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Der ungläubige Professor - Fortsetzung

Jenner (14.3.2009):

 Der von Herrn Kaminski erhobene Vorwurf mangelnder Sachlichkeit ist  auch mir gegenüber nicht völlig unberechtigt, da ich auf die Argumente von Herrn Prof. Walther nicht immer geantwortet habe. Davon habe ich dort abgesehen, wo Herr Walther sich mit Sekundärquellen befasst – was leider durchgehend der Fall ist, obwohl die Wissenschaft ein solches Vorgehen eher verpönt. Primär sind die Quellen der Deutschen Bundesbank (veröffentlicht in den Monatsberichten), wenn es um die Zinsflüsse in Deutschland geht. Die OECD kann sich auch nur auf diese Angaben stützen.
Herr Prof. Walther seinerseits geht grundsätzlich nicht auf Argumente der Gegenseite ein - eine Haltung, die zwar in der Politik durchaus üblich unter Wissenschaftlern jedoch eher ungewöhnlich ist. So wurde etwa die Existenz von Interbankzinsen in der Diskussion von niemandem geleugnet. Ich habe Helmut Creutz zitiert, der für die letzten Jahren sogar einen Anteil des Interbankenzinses von bis zu 40% für möglich hält.

 

„»Dass man die bankinternen Kreditvergaben (die im Schnitt der letzten 20 Jahre bei einem guten Drittel der gesamten Bankkredite lagen) bei den Bankzinserträgen und -aufwendungen berücksichtigen d. h. abziehen muss, ist richtig…“

 

Herr Prof. Walther geht darüber einfach hinweg, tut dann aber merkwürdigerweise so, als würde er dem Leser eine besondere Entdeckung bieten, indem er ihn anhand dänischer Zahlen auf die Existenz des Interbankzinses aufmerksam macht. Ebenso wenig glaubt Herr Walther darauf eingehen zu müssen, dass Herr Prof. Gahrmann eine höchst interessante und jedenfalls ganz andersartige Berechnung für die Summe leistungsloser Vermögen vorschlägt. Diese Gleichgültigkeit gegen die Argumente der Gegenseite muss den Eindruck erwecken, dass wissenschaftliche Dis-kussion hier auf eine bisher unbekannte Weise verstanden wird, nämlich als äußerste Resistenz gegen alles, was an Fakten und Gedanken von anderer Seite kommt. Der unbefangene Leser schöpft sogar den Verdacht, dass es Herrn Prof. Walther im Grunde ein Anliegen ist, leistungslose Einkommen überhaupt wegzudeuten - bei einem Mitglied des linken Wiener Wirtschaftskreises immerhin ein seltsames Bemühen!

Doch zurück zu der von Herrn Kaminski geforderten Sachlichkeit und zum Interbankenzins. Davon war bei mir schon seit Beginn der Diskussion unter http://www.gerojenner.com/UserFiles/Image/Jenner/Zinsflussvonuntennachoben.pdf) die Rede:

Manche ziehen die Beweiskraft dieser Zahlen mit dem Einwand in Zweifel, dass die gesamten Zinserträge der Banken, die sich 2007 auf 419 Mrd. Euro belaufen, auch die Interbankzinsen einschließen – möglicherweise ein Posten, der bis zu 30% des gesamten Zinsertrags ausmache.
Dem steht entgegen, dass das gesamte Schuldenvolumen des Jahres 2007 in Höhe von 7.583 Mrd. Euro (private Haushalte: 1.547, Unternehmen: 4.447, Staat: 1.589) in Relation zu den Zinserträgen einen Zinssatz von 5,5% ergibt. Das ist ein ziemlich geringer Satz, wenn man die Zinszahlungen des Staates betrachtet. Diese werden mit 66 Mrd. Euro für einen Schuldenbetrag in Höhe von 1.589 Mrd. Euro statistisch gesondert aufgeführt. Daraus ergibt sich ein Durchschnittssatz von 4,2%. Da der Staat als bester Schuldner gilt und daher die niedrigsten Zinsen zahlt, müssen die sonst zu entrichtenden Zinsen auf jeden Fall höher liegen. Nach Abzug der 66 Mrd. Zinsen und der Staatsschuld von 1.589 Mrd. Euro bleiben für Unternehmen und Privathaushalte noch Schulden von 5.994 Mrd und eine Zinslast von 353 Mrd. Euro übrig. Das ergibt einen Durchschnittssatz von 5,89%. Diese Querrechnung weist darauf hin, dass sich in den 419 Mrd. Euro kaum größere Fremdkörper (Interbankenzinsen etc.) verstecken lassen...

Herr Prof. Walther möge uns doch für diesen ganz konkreten Fall (und nicht für Dänemark) einmal verraten, in welchem Umfang er für das Jahr 2007 den Interbankzins noch unterbringen will!

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