlmeinenden den Staat ruinieren weiterlesen

Zeit der Gesinnungsschnüffler

(auch erschienen in: Zeitschrift "Humane Wirtschaft" und Tichys Einblick)

Es gibt verschiedene Arten einander zu grüßen: Man kann beim Kopf beginnen und mit Argumenten oder sich gegenseitig beschnüffeln, wie es unter unseren vierbeinigen Freunde die Regel ist, nämlich vom Schwanze her. Dann stellt man, noch bevor man überhaupt wissen will, was der andere zu sagen hat, erst einmal fest, ob er links sei oder rechts, ob religiös oder ungläubig, ob hetero oder homo, ob liberal oder autoritär. Zeit der Gesinnungsschnüffler weiterlesen

Traum, Spiel und Esoterik – ein Versuch über den Homo somnians

A state of scepticism and suspense may amuse a few inquisitive minds. But the practice of superstition is so congenial to the multitude, that if they are forcibly awakened, they still regret the loss of their pleasing vision. Edward Gibbon

Im unserem wachen Leben sind wir Bäcker, Physiotherapeuten, Chirurgen, Wirtschaftsanalysten, Banker, Gauner oder Informatiker – kurz, wir sind da auf eine manchmal recht enge Funktion zusammengepresst. Doch in Schlaf und Traum wird jeder zum ganzen Menschen. Traum, Spiel und Esoterik – ein Versuch über den Homo somnians weiterlesen

Flucht aus der Freiheit

Seit Beginn seiner Geschichte hat sich der Mensch an zwei Arten des Wissens orientiert. Das eine lehrte ihn, sich in der Natur zurechtzufinden. Immer tiefer in deren Regelmäßigkeiten eindringend, fasste er dieses Wissen unter dem Namen der „Naturgesetze“ zusammen. Das Gesetzeswissen hat in den Naturwissenschaften und der auf ihnen beruhenden Technik seit Mitte des 18. Jahrhunderts einen Aufschwung genommen, der zu einer grundlegenden Umgestaltung der menschlichen Umwelt führte. Zum ersten Mal in seiner Geschichte lebt der Mensch in einer weitgehend von ihm selbst nach eigenen Bedürfnissen geschaffenen Welt. Diese historisch einmalige Einwirkung auf die äußere Natur wäre ohne die Kenntnis der in ihr herrschenden Gesetzmäßigkeiten nicht denkbar. Flucht aus der Freiheit weiterlesen

Wozu ist Wissen gut?

(auch erschienen in: "scharf-links")

Manchmal lohnt es sich, scheinbar dumme Fragen zu stellen, solche, von denen jeder meint, er könne die passende Antwort auf Anhieb aus seinem Ärmel schütteln. Ganz gewiss gehört die im Titel genannte Frage zu dieser Kategorie, die Frage „Wozu ist Wissen gut.“ Wozu ist Wissen gut? weiterlesen